Eingang in die Mystik im allgemeinen

    Für den Weg der technischen mystischen Anstrengung ist seelisch und karmisch derjenige ausgerüstet, der durch die Moralerziehung, die er durch entweder mit verdienstvollem Karma ausgestattete Geburt oder langdauernde Moraldisziplin oder durch definitiven Verzicht auf die Welt gewonnen hatte, solche Stufe der geistigen Säuberung erreichte, daß ihn keine Sache aus der Sinneswelt berührt, so daß er ganz ungestört im Zustand vom klaren Bewusstsein und Selbstbewusstsein verharren kann. Solange diese Bedingungen dauern, kann er im technischen Streben ohne Unterbrechung fortsetzen. Wenn diese jedoch aufhören, muss er die Moraldisziplin wiederaufnehmen und dabei verharren, bis er die Reinheit seines Bewusstseins wiedererlangt. Außerdem muss er die ganze Zeit, während er die geistige Bemühung wiederholt, die höchste Macht (Gott) um den Schutz auf dem weiteren Weg nach mystischen Erfahrungen in praktischer Mystik begehren. Er soll sich daher von den letzten amoralischen Schlacken befreien, die seine Einsicht verunreinigen, so daß er ständig auf die sittliche und seelische Reinheit bedacht ist. Er muss sich dieser Schlacken so entledigen, daß er für seinen täglichen Bedarf den Wunsch des Guten für alle Geschöpfe sowohl auf Erden als auch in geistigen (astralen) Bereichen zu halten anfängt. Dann kann er an die heilige Abhaltung herantreten, deren Prinzipien lauten:

    I.

  1. Die weltlichen Gedanken, spontanen (tierischen) Gefühle und depressive Geisteszustände ausrotten.
  2. Das Interesse für alle weltliche Sachen und Geschehnisse vernichten, die ihn direkt nicht berühren.
  3. Die Körperpositionen und die physische sowie seelische Ruhe zwecks der Harmonisierung des Inneren und gesamten Wesens überhaupt üben.
  4. Sich in der Wachsamkeit, Aufnahmefähigkeit, äußeren Frische und Lebhaftigkeit üben.

Diese Disziplin resultiert in der Harmonisierung des Inneren und in der Vereinigung der Geisteskräfte unter die Kontrolle vom Willen und Bewusstsein, und dieser Zustand wandelt sich ins Dharana.

    II.

  1. Das eigene Wesen, vor allem den Körper, beobachten, und dieses sich im Bewusstsein vergegenwärtigen.
  2. Beten, oder die geistlichen Denksprüche aufsagen, oder sich seelisch dazu erheben, was sich durch göttliche Qualitäten auszeichnet, für welche z.B. die Begeisterung, Glücksgefühle und Sehnsucht nach dem Guten gehalten werden.
  3. Unaufhörlich die höheren Rücksichten einhalten, die sich an das höchste Ziel heften – nämlich an die geistige Befreiung.
  4. Verharren in der Geistesdisziplin, die gewährleisten soll, daß die mystische Bemühung nie wegen Zweifeln oder Schwanken verlassen wird.

Aus dieser Anstrengung muss sich die erstrebenswerte Seelenorientierung (zu geistiger Welt oder Ideal) ergeben, und dabei müssen die Bedingungen zur Entwicklung der mystischen Qualitäten gewonnen werden; nebstdem wird auch die Kontrolle über die seelische Tätigkeit und Tendenzen erreicht.

    III.

  1. Durch die gut kontrollierte seelische Entzückung (Ekstase) die Seelenruhe hervorrufen.
  2. Sich selbst, vornehmlich eigenen Körper, sich im Bewusstsein vergegenwärtigen, und auf diese Weise mit eigenem Wesen diese Seelenruhe teilen, die sich in überweltlichen Stimmungen äußern muss.
  3. Nach der ständigen Durchdringung des ganzen Wesens von guten Geisteszuständen streben, die sich in glückseligen Gefühlen spiegeln.
  4. Die Aufmerksamkeit nur diesen glückseligen Gefühlen unter ununterbrochener Kontrolle der Zustände vom täglichen Bewusstsein widmen, damit alle Entzückungen beherrscht werden.

Das Ergebnis dieser Bemühungen ist die Entwicklung des göttlichen Durchlebens und hiermit des Zustandes vom Dhyana, dessen Tendenz zur göttlichen Entzückung, zum Samádhi, ist.

    IV.

  1. An sich im göttlichen, aber gut kontrollierten Entzückung (Ekstase) denken, was eine klassische mystische Konzentration ist.
  2. Mit Bewusstsein in völliger Vereinsamung (Unabhängigkeit) mit der Tendenz zur Göttlichkeit verharren.
  3. Die Wahrnehmungen, die Auffassung, das Bewusstsein und das Atmen vor alledem schützen, was nicht das Absolute, bzw. undifferenzierte Transzendenz ist.
  4. Das Bewusstsein eigenes Wesens von der Abhängigkeit von Zeit und Raum entbinden, und deshalb auf nichts reagieren, was gesehen, gehört, gefühlt, festgestellt, wahrgenommen werden kann, d.h. in absoluter seelischer Regungslosigkeit verharren, im klaren Licht der vollkommenen Freiheit mit Bezug auf das eigene Wesen, die der Mensch normal empfingt, und deren er ganz normal bewusst werden kann.

Das Ergebnis wird die geistige Einswerdung mit Gottheit oder Absoluten sein, d.h. das Samádhi als der Zustand von Erlösung zu Lebzeiten.