Interessengebiet vom Yoga

    Obwohl man voraussetzt, daß mit Ausnahme vom Hatha-Yoga der Yoga eine Disziplin ist, dem sich der Mensch zwecks der Erlangung von abstrakten Ergebnissen unterzieht, umfasst er doch auch das Interesse für den Körper. Denn die Yogis widmen sich nicht nur der Methode, mit deren Hilfe man sich vom Körper loslösen kann, sondern der Methode der Körperumgestaltung, in höherem Sinne bis zu seiner Unfeststellbarkeit des Körpers mit den Sinnen.

    Vom Körper loszubinden trachten nur diejenige, die das Problem des Lebens und seine Treibkräfte überhaupt nicht verstehen. Sie wollen eigentlich der kritischen Situation entkommen, in die sie selbst durch ihr Benehmen und Vorgehen geraten sind, und sie begreifen nicht, daß die ganze Frage von möglicher Loslösung oder harter Fesselung ihr Lebenstrieb selbst einer Lösung zuführt. Wie immer sie die Welt verfluchen, doch nur werden sie von ihr nicht loslösen können, weil sie vor den Augen kein gutes Ersatzideal haben, sondern nur einen geistlosen Abgrund. Und so, ihre Kräfte verschwendend, geben sie sich Mühe vergebens, und die Schwärze ihres Pessimismus wird weiterhin tiefer.

    Ein solcher Yoga, der ungesunde Loslösungsbestrebungen billigt, ist die Lehre von Träumern, der Sache unkundigen Leuten, und vielleicht auch von denen mit gewinnsüchtigen Zielen. Denn soviel ich Yoga kenne, fand ich darin nie einen Lehrsatz, daß diejenige, die dem Weltschmerz erlegen waren, sich geistig vom Körper loslösen sollten. Jederzeit fand ich darin die Lehrsätze über solch eine Art des evidenten Bewusstseins, daß es niemals zum träumerischen Herumwirren vom Sinn, und infolge dessen auch zur seelischen Loslösung von dem konkreten Leben, kommen konnte.

    Wenn ich davon und von den Erfahrungen, die ich durch praktische Anstrengung gewann, ausgehe, darf ich behaupten, das rechte Ideal vom Yoga sei den Körper als ein die Bearbeitung beanspruchendes Objekt ins Bewusstsein zu fassen. Hierdurch gelangen wir schon automatisch zu psychologischen Manipulationen, die notwendig auch den Körper beeinflussen müssen.

    Der Körper ist das erste Objekt, das der Yogi in sein Bewusstsein nimmt, dessen er sich mit seinem Bewusstsein bemächtigt und das er so beeinflusst. Und eben von dieser Grundlage läuft er zu weiteren Stufen der yogischen Transformation hinaus. Hinsichtlich dessen verzichtet er nicht auf das reale Denken, obwohl auf den weiteren Stufen der fortschreitenden Transformation sich sein Denken stark dem Denken anderer Menschen entfremdet. Das heißt, ungeachtet der Ansicht in den Yoga nicht eingeweihter Leute über einen Yogi höherer Stufen, es sei doch wahr, daß der richtige Yogi auf dem Boden der Realitäten verbleibt, weil er nicht mal für einen Augenblick diese Welt aus der Evidenz verliert, trotzdem er diese im subjektiven Sinne durch analytische Anschauung sublimiert.

    Damit möchte ich sagen, daß der Yoga eine Lehre ist, die sich aufgrund der Erfahrungen seiner Adepten ein relativ unmögliches Ziel setzt, und zwar eine reale Verwandlung dessen, was wir für die materielle Welt ansehen, in das, was wir für die geistige Welt halten. Die Erfüllung dieser scheinbar untunlichen Aufgabe sieht der Yoga im relativen Charakter der Wirklichkeit. Die Erfahrung lehrt die Yogis, das, was fester Körper zu sein scheine, sein Gesicht schon vor der Macht der bloßen Durchschauung ändert, wenigstens im subjektiven Sinne. Vor dieser Durchschauung wandelt sich die Materie in bloße Schatten um, die nur solchen Wert haben, welchen wir ihnen mit der Durchschauungskraft zuschreiben. Diese Alternative öffnet den Yogis von den normalen Leuten ungeahnte Perspektiven. Die ganze materielle Welt – scheinbar so fest und durch geistige Mittel unzerlegbar – erscheint hier plötzlich als ein Komplex von bedingten Erscheinungen, in die man durch die Zustände seines Bewusstseins einfach eingreifen kann. Er sieht, daß er sich eben aus dem Bewusstseinszustand belehren kann, die Materie könne sich vom subjektiven Standpunkt in bewegliche Schatten zerlegen, deren bisheriger Glanz und die nicht erleuchtenden Menschen suggestiv erschlagenden Zauberformen sich ins bloße Grau wandeln, dessen Bedeutung nur der Kraftart ist. Solange die Schatten von realen Erscheinungen der physischen Welt all ihren Einfluss nicht verlieren, können sie bisher im durch das Bewusstsein nicht durchleuchteten Organismus solche Reaktionen hervorrufen, welche sich der von Begierden nach Erlebnissen gefesselte Mensch in die Gefühlskategorien übersetzt.

    Außer den Gefühlskategorien gibt es keine wirkliche, auf Berührung feststellbare Welt. Wie immer wir über die objektive Natur der Welt disputieren, bleibt als die Wirklichkeit ihre subjektive Bedeutung. Nämlich dort, wo die Frage von subjektiven Beziehungen aufgelöst ist, nimmt die Welt ein Gesicht auf, ganz unterschiedlich davon, das sie denjenigen zeigt, die sich untragbar an die scheinbare Individualität ihrer zeitweiligen physischen Existenz gebannt haben. Diese Leute müssen sicherlich übereinstimmend den suggestiven Einfluss der Laterna Magica wahrnehmen, weil die Aufzählung von so genannten materiellen Erscheinungen begrenzt ist. Aber außerhalb der Reichweite ihres Bewusstseins können tatsächlich die Leute leben, für welche die Welt ein bloßes Schattenspiel vom überpersönlichen und durch beschränktes Wahrnehmungsvermögen der menschlichen Sinne unfassbaren kosmischen Zauberer ist, in dessen Körper ein Durchschnittsmensch lebt, denkt, fühlt, erwägt usw.

    Mit Rücksicht auf diesen Sachverhalt müssen wir den Yoga als eine Lehre begreifen, die Grenzen erreicht, die den tappenden Händen der Physik auf höchster Ebene vorbehalten sind. Obgleich der Yoga zum objektiven Erkennen der Wirklichkeitsnatur keine technischen Hilfsmittel gebraucht, löst er doch nur befriedigend dieses Problem durch systematische Gleichschaltung des Menschen zur Gewalt über den Zuständen seines eigenen Daseins und Bewusstseins. Und eben in den Bewusstseinszuständen kann jeder Mensch die relative Natur der allen erschaffenen Welt erkennen. Darüber hinaus bringt dann der Yoga den Menschen zu den Möglichkeiten der wirksamen Manipulation mit den Bewusstseinszuständen; das erweist sich real als eine gute subjektive Auflösung des Problems vom Leid, das an die Unkenntnis, verstärkt mit dem Subjektivismus, gebunden wird.

    Durch die Manipulationen mit den Bewusstseinszuständen ist jedes Problem lösbar. Obwohl in der ersten Phase nur subjektiv, doch nur kann man schon hier der deprimierenden Kraft von Umständen entrinnen, und das ist eine Voraussetzung für den Erfolg auf dem Wege der langsamen und zielbewussten Bestrebung um die physische Verwandlung.

    Ehe man den Weg der zielbewussten Verwandlung seines physischen Wesens einschlagen kann, muss er zu den Möglichkeiten der Manipulation mit den Bewusstseinszuständen gelangen. Denn erst wenn er mit den Bewusstseinszuständen zu manipulieren weiß, kann er mit dem Bewusstsein das geistige oder überdurchschnittlich feine Material ergreifen, das er dann zur allmählichen Umgestaltung seines Körpers verwenden kann. Der Weg ist sicher lang. Aber der Schrecken vor der allmählichen Degeneration in Form der langsamen Verdichtung von Körperstruktur der Geschöpfe zwingt den erkennenden Menschen, durch die Erhaltung hohes Bewusstseinszustandes diese Tendenz zu verhüten. Der hohe Bewusstseinszustand bringt dann in Gang das Rad der Verwandlung von materieller Wesensstruktur in die durch die Sinne nicht wahrnehmbare - die geistige Struktur.

    Durch diese Feststellung begreift der Mensch plötzlich, daß der Zustand der materiellen Natur ein spontanes Ergebnis des Bewusstseinszustandes ist, das der Mensch oder das Gebilde als einen Zustand aufnahm, der ihn zu keiner seelischen Spannung zwingt. Daraus ergibt sich allerdings die Anschauung über die Wirklichkeit. Ein Schwächling, der auf seine Bewusstseinszustände nicht den geringsten Einfluss hat, ist immer überzeugt - und diese Überzeugung wird er auch verfechten - daß die Natur eine objektive Erscheinung ist; das resultiert eben aus seiner Unfähigkeit, seine Bewusstseinszustände zu beeinflussen. Wer jedoch in der entsprechenden Phase der seelischen Bemühung den Einfluss auf die Zustände seines Bewusstseins gewann, erkennt, daß die Natur gemäß ihrer Beschaffenheit eine Resultante von Bewusstseinszuständen ist. Die bisher unbeeinflussbare Natur beginnt unter den Drücken der gewollten Bewusstseinszustände sich plötzlich umzuformen, feiner zu werden, zu sublimieren usw., so daß sie den Menschen direkt versichert, daß er eben auf den Weg der großen Verwandlung geriet, die einesteils in der Unverletzlichkeit des Körpers, anderenteils in der Umwandlung seines Charakters in den Charakter geistiger Art endet.

    Und nun gelangten wir endlich wissentlich an das Interessenfeld vom Yoga. In der ersten Phase geht es um die Erwerbung vom Einfluss auf die Bewusstseinszustände, in der zweiten Phase um die strukturelle Verwandlung des Körpers. Damit sei allerdings gesagt, daß die Grundlage vom Yoga real ist, und die Gesundheit ein sekundäres Ergebnis darstellt. Die Gesundheit steht hier unter den günstigen Bewusstseinszuständen und somit in günstigen objektiven Einflüssen, die diese Zustände stärken und harmonisieren. Der Yogi sucht daher nicht den Weg zu den günstigsten persönlichen Bedingungen im derzeitigen Zustand, wie die Ignoranten vermuten. Er sucht eine universale Lösung, die sich auch in den Teilzuständen günstig äußert, ob man keine Irrtümer auf dem so wenig bekannten Weg begeht, welchen er geht, wenn er auf den Yoga-Weg eintritt.