Hatha-Yoga

    Obwohl Yoga eine Bildung von evidenten Kontakten auf der Mentalebene des Bewusstseins bedeutet, ist der Hatha-Yoga eine Disziplin, die Voraussetzungen zu diesen evidenten Kontakten durch physiologische Bedingungen bildet. Im Hatha-Yoga soll erreicht werden, daß durch symbolische Körperpositionen die Drücke auf bestimmte psychisch-neurologische Zentren ausgeübt werden, in denen man gefesselte Energien voraussetzt. Durch diese Drücke werden die Energien frei. Symbolische Körperpositionen sollen dann darüber hinaus bewirken, daß diese Energie als eine Trägerin vom persönlichen Bewusstsein den selbst-bewussten Menschen zur Verbindung mit essentiellen Grundstoffen des Kosmos auf der Ebene seines empirischen Bewusstseins bringt.

    Die symbolischen Körperstellungen bei Übungen vom Hatha-Yoga bedeuten daher die Bedingungen, durch die erstens der Körper und zweitens die strömende Lebenskraft harmonisiert wird und drittens das Bewusstsein in Zustand der Befreiung gesetzt wird.

    Falls uns nicht eben die Befreiung des Bewusstseins von komprimierenden und die Gesundheitsstörungen hervorrufenden Kontakten interessiert, können gewiss unsere Aufmerksamkeit weitere Ergebnisse erwecken, die unabhängig von den Bewusstseinstendenzen den Körper und seine weiteren Faktoren harmonisieren, die Gesundheit bestärken oder schwächen. Das ist jedoch eine Frage, die unabhängig von besonderen Bedingungen ist, die im Hatha-Yoga eine maßgebende Rolle spielen. Aber auch zum allgemeinen Einfluss vom hatha-yogischen Übungen auf die Gesundheit kann man sagen, die sämtlichen Positionen, Atemübungen und andere Arbeiten wirken immer wohl auf die Gesundheit, wenn man die Grundregeln vom Hatha-Yoga beachtet.

    Diese Grundprinzipien sind: ruhiges Gemüt und die Gefühlsunaufregbarkeit, die Übung von Positionen in höchstmöglicher Seelenruhe, stille und gleichmäßige Ein- und Ausatmung, bei deren die Lunge dermaßen gefüllt wird, so daß es zu keiner Überspannung kommt, damit aber die Grenze von normalem Lungefüllen überschritten wird. Unter diesen Umständen erhaltene Gefühls- und Gedankenunaufregbarkeit wird einen sehr wohltuenden Einfluss auf die Gesundheit haben.

    Im Hatha-Yoga arbeitet man an der Erreichung von gewollten Ergebnissen sehr planmäßig. Da es jedoch keine guten und wahren Lehrer vom Hatha-Yoga gibt - insbesondere in Westländern, kann man mit keinem schulsicheren Ergebnis zählen. Die Übungen nach Anweisungen vom Hatha-Yoga, die man unter eben genannten Bedingungen durchführt, werden die segensreiche Wirkung auf die Gesundheit sozusagen zufällig ausüben, aber auch hier kann man mit einer großen Sicherheit rechnen, daß es so geschieht.

    Bei Übung nach den Richtlinien vom Hatha-Yoga unter erfahrenes Gurus Führung werden solche Körperstellungen gewählt, die sofort die in den Organen gefesselte Lebensenergie verfügbar machen. Da es dabei eine gewisse Disziplin im Denken vorgeschrieben wird, kann diese freigewordene Energie nicht verzettelt werden. Unter diesen Umständen beginnt sie im Körper gewissermaßen zu zirkulieren, wobei sie energisch und mit großem Druck die sämtlichen Körperfunktionen harmonisiert.

    Der Hatha-Yogi, der unter Führung eines erfahrenen Lehrers arbeitet, nötigt die Lebensenergie im Körper derart umzulaufen, daß sie aus dem Körper ein elektromagnetisches Feld macht, in dem es zu keinen Funktionsstörungen kommen kann. Und auf diese Weise umlaufende Kraft erhöht auch die psychische Potenz des Yogis; dann kräftigt die geistige Kraft den Körper, und die im Körper verschlossene und zirkulierende Kraft stärkt das Potential, so daß es durch die Übung vom Hatha-Yoga beiderseitiges Wohl erreicht wird.

    Wird die aus den Organen freigewordene Lebenskraft gezwungen im Körper genügend lange Zeit umzulaufen, ohne daß der Yogi sich zur nochmaligen Anknüpfung von Beziehungen mit der Sinneswelt hinreißen lässt – und davor warnt man am Anfang der hatha-yogischen Übung sehr nachdrücklich – wird diese Kraft als eine bereits transformierte Kraft verspürt. Diese verleiht den Yogis höhere Lebenserfahrungen, indem sie ihr Bewusstsein in die superphysischen Bereiche erhebt. Der Yogi, der diese Stufe erreicht hat, gewinnt so intensive Wahrnehmungskraft, daß er auch das sieht, was den anderen Leuten unsichtbar bleibt. Schrittweise entwickeln sich bei ihm auch weitere Sinne, so daß er - noch bevor er die physische Transformation erreicht - das Bewusstsein in die Bereiche verschiebt, die höher liegen als das Niveau, das man durch übliche Wahrnehmungsfähigkeit erreichen kann. Und zu alledem kommt es, ohne daß sich die qualitative Plattform von Wahrnehmungen und Impressionen ändert. Daraus deduziert dann der Yogi, die unsichtbare Welt, deren Existenz nur deshalb abgelehnt wird, weil sie sich den Wahrnehmungsfähigkeiten der normalen Menschen entzieht, sei eine ebenso reale Welt wie die materielle. Nur liegt sie höher als die Wahrnehmungsbasis der menschlichen Sinne.