Das Problem der Nahrung

    In mechanischem physikalischem Geschehen der Wesenskörper scheint das ganze Ernährungsproblem durch spontane Assimilation von festen Stoffen gelöst zu werden, die dem Körper zu Nahrung dienen, und außerdem auch durch die Absorption von Luftkomponenten. Das ist jedoch nur die grobe Ernährung, die nie zur Erhaltung von sämtlichen Lebensmanifestationen im Körper genügen kann. Nichtsdestoweniger scheint das ganze Problem der Ernährung nur durch diesen Prozess gelöst zu werden, denn es sind nicht alle weiteren Faktoren bekannt, die zu Ernährung der Geschöpfe dienen. Wer jedoch erfolgreich die Konzentrationen gemäß den genauen Anweisungen vom Yoga durchführt, erkennt bald, daß er durch die Konzentration solche Kräfte erlangt, die er nie erwerben würde, wenn er sich nicht nach yogischen Richtlinien richten würde.

    Wenn wir daher den normalen Ernährungsprozess dahingestellt lassen, und die Aufmerksamkeit den Wirkungen der Manipulationen mit Bewusstseinszuständen widmen, machen wir sehr bald ausfindig, daß wir durch gewisse Bewusstseinszustände viele bestimmte belebende Stoffe absorbieren. Ihre subtile Qualität belästigt den Körper mit keinem Gefühl von Sättigung, aber die Wirkung kann man eindeutig feststellen: in der Erhöhung der Vitalität, in der Geisteskraft, in der Fähigkeit den Willen zu richten usw. . . Durch diese Erkennung können wir eine Trennungslinie zwischen die zwei Ernährungsarten der setzen, nämlich die stoffliche und parapsychologische Ernährung.

    Ich sagte schon, daß die Stoffumwandlung der Nahrung auch psychologische Faktoren ausgestaltet. Das bedeutet allerdings nicht, daß diese Faktoren sich in der Funktion ausschließlich mit Hilfe von chemischen Prozessen erhalten können, mit denen die groben Stoffe unserer üblichen Nahrung verarbeitet werden. Im Yoga erkennt der Mensch nämlich, daß ein großer Teil der Ernährung, die dem Körper die zartesten Stoffe liefert, durch entsprechende Bewusstseinszustände entsteht, d.h. durch eine Aktion, die zu den Kontakten vom Selbst-Bewusstsein mit kosmischen Stoffen führt, die gleiche oder wenigstens ähnliche Natur haben.

    Durch den Bewusstseinsvorgang vergegenwärtigt sich der Mensch im Bewusstsein die essentiellen kosmischen Stoffe. Diese Stoffe werden durch die Existenz vom Ich als einem Bewusstseinszustand in vom Ich zentralisiertes Vibrationsfeld geleitet, das eine Geisteswesenheit des Menschen ist, und diese Wesenheit verarbeitet schon die erwähnten, durch das Bewusstsein gefesselten Stoffe mechanisch.

    Die geistige Natur der essentiellen Komponente, die bisher die kosmische Kraft darstellt, kann ihre Beschaffenheit nicht weiter beibehalten. Sobald sie von der Kraft des Bewusstseins gefesselt und von der Gravitationskraft des Ichs gerissen ist, nimmt sie qualitativ so weit ab, daß sie ein geistiger Faktor wird. Dieser Faktor kann nicht mehr vom Körper absorbiert werden, weil er der Lebenskraft ähnlich ist, deren Beziehung zum Körper im gleichen Verhältnis steht wie die Beziehung des physischen Gefühls zum Bewusstsein.

    Von diesem Gesichtspunkt ist das Problem der Ernährung ein Problem von Reaktionen, von denen wir denken können, sie ermöglichen den Organen in kritischen Zuständen qualitativ ihnen einigermaßen fremde Stoffe zu absorbieren. Aber eben die Aktionen vom Selbst-Bewusstsein auf der physischen Ebene ermöglicht diese Absorptionen, und je mehr und fließender man weiß sich auf dem physischen Niveau zu vergegenwärtigen, desto mehr Nährstoffe höherer Art er seinem Körper besorgen kann. Dann wird endlich Erleichterung auch dem Körper gebracht, der trotz relativ vollkommene Vorrichtung zur Stoffumwandlung doch nur diejenigen Stoffe nicht erzeugen kann, die dem Menschen geistige Lebhaftigkeit und Erleuchtung erteilen.

    Hiermit möchte ich sagen, daß der Mensch, der durch die adäquaten Kontakte vom Bewusstsein die Nährstoffe für die Vitalität nicht erwerben kann, mag das Bewusstsein und die Erkennungskraft nur schlaffer haben als der Yogi, der durch richtige bewusste Kontakte diese Stoffe gewinnen kann. Und nebstdem gelangen wir damit zur Problematik von Erniedrigung der Abhängigkeit des bewussten Lebens vom Körper, denn das Leben ist eine Erscheinung, die weit beweglicherer Art ist, als welche ein beliebiger Körperorgan aufweisen kann.

    Die Natur vom Leben ist superphysisch. Deshalb bedeutet seine Verschwindung nach dem physischen Tod überhaupt kein Ende der Existenz. Das Leben hat sich nicht verduftet, nur die Binden zwischen dem Leben und dem Körper wurden unterbrochen. Das erkannten die Yogis gut, und darum macht sich der Yoga zur Aufgabe nichts kleineres als das Leben vom Körper unabhängig zu machen, und zwar früher, als es zum physischen Tode kommt. Die Erkenntnisse der Yogis, das Bewusstsein könne als eine Stütze auch etwas anderes als eben den Körper haben, auf den ihr Bewusstsein bisher gebunden ist, bestätigen deutlich diese Idee vom Yoga.

    Eben die Stützen für das Bewusstsein sind die Bedingung der gesamten Tragödie oder des großen Glücks im Verhältnis zum Tode. Wenn man infolge der von Geburt ihm erteilten Überzeugungen seinen Körper zu einem Netz gewählt hat, in dem er leben wird, muss er sich mit empirischen Erscheinungen abfinden als mit Tatsachen, die für ihn äußerst sind. Aber viele Menschen trachten weiter zu gelangen. In dem Falle wird ihnen als Netz das Endlose in Zeit und Äußerungen leisten; hiermit befreien sie allerdings ihr Bewusstsein über kurz oder lang von der empirischen Wirklichkeit, und deshalb werden sie auch ohne den Körper leben können. Was liegt daran, daß man einstens feststellen kann, daß das Leben in ihren Körpern nicht mehr anwesend ist? Falls sich das persönliche Bewusstsein überhaupt in einem bestimmten Netz äußern kann, dessen Fäden dafür eine Stütze bilden, so erzeugt man für sich durch die prämortale Disziplin ein superphysisches Netz, das für sein Leben ebenso geeignet sein kann, wie es als ein geeignetes Netz der Körper scheint. In dem Falle ist das allerdings eine subjektive Angelegenheit, aber es scheint nicht, daß demjenigen, der auf das kleine Netz, bezeichnet als „Körper“ vergessen hat, und bereits im Netz, bezeichnet mit dem Wort „Kosmos“, zu leben begann, daran liegen wird, daß der physische Tod sein objektives Ende bezeichnet.

    Das Ernährungsproblem ist daher in erster Reihe ein Problem von Kontakten. Entweder von Kontakten der physischen Organen mit Feststoffen, die als Nahrung dienen, oder von der Vergegenwärtigungskraft mit kosmischen Essenzen. Und obwohl die Kontakte physischer Organen mit festen Stoffen erstrangig scheinen, doch nur weiß ich aus Erfahrung, daß sie sekundär sind. Ohne das Bewusstsein kann nämlich nichts existieren, was man mit dem Wort „lebendes Wesen“ bezeichnen könnte. Und ob es schon so kam, daß der Mensch sich mit dem Bewusstsein als mit zweirangiger Existenz zufrieden stellt, ist das doch nur eine Sache von seiner Wahl oder Geschmack, Schwachheit und Unwissenheit. Das wird offenkundig eben in yogischer Praxis. Obwohl der Yoga mit der Vergegenwärtigung des Körpers im Bewusstsein beginnt, wird doch nur dieser Sachverhalt später natürlich, und dann tritt die nächste, lange Etappe von Disziplin ein, die man Manipulation mit den Bewusstseinszuständen nennt. Es ist solch eine Disziplin, die einem die Erfahrung spendet, daß die Möglichkeiten vom Bewusstsein außerhalb dem Körper unerschöpflich sind.

    Was liegt dabei an der objektiven Realität? Sie ist ja gleichsam relativ wie das, was wir mit dem Wort subjektiv bezeichnen, das Subjektive, das immer und endgültig die Frage der ganzen Wirklichkeit überhaupt entscheidet. Von diesem Standpunkt muss ich die objektive Realität nur für eine bedingt ausschlaggebende Wirklichkeit halten, und jeder Mensch sollte dafür sorgen, daß er schon aufhört, davon Herrn Gott zu machen, und beginnt vom unpersönlichen Gesichtspunkt zu betrachten und das sämtliche Geschehen zu untersuchen, dessen Opfer er ist. Nur unter diesen Umständen erkennt er, daß die objektive Wirklichkeit nur ein kleiner Bestandteil der Universalwirklichkeit ist, die auf die künftige Entdeckung wartet. Und die Wissenschaftler, gefangen ins Netz von Vorurteilen, streiten um die scheinbare Wahrheit, die durch technische Hilfsmittel festgestellt wird!