Vorwort

    Es dauerte sehr lange, ehe ich mich entschied, über den Einfluss vom Yoga auf die Gesundheit zu schreiben. Davon hielten mich mehr Umstände ab, von denen folgende drei von größter Bedeutung waren:

  1. daß jemand mir die angegriffene Gesundheit vorwerfen könnte,
  2. daß ich über diese Sache nur als ein Laie schreiben kann,
  3. daß jemand mich für einen Dilettanten halten könnte, der aus dem Yoga Okkultismus macht, und nach Scharlatansart ein Allheilmittel gegen unzählige Leiden verspricht, die Menschen von heute belästigen.

    Der Leser soll mir verzeihen, wenn ich auf den ersten Vorwurf – den ich öfters hörte, aber auf den ich nicht antworten wollte – vorerst wieder mit einem Vorwurf antworte, daß fast alle Leute, die sich über meinem Gesundheitszustand aufhielten, im Yoga ein wunderwirkendes Mittel gegen alle Gebrechen ihrer Körper sowie alle Leiden ihrer Seelen suchten; gegen die Leiden, die aus zermürbenden Wünschen der Träumer entstehen. Ich muss aber Bedacht darauf nehmen, daß solche Frage sich auch seriösere und von Selbstsucht weniger getroffene Menschen stellen können, und nur darum halte ich für angebracht diese Frage zu beantworten.

    Ich war eigentlich ein Bahnbrecher im Yoga, und darum bezahlte ich dafür die notwendige Steuer. Außerdem begann ich den Yoga im Alter von 17 Jahren zu treiben, und das alles war nach siebenjähriger Unterernährung, die mir für vier Jahre eine Nachtblindheit bewirkte. In diesem Zustand, nach zeitweiliger Besserung der Lage, ergab ich mich der Askese. Ich verzichtete auf die Fleischkost und tierische Fette, obwohl ich 92 Stunden wöchentlich arbeitete: von Montag bis Freitag je 14 Stunden, und Samstags 22 Stunden. Viermal täglich führte ich nach Instruktionen die Atemübungen je 20 Wiederholungen. Allmählich verbrauchte ich auf diese bis zwei Stunden täglich, aber vor der Realisation bis sechs Stunden, so daß es in der letzten Phase bloße zwei Stunden für den Schlaf übrig blieben.

    Für den yogaerfahrenen Leser wird es bedeuten, ich fing mit dem Hatha-Yoga an. Dabei hatte ich keine Ahnung von den physiologischen Gesetzen, die der Hatha-Yoga respektiert durch das Gebot für die Novizen, diesen Yoga geheim auszuführen, in der Landschaft, wo man viele Almosen gibt, wo ein guter König herrscht, wo sich keine vier Wege kreuzen, in einer fürs Auge schönen Gegend, usw. Ich begann hingegen den Yoga in der Tschechoslowakei, in der Stadt, und eben in einer Kreuzung, im Haus, wo jeden Menschen das unerwünschte Ungeziefer quälte, das in alten und vielleicht einigermaßen verfluchten Häusern üblich zu finden ist.

    Im normalen Tagesleben musste ich auch eine ständige Möglichkeit zum Erheben vom Geist und Gemüt finden, denn ohne diesen Faktor wäre mein Yoga kein Yoga mehr. Und dies war die härteste Nuss zu knacken, denn ich sah dafür nirgendwo ein Beispiel, aber im Gegenteil bereitete mir die Umgebung, in der ich lebte, Hindernisse und Widerstand. Um diese Hindernisse zu beseitigen, habe ich mir zur Durchführung vom Yoga noch weitere 16 Stunden wöchentlich festgelegt. Die Dauer meiner Beschäftigung betrug daher 150 Stunden pro Woche. 92 Stunden davon verbrachte ich in solch einer Umgebung, wo ich an Stelle von „Prana“ ebenfalls Kohlenoxyd in solchem Maß inhalierte, daß meine Haut eine unbestimmte grüngelbblaue Farbe aufnahm. Das sind überzeugende Fakten, daß ich den Yoga unter solchen Umständen übte, die nicht so ganz dem ruhigen Leben entsprechen, das die indischen Yogis in der Regel führen. Trotzdem jedoch, nicht mal unter diesen Bedingungen und bei mühsamer physischen Arbeit erschlaffte ich im Streben, seelisch dermaßen frisch zu sein, damit ich gut und objektiv den sämtlichen in meinem Wesen sich abspielenden psychologischen Prozessen folgen kann. Der Leser kann mir glauben, daß so eine doppelte Anspannung - physische und seelische – einen untragbareren Ansturm auf die physische Gesundheit darstellt.

    Aber wie immer es war, brachte mich die richtige Orientierung, die ich – geleitet wohl vom höheren angeborenen Sinn – erfasste, innerhalb von eineinhalb Jahr zur Realisation; die wirkte im physischen Sinne so radikal, daß ich von gewissem Standpunkt meinen Körper in der Trümmer sehen konnte – wenn nicht auf die Dauer, dann für sehr lange Zeit. Während das Feuer, als eine Reaktion auf meine yogische Anstrengung, unbarmherzig alles verbrannte, was sich in mir für die tierische Gesundheit ausgeben konnte, entschied ich mich - bereits erleuchtet, die Askese, die Fleischkost betraf, aufzugeben. Ich fasste es eben in den Tagen, wo mir die Arbeitspflicht nach sechsundfünfzigstündiger Arbeit während voriger vier Arbeitstage, nach einer sehr kurzen Ruhepause, eine achtundvierzigstündige erschöpfende physische Arbeit ohne die kleinste Pause auf die Schultern lud.

    Trotz dieser gesamten Außenbelastung erkannte ich eben zu dieser Zeit die sämtlichen, vielleicht am besten gesagt Hochfrequenzströme, die im Körper als die Gesundheit erhaltende Funktionen oszillieren. Ich erkannte auf eigenem Leibe – eben aus dem unsinnigsten Gegensatz der höchsten seelischen und physischen, das Wesen erschöpfenden Tätigkeit - eben die feinen Ströme, die meines Erachtens jeder Wahrnehmung entkommen müssen, die der von normaler Wahrnehmungskraft ausgerüstete Mensch imstande ist. Und aus diesem Grunde kann ich schließlich über den Einfluss vom Yoga auf die Gesundheit sprechen, ohne daß ich mich verpflichtet fühle, mich mit der Gesundheit eines Raubtieres auszuweisen.

    Übrigens leiten mich im Yoga andere als übliche Ziele. Diametral differiere ich mit denjenigen, die jede Disziplin, die ihnen im Leben einen Abbruch tut, nur vom Standpunkt begreifen können, was sie davon unmittelbar auf den wünschenswerten Gütern gewinnen können. Ich weiß nämlich, daß bereits diese Einstellung eine anstößige Lebensweise ist, die gegen die Gesundheit so lange sündigt, daß auch die Genesung nur langsam vorgehen kann. Radikale allopathische Eingriffe zeigen sich hier nur als eine Verstopfung der Löcher in einem verrosteten Topf, der schon löcherig wie ein Sieb ist. Mit Rücksicht darauf wirkt der Yoga auf die Gesundheit eher als eine richtige Lebensweise ein, die auf eine ganz andere Weise heilt. Aber das beschreibe ich später.

    Zum zweiten Punkt, daß ich über die Gesundheit nur als ein Laie schreiben kann, möchte ich folgendes hinzufügen: Es ist mir gut bekannt, daß die Beschwerlichkeit dieses Problems bei graduierten Menschen eine ganze Reihe von Vorurteilen erregen kann, obwohl diese Leute in der Regel sehr wenig von der Funktionsbedeutung der superphysischen Kräfte wissen, die in die Gesundheit der Leute weit mehr eingreifen, als es scheint. Ich will nicht behaupten, es gehe hier um die Kräfte, die keine Emanationen von demselben Körper sind, auf den sie einwirken, aber bestimmt geht es hier um die Kräfte der bisherigen Ermittlung qualitativ unbekannt und fremd. Daher gerate ich wohl auf den für die Leute unbekannten Boden, aber keineswegs auf den Boden der menschlichen Vernunft so entfernt, daß sich hier kein vorurteilsfreier Mensch bewegen könnte. Übrigens werde ich über die Lebensführung reden und nicht über rasante chemische Mittel zur Heilung bestimmter Krankheiten.

    Zum dritten Punkt möchte ich sagen, daß mir das schlechte Renommee der okkulten Disziplinen vorschwebt, von denen eine auch der Yoga ist. Für seinen Charakter wurde er eine Domäne von einerseits an Mirakel glaubenden Leuten, andererseits den Schlauköpfen, die sich alles für ihre eigennützigen Ziele unter den leichtgläubigen und die Entscheidungsfähigkeit entbehrenden Menschen zunutze machen können. Einige Übungen, Mirakel und keine Entsagung – das ist eben das, was sie den Leuten versprechen, die überhaupt nichts von der eisernen Gesetzmäßigkeit der Taten wissen. Aus dem Grunde war es eine schwierige Entscheidung, ob ich über die Gesundheit in direkter Beziehung zum Yoga schreiben soll.

    Die Frage der Gesundheit spielt im Yoga keine erstrangige Rolle. Den Yoga gibt es hier dazu, den Menschen sowohl physisch als auch geistig zu veredeln, und eigentlich jedwedem Leid ein Ende zuzufügen. Diesbezüglich kann man im Yoga über die Gesundheit als über einen Helfer oder ein Hindernis auf dem mystischen Wege sprechen, obwohl die Gesundheit für den Menschen eine schwerwiegende Frage ist. Wenn er endlich begreift, worum es hier eigentlich geht, wird er ein bloßer Beobachter von Prozessen, die man als einen Träger der guten oder schlechten Gesundheit bezeichnet. Es wird an seiner Weisheit liegen, ob er sich entscheidet, nach der Erhaltung des Körpers für den Kummer zu streben, oder ob er sich darauf konzentriert, sich innerlich zu harmonisieren und somit seine Gesundheit indirekt zu verbessern.