Das Problem der Gesundheit

    Wollen wir die richtige Antwort auf die Frage der guten oder schlechten Gesundheit vom Standpunkt des Yogas bekommen, müssen wir die Aufmerksamkeit nicht nur den physischen Funktionen, sondern auch der Orientierung des Bewusstseins widmen. Ein normaler Mensch wendet sich zu seinem Körper nur wenn der Körper von einem Gebrechen heimgesucht wird. Deshalb kommt es vor, daß obwohl man sich gesund fühlt, kann er schon an kleinen Funktionsstörungen leiden, die in seinem Körper ihr bösartiges Werk so lange tun, bis sie sich eines Tages als ein schwerwiegender Funktionsdefekt bemerkbar machen. Dann besucht er den Arzt, der in seine Gesundheit entweder auf irgendeine Weise eingreift, oder auch nicht eingreift; er jedoch, weil er die bisherige Orientierung seines Bewusstseins verändert hatte, verspürt wieder eine Linderung, eventuell kommt ihm das Gefühl der Gesundheit zurück. Nachher setzt er sich erneut auf den alten Wegen in Marsch durch die Welt, wo er nur die bisher angegriffenen Körperfunktionen weiterreizt, die sich nach einiger Zeit wieder als fehlerhaft zeigen können.

    Wenn man sich derart lange Zeit benimmt, können sich die Funktionsstörungen im Körper in organische Störungen wandeln. Es liegt nicht daran, ob dieses oder jenes Organ befallen ist. Die Ursachen von organischen Krankheiten stecken in einer Funktionsunordnung, die in fehlerhafter Lebensweise wurzelt, und die sich auf die Nachfahren vererben kann, zunächst als eine Neigung zu Dysfunktionen im Organismus, und später direkt als ein angeborener organischer Fehler.

    Die wahre Ursache der körperlichen Fehler ist daher geistiger Natur, wenn wir allerdings den Begriff „geistig“ als „organisch“ auffassen, mit der Natur so fein, daß sie für einen Menschen von durchschnittlichen Anschauungsfähigkeiten hinter den Grenzen möglicher Wahrnehmungen liegt. Ich sprach nämlich von der Bewusstseinsorientierung. Was heißt das in der Gesundheitsfrage? – Das Bewusstsein, obwohl es vom Kraftstandpunkt ein bloßer Vorgang ist, ein Sprungbrett für die Wahrnehmungen und daher eine materialistisch nicht definierbare Wirklichkeit, doch ist es im wesentlichen eine Kraft, die Leben spendende Substanz gleichrichtet, und darum ist es eine leibbelebende Kraft. Der Mensch, der mit seinem Bewusstsein unaufhörlich außer dem Körper weilt, strahlt diese lebensspendende Substanz aus dem Körper nach draußen aus, obwohl diese Substanz eigentlich so genannte Quintessenz darstellt, die für menschliche Gesundheit der letzte und meistentscheidende Faktor im Bereich von psychischen Funktionen ist.

    Aus dem Gesagten geht daher hervor, daß das Bewusstsein als das Wesen der Lebenskraft mittels der gerichteten Aufmerksamkeit ständig auf den Körper ziehen sollte, um die Krankheiten überhaupt vorzubeugen. Das nimmt jedoch eine vollkommene Änderung der Lebensweise in Anspruch, die nur derjenige aufnimmt, dem es an der Harmonisierung seiner Gesundheit liegt. Der Mensch ist jedoch schwach, und darum wird er sich lieber auf die Ärzte wenden, damit sie ihm die Wunde verstopfen helfen, aus welcher die lebensspendende Kraft strömt. Die Wunde, die er durch das Leben zufügte, das einzig und allein in die äußere Welt gerichtet worden war.

    Diese Lebensweise halte ich für sehr schlimm, obwohl einer einwenden kann, daß das bequeme Leben besser ist, als die Disziplin, die das Bewusstsein zwingt, von Menschen gesetzte Wege sich zu begeben. Übrigens muss dafür jeder Mensch seine Steuer bezahlen. Wenn z.B. das Podagra dem Menschen eine pessimistischere Weltanschauung aufnötigt eher als gute Gesundheit, würde er dann relativ einfach die Wahrnehmungsdisziplin aufnehmen, wenn es bereits nicht zu spät wäre. Das Gebrechen weiß die Aufmerksamkeit des Menschen in eigener Weise anzulocken, nur daß der Mensch den Zweck dessen nicht begreift.

    Wenn ich schon vom Bewusstsein als von einem sehr wichtigen Faktor in Gesundheitsfrage spreche, gedenke ich nicht zu behaupten, daß das Bewusstsein eigener physischer Existenz ein rein geistiger Vorgang ist. Wir können es auch für eine Nachwirkung von chemischen Prozessen der Verdauung halten, welche als die in der lebenden Welt höchste Folge dem Menschen ermöglicht, im Kontakt mit dem ätherischen Prinzip des Weltraums zu sein. Dieses Prinzip ist schon geistiger Natur, und durch die Assimilation mit dem Wesensbewusstsein zeigt es das Menschenwesen als ein Individuum, das fähig des objektiven Bewusstseins ist, welches ich das Bewusstsein an und für sich nennen würde.

    Wenn wir diesen Schnittpunkt von zwei einander ähnlichen Qualitäten begreifen – nämlich vom Wesensbewusstsein und ätherischen Prinzip des Weltraums – und wenn wir auf dieser Stelle die Möglichkeit der entstehenden Nahrung aufspüren, arbeiten wir uns bis zu dem Punkt hindurch, wo der Mensch nicht nur von grober Nahrung, sondern auch von Essenzen des Weltraums, belebt wird. Diese Essenzen beleben ihn in dem Sinne, daß sein Bewusstsein wachsam ist; wer diese Kontakte entbehrt, ist schlaffen Bewusstseins.

    Hierdurch gelangten wir bis zu der Stufe, wo der Mensch sich als ein von kosmischen Essenzen lebendes Geschöpf zeigt. Gäbe es hier nicht das energische und nimmerruhende Denken, so würde das Assimilationsprozess, dessen Ursache in Kontakten vom Bewusstsein an und für sich mit kosmischen Essenzen wurzelt, zur Übertragung dieser Essenzen in den Körper beisteuern. Der Körper würde dann – außer der Nahrung, die er auf chemischer Weise auch in der hohen geistigen Kraftmodifikation umwandeln muss – von der essenziellen Kraft des Kosmos belebt, was bedeutend beitragen würde den Gesundheitszustand in vollkommener Ordnung zu halten. Aber der Mensch denkt. Und er denkt so viel, daß er die absorbierte kosmische Essentialkraft verschwendet, und so ist er bloß auf die Nahrung angewiesen.

    Die Nahrung scheint arm an ätherische Elemente zu sein, und daher lebt der Mensch immer in unvorstellbarem Maß kärglich. Aus dem Grunde leidet dann der Organismus an Alter - nämlich an Mangel der Säfte, notwendig zu seiner gehörigen Leistungsfähigkeit. Und da die essenziellen Kräfte durch übermäßiges Denken vom Organismus getrennt sind – und der Organismus kann sich demzufolge im Gang nur durch chemisch transformierte Nahrung erhalten – ist das Problem der Gesundheit durch bestehende Mittel nicht zu lösen.

    Wie immer Sie die Organe in die richtige Funktion durch unerforschliche Wirkungen von rasanten Arzneien nötigen, gelingt es euch doch nicht – ausgenommen augenblicklicher chemischer Ermutigung – diese zum befriedigenden Prozess der Assimilation von essentiellen Kräften zu bringen. Aus dem Grund ist wünschenswert, daß man das Gesundheitsproblem von einem anderen Standpunkt ansieht als vom Gesichtspunkt der mechanischen Prozesse im physischen Körper. Es ist notwendig ferner fortzuschreiten als zur materialistischen Anschauung vom Leben als von einer Reihe Funktionen und chemischer Prozesse, denn man kann hierdurch wirklich die Existenz eines die Gesundheit bedingenden Faktors feststellen. Dieser Faktor ist die richtige Nahrung auf dem Berührungspunkt von wesentlichem Bewusstsein und kosmischen Essenzen.

    Eben im Schnittpunkt von Wesensbewusstsein und essentiellen kosmischen Kräften spielt sich daher der Ernährungsprozess durch energetische Essenzen ab, deren Vibrationscharakter analog mit von Wärme ernährter Lebenskraft ist. Diese Kraft schenkt dem Körper die Vitalität und kommt von chemischen Prozessen der stofflichen Ernährung, die sich in stoffliche Abfallkomponenten, in die Lymphe und schließlich in ätherische Stoffe gasförmiger Natur transformierten.

    Solange man durch die essentiellen Funktionsvorgänge die essentiellen Kräfte des Kosmos und eventuell auch der Natur, assimilieren kann, bleibt die Gesundheit im Gleichgewicht eben für geordnete Funktionen dieser Art. Wirft man jedoch diese Essenzen durch das Übermaß an Denken in den Raum, stört man hierdurch die gute Funktion der essentiellen Faktoren, und der Organismus vergeht vor dem Mangel an belebenden Kräften. Diese Tatsache sagt uns ein, es sei notwendig, daß jeder Mensch die richtige Lebensweise im Denken beachtet.

    Ist das Denken vom Standpunkt der Lebensweise richtig, wird die Losstrahlung der ätherischen Substanzen verhindert, die unabhängig vom Willen des Menschen ihr heilbringendes Werk für die Gesundheit vollbringen werden. Nur aus diesem Grund sind – wenigstens im Durchschnitt – diejenigen Menschen, die sich für nichts aus der Außenwelt allzu interessieren, gesunder. Dagegen die Leute mit hoher Gedankenaktivität tun nichts anderes, als daß sie ihre Körper wörtlich verzehren; wenn sie derart ganze Generationen verfahren, macht es sich bemerkbar im subtilen physischen System, das zu vielen Störungen neigen wird.

    Es ist bekannt, daß die nervösen Leute, die ihre auf die äußeren Dinge gerichtete Seelenaktivität nicht beherrschen, im allgemeinen gebrechliche Gesundheit haben. Das ist deswegen, weil sie für übermäßige Ausstrahlung von essentiellen Lebenskräften die Nährstoffe dem Körper abnehmen, der dann vor dem Mangel an diesen leidet. Und ob der Mensch manchmal nervös infolge disharmonischer Funktionen im Körper scheint, wissen wir dann nur nicht, wo der wahre Anfang dieses Zustandes liegt. Es ist daher sicher, daß in diesem Zustand der von Nervosität getroffene Mensch nur sehr schwierig die richtige seelische Lebensführung aufnehmen kann. Dann ist die ganze Geschichte ein Problem von Willen und Beharrlichkeit. Wir müssen daran denken, daß der Zustand von Geisteserschöpfung bei allen Leuten sehr vorgeschritten ist, und daß man hier eine präventive Maßnahme vorschlagen soll und nicht einen allopathischen Eingriff in der Krise.