Steuerung und Wirkungen von Essenzen

    Die yogische Bemühung fängt nicht mit Manipulationen mit den Bewusstseinszuständen an. Der Anfänger, der gewohnt ist seine Aufmerksamkeit auf etwas äußerliches zu heften, kann auch im Yoga mit planmäßigem und gewolltem Heften der Aufmerksamkeit auf eigenen Körper beginnen, eventuell auf innere Sachen, jedoch zum Unterschiede von äußeren, ihn fesselnden Momenten. Es liegt daher an der Wahl vom Gegenstand, auf welchen der Anfänger im Yoga seine Achtsamkeit richten soll.

    Vom psychologischen Standpunkt kann nicht gut genug ein anderes Objekt gewählt werden als etwas eigenes. Ein jeder Außengegenstand kann die Lüste reizen, deshalb werden die Außenobjekte ausgeschlossen. Nur der eigene Menschenkörper ist ein Gegenstand, der nichts so interessantes bieten kann, so daß es damit die Gier erregt würde. Und so ist der Körper das beste und passendste Objekt, das dem Menschen auf dem Wege vom Yoga eine Stütze leisten kann. Der yogische Weg ist in erster Phase ein Weg zur seelischen Harmonie und Seelenstabilisierung.

    Soll es also in erster Phase um die Aufmerksamkeitsfesselung gehen, damit die Flatterhaftigkeit unterdrückt wird, geht es nicht nur um einen einfachen Akt der Betrachtung. Die Achtsamkeit übender Mensch kann eventuell feststellen, daß durch den Betrachtungsakt er zum beobachtenden Gegenstand seine Geisteskraft wirft; diese Feststellung beruht auf der Wirklichkeit.

    Wer die Betrachtung übt und dabei die Intensität der Achtsamkeit steigert, wirft tatsächlich die essentielle Lebenskraft darauf, was er konzentriert betrachtet. Wenn der beobachtete Gegenstand sein eigener Körper ist, wird dann diese Kraft eben auf den Körper geworfen. Und dieser wird dann von der essentiellen Kraft wortgetreu überhäuft, so daß es dann nur an ihrer Qualität liegt - angegeben eigentlich durch die Wirkungen und Reaktionen vom Denken - wie ihr charakteristischer Einfluss wird.

    Es ist gesetzmäßig, daß ein seelisch nicht ausgeglichener Mensch bei eventueller Konzentration auf seinen Körper erregte Vibrationen essentieller Kraft wirft. Darum wurde für diejenigen, die den Yoga üben, dem dieser Namen geziemt, festgelegt, daß sie sich seelisch ausgleichen. Das bedeutet, daß derjenige, der zwecks der Erlangung der Ziele vom Yoga üben will, sich unerlässlich seelisch so ausgleichen muss, damit er durch die konzentrierte Achtsamkeit in den Körper harmonische Vibrationen wirft; nur solche können auf die Gesundheit wohl wirken.

    Eben seelisch ausgeglichener Yogi, der nicht so weit gelangte, damit er seelisch permanent an die Wandlung hervorrufende Qualität geheftet wird, muss unvermeidlich beachten, daß er auf den beobachteten Gegenstand günstig einwirkt, weil diese Reaktionen später in seinem natürlichen seelischen und somit auch körperlichen Zustand erscheinen. Das heißt, daß die yogische Anstrengung eine Verstärkung von natürlichen Einflüssen der Stimmungen bedeutet, und daß man aus diesem Grunde für die innerliche Ausgeglichenheit sorgen muss.

    Wer sich daher konzentriert, wirft die essentielle Kraft, die das Denken ist benützt, zum Objekt seiner Betrachtung. Und je nach dem Zustand der Stimmung übt diese Kraft entweder günstige oder ungünstige Wirkung aus, und zwar sowohl in der Geistesverfassung selbst, als auch im Gegenstand, der von dieser Kraft getroffen wird. Mit anderen Worten: durch die Stärkung von Ausstrahlung dieser Kraft kann man die innerliche Erregung erstärken, womit ein unerfreulicher Geisteszustand hervorgerufen wird, ebenso wie der Körper erregt werden kann, wenn wir darauf mit erregtem, sich sammelndem Gemüt einwirken werden.

    Will daher jemand gewollte Wirkungen erreichen, muss er in erster Reihe danach streben, sich innerlich auszugleichen, und erst dann kann er voraussetzen, daß er mit seiner Bemühung um die Konzentration auch seinen Körper günstig beeinflussen wird. Das sind technische Bedingungen von Einflüssen der Konzentration auf die Gesundheit.

    Die gesamte niedrigere Phase vom Yoga ist derart vorzustellen, daß man durch die Konzentration die Essenzen als Material auf das Konzentrationsobjekt wirft; dieses Material überflutet das Konzentrationsobjekt und je nach seiner Art erteilt es ihm harmonisierende oder störende Kräfte oder Vibrationen. Der Konzentrationsgegenstand reagiert auf sie derart, daß sein Grundcharakter eine sowohl Gefühls- als auch Strukturaländerung durchmachen wird. Das wäre schließlich sehr leichtfasslich, wenn es um eine durch Physikalgeräte aufnehmbare Kraft ginge.

    Vom subjektiven Gesichtspunkt liegt es jedoch nicht daran, ob diese Kraft von physikalischer Hinsicht bekannt oder unbekannt ist. Als Fakt bleibt hier, daß die ausreichende Konzentrationsintensität dem Menschen immer gleiche Erfahrung bietet. Aus den Gefühlszuständen kann er nämlich konstatieren, es komme durch die Konzentration zum „Überfluten“ des Konzentrationsobjekts mit der Kraft, deren Qualität man nach den direkten Wirkungen und Reaktionen auf eigenem Leibe erkennt.

    Diese Erfahrung führt zum Erkennen weiterer Voraussetzungen, die sich aus der energetischen Wirkung dieser Art von „natürlicher Strahlung“ ergeben. Der Mensch, bewusst dieser Tatsache, erkennt deutlich, daß der „Fluss“ des psychologischen Materials, beschleunigt mit der Konzentration - das ich essentielle Kraft nenne, der man sich eben mit seinem Bewusstsein bemächtigen kann - ein wirksames Agens darstellt, von dem man ein üblicherweise unbegreifliches Ergebnis erwartet, nämlich eine Transformation vom Material, das ein Objekt für zielbewusste Betrachtung und Konzentration des Menschen worden ist. Und hierdurch sind wir zum Einfluss vom Yoga auf die Gesundheit gelangt. Der Mensch, der die Bedeutung der Konzentration vom Gesichtspunkt der psychologischen Strahlung des Stroms psychologischer Energien zum Konzentrationsobjekt begriffen hat, beginnt schon mit der essentiellen Energie richtig hauszuhalten. Er wird daher in seelischen Frieden und Ruhe an seinen Körper denken, als ein Mensch, der sich ihn ganz zielbewusst im Bewusstsein vergegenwärtigen will. Und wenn es jemandem wirklich gelingt sich seinen Körper vollkommen im Bewusstsein zu vergegenwärtigen, wird er auf ihn mit einer harmonisierenden Kraft einwirken, die aus ihm schrittweise alle Funktionsungleichheiten absondert, und hiermit auch die Störungen, die sich durch die Gesundheitsindispositionen bemerkbar machen.

    Die Funktionsharmonisierung des Körpers ist daher ein nebensächliches aber selbsttretendes Ergebnis der Anstrengung um die Erlangung vom Yoga. Es liegt nur an dem Menschen, ob er begreift, daß dies die erste Stufe der universalen physischen Genesung ist, die ein Werk von lediglich langfristiger Anstrengung sein kann. Organische Defekte geben hier nur langsam unter den Genesungsdrücken der harmonischen Wirkung psychischer Kräfte nach, die da gerade in Tätigkeit gesetzt wurden.

    Man kann daher kein Wunder erwarten, einen Zauber, der mit einem Schlage und wider alle Naturgesetze das gewünschte Gleichgewicht psychischer Funktionen und Zustände bewirkt. Es ist nötig die richtigen Bedingungen zu gestalten, damit dieses Gleichgewicht überhaupt entstehen kann. Wenn man diese Bedingungen bewusst oder absichtslos gebildet hat, tut es nichts zur Sache. Da kann nur eine unbegründete Überzeugung aufkommen, der Glaube an Gott, die eingebildete Ergebenheit, ein ausgesprochen positives Verhältnis zum Yoga und andere ähnliche Sachen wirken so günstig auf das Außenleben des unwissenden Menschen ein.

    Es geschehen in Wirklichkeit keine Wunder. Entweder sind die unerlässlichen Bedingungen erfasst - bewusst oder absichtslos - und das Ergebnis stellt sich ein, oder sie sind nicht erfasst, und daher stellt sich kein Ergebnis ein. Das ist nötig anzuführen, damit niemand denkt, ein gewisser Herr Gott sorge für alles, und eben mich oder Sie begnadige er, was sich in frühen Ergebnissen zum Ausdruck kommt, die sich deutlich in unserem Leben objektivieren.

    Gute Gesundheit ist daher bloß ein Nebenprodukt der yogischen Anstrengung. Ob der nach Yoga strebende Mensch will oder nicht, muss er immer das psychologische Material gebrauchen, das ich essentielle Kraft genannt habe. Es liegt dann nur daran, welche Stellung er zu der erforderlichen Disziplin nimmt, die ihm auferlegt, die innerliche Harmonie zu erhalten. Eben hinsichtlich der innerlichen Harmonie oder Disharmonie kann man seine Gesundheit durch das Streben nach dem Yoga besser oder schlimmer machen. Mit Rücksicht auf eigene Erfahrungen in dieser Sache empfehle ich jedem, diese Harmonie zu beachten und hierdurch mit seinem yogischen Streben seinen Körper auch zu kräftigen. Denn die störenden Wirkungen, die durch das Streben nach Yoga im genauen Verhältnis zur Seelendisharmonie stärken, die man nicht beachtet, beweisen ihm zum Schluss, daß er einen unerwünschten Weg geht. Übrigens machen sich diese störenden Einflüsse bemerkbar auch in späteren Phasen der psychischen Entwicklung, die im Yoga vornehmlich berücksichtigt wird. Die gestörte Funktionsharmonie erlaubt mehr oder weniger nicht - je nach der Größe von Störungen - daß man qualitativ so hohe Konzentration zustande bringt, die ihm das notwendige Begreifen des höchsten Zustandes bieten würde, nämlich des Zustandes vom Selbst-Bewusstsein ohne Stützen und Beschränkungen, was ein Ziel der Yogis ist.