Über die Disziplin

Die direkten Übungen sind:

  1. die sittliche Selbstvervollkommnung,
  2. die Beherrschung und Aufhebung der spontanen Sinnestätigkeit,
  3. die Erhaltung eines Gegenstandes im Sinn und in der Vorstellung, 
  4. die Aufmerksamkeit auf die Prozesse der eigenen psychischen Natürlichkeit,
  5. die Unterdrückung der Änderungen im Sinne, in der Laune und in den Vorstellungen.

    Wenn verwirklicht, stellen sie die vollkommene Selbstbeherrschung laut Vorschriften der geistigen Lehren dar. Das befähigt den Menschen, die reinen geistigen Vibrationen einzuatmen und die seelische Spannkraft und Gewandtheit zu gewinnen. Durch diese Eigenschaften ist bewiesen, daß die mystischen Lehren eine realistische Grundlage besitzen. Will man alles ausführen, was ihm die mystische Lehre auferlegt, muss man sich nach Bedarf und Dispositionen richten, die sich aus der karmischen Anordnung seines Wesens ergeben. Die Bemühung, die nur auf spekulativen Schlussfolgerungen oder auf elementar-vernunftmäßigen Entscheidungen beruht, führt in der Regel zu keinen guten Ergebnissen. Die wesentliche Anordnung ist ein individueller und realer Anhaltspunkt zum Festsetzen der geeigneten Disziplin für gewisse Zeit. Es ist aber nicht nötig, diese Anordnung mit eigenen Kräften festzustellen, wenn ein mystischer Führer gefunden ist. Den Sinn der inneren Anordnung kann kein mystisch unreifer Mensch bestimmen. Dadurch entstehen Voraussetzungen zu Irren und zu aussichtslosen Versuchen. Der Führer wählt geeignete Übungen für jeden Zustand und jede Zeit, und dann können die Übungen gebührend ausgenützt werden. Hiermit ist die Forderung hervorgehoben, daß der suchende Mensch einen mystischen Führer findet. Die sittliche Vervollkommnung ist der erste, sehr wichtige Schritt auf dem Wege zur Erwerbung von mystischen Erfahrungen und Wissen. Ihr Resultat ist die Bildung einer subjektiven Umgebung, die es unmöglich macht, daß den strebenden Menschen niedrige Verführungen und Versuchungen bedrängen. Zur moralischen Selbstvervollkommnung gehören: die Gutmütigkeit und segenwünschender Sinn, die Unterdrückung der Lüste, Triebe, Leidenschaften und sämtlichen inneren Schwellungen, die zum Ergreifen von etwas aus der sinnlichen Welt richten. Hiermit werden Grundlagen für die richtige innere Stellung gebaut sowie Bedingungen zur Freimachung aus den bewältigenden Einflüssen der Naturkräfte gestaltet. Die Unwahrheit auszusprechen ist ein großes Hindernis auf dem Wege zur geistigen Vollkommenheit. Daher müssen wir wahrheitsliebend sein. Der Zorn, der Atheismus, die Angst, die Unsicherheit, der Mangel an Kraft, den Willen anderer Menschen zu widerstehen und die inneren Konflikte werden aus dem Lebensweg beseitigt durch Realisierung der Hauptforderungen der sittlichen Vervollkommnung. Durch die Unterdrückung der Tätigkeit der groben Sinne (mittels beabsichtigter Nicht-Wahrnehmung der Sinneseindrücke) werden die inneren Sinne aufgeweckt. Die Wohltat dessen ist, daß man eine Art und Weise findet, sich sicher auf der Astralebene zu bewegen. Die Erhaltung eines Gegenstandes im Sinn und in der Vorstellung beugt den unerwünschten Eindrücken vor. Alle Einzelheiten, die in das Bewusstsein eintreten und die Fähigkeit der Selbsterforschung vernichten, werden durch eine einzige freigewählte Vorstellung oder Idee, oder mittels eines freigewählten Punktes im Körper hinausgedrängt. Durch die Beseitigung dieser einzigen Welle (Vorstellung) erreicht man den erforderlichen Zustand. Die Aufmerksamkeit in die Sphäre des Geistes ist eine Bestrebung um die direkte Unterbrechung der Beziehungen dazu, was äußerlich sowie innerlich veränderlich ist. Erfolg in dieser Übung ist bedingt durch die Unterscheidungsfähigkeit. Es ist möglich diese durch die Geistesdisziplin zu fassen. Denn nur die Unterscheidungsfähigkeit in Verbindung mit der Geistesdisziplin ist der Schlüssel zum Erreichen der höchsten Stufen auf dem Felde der geistigen Entwicklung.