Über die Konzentration

    Die erste Stufe der Konzentration ist die Aufmerksamkeit, genannt Dharana. Um diese zu verwirklichen, muss man sich mittels der sittlichen Bestrebung von den einzelnen Vorgängen der sinnlichen Welt lösen und in seelischer Ruhe eines Wesens verharren, welches sich nach keiner weltlichen Sache sehnt. Der Weg zu dieser Loslösung ist in den vorherigen Kapiteln beschrieben. Dharana heißt eine Verharrung der Aufmerksamkeit im Zustand der seelischen Leere, die entsteht durch die Unterdrückung der Gedanken, Vorstellungen, Verzückungen und seelischen Reaktionen im höchstens wachen Zustand, in dem das Bewusstsein vom Ich anhält und die äußere Welt dabei nicht in Vergessenheit gerät. Darum führt Dharana zum Gefühl, daß der Mensch in eine andere Sphäre übertrat. Die Konzentration muss jedoch geändert werden, falls sich unerwünschte Vorstellungen und Bilder (durch Bemerkungen oder Wahrnehmungen) einzumischen beginnen, weil sie zerfiel. Die Aufmerksamkeit, Dharana, muss mit sich eine Nichtfesselung des Bewusstseins auf die sinnliche Welt bringen. Unter diesen Umständen wird die Aufmerksamkeit vertieft, bis eine Veränderung in der Bewusstseinsorientierung eintritt und übersinnliche Wahrnehmungen auftauchen. Die Aufmerksamkeit ändert sich in die Konzentration, im Dhyana. Das Ergebnis der Konzentration, Dhyana, ist, daß es zu keiner Wiederaufnahme des Reflexdenkens kommt, weil der Sinn beherrscht ist. Die durch Konzentration hervorgerufene Rückwirkung, die ohne Geistreaktionen ertragen wird, erweckt magische Kräfte und Fähigkeiten, weil sie zur Erkenntnis vom Wesen des Werdens führt. Die karmischen Ergebnisse beliebiger Art können aus unserem Lebensweg geräumt werden, sind sie bisher im latenten Zustand und wenn sie daher begriffen werden können, weil das innerliche Ungleichgewicht beseitigt ist durch die Tiefe der Konzentration zweiter Stufe, Dhyana. Die anhaltende Konzentration (Dhyana) ist eine unerlässliche Voraussetzung für die Erkenntnis des innersten Ichs. Die Erkenntnis des innerlichsten Ichs und die ständige Konzentration (im Dhyana) ist ein Vorgänger der bewussten Vereinigung, die Samadhi heißt. Durch die Verwirklichung von Samadhi taucht der Mensch gänzlich in die Sphäre der reinen Leere unter. Die Sphäre der klaren Leere ist eine Heimat für den, der sich im Zustand der Vereinigung, im Samadhi befindet. Der Vereinigungszustand, Samadhi ist zweier Art. Einerseits mit dem Bewusstsein, welches den Begriff der Dualität aufweist, andererseits mit dem nichtdifferenzierten Selbstbewusstsein. Die erste Art vom Samadhi vermittelt Sinneskontakte zwischen dem Mensch und den geistigen Intelligenzen. Resultierend daraus sind bunte Erlebnisse und auch nützliche Erkenntnisse in der Sphäre der materiellen Erscheinungen, Erlebnisse der Glückseligkeit sowie eine Umgestaltung der Natur (Natürlichkeit) und eine Denkensänderung, einige sonderbare seelische und geistige Fähigkeiten. Ist das Bewusstsein von den gröberen psychisch-physikalischen Schlacken befreit, die aus der Wahrnehmung der materiellen Welt stammen, und klebt man an nichts weltlichem, erreicht man eine höhere Art des Vereinigungsstandes. Durch das Erreichen dessen ist der Mensch vom Gefühl der seelischen und geistigen Einschränkung befreit, denn sich schon bei der geistig-befreienden Bestrebung auf der Mentalebene übte er sich in der Loslösung vom groben Material der sinnlichen Welt. Die Welt der Formen kann auf den Menschen nur insofern den Einfluss haben, als er mit ihr in Verbindung ist entweder auf der Bewusstseinsebene, oder mittels der Wahrnehmung, oder durch die innerliche (psychische) Stellung. Sobald die Verbindung unterbrochen ist, entstehen Bedingungen zur Befreiung. Hiermit wird die Forderung unterstützt, das technische Yoga gleichzeitig mit dem Nichthaften zu üben.