KVETOSLAV MINARIK (1908 - 1974)

 

Kvetoslav Minarik in 1958    Tschechischer Yogi und Mystiker, der bereits im Jugendalter erkannte und bis in die tiefsten Einzelheiten die höchsten Ideale vom Osten zustande brachte, ohne den Kontakt mit dem Bürgerleben verloren zu haben. Seine Erfahrungen formulierte er dann auf europäische Denkweise als eine originelle, aus Büchern nicht herausgelesene geistige Lehre, obwohl es in Wirklichkeit eine tibetanische Lehre ist, die Lehre vom Mahajana-Buddhismus. Sie zieht in Betracht die Psychologie und Gesinnung des gegenwärtigen Europäers. Sie zeigt ihm den Lebensweg, so daß er sein Wesen in seiner Gesamtheit vervollkommnen könnte. Sie befasst sich mithin nicht nur mit einer der Wesenkomponenten, mit entweder physischer oder mentaler, geistiger oder sittlicher, sondern sie entwickelt harmonisch alle auf einmal. Sie trägt darum die Charakteristik vom Mahajana-Buddhismus, weil K. Minarik ein Tulku von Marpa ist, vom vierten Mitglied der Schneeweißen Dynastie von Kagyüpas, eines tibetanischen geistigen Ordens. Er wurde das sechste Mitglied dieser Dynastie, und steht im Rang nach Milaräpa. Er übertrug folglich die Lehre dieses berühmten Ordens, dessen Existenz schon in Tibet aufhörte, ins Europa auf dem geistigen Wege, und zwar durch die eigene direkte Erkenntnis.

    Die Leser der Westhemisphäre kennen die Biographien der Patriarchen vom Orden Kagyüpas: Tilopa, Naropa, Marpa und Milaräpa. Ihre Biographien wurden von ihren Nachfolgern und Verehrern niedergeschrieben. Wir wollen hier den Lesern aus der westlichen Halbkugel den Lebenslauf eines weiteren Mitgliedes der Schneeweißen Dynastie von Gurus Kagyüpas - Kvetoslav Minarik präsentieren. Die Biographie schrieb er selbst nieder, und er nannte sie:

KETSCHARA

Der Pilger durch das Himmelsgewölbe

Zu dieser Autobiographie führt er folgendes Motto an:
"Ich bin derjenige, der die Einweihung ins Mahajana gewann
und brachte es nach Europa,
um es als eine Frucht des günstigen Karmas zu übergeben
den Menschen, die sich am Ende der tödlichen Nacht
der Unkenntnis befinden."

    Erfüllte sich die alte Prophezeiung Mitteleuropas?

    Welche Prophezeiung? Daß neuer Christus auf die Welt komme, und daß er auf dem fünfzigen Breitenkreis geboren werde. Wann? Darüber sagen die alten Weissagungen nichts aus, aber mit Rücksicht auf die allgemein verwirrte Zeit der christlichen Ära und auf die Sehnsucht nach „besseren Zeiten“ erscheinen mehr Mutmaßungen von verschiedenen Rutengängern. Das sieht allerdings der normal aufgebaute Mensch, der sich von der auf gegenwärtiger Ausbildung aufgebauten Mentalität leiten lässt, skeptisch, bzw. ablehnend an. Berechtigt? Wohl ja, aber es gibt viele Dinge „zwischen Himmel und Erde“, die plötzlich auftauchen, und die nicht nur ein normaler Mensch, sondern auch ein hochgebildeter Intellektueller weder zu erklären noch zu begreifen weiß.

    Na also, kann man so etwas wie eine Neuankunft Christi oder eine Ankunft neuen Christi für real halten? Viele Angehöriger diverser christlichen Sekten zweifeln daran nicht. Die Wissenschaft hingegen hält es und wird es halten für eine Phantasie religiöser Schwärmer – nur daß, wie ich schon erwähnte – es viele Dinge zwischen Himmel und Erde gibt... Was wenn so etwas schon geschah? – Und es war darin nichts Wunderbares.

    Aber zur Sache. Ich möchte hier einige Fakten anführen, die zu diesem Thema etwas bringen und durchaus real sind.

    Christus, griechisch Christos, symbolisiert nicht nur die Person, sondern gleichzeitig einen kosmischen Zustand. Im Sanskrit ist das der Zustand „Turya“, d.h. der vierte Bewusstseinszustand, Avastha. Der Zustand vom „Überbewusstsein“, die ungeteilte Erfahrung. Der Zustand, welcher sich über dem traumlosen Zustand befindet und allen anderen Zuständen vorgesetzt ist. Im Zustand Turya weiß der Yogi schon von dem Zustand des Absoluten, der noch vom Bewusstsein der Existenz verdunkelt ist. Es geht daher um einen Zustand vom hohen geistigen Bewusstsein. Wer diesen Zustand realisiert, wird Christus.

    Das gleiche gilt auch für andere Zustände. Zum Beispiel, wer den Zustand Brahma realisiert, wird Brahma. Das ist eine Analogie vom christlichen Gott-Schöpfer. Er ist eine Personifikation der unpersönlichen Gottheit, die erste Ursache des ausgeprägten Kosmos. Die determinierte und daher noch begreifliche kosmische Energie, die Qualität unmittelbar an der Grenze der Formlosigkeit (Leere) und aller Erschaffungsstufen. Sie ist im Bereich der durch den Yoga höchstentwickelten Wahrnehmungsfähigkeit. Darum ist Brahma für die primäre Ursache des Kosmos zu halten, bzw. für den Uranfang des schöpferischen Zyklus der werdenden Welt. In der anthropomorphischen Auffassung wird Brahma für Gott gehalten – die Wesenheit, die aus eigenem Antrieb und Entscheidung den Kosmos schuf. Doch vom Standpunkt der auf verschiedene Weise bemerkbaren Tatsachen, d.h. vom objektiven Standpunkt, ist der Brahma durch die Sinne noch wahrnehmbares, oder feststellbares Geschöpf – die geistige Kraft des Universums.

    Wer den Zustand Bodhi – den Zustand der vollkommenen Weisheit, realisiert, wird Buddha – der Vollkommene.

    Jene mittelalterlichen Propheten erwarteten den zu kommenden als einen absolut vollkommenen. Da sie in ihren Vorstellungen die Vollkommenheit nur in Christus erfassten, gaben den Erwarteten diesen Namen. Der Name Buddha war damals hier noch nicht bekannt. Er kam schon, nicht aber mit Pomp und Wundern, sondern als EINER VON UNS.

    Die oben erwähnten Sachen bemerkte ich im Voraus dazu, was ich hier ferner als eine wahre Geschichte anführe.

    Hier, in Mitteleuropa, in Tschechien, das heißt auf dem fünfzigen Breitenkreis, wurde ein Mensch geboren, der aufgrund seiner Konzeption vom Yoga verschiedene Realisationen und hohe kosmische Einweihungen erlangte. Er erreichte die Buddhaschaft. Ebenfalls wurde er der Tulku des tibetanischen Lamas Marpa, der einst, vor etwa 900 Jahren die Schule von Kagyüpas gestiftet hatte. In der Linie dieses Ordens ist Kvetoslav das sechste Mitglied der Gurureihe von Schneeweißer Dynastie. Die Erbfolge dieser Schule: Der himmlische Vajhradhara (Vajrasattva, tibetanisch Dorje Chang), Tilopa, Naropa, Marpa, Milaräpa, Kvetoslav. Sein bürgerlicher Name war Kvetoslav Minarik.

    Geboren hier in Tschechien, formuliert er seine Erkenntnis in seiner Sprache, ohne daß er einige Texte der Tibetaner übernehmen und interpretieren müsste. Die Lehre ist daher aus Tibet auf dem geistigen Wege übertragen. Sie wird vollkommen erläutert, ohne Notwendigkeit der Übersetzungen aus tibetanischer Sprache, aus importierten Texten. Seine Erkenntnis formuliert er in Büchern, die er selbst verfasste. Mit tibetanischen Texten kann man sie einfach vergleichen. Es war möglich, seine Bücher erst nach seinem Tod, nach dem Zerfall des kommunistischen Regimes, herauszugeben. Sie sind jedoch vorläufig in seiner Muttersprache, und KETSCHARA, seine Autobiographie, ist das erste Werk, das ich der Öffentlichkeit in deutscher und englischer Version vorlege. Als nächste Stücke aus seinem Werk führen wir nur kurze Aufsätze an, und zwar im Englische „Der Weg zu Unsterblichkeit (Path to immortality)“ und in deutscher Sprache „Yoga und Gesundheit“. Weitere Bücher werden folgen. Kvetoslav verfasste insgesamt 10 Bücher, in denen er seine Lehre von vielen Seiten auslegt.

    Ich schreibe davon, daß die alte Lehre Tibets ins Europa auf dem geistigen Wege übertragen wurde. Ich nehme an, daß diese meine Behauptung kein Verständnis vorfindet. Wie viele Leute mag wohl wissen, worum es sich handelt, was das bedeutet. Das ergibt sich aus der Autobiographie des Meisters.

    Diese Gelegenheit, wo wir der weiten Öffentlichkeit das Werk meines Gurus vorlegen, möchte ich ausnützen, um etwas über die geistigen Zentren auf der Erde zu sagen. Es gibt mehr derartige Zentren wie beispielweise Indien und Tibet. Leider verwandeln sich schon diese Zentren in bloße Torsos großer Lehren.

    Tibet mag heutzutage als ein klassisches Beispiel gelten. Ich erlaube mir zu behaupten, daß der Ruhm Tibets als eines geistigen Zentrums dorthin nicht mehr zurückkehrt, selbst wenn Dalajlama dahin zurückkäme. Der Grund? Nicht weil Tibet von Chinesen okkupiert wird, sondern weil sein Potential der geistigen Kräfte schon losgestrahlt ist. Seit den Zeiten Milaräpas erschien dort niemand mehr, der die Erkenntnis realisieren würde und der Welt in solcher Überlieferung brächte, so daß diese an die Weltentwicklung anbinden könnte. Die entsprechende Spannung gibt es dort nicht mehr, und nur deshalb konnten die Chinesen dieses Territorium okkupieren und das Volk sowie das Land allmählich verwüsten.

    Diesem Gesetze unterliegen alle Plätze in der Welt. Also war es bei allen großen Lehren. Zum Beispiel: Zur Zeit des Eingangs vom Frühlingspunkt ins Sternbild Stier erstrahlte in die Welt die Lehre von Osiris in Ägypten . Sie bestand in vollem Glanze bis in die Zeit, wo nach etwas mehr als 2000 Jahren das Sternbild Widder in Wirkung trat, und das geistige Zentrum sich nach Nahem Osten, nach Jerusalem verschob. Zum Zeitpunkt vom Frühlingsanfang in Fischen, wo allmählich das Christentum zu dominieren begann, verschob sich das Zentrum nachgerade nach Rom. Dieser Vorgang ist allerdings die Ausrichtung der Religionsentwicklung im Okzident. Die ursprünglichen Elemente vom Christentum muss man in Altägypten suchen. Der Orient hat etwas andere Orientierung.

    Jede dieser Basen wurde nach ihrem Ausstrahlen oder nach ihrer Abnutzung vernichtet. Das gilt jedoch für die ganze Erdkugel. Dieses Schicksal betrifft jetzt Tibet, und es ist klar, daß dies unwiederbringlich wird. Indien war graduell schon etwas früher verloschen. Aber im Orient gestalteten sich neue Lehren aufgrund anderer Gesetzlichkeiten, als bei der Reihe von Lehren, die ins Christentum ausmündeten und die weiße Rasse beeinflussten. Wohin verschiebt sich der geistige Schwerpunkt jetzt? Vielleicht begreifen Sie das, wenn Sie KETSCHARA, die Autobiographie vom Sohn Vishnus gelesen haben.

    Wir stehen gerade auf einem wichtigen Entwicklungspunkt der Menschheit. Nicht nur treten wir in die Periode, wo sich der Frühlingspunkt in den Wassermann verschiebt. Gleichzeitig geht das Zeitalter Brahmas zu Ende, und das Zeitalter Vishnus beginnt – durch die Geburt den Sohn Vishnus. Und dies wird den grundsätzlichen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Leute ausüben. Jetzt treffen sich zwei Hauptrichtlinien der Auffassung geistiger Erkenntnis – der Osten und der Westen – Buddha und Jesus.

Josef Studeny
Direkter Schüler des Meisters