Kapitel VIII
Zwei Realisationen

    Im mystischen Fortschritt von Frau L. geschah nichts besonders Merkwürdiges. Sie kam tagtäglich zu mir, erhielt Ratschläge und Aufgaben, und dann ging sie wieder weg. Erst eines Tages konnte ich ihr mitteilen: „Sie haben gerade den mystischen Weg angetreten.“

    Sie wunderte sich und unwillkürlich entschlüpfte ihr eine Klage: „Ach ja, wo denn ich erst bin. Ich dachte, ich bin doch nur etwas weiter.“ Ich belehrte sie, daß der Eintritt auf den mystischen Weg sehr viel bedeutet, und daher soll sie sich nicht beschweren. „Sie werden schon sehen“, sagte ich.

    Zu Hause sondierte sie, was geschah, daß ich ihr dies mitteilte. Dann stellte sie fest, daß sie gerade zu konzentrieren erlernte. Diese Zusammenhänge stärkten ihr Vertrauen zu mir. Ihre Besuche hörten auf eine Pflicht zu sein, falls damit einige Schwierigkeiten verknüpft wurden, und sie fing an gerne zu kommen.

    In der Zeit bemerkte ich auch bei mir eine gewisse Änderung. Bei Meditationen, in denen ich mich selbst beobachtete, stellte ich plötzlich fest, daß mein Körper wächst und wächst, bis er das ganze Tal und die Berge dahinter, wie sie von uns in Sichtweite sind, bedeckte. Ich hatte robuste Brust und Arme, und außerdem gab es hier eine Tendenz zum weiteren Erstarken dieser.

    Es war mir auffallend, und endlich schloss ich daraus: Es wird wohl etwas Ungewöhnliches geschehen. Sonst wäre mir solche Ausrüstung nicht nötig. Und noch etwas:

    In diesem Zeitraum fuhr ich häufig nach Hradec Králové (Königgratz). Ich fuhr über Jièin, und auf einer Stelle zog immer etwas im Raum meine Aufmerksamkeit. Es hatte jedoch keine bestimmten Konturen, und so vergaß ich darauf, wie man auf Träume vergisst. Aber knapp vor der Realisation war dieses Etwas sehr deutlich.

    Es war ein Rutenbündel umgeschlungen mit vierter Rute. Und jedes Glied dieses Bündels wurde wie aus Feuer zusammengelegt, und dieses Feuer war ähnlich des vom Kugelblitz.

    Auch diese Vision, als sie schon so deutlich wurde, schien mir ein Vorzeichen ungewöhnlicher Sachen zu sein. Nach Einzelheiten forschte ich jedoch nicht. Ich war gewohnt, alles so anzusehen, daß es immer zu rechter Zeit kommt. Warum also eine konkrete Bedeutung der Erscheinungen verfolgen? Nur im Kopf leuchtete mir ein Verständnis des Symbols auf; ich wollte jedoch den Vorboten weder standhalten, noch diese begehren.

    Mittlerweile kam die innerliche Entwicklung bei Frau L. in so rasche Bewegung, daß ich mich später beklagen musste: Dieser Wagen hatte sieben Bremsen, und acht von denen musste ich anziehen, damit es zu keinem Unglück kam. In sechsundzwanzig Tagen nach der Mitteilung, daß sie auf den mystischen Weg getreten war, konnte ich ihr in Form einer Frage ankündigen: „Wissen Sie, daß Sie eine Realisation erlangt haben?“

    Sie antwortete negativ. Ich dachte mir etwas über dumme Weiber, die selbstverständlich solche Dinge nicht wissen können – und ich schwieg.

    Zwei Tage darauf fragte ich erneut. Sie stimmte zu, aus manchen Zeichen schließend, ohne daß ich genau wusste, aus welchen. Nur daß meiner Meinung nach der Realisationsvorgang in voller Kraft war. Aufgrund dessen schloss ich auf manche Sachen, ich forschte, warum der Erfolg so bald eintraf, und als ich das ohne direkte Anfrage feststellte, entschied ich:

    „Diese Realisation muss Vishnu selbst anschauen kommen.“

    Es war eines Abends.

    Noch an demselben Abend saß ich im Wachzustand in einer Vision auf einem gewissen Riesenstein, und gegen mich erhob sich eine hünenhafte Figur, die aus der Leere ausgestiegen war. Ich beschaute ihre robusten Glieder, riesigen Bauch, die Brust voll mit Milch, von denen ich schloss, daß sie Millionen Menschenwesen stillen könnten. An Stelle Kopfes eine stark glühende Sonne. Die Augen der Figur im schrecklichen, üblich das Entsetzen erregenden Lächeln, wandten sich und rollten sich wie bei den furchtbarsten Göttern, die man beim Durchziehen über das Universum sehen kann.

    Plötzlich hatte ich Freude. Eine wahnsinnige Freude, was hier denn geboren wurde, und wie ein Mensch, der von einem unverhofften Glück unzurechnungsfähig wurde, lief ich um die Gestalt herum, und mengte ich mich unter die entsetzten, geringen Geschöpfe der Astralwelt. Ich mengte mich ein nur zu beweisen, daß die schreckliche Kraft, die sich durch eine gewisse Spannung manifestierte, einem auch etwas Liebes darstellen kann.

    Dann saß ich wieder ruhig. Von der Figur trennte sich ein kleines Mädchen, die Frau L. selbst in blutjunger Ausgabe. Erfüllt von Munterkeit, Kraft, Mäßigkeit und reiner Unschuld, trat sie vor mich wie vor den Vater, und auf ihrem Gesicht war eine gewissermaßen schalkhafte und doch wahre Frage zu sehen:

    „Was soll ich tun?“

    Ich hatte aus alledem Freude und überlegte es eine Weile, bis ich zu einer Erkenntnis gelangte, daß sie einen Namen bekommen muss. Ich sprach diesen nur mit einem Wort aus: „Wahrheit.“

    Dann zog ich sie zu mir an und belehrte sie, daß diese gewaltige Figur hier sie selbst ist. Sie heißt Pistis Sofia, derer Namen entheiligt wurde und schon lange eine Prostituierte bezeichnet, so daß ich heute ihren Namen anders mache.

    Sie schien zufrieden zu sein, und ich verspürte etwas wie Kraftimpulse aus ihrem Körper. Dabei bedachte ich, daß dieser Namen doch nur zu kühn ist, und daher widersprach ich und rief: „Ein Kind der Wahrheit.“

    Sie sprang auf und opponierte: „Wahrheit.“

    Und dann lief sie schon in einem weiten Bogen dorthin, wo sie schon alle Erdumkreise überschritt, irgendwo im Weltraum, in Horizontallage zu der Stelle, wo ich saß. Dabei schrie sie zu meinem Necken „das Kind der Wahrheit“ zeitweise auf: „Wahrheit, Wahrheit!!“

    Sie kam langsam zurück.

    Ich schwieg.

    Sie kam in nächste Nähe. Vor ihr lag etwas Dunkles, und sie zielte darauf hin. Ich konnte unterscheiden: Ihr eigener menschlicher Körper. Sie vertiefte sich schon in ihn. Es fiel mir noch ein, sie etwas zu necken, ehe sie sich in ihn vertieft: „Das Kind der Wahrheit.“

    Sie war schon gänzlich in den Körper vertieft, aber doch hob sie wieder den Kopf und rief: „Wahrheit!“

    Und dies legte ich später Frau L. als eine Tatsache vor.


    Die Vision verschwand, und ich war erneut im Zimmer. Ich überlegte die Erscheinung, und dann ging ich zu Bett. Nur mit Mühe schlief ich ein, aber dann schlief ich doch ein und träumte, daß ich in irgendwelchem Hause war. Ich heizte den Ofen ein; die Kohle geriet in Brand und glühte, der Ofen erbebte, bis man Detonationen hören konnte, während draußen ein Sturmwind tobte, und ein Gewitter und furchtbare Donner rollten in der Natur.

    In wachem Zustand hatte ich einen von Bedeutung genauen Traum. Dabei konnte ich jedoch etwas realistischeres erwägen. Ich fühlte nämlich, daß ich der Frau L. gegenüber wie eine Gewitterwolke der überhitzten Erde gegenüber war. Sogar konnte ich die Frau L. wohl mit der Spitze vom Blitzableiter vergleichen, auf welchem „das Eliasfeuer“ erscheint. Das erweckte in mir gewisse Sorgen, die in der Entscheidung kulminierten: Ich werde wegfahren, damit wir uns nicht treffen können.

    Ich eilte daher die Straßenbahn zu erreichen, aber ich begegnete Frau L. in einer für ihren Besuch ungewöhnlichen Stunde. Ich entschuldigte, daß ich wegfahren muss, und dabei gab ich acht, damit sich unsere Augen nicht trafen. Danach fuhr ich schon weg.

    Noch unterwegs in der Elektrischen zum Bahnhof musste ich eine merkwürdige, heterogene Spannung ausgleichen, und etwas Stürmisches ging durch mein Wesen. Wir waren schon in Rychnov (Reichenau) auf dem Marktplatz, was die letzte Station vor dem Bahnhof ist.

    Ich schaute den Himmel hinauf.

    Plötzlich sah ich dort irgendeine Tür, eine reine, alabasterne, welche sich aufmachte, und darin erschien das bedrohliche Antlitz Gottes. Anschließend schon nur die Gottheit selbst.

    Etwas wie eine mächtige Kraft riss mich aus dem Körper heraus, und ich langte auf einem gewissen Monster toter Erde an, die sich ins Endlose erstreckte, weit hinter die Ausmaße der Erde selbst, vielleicht an die Grenzen unseres Sonnensystems, vielleicht viel, viel weiter.

    Ich stand hier fest und schaute den mächtigen Herrn, den Vishnu selbst an. Dann flog ich aber auch aus diesem Körper heraus, hoch und weit hinter das Sonnensystem; alsdann wandte ich mich und flog zum Sonnensystem zurück. Da öffnete ich schon die schrecklichen Kiefer weit, und in meinen Mund fiel der unsichtbare Abglanz unseres Sonnensystems, der Brahma selbst.

    Ich fühlte schon den Brahma in meinem Eingeweiden, aber ich flog immer weiter und dabei verlor die von Abmessungen gegebenen Stützen, die oben, unten, rechts und links angeben. Ich hatte ein Gefühl der Unsicherheit infolge der Unmöglichkeit die Richtung zu erhalten, und ich begriff, daß auf solche Weise man sich auf den seltsamen Wegen der großen Mystik verlieren kann.

    Ich stabilisierte meine Lage angesichts meiner selbst. Aber da sah ich schon in der Ferne vor mir etwas massives, unbestimmtes sich zeichnen - wohl ein weltliches oder karmisches System. Und schon berührte ich es mit meinem Bauch, während ich konstatierte, daß es um irgendeine Hölle geht, die mir fest in Gesetzen der Gerechtigkeit gegründet schien. Ich konnte weiter nicht mehr schlucken, und nicht einmal möchte ich dieses „Land“ der Gerechtigkeit. Und so, berührend meines augenblicklichen und unwillkürlichen Erachtens unmittelbar den Boden des Universums, zielte ich wieder mit einem großen Bogen zurück, dorthin, woher ich herausgegangen war.

    Ich fand mich wieder auf einem Erdenrund, dessen Schichten wohl in einer endlosen Zeitperiode in einem Land, das besiedelt werden darf, heranreifen werden mögen, und dabei schaute ich den Vishnu an, der hier vor mir stand.

    Seine Nasenlöcher und sich verschließender und öffnender Mund sowie sein Kopf warfen auf und bliesen Feuer, aber langsam veränderte sich dieses Bild in die normale, herrliche Gottesfigur, wie wir diese auf indischen Zeichnungen dieser Gottheit sehen können.

    Ich trat aus dem Erdenrund, wo ich stand, heraus, und ohne Sorgen um einen beliebigen Boden unter meinen Füßen, ging ich durch den Raum dorthin, wo Vishnu stand. Mein Luftweg erhob sich sehr rapide, und ich bestimmte irgendwo im Hintergrund, daß auf diesen steilen Hügel, erkennbar nur durch wachsenden Widerstand, kein Mensch weiter aufsteigen könnte. Aber da verneigte ich mich schon zu Füßen Vishnus, und in einer Vorstellung berührte ich mit meinen Lippen seine Füßen und das Heilige Land, welches ein Stückchen vorne von dem Tor in Richtung zu mir lag. Dann hob ich den Kopf und fragte wortlos:

    „Bist du zufrieden?“

    Während die Gottheit eine Zustimmung zeigte durch eine Verwandlung in den herrlichen Vishnu mit seinem Himmel im Hintergrund, raffte ich die gesamte Kraft meines Wesens zum Schärfen des Sehensvermögens zusammen, damit ich den Körper der Gottheit durchsehen und in ihre Welt Einsicht nehmen konnte. Und da, über Millionen und Milliarden irdischer Jahre, stieß ich auf irgendeine Wand, ein Hindernis im Hintergrund, welches unter meinem Blick zerfiel. Und so hinter dem sozusagen mit Edelsteinen und seltsamen materiellen Substanzen getäfelten Himmel warf ich einen Blick in das erhabenere, achtunggebietende und von Harmonie übersprudelnde Zeitalter Shivas...

    Und ehe ich auf diese Weise mit meinem Blick die Brust von Vishnu zerbröckelte, hatten irgendwo im ganzen Raum die Worte gedonnert: „Der Sohn Vishnus...“

    Dies war in der religiösen Ekstase der zweiten Realisation der erste Überfall meines Bewusstseins aus dem Zustand der Vorherrschaft von Zeit und Raum in den Zustand, in welchem diese Faktoren seine Gegenstände werden. Aus dem Grunde wird es am besten sein, wenn mir niemand aussetzen wird, daß ich über meine subjektiven Visionen spreche. Es ist nämlich nötig, die Erfahrung aus der Verschiebung des Bewusstseins aus der Basis des Weltallsubjekts auf die Basis des Objekts zu gewinnen, wobei der Kosmos die frühere Aufgabe vom individuellen Bewusstsein annimmt, mit welchem man ausgestattet ist.

    Schließlich hängt es nur von den Bedingungen ab. Sollte ein beliebiger Mensch wirklich einen Erfolg haben in seiner Bemühung um die Vernichtung des Denkens in zeiträumlichen Beziehungen, würde er plötzlich erkennen, daß der Kosmos eine interne Erscheinung in der Bewusstseinsqualität ist, die das Bewusstsein jedes Menschen wird, der die bisherigen Grenzen der Bewusstseinsprozessen vernichtete.

    Das allein bestätigt das die Relativitätstheorie auf der psychisch-physikalischen Basis; daß diese Erfahrung wirklich ungewohnt ist, spielt überhaupt keine Rolle, weil sich niemand bemüht, das Netz vom Zeitraum zu zerbrechen, welches sein Bewusstsein fesselt. Außerdem führt die Erfahrung mit dem Überfall des Weltalls aus der objektiven in die subjektive Sphäre (im Verhältnis zum Bewusstsein) zu Freude erregender Bestätigung, daß das Weltall eine Illusion ist, die Wissenschaft in Wirklichkeit erkennt, aber die Leute diese nicht bestätigen wollen, weil sie die Beweiskraft den Sinnen zugestehen, von deren Existenz sie hingegen behaupten, diese seien eine Kundgebung der Materie.

    Was meine Erfahrung mit Brahma anbelangt, soll der Leser diesen als eine Qualität verstehen. Diese Qualität ist unbedingt nötig, damit die Welt und das gesamte Geschehen im Universum eine sittliche und hiermit auch die strukturelle (physikalische und Gravitations-) Ordnung hat. Dabei sind die vorwiegenden Absorptionsfaktoren dieser Qualität die Leute, welche, indem sie sich mit Gedanken von dieser Qualität immer mehr entfernen, wirken sie auf diese Qualität wie eine Zentrifuge auf Wasser ein. In einem anderen Sinne heißt das, daß die menschlichen Wesen als physikalische Faktoren an der Grenzlinie der Welt von Phänomenen und Kräften verursachen durch ihre Lebensweise, daß die Qualität, auf welche sich alle sittlichen und andere psychologischen und geistlichen Werte stützen, sich immer stärker ihrer Welt entzieht. Das ist allerdings die Ursache, weil in der Menschenwelt die materialistische Anschauung erscheint, die ein Vorgänger von Selbstvernichtung ist.

    Ich geriet in dieser Periode, von der ich gerade rede, in eine Situation, daß ich die brahmische Qualität in mein Innere einnehmen konnte. Symbolisch sollte es bedeuten, daß ich einigermaßen das reparierte, was die Leute stets verderben; die Bedeutung dessen darf weder ich noch jemand anderer beurteilen, da diese nur die Zeit zeigen mag. Und dieser Verweis auf die Zeit stimmt mit mystischen Lehren von Orient überein, die darüber aussagen, daß die Weltanschauung und die damit verbundenen Weltschicksale aus tiefen inneren Voraussetzungen geboren werden, deren Gründung sich jeder üblichen Wahrnehmungskraft entzieht.

    Außerdem könnte es für den Leser eine Überraschung sein, daß des Shivas Alter - das Zeitalter vom Gott-Vernichter, in Visionen weitaus schöner erscheint als das Zeitalter von Vishnu, vom Gott der Liebe und der Güte. Die Vernunft deutet uns jedoch an, daß das Zeitalter Shivas, des Gottes der Asketen, sich durch den Verzicht auf das alles auszeichnen muss, was die Elementarbegierde hervorruft.

    Verzichten die Leute auf Bemühungen um Erwerbung der Sachen, die ihre Lüste erregen, ergibt sich daraus eine Voraussetzung für das Entstehen vom paradiesischen Zusammenleben auf der Erde. Mittlerweile entwickeln sie ihre Begierde, weil es vermutlich ein Merkmal von Rationalismus, Klugheit, Weisheit und intellektueller Entwicklung sei. Deshalb müssen sie für diese ihren Vorzüge mit Sklaverei, Leiden, Ernten von Hass, Wahnsinn und Übel zahlen. Aber lassen sie sich denn über diese klaren Zusammenhänge belehren? Sie werden weiterhin glauben, sie schwangen sich über die vermeintliche Dummheit empor, die nur eine Einfachheit der Gläubigen, der von Natur besseren und barmherzigeren Leute war.

    Angenommen, daß es mit dem Vishnu nur ein Traum war, welchen wir unter sonderbaren Bedingungen träumen können. Eines war jedoch sicher. Seit diesem Moment, sehr lange Zeit hindurch, solange, als es mir nicht gelang das sich empörende ekstatische Innere zu beruhigen, zerfiel mir jede Situation in karmische Ursachen und Folgen, und es blieb daraus nichts, was man ein Rätsel der Gegenwart nennt. Hierdurch entstand in mir unermessliches Wissen, über welches ich sehr oft bedachte: Wieso werde ich aus diesem Wissen nicht wahnsinnig?

    Jawohl. Vor meinen Augen wurde die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der karmischen Prädestination eine bloße Gegenwart, und ich blickte ins entsetzliche Samsaro, dessen Fangarme immer alles halten, dem die Lebenswege der Lebenstrieb bestimmt und nicht das reine Bewusstsein als der Aspekt vom unbegrenzten Bewusstsein.

    Außerdem tauchte in mir ein Eindruck auf, daß ich in die weltlichen Schicksale der Menschheit einen Hebel der heilsamen Moral einfügte, der weder Menschen und Dämonen, noch den Göttern und sogar noch mir selbst in der Zukunft auszureißen gelingen wird. Daher beanspruchte ich, für keinen phantastischen Träumer gehalten zu werden, der seine Abstraktvisionen auf die Wirklichkeit anwendet. Ich weiß nämlich, daß die Weltschicksale eine vollendete Tatsache sind, derer Geburt durch sittliche Anschauungen der Menschen und der Geschöpfe von Vergangenheit bedingt worden war, und das die sittlichen und politischen Leitsprüche der Gegenwart nur eine Lüge darstellen, die unwissende und geistig blinde Führer den blinden Menschen in ihre Gesichter nur darum schleudern, weil dahinter ein Ehrgeiz dieser Führer lauert, der noch von ihrer Sittenverderbtheit unterstützt wird.

    Ja. Ich wurde ein Rad, dessen erste Radfelge die alles Lebendige überwindende Kraft war, die den Atem der Moral bildete; dieser Atem begann von da ab durch die Welten des Lebens zu wehen, und ich - nach gewissen Merkmalen - kann nur trauen, daß er beginnt, die animalische Weltanschauung zu durchdringen und diese zu bekämpfen, die uns soviel unerträgliches, schweres karmisch Böses verursacht hatte.

    Übrigens ist es kein Grund vorhanden, etwas zu verschweigen. Ich weiß nämlich, daß Weltschicksale nicht in Händen von Diktatoren liegen; diese führen nur die Befehle des Karma aus. Sonst ist alles enthalten in der höchstsubtilen Spannung, die Menschen zur einer gewissen Sittenanschauung führt, von welcher das wirkliche Schicksal abhängig ist. Warum könnte nicht daher der mächtige Mentalstrom, der aus dem Zustand hervorging, in welchem das Bewusstsein die Macht vom Brahma selbst überstieg und vor den Thron Vishnus trat, eine elektrisierende Kraft werden, die sich nicht selbstbeherrschende Menschen zu einer anderen, besseren Weltanschauung führt? Die mystischen, mentalen und psychologischen Kräfte arbeiten in Herzen und Gehirnen der Leute und bilden selbst das, wozu ein sich nicht kennender Mensch sagt: „Ich will das.“ Dies ist der Hebel, welcher die ganze lebende Welt bewegt, ihr tägliches Bewusstsein auslässt und die Ansicht erzeugt, von deren die Leute post festum behaupten, sie sei ihre Ansicht. Es ist nämlich klar, daß obwohl die Leute mit der Kraft des täglichen Bewusstseins und mit dem von der Existenz dieses Bewusstseins abhängigen Willen ausgerüstet sind, doch werden sie von mechanischen Faktoren betrieben, die vielleicht nur psychologisch sind, die aber in jedem Falle alle Neigungen und Bedingungen erzeugen. Diesbezüglich ist der Begriff „ich kann“ von der Bedeutung nur ein resultierender Faktor, und aus demselben Standpunkt erscheint uns der Mensch nur als ein armseliges Geschöpf, dessen Geistverdunkelung eben durch sein falsches Selbstbewusstsein gesiegelt wird. Darum glaube ich der Wirkung von Mentalkraft des Augenblicks und seinen Umständen, welche mit der Vision von Vishnu zusammenhingen, und auf diesem Grund setze ich voraus, daß der Moment, wo ich Vishnu erblickte, begrüßte und berührte, ein Augenblick neuer Mentalströme wurde, in welchen das Zeitalter voll sittlicher und schicksalhafter Krisen ertrinken wird und durch ein Zeitalter mit besseren Schicksalen ersetzt wird.

    Wann geschieht das alles? - Die Zeitschlacken, die sich aus der Umarmung vom Saturn abschütten, können zuverlässig nur das Leben von Materie und Sinnen messen. Diese versagen dagegen vor dem Antlitz der Mentalspannung. Deshalb ist der Vorgang zu der sittlichen Genesung nur empirisch festzustellen, aber das Zeitalter von Vishnu scheint mir nicht unabsehbar zu sein. Um so mehr, daß die Leute von heute den Mentalzuständen näher sind als die Leute von früherer Zeit. Und in ihren Herzen kreuzen sich häufig Schwerter von Moralverfall und Sehnsucht nach sittlicher Genesung. Das selbst sei ein günstiges Vorzeichen, welches die Hoffnung hat, in absehbarer Zeit sich zu erfüllen...

    Später, als mich das Ereignis mit dem Gott Vishnu nicht mehr so viel berührte, überlegte ich die Sache. Ich hatte doch den Brahma verschluckt, und darum können wir voraussetzen, daß damals, im März 1946 sein Zeitalter zum Abschluss gelangt war, und das Zeitalter von Vishnu begann. Aber es tut mir nicht einmal leid. Ich erkenne in jeder Zelle des Weltraums, daß das Zeitalter Brahmas eine Periode von Blut und Opfern, vom unbegreiflichen, ewigen Vernichten war, in welchem sich Hekatomben anhäuften wie unter der Regierung eines grimmigen Greises-Monarchen. Und obwohl ich weiß, daß nach Traditionen Vishnu eine höhere Einheit repräsentiert, unter deren Herrschaft zahllose Brahmas erscheinen, doch hoffe ich im stillen, daß ein neues Zeitalter langsam zur Welt kommt, wo Vishnu gleichzeitig Brahma sein wird und Brahma Vishnu, nach den Charakterzeichen. Wenn die miteinander durchsetzte Regierung doch nicht eine Ewigkeit dauern würde!


    Die „Erscheinung“ war zu Ende. Wir waren mit der fahrenden Straßenbahn etwa 300 bis 500 m ferner von der Stelle, wo sich vor meinen Augen der Himmel zu öffnen begann, und daher konnte ich wieder das jetzt grauere Tor im Himmel anschauen, woher vorhin Vishnu ausgestiegen war. Und mein Zustand war merkwürdig. Ich schaute mit Augen gerade in die Sonne, die hoch im Frühlingshimmel stand, und doch schien mir diese im Vergleich mit dem Licht der vorhergehenden Vision als eine so dunkle Kugel wie eine Flamme von Petroleumlampe im Vergleich mit der Sonne unter normalen Umständen. Danach wandte ich Blick auch von der Sonne ab, und alles, was hier rund um stand, schien mir finster, wüst und siech.

    Da hielt schon jedoch die Straßenbahn an. Ich stieg aus und ging zum Bahnhof; es kam mir aber in diesem hellen und sonnigen Tag vor, daß ich am grauen und trüben Tag gehe, welchen wir im vorgeschrittenen Herbst gewohnt sind, an dem die Mittagssonne sich niedrig über dem Horizont schleppt...

    Ich saß im Zug, und in meiner Brust wechselten seltsame Gefühle. Ich sah in Täler verstreute Häuser, und die Brust krampfte sich mir zusammen, denn sie schienen mir als ein verkörperlichtes Leiden. Alles war verhüllt im Halblicht und Halbdunkel, und hiermit wurde der Eindruck sehr tief. Und die Sonnenstrahlen, die auf allen fielen, konnten meine trüben Eindrücke nicht bannen.

    Der Zug fuhr weiter und weiter, aber das Bild blieb unverändert. Dort, irgendwo in einem anderen Tal, wohl etwa ein oder zwei hundert Meter von der Bahnstrecke, stand eine Reihe anderer Häuser, deren Wände mich nicht hinderten, einen Mann und eine Frau zu sehen, deren zufriedene, und deshalb schweigende Inneren und Münder so seltsam mit ihrem schweren Lebensschicksal kontrastierten; dies wusste ich nicht mal zu begreifen. Und diese Situation drückte mein Herz, und ich hatte aus dieser gesamten Ansicht ein Gefühl, als ob mir in die Brust ein Messer von einem mich überfallenden Mörder eindränge.

    Dann stiegen immer neue Menschen in den Zug zu, sie sprachen, aber ihre Inneren waren völlig leer, und daher vermutete ich, daß sie sich nichts zu sagen haben. Und trotzdem plauderten sie miteinander. Das kam mir so seltsam vor, daß ich das nicht zu begreifen wusste. Sie waren wie murmelnden Bächlein, die zwecklos ihre Laute von sich in den Raum geben; die Bächlein sind jedoch leblose Dinge, aber das hier sind ja Menschen!

    Es schien mir, daß ich nie mehr erfasse, warum es die Leute gibt. Ich erkannte, daß sie hier nicht notwendig sind, weil in ihrer Brust ich nur Leerheit sah, und ihre Münde sonderbare Laute gaben, die doch keiner verstehen kann. Und doch schien es, daß sie sich untereinander verstehen. Und da weiß ich wieder nicht mehr, zu welchem Zweck. Sie möchten auch existieren und nicht einander verstehen. Und so könnte ich bis zum Tode denken.

    Schließlich fuhr der Zug aus dem hügeligen Gelände heraus in die Stadt. Ich hörte und erkannte: Wir fahren aus dem Gebirge heraus ins Gebiet, wo das Leben mächtiger pulsiert. Ich hörte den Lärm, den die Industrie gab, die Wagen rasten einher, und das Denken der Leute brüllte. Alles spielte sich sowohl draußen wie auch in meiner Brust ab, die unter diesem schrecklichen Leben wehklagte. Ich überlegte es: Wohl werden mich die Autos zerfahren, zerreißen und vernichten. Aber was liegt daran! Ich bin doch in der schwarzen Welt, wo nur der Mörder herrscht.

    Irgendeine Stimme, die auf meine Apathie reagierte, rief in mir: Fang dich wieder!

    Vorerst wusste ich nicht, wozu das gut wäre, aber später, als wir dem Ziel meiner Reise näher kamen,, sah ich es bereits als notwendig. Daher zog ich mir wieder ordentlich meinen Körper an, der bisherige Zustand fiel von mir, und ich konnte wieder fühlen, denken und Bewegungen machen wie ein „normaler“ Mensch...

    Ich ging zu Besuch zu Freunden - Mystikern. Vielleicht hatten sie Freude mich zu sehen, aber an mir haftete etwas davon, was eben geschah und aufhörte. - Dann kam die Nacht. In meinem Körper ging etwas vor, was ein Krankheitsgefühl hervorrief, aber meine Aufmerksamkeit zogen innerliche Sachen an.

    Die Spannung stieg nämlich wieder. Und in der Nacht trat eine Krise ein. Ich hatte nämlich Schwierigkeiten, die Dunkelheit wirksam zu fesseln, die sich schon von meinem Körper absonderte, und zwar etwa dafür, weil durch die vorhergehenden Ereignisse „das Feld gesäubert wurde“. Und doch nahm ich an, daß es einen Zusammenhang gibt zwischen dem, was mit mir geschah und den Schatten der gruseligen Zukunft, die später alle zivilisierten Menschen berühren sollte. Deshalb bemühte ich mich die sich lösenden Dunkelheiten zu verbinden und diese in die gut bekannte Figur des Hüters der Schwelle zu umgestalten.

    Es gelang mir schon, aber alles erfolgte an der Grenze der Erträglichkeit von Energie, über die ich verfügte. Der Hüter der Schwelle war bei mir, aber er hatte zu große Bewegungsfreiheit. Ich wollte das verhindern, und deshalb steigerte ich die Spannung. Ich legte mich zum Boden in eine unbequeme Position nieder und schlug meine Beschwörung in den Raum. Die Atmosphäre war sozusagen von Elektrizität geladen. Vor meinen Augen leuchtete das Licht des friedlichen Weltschicksals, und durch dieses Licht liefen finstere Schatten vom Verrat durch...

    Irgendwo in Osterfernen trat ein Licht hervor, das sich der Dunkelheit aufmachte. Da war ich schon entsetzt über die Silhouette der nahen Zukunft. Und der Hüter der Schwelle fühlte, daß dort seine Stelle ist, und er hatte auch genug Kraft hinzugehen. Der reißende Schmerz, mit welchem ich die Finsternis für mich erkaufen wollte, erschütterte meinen Körper. – Und doch konnte ich nicht. Daher fiel mir etwas über das reife Karma ein, das immer eine größere Macht hat als das junge Karma, vielleicht relativ gerade jetzt geboren. Und so flüchtete der Hüter der Schwelle.

    Irgendwo in der Ferne sah ich auf dem Lager die Körper von zwei Frauen liegen, meiner Ehefrau und der Frau L. Sie waren in Gefahr, daß sie vom Wächter der Schwelle gebrandmarkt werden. Er versank seinen Einfluss in Form seiner Hand in den Körper meiner Ehefrau, dagegen Frau L. war gegen diese Einwirkung immun, denn sie war im göttlichen Geiste hochgereckt.

    Dann verschwanden diese zwei Körper und der Schrecken der Schwelle ebenso, allerdings irgendwo im fernen Sibirien, während vor meinen Augen sich ein Bild der dringenden, argen Zukunft bildete, die unsere Leute, unser Volk berühren sollte.

    Durch fortschreitende mächtige Beschwörung raufte ich etwas aus den Dunkelheiten, die den Körper vom entflohenen Hüter der Schwelle formten, und schmiedete ich es hier in meiner Nähe an. Dabei harrte ich bis beinahe sieben Uhr früh aus, wo meine Gastgeber den Rundfunkempfänger einschalteten.

    Etwas lockerte sich. Plötzlich wurde es lose. Und in Worten und Musik hörte ich und auch meine Gastgeber die singende Freiheit, die allerdings nicht wirklich war, sondern nur in Hoffnung der Leute. Deshalb musste ich die uns bedrohende nahe Zukunft bedenken, hinter welcher sich vielleicht eines Tages die Sonne der besseren Verhältnisse auftaucht, die Sonne, deren Symbol durch die Fenster in die Stube strahlte.

    Ich war müde. Meine Gastgeber gingen weg, und mit Herrn F. verabredeten wir uns eine Zusammenkunft während des Mittagessens. Es wird dabei auch Dr. K. sein.

    Dann blieb ich allein.

    Ich war erregt von den Vorboten und bedachte meine Machtlosigkeit. Ich kehrte zurück in die Vergangenheit, wo ich für eine Scheibe Brot mächtige Wellen vom günstigen Karma entwickeln konnte, und erinnerte mich daran, wie ich von den Fanatikern abgerungen wurde, die ihre Ideale in irgendeiner „mystischen Hochzeit“, in Stigmen, im „Tröpfeln“ und in unterschiedlichen mystischen Zuständen fanden, welche sie auf den Altar ihrer Sinnenbegierde legen wollten. Ich duckte mich in Erkenntnis, daß mein Schicksal sehr schlimm war, denn obwohl ich den drohenden Vorboten seit mehr als neunzehn Jahren von Angesicht zu Angesicht stand, konnte ich doch nichts anderes tun als den fallenden Felsen anschauen, der die armen, in Unkenntnis jammernden Menschen verrammeln wird.

    Es war wohl nötig, einigermaßen hellsehend zu sein, damit man die Vorzeichen der politischen Lage wahrnehmen konnte, die in 1948 gestaltet wurde, aber es war auch möglich, durch das bloße logische Denken zum Schluss zu gelangen, daß das, was in diesem Jahre kommen sollte, wirklich kam. In Anbetracht dessen hielt ich meine Visionen in dieser Hinsicht nicht einmal für abnormale Wahrnehmungen, wie für ein Ergebnis der intellektuellen Bewertung damaliger Verhältnisse, die durchaus deutliche Tendenz aufwiesen.

    In dieser Sache verlor ich die volle Sicherheit nur deshalb, weil ich konstatieren musste, daß sogar die intelligenten und akademisch ausgebildeten Leute dem Kommunismus zuspielten, der doch sein Programm kundtat und zustande brachte. Außerdem war interessant auch das zu beobachten, daß viele dieser Leute nicht sahen oder nicht sehen wollten, wie der Kommunismus auf die Straßenmenschen einwirkt, wie er in ihnen die niedrigsten Triebe und Leidenschaften anfacht, nur deshalb, damit er ihr Gefallen erweckte und dann mit ihrer Mithilfe die so genannte Februarrevolution stiftete. Diese Feststellung erweckte in mir Zweifel, ob man doch nur die Kraft vom Sehendwerden nicht braucht, um in dieses politische Spiel zu sehen, welches auf das Schüren der elementaren Lüste gründete. Aufgrund dessen schloss ich, daß die akademische Ausbildung den Menschen keine wirkliche Erkenntnis gibt, sondern nur allgemeine Informationen, deren Beherrschung durch das Gedächtnis den Eindruck von Bildung erweckt.

    Wohl könnte jemand einwenden, daß die Intellektuellen, die den Kommunismus als eine heilsame Lehre empfingen, selber nur Opportunisten waren. Aber zum Unglück lernte ich unter ihnen auch Idealisten kennen. Das ist eine Tatsache, die uns andeuten kann, daß in der Auswahl von politischen und sozialen Direktiven nicht die Bildung ausschlaggebend ist, sondern die elementare Wesensart, mit Hilfe derer man die ihm entsprechende Gesellschaft „wittert“. Und ob man sich später zufälligerweise täuscht wie manche diese politischen Idealisten, die doch nur erblickten, daß „die Partei“ sich nicht menschlich benimmt, ändert das an der Sache nichts. Diese Idealisten sind innerlich derlei wie die politische Bewegung, die ihren Glauben fand. Nur ihre Oberfläche „zog den Geruch“ von wirklichen Kultur an, derer Samen im Gewitter und Sturmwind vom untergehenden Winter, der die Anfangsperiode des Frühlings durchdringt.

    Vielleicht schließt der Leser aus dieser Erwägung, ich glaube an die grundsätzliche oder innerliche Güte der Menschheit. Aber es ist nicht so. Die anwachsende Sittenkultur kann auch Todesstöße erhalten, weil tatsächlich entwickelt nur die Begierde ist, wogegen die Moralwerte anstreben das Feld vom Zusammenleben von innen heraus zu beherrschen, etwa so, wie die Grundwasser anstreben, dem von der Sonne verdorrten Erdboden die Nässe zu verleihen. Aus dem Grunde wäre es besser zu schließen, daß die Leute gut sind bis in den Tiefen eigenes Wesens, woher die Werte nicht genug Kraft haben, auf die Oberfläche durchzudringen; die Oberfläche selbst wird geschleudert unter der ruinierenden Kraft von Untugenden, die allemal das Lebensfeld beherrschen.

    Um die Situation ändern zu können, müssten die Leute die Moralkultur auch auf der Oberfläche anzunehmen, um den Sturm des Wollens zu stillen und hiermit Bedingungen für erträgliches geselliges Leben zu schaffen.

    Es war jedoch schon Zeit.

    Ich kam auf die vereinbarte Stelle, und dann gingen wir gemeinsam zu Mittagessen. Mich interessierte nichts außer der Wellen des bereits vergehenden Sturms, der sich auf der Ebene meines seelischen Lebens abgespielt hatte, auf der Ebene, die allen Menschen gemein ist. Und in diese Seelendepression langten wir zum Hotel an.

    Plötzlich erschien in meinem Körper eine gewisse Kraft, und pulsierend stieß sie auf wichtige Organe meines abgemarterten Körpers. Ich beschwerte, daß ich stehen bleiben muss. Aber da bewegte sich schon irgendeiner Kuchen aus Feuer, Dunkel, Blut und anderem vernichtend wirkenden Stoff frei unterhalb des Scheitelbeines und verzehrte mein Gehirn. Sonderbare Zustände ergriffen meinen Körper, in der Kehle fühlte ich Leicheneiter, und ich schätzte: Die mag der letzte Augenblick in meinem Leben sein.

    Später gewann ich wieder das Gleichgewicht. Ich fühlte mich in meinem Körper angezogen und ankerte fest in ihm. Sogar prüfte ich ihn und erkannte, daß er sozusagen wie von Eisen ist. Und so gingen wir zu Tisch.

    Ich konnte mich für keine Speise entscheiden, aber später vermutete ich, daß es am besten wäre, heim zu fahren.

    Ab und zu im wuchtigen Stoß schlugen die Wellen der stürmischen Dunkelheit in meinem Körper, und das Licht warf sie in gleichen Wellen zurück. Da es aber in meinem Körper relativ mehr Licht als Dunkel gab, war ich nicht beunruhigt, daß ich gerade sterben müsste.

    Ich fuhr. Und mittlerweile mengte sich ins Licht immer mehr Dunkelheit ein, und daher entschloss ich mich: Ich muss meinen Zustand dadurch herrichten, daß ich in die Sonne schauen werde.

    Das leistete mir etwas Hilfe.

    Dann entschied ich mich:

    Der Sonnenschein in meine Augen ist symbolisch. Aus dem Moment, wo sich der Zug so wendet, daß ich in die Sonne nicht blicken können werde, bestimme ich, ob ich verdorben sein werde, oder ich diese grauenvolle Krise, die meine zweite Realisation mit sich brachte, überlebe.

    Kein schlechter Vorbote. Erst als wir nach Jièin hineinfuhren, bestimmte ich: Falls der Zug derart anhält, daß an mich ein Gebäude oder Wagen auf dem anderen Gleis einen Schatten wirft, wird das bedeuten, daß ich in diesem Kampfe vernichtet sein werde.

    Der Zug hielt gut an. Leider stiegen Menschen zu, und die konnten die Sonne beschatten. Auch darauf bezog sich die Vorherbestimmung. Ein junger Mann, der sich zum Fenster stellte, stand so, daß die Sonne auf mich voll scheinen konnte.

    Der junge Mann ging fort, und an seiner Statt kamen zwei andere Menschen. Auch auf diese bezog sich der Vorbote. Sie setzten sich jedoch abseits, und aus Fenster schauend, überschatten sie die Sonne nicht. Und dann endlich setzte sich der Zug wieder in Bewegung.

    Ich ging zu einem unbesetzten Fenster. Und immer weiter schaute ich in die Sonne, immer mit einem guten Vorzeichen auf jedem Bahnstreckebogen, wo die Sonne für eine Weile verschwand, bis endlich bei Turnov (Turnau) folgte ich den letzten Sonnenstrahlen im Westen.

    Siehst du, sagte ich zu mir, wenn ich bei der Sonne oberhalb des Horizonts bis zu Turnau anlangte, konnte sich in der Zukunft für meine Person alles günstig entwickeln. Solcherweise werden sich verschiedene Unannehmlichkeiten eindringen. Aber da waren wir schon in Turnau.

    Ich stieg in einen mehr besetzten Zug um. Es war ein kalter Abend, und auf dem Himmel grinste der Mond - als ob mich - an. Ich hatte keine Lust unter die Leute zu gehen, und daher besah ich den Mond. Aber schließlich sollte der Zug abfahren, und so stieg ich in den Wagen ein. Männer und Frauen, die ich im Zug sah und hörte, sprachen schlüpfrig. Etwas wie eine Peitsche schlug mich an die Wangen, und von den Gefühlen her kehrte ich in die Augenblicke der schweren Geißelung bei der ersten Realisation zurück.

    Ich ging auf die Plattform mit Absicht, lieber zu frieren, als diese Reden anzuhören.

    Dann trat ich jedoch wieder in den Wagen ein, und den verließ ich bis wir endlich die Endstation erreichten.

    Dort, wo ich vor der Abfahrt Vishnu sah, war bodenloser dunkler Himmel. Und herzbeklemmende Gefühle begleiteten diese Feststellung. Aber da half nichts, also fuhr ich heim.

    Als ich aus der Straßenbahn ausstieg, grinste mich der Mond erneut an. Und auf dem Hügel, schon nahe bei dem Hause, sprang plötzlich Maro aus dem Dunkel und versprach mir einen Mord. Ich ignorierte ihn; schließlich interessierte er mich nicht einmal. Ferner machte mich etwas wie die innere Stimme aufmerksam. Aber da rutschte ich schon ab, ich glitt die Treppe hinunter, aber nichts passierte mir, nur ein erträglicher Schmerz.

    Ich kam nach Hause. Alles war dunkel, und bei meiner Frau saß die Große Dunkelheit und umgab sie, ein Gruß der folgenden Tage.

    Die Nacht war bei mir unruhig. Ich konnte nicht einschlafen, und mit einem Misstrauen folgte ich dem, was in mir auftrat und geschah.

    Plötzlich kam irgendwoher der Geist der Frau L. geflogen und schwebte herab zur Umarmung meines Genicks. Eine Warnung. - Ich beließ ihr darum meinen Körper und stellte mich in einem neuen Körper abseits, um zu beobachten, was geschehen wird. Aber da schwand schon ihr Wesen, und ich sah nur eine Blume. Diese war am Rande eines Absturzes, und von oben rutschten Erde, Steine und Wasser ab. Ich sah diese Szene nicht als eine Gefahr für meine Person ein, aber das Schicksal der Blume erweckte mein Interesse.

    Die Erde rutschte bedrohlich ab, und ich sah schon, daß die Blumenwurzeln locker wurden. Es fiel mir ein, daß die Frau, die diese Blume symbolisierte, eben mit dieser Blume aus der Szene einginge. Ich riss sie also heftig heraus und pflanzte sie auf eine bessere Stelle ein. Die stürmenden Elemente bogen sie, rauften sie aus der Erde, aber die Blume war fest eingepflanzt - deshalb hielt sie stand.

    Damals ging es um eine Vision bezüglich der Gesundheit von Frau L. Übrigens war es auch äußerlich evident. Der beschwerende Einfluss der relativ großen Realisation wurde durch eine abnormale Hypertonie stärker. Es schien, daß die Hypertonie selbst den verderblichen Einfluss ausüben wird, und nun kam dazwischen noch eine schreckliche Spannung, die in manchen Fällen nicht einmal ein gesunder Mensch gut erträgt. Das sah ich als eine Belehrung und konzentrierte mich darauf, die Drücke beider Faktoren einigermaßen zu mildern. Aus dem Grunde mischte ich mich in ihre Realisation ein und schuf solche Situation, in welcher nicht einfach war sich zurechtzufinden.

    An dieser Tatsache lag, daß ich mich gezwungen sah zu tun und nicht zu überlegen. Und hinsichtlich meiner Natur und meiner Erfahrungen hätte ich das für ein „lustiges Spiel“ gehalten, wenn die Situation kein dritter Faktor kompliziert hätte - nämlich meine Ehefrau. Es zeigte sich, daß meine übersinnliche Wahrnehmung viel einwandfreier als die äußere Wahrnehmung funktionierte, was eine Bestätigung war, daß die Werte der geistigen Vollkommenheit, die ich früher gewonnen hatte, kein Lutscher für einen seufzenden Träumer waren. Sogar kam ich zur Bestätigung, daß ich die Lehre als ein Einweihungsgeber de facto kenne, und das sollte schon für immer jede meine Prüfaktion fortwehen. Außerdem löschten in mir die früheren mystischen und Lebenserfahrungen jede Spur der Möglichkeit, daß in mir Stolz entstände, wodurch sich endlich die Epoche schloss, in der das Wesen die Lebenserfahrungen sammelt, und statt dessen begann eine Periode der sich entwickelnden Überzeugung, die auf objektive Feststellungen baute, daß ich in die Schlussperiode der samsarischen Existenz eintrete.

    Nun war mir die Sache klar. So ist und wird die Situation. Anschließend in der Früh ging ich zu Frau L. und teilte ihr alles, was ich wusste, mit. Übrigens fuhr ihre Realisation weiter. Sie verspürte eine ungewöhnliche Schwere, und ihre Würde projizierte sich in außergewöhnlichen Nebel, der sich über Jablonec (Gablonz) erstreckte. Auf ihre Schultern sank ein Gefühl der untragbaren heiligen Verantwortung, die von der Bedeutung her nicht ganz genau ausgedrückt wurde.

    Ich erinnerte sie an die Unerlässlichkeit der guten Laune. Sie brachte sie daher schnell wieder in Ordnung, und anschließend drang die Sonne schon den Nebel vor, um zu scheinen und die warmen Strahlen auf die Erde zu senden - etwa zwei Monate, möglich viel länger. Sogar ließ ich ihr später sagen - und dabei mied ich scheinbar paradoxe Ratschläge zu geben - daß sie sich „die Stimmung verderbe“, damit das Wetter endlich wieder im alten Geleise fortginge. Nicht einmal Wünsche nach weiteren Erfolgen durfte sie hegen, damit sie den Kosmos nicht schüttelte. Und in diesem Moment wurden ihr viele Geheimnisse der Mystik und geistiger Entwicklung klar.


    Nach der Vision von Vishnu, der Verbreiterung in den Raum und nach der Verzehrung von Brahma als von Qualitäten unseres Kosmos wurde ich ein Eingeweihter der Bruderschaft vom Donnerkeil. In der Hand hielt ich ihr Symbol; dann plötzlich, von Innenführung und inneren Drucken getrieben, verwandelte ich den Donnerkeil in Phurba (rituelles Messer), mit welchem ich den Weg über die dunkle beklemmende Mentalhülle unserer Erde antrat. Über mir schien die Sonne, die ihre beseligenden Strahlen auf diese schreckliche, undurchdringliche Erdhülle sandte, und mir trat in Bewusstsein der Kummer der Menschheit, die beklemmt wird von ihrem eigenen Karma, das sie durch egoistische Aspekte und Taten hervorgebracht hatte.

    Ich rückte daher schnell über die dunkle irdische Mentalhülle, in welche ich das Phurba einstieß, und dabei fahndete ich gleichzeitig danach, ob ich in dieser Schicht eine Lücke finde, die ich mit diesem magischen Messer verbreitern und dadurch bessere karmische Aussichten für jetzige Menschen vorbereiten könnte. Leider war die Mentalschicht der Erde so kompakt, daß ich daraus schloss, die Wahrheit selbst lege der Vorherbestimmung der Welt zugrunde.

    Worauf wir heute stoßen, sind Früchte des Benehmens der Leute, aber sicherlich nicht Früchte ihrer Mentalwünsche. Durch die falsche Anschauung, den Groll und die Übeltaten hatten die Leute veranstaltet, daß im Wettbewerb der Übeltaten die schlimmsten Menschen gewinnen. Ihre Meinung war getrübt worden, und deshalb glauben sie sogar den eigenen Sklavenhaltern. So findet das Übel die Bedingungen für seine Entwicklung, und die Leute mögen befürchten, daß ihre verbrecherischen Führer ihnen ruinierende Situation vorbereiten.

    Wohl und Übel in der Welt beginnen in der Denkart und der Anschauung der Leute. Es wäre daher gut, wenn jeder Mensch schon anfinge danach zu streben, an jeden Menschen in einer guten Gefühlsverfassung zu denken, jedem Wohl zu wünschen und alle Übeltaten zu meiden. Dann wird er nicht seine Hoffnung auf die Polizei stützen müssen, sondern auf die tragbaren karmischen Kräfte im psychologischen und sittlichen Bereich.

    Diesbezüglich erforschte ich auch die Umstände, in denen ich mich infolge der mystischen Aktionen befand, und später gelangte ich zum Schluss, daß ich in die Vorgänge der zweiten Realisation geraten war, deren Zustände sowohl der Induktions- als auch der Reduktionsart waren. Die Bedeutung dieser Zustände wurde dadurch verstärkt, daß ich nicht allein in diesem seltsamen mystischen Kurs war; es war hier noch Frau L. mit ihrer ersten Realisation, und meine Ehefrau - mit Eifersucht.

    Die Eifersucht bewachte mich, fiel in die mystischen Zustände ein, griff vieles davon heraus, so daß ich schon bald nicht mehr unterscheiden konnte, ob daß Gefühl, welches eben in meinem Wesen auftritt, mir, der Frau L., oder meiner Ehefrau gehörte. Es war eine verwickelte Situation, die ich durch rituelle Entbehrung löste. Dabei ergriffen meinen Körper relativ untragbare Zustände, die mich zu tödlichen Umständen und tödlicher Gefahr brachten, aus denen ich für mich nur sehr arge Enden in der Reinkarnationskette bestimmte.

    Einer dieser Zustände war schon hier. Ich beobachtete ihn und schloss, es werde am besten sein, mich diesem Zustand zu fügen.

    Ich fühlte meine Beine und Arme nicht mehr, aber es war mir eins. Ich wollte nur saubere Gedärme auf den „Weg“ haben. Sogar ertrug ich überhaupt sehr schwer ein Gefühl jedweder Unreinheit in meinem Körper. Darum konzentrierte ich mich in diese Richtung. Mittlerweile rückte die Gefühllosigkeit vor; sie war schon im Bauch, und ich tröstete mich, daß alles schon vorbei sein wird.

    Plötzlich erinnerte ich mich, daß ich einen Sohn habe, der zur Zeit außer dem Hause war. Ich fing an zu bedauern, daß er mich gar nicht erkannt hatte; das lenkte mein Gemüt in eine andere Richtung, als wohin der Geist weggehen sollte. Daraus ergab sich eine Reaktion, die sich durch Körperanschläge kundgab, die in Zuckungen des Körpers sichtbar waren. Der Körper streckte sich und schrumpfte zusammen, und dadurch sprang er auf dem Bett. Angeblich etwas mit der Muskulatur, sagte mir später ein Arzt...

    Alles hörte jedoch auf, und es war keine Zeit auf Erinnerungen. Eine komplizierte Situation entstand in den Spannungszuständen, zunächst auf der psychischen Ebene. Ich stürmte wuchtig wie ein Drache aus der Stelle. Gierig aß ich Fische - Christen, trank große Mengen Milch - ein Symbol der göttlichen Substanzen, aus denen der „geistliche Körper“ ausgebaut werden soll, und ganz und gar hörte alles auf eine Wirklichkeit zu sein und wurde ein bloßes Symbol.

    Vor meinen Augen schwang plötzlich der Park vor den Fenstern unseres Hauses in die Höhe empor, und ich hatte viel zu tun, ihn wieder zur Erde zu bringen. Dann verwirrten mich Tatsachen. Weder meine Sehkraft, noch das Gehör, ja nicht einmal der Tastsinn informierte mich zuverlässig über die Fakten der sichtbaren und unsichtbaren Welt. Glücklicherweise erhielt ich mir „das Geruchgedächtnis“, und so konnte ich meine Unterscheidung auf dem Geruch aufbauen.

    Das Versagen der Funktion von elementaren Sinnesorganen, auf welche wir unsere Feststellungen der so genannten wahren Natur der Wirklichkeit gründen, mag eine Gelegenheit für einen Psychiater werden, insbesondere, wenn dieses Versagen beginnt auch den Tastsinn zu betreffen. Ich habe hingegen die Erfahrung, daß die psychische Gesundheit oder Kränklichkeit sich nicht nur auf das Funktionsungleichgewicht gründet. Wenn es nicht so wäre, könnte ich mich nicht zwischen der sichtbaren und unsichtbaren Welt mit bloßem Geruch orientieren. Aber dieser Umstand soll nur interessant bleiben. Ich will dazu nur hinzufügen, daß das psychische Gleichgewicht nur auf sehr wackeligen und daher unzuverlässigen Fundamenten beruht, und der östliche Esoterismus belehrt uns sogar darüber, daß mancher Typ vom Verlust der psychischen Balance einen Anfang der Resorption des normalen menschlichen Wesens in übersamsarisches Wesen bedeutet. Mit anderen Worten: Es gibt auch „Narren“, die in einer höheren Welt leben, welche sie schon realisiert hatten. Darauf kann nichts die Überzeugung der Volksleute ändern, daß dieser Zustand ausschließlich kränklich sei. Im höheren Sinne ist die Norm für die seelische Gesundheit eine bloße Konvention.

    Ich konnte daher herumgehen, ohne daß ich den Häusern der unsichtbaren Welt, den Einwohnern dieser und Naturphänomenen ausweichen musste, und nach Geheimzeichen und Stellungen meines Bewusstseins konnte ich die "trockene" Realität bestimmen. Dafür verschwand mir jedoch die Möglichkeit meinen Zustand als den Wesenszustand zu identifizieren. Ich konnte einfach nicht wissen, ob ich schon gestorben war und die ganze bisherige Sinneswelt in den postmortalen Zustand mitgebracht hatte, oder ob ich noch in der alten Welt verweile. Ich saß doch auf dem Plateau der jungen Welt und auf die rituelle Weise entsagte der alten Welt, und Buddha, als er um mich herumging, fragte an: „Was machst du?“

    Ich antwortete, daß ich entsage, und durch den Kopf schoss mir die Erinnerung, daß ich einmal auf derselben Ebene mit einer solcher Frage irgendeinen übenden Menschen in den Abgrund hinabstieß. Ich wurde daher dessen bewusst, daß ich hinter der Prüfung von „hoher geistlicher Umgebung“ bin, welche kein unreifes Geschöpf höher, in die himmlischen Welten hineinlässt.

    Meine Unsicherheit, ob ich noch lebe, oder schon tot bin, war ein sehr starkes Erlebnis. Sogar bis heute beseitigte ich sie durch keine konkrete Beglaubigung, sondern nur dadurch, daß ich aufhörte ihr mein Interesse entgegenzubringen. Eines ist jedoch sicher, weil das aus meiner direkten persönlichen Erfahrung resultiert. Man kann sich in seinen postmortalischen Zustand seine gesamte alte Welt mitnehmen, ohne je zu erfahren, daß sich in seinem Zustand etwas wesentlich veränderte. Auch dies ist ein Beleg, daß die äußere Welt ein Relativum ist, dem wir reale Werte nur aufgrund unseres eigenen momentanen psychologischen Zustandes zuschreiben. Mit anderen Worten: Unsere Sinneswelt gibt es nur in unserem Gemüt; aus dem absoluten Gesichtspunkt ist nichts wirklich, was struktural ist.

    Außerdem folgte ich von fern, wie Frau L. verfährt, und ihre Konzentration regulierte ich dadurch, daß ich das Feuer in unserem Ofen bewachte. Mehrere Male wandte ich auf diese Weise ihre Konzentration in die korrekte Richtung, wenn ein Besuch und eine Erklärung meiner Meinung nach zu spät gekommen wären. Ich wurde dessen bewusst, daß sie den Blutdruck dauernd über 300 hatte, und in diesem Falle ist der kleinste Fehler sehr gefährlich. Daher, um eine Sicherheit für die Zukunft zu haben, lud ich sie auf eine ganze Nacht zu uns in die Wohnung ein, und ich ließ sie konzentrieren, wobei mit ihr viele Dinge geschahen. Ohne daß ich die Arbeit zustande brachte, verfiel meine Frau einer trostlosen Eifersucht. Ich musste sie trösten, damit alles nicht noch mehr kompliziert wurde.

    Frau L. war weiterhin in furchtbaren Drucken. Dabei bemerkte ich, daß ihre Augen gläsern waren, und darum schickte ich sie zum Arzt hin, der nur mitteilte:

    „Blutdruck 300, Exitus jeden Augenblick.“ Und dabei drang auf sie die Schwere des Kreuzes Christi, und ich schloss daraus, daß in diesem Moment den zahllosen Leuten auf die Schulter dieselbe Bürde auferlegt wird; es schien mir, daß in diese Realisation die halbe Welt verfangen wurde. Es wurde schon ja eine Grippeepidemie gemeldet mit allen Merkmalen, die sich an diese innere Kreuzigung anschlossen. Ich dachte jedoch: Es ist eine Übertragung der mystischen Läuterung.

    Die Todesgefahr bei Frau L. dauerte weiterhin. Ich wollte ihr die Begleiterscheinungen dieser ihrer Realisation erleichtern und vermindern, und dafür ersuchte ich Herrn S., wider die Grundsätze seiner Selbstsucht, eine Wohltat zu tun und auf gewisse Weise auf sich einen Teil von Schwierigkeiten, unter denen der Körper von Frau L. zusammenbrach, zu übernehmen.

    Er hatte sie gern und daher gehorchte er. In der Früh wandte ihn jedoch seine Ehefrau auf dem Bett. Ich bemerkte:

    „Sehen Sie, was alles ein Mensch, der eine Realisation durchgeht, erdulden muss?“ Übrigens, dies war nur eine kleine Erleichterung in den gesamten Schwierigkeiten. Eine etwa hundertfache Bürde lag noch auf ihren Schultern, und dies war nur eine Abnahme weniger Schmerzen, die das Verderbenswerk schon wirklich vollgemacht hätten.

    Ich verblieb mittlerweile in der dunklen psychischen Welt der Leute und bestrebte mich aus Leibeskräften alles zu tun, um neue, bessere Vorboten für weitere Schicksale meiner, sowie aller Menschen schaffen zu lassen. An meine Erlösung hörte ich auf überhaupt zu denken. Ich nahm jedoch Rücksicht auf die natürliche Sehnsucht der Geschöpfe zu leben über die Tode und Geburten der Körper, mit welchen ihr Geist und eben existierendes Bewusstsein beschenkt ist.

    In psychischen Dunkelheiten der Menschen von der ganzen Welt arbeitet man jedoch schwierig. Die Dunkelheiten symbolisieren Uranfänge von künftigen faktischen Zuständen, und ich konnte keine Bedingungen für schnelleres Aufgehen und Reifwerden der Saat bilden. Häufig arbeitete ich nur daran, was gerade gestaltet wurde. Hierdurch gelangte ich in vielseitige Einflüsse, die eher höllisch als himmlisch waren. Und weil die Situation sehr kompliziert war und meine Seele sich in mächtigen mystischen Anprallen auf die karmischen und astralen Schatten der lebenden Welt staunte, schwangen sich über dem Westhorizont weiße Wolken (Cumulus) empor, die viele Tage und wohl sogar mehrere Wochen hindurch ihre Position nicht wechselten und den sonst ziemlich heiteren Himmel nicht trübten.

    Diese weißen Wolken waren sichtlich nur für normale physische Augen. Solche hatte ich jedoch nicht. Darum sah ich, daß diese Wolken nur materielles Symbol von Körpern der weißen Götter darstellen, die über den Horizont von der Taille beginnend auftauchten. Und diese Götter wandten ihre Augen zu mir, und ich schloss daraus, daß es so darum ist, weil ich in den Angelegenheiten von Mystik und Weltkarma zu viel exponiert bin.

    Ich schaute diese Götter an, die mein Vorgehen beobachteten; ich sah ihre Augen - einmal etwa ganz gleichgültige, ein anderes Mal jedoch erstaunte, und oft auch ihre zu Berge stehenden Haare, wenn meine Situation bis zur Unlösbarkeit kompliziert wurde.

    Ich war dessen bewusst, daß sie das letzte Wort im Verlauf von überaus schweren Problemen meiner zweiten Realisation haben werden. Sie standen nämlich bis zur Taille hinter dem Horizont versteckt und erschienen nur als stumme Zeugen des beleuchtenden Kampfes, in dem ich mich befand. Keine Wirkung tat es auf sie, als Gnomemengen mich angriffen, und meine Lage daher schwierig schien, weil ich weder fallen noch wehtun wollte. Dafür schauten sie jedoch verstört und mit struppigen Haaren, als ich unsichtbare Geschöpfe mit verschiedenen Spannungen vermischte und aus denen Voraussetzungen wohlgelungeneres Karma der Welt schuf. Wohl hielten sie das für eine zu viel gewagte Aktion, aber ich war nicht religiös erzogen, und deshalb war für mich alles nur eine Spannung und Wirkung; die Götter und Dämonen begriff ich als eine zufällige Erscheinung physikalischer Interferenz.

    Natürlich, ich wusste und stellte sehr gut fest, daß manche Kraftlinien den Körper zu zerreißen wissen, aber es schien mir nicht, daß ich eine Möglichkeit habe, anders zu tun als wie ich mich gerade verhielt, denn ich lebte eine Gelegenheit der absoluten Lösung von karmischen Problemen des Menschen mit karmischen Schulden. Und so vertiefte ich mich in unangenehme karmische Wellen, und erneut tauchte ich aus denen auf, gebrandmarkt auf meinem Körper, Geist und auch Bewusstsein von Erfahrungen misslicher Inkarnationen. Vor meinen Augen tauchten bald weiße Geister auf, deren verdienstvolles Karma keinen Einfluss auf sie belastende Unwissenheit, bald wieder himmelragende Ungeheuer, die meinen Körper in ihren vernichtenden Einfluss zu verhüllen wussten. Daraus ergaben sich abwechselnde Zustände, deren Ausgleichung eine so schwierige Aufgabe war, daß ich mich an der Grenze von Leben und Tod bewegte, mit einer karmischen Aussicht für eine definitive Ausrottung aus dem Weltall, oder für die Geburt in der Hölle auf die Dauer von zahllosen Verkörperungen hindurch, oder für Irrsinnigwerden in vielen menschlichen Inkarnationen. Dabei hatte ich eine ständige Beschwerde damit, daß die Verhältnisse nicht erlaubten, mich um meine persönliche Schicksale zu interessieren, und aufgrund dessen stand ich im Weltall der aufrührerischen karmischen Kräfte als ein völlig wehrloses und innerlich ganz entblößtes Geschöpf.

    Mein Geist pulsierte, stieg und sank zu der Zeit, und seine Wellen werden Momente, die das vergegenwärtigten, was in der Reichweite meiner entwickelten sowie latenten Interessen stand. Plötzlich fand ich mich vor irgendeinem Vogelspuk, der mit einem Fuß an der Grenze von Persien und Kaukasus stand, wogegen mit dem anderen an den Seeufern irgendwo in Belutschistan. Die Spukgestalt stand ganz steif und durch die bloße Erscheinung deutete sie gewisse Gefahren in diesen Landschaften und auch in der ganzen Welt an. Da drückte ich schon in der Hand ein kleines Schwert, von welchem ich vermutete, es sei bestimmt, benutzt zu werden.

    Ich stach es dem Ungeheuer in den Hals hinein, aber dies - stand weiter. Infolge dessen trat in mir eine gewisse Angst auf, daß ich etwas zu einer sehr bösen Aktion provoziert hatte. Und da hielt ich schon ein mächtiges Schwert fest und haute in den Hals des Gespenstes. Aus seinem Hals strömte danach Blut und Wasser, und diese rannen über die Beine zur Erde und ins Meer. Und der Kopf des Spuks sank, der Körper brach zusammen. Aber da beobachtete ich, ob das Blut nicht auch die Menschen überhäuft.

    Es schien nicht so. Das Blut floss ins Meer hinab, ohne ungünstige Vorboten geschöpft zu haben.

    Ich nehme an, daß dieses Ereignis die Spannung zwischen UdSSR und Weststaaten betraf, die drängten, daß UdSSR Persien räumte, wo sie seit dem Krieg die Wehrmacht hatte. Diesbezüglich wäre es möglich vorauszusetzen, daß es nur um eine Vision im Bereich von Vorboten ging. Egal wie es war, damals kam der Krieg nicht zustande, obwohl für seinen Ausbruch die Voraussetzungen waren, weil des Kremldiktators Ziel bloß ein weiterer Vormarsch und kein Rückgang war.

    Ich hielt ebenfalls das Gemüt und die seelische Tätigkeit, denn ich wusste, daß man auf diese Weise am besten in den Lauf der Weltsachen eingreifen kann, die vom reifen Karma abhängen. Dann führte ich komplizierte Konzentrationen durch, und hierdurch geriet ich als eine geistige Existenz irgendwohin ins Militärkommando, wohin der Kremldiktator eintrat und befahl: „Krieg vorbereiten!“

    Mit Rücksicht auf die Erfahrungen, die ich durch meine Wahrnehmungen hatte, will ich auf meinem Standpunkt bestehen, daß diese Feststellung auf den unmittelbaren Sachverhalt gründete. Unter diesen Umständen ist es allerdings sehr belehrend, daß der eben abgeschlossene Krieg für den Diktator aus Kreml nichts anderes bedeutete als eine Episode auf dem Marsch zur Welthegemonie. Ich kenne übrigens die Gesinnung der wirklichen Führer des Kommunismus, genauer genommen, der mit Kommunismus um sich werfenden Oligarchie, so daß ich gut weiß, daß alles, ausgenommen ihrer Weltherrschaft, nur eine Episode ist, die in ihnen nicht die geringsten Mitgefühlbewegungen erregt, selbst wenn diese ein Blutbad bedeutet, über welchem sich sogar der meistzynische „Mann von der Straße“ aufhält. – „Was liegt daran, wenn bei Ausrottung des Klassenfeindes eine Million Menschen aus unserer Nation getötet werden, und unter denen ein Zehntel unschuldiger Menschen?“, sagten sie mir. Und das war zu der Zeit, wo bei uns „die Ordnung“ die Deutschen machten. Daher wusste ich schon damals sehr gut, wohin unser Volk schreitet, das sich von Wahlsprüchen betören ließ, die auf die Lüste der Menschen ausgerechnet wurden. Und das Schlimmste dabei war, daß ich wusste, sie können und wahrscheinlich werden den Erfolg haben.

    Heute misstrauen mir allerdings die Anbeter dieses Regimes dermaßen, daß sie mich gerne im Kerker sehen würden. Sie wissen jedoch überhaupt nicht, wem sie dienen, und daß sie mit einem Wahnsinnigen tanzen, der entschlossen ist, die ganze Welt zu vernichten über einem Abgrund, der auch jene Anbeter verschlucken kann. Aber was liegt denn wirklich daran. Es ist ein Ergebnis der Tätigkeit vom gereiften Weltkarma, das sich bisher noch nicht voll entlud...

    Als ich innerlich heimkehrte, teilte ich meinen Freunden diese Neuigkeit mit. Einer von denen sagte zu sich: Man kann nicht misstrauen nach alledem, was ich erkannt hatte, aber wie nur werden aus Freunden, nämlich aus Westen und Osten Feinde? Bald konnte er das sehen, und ich konnte mich belehren, daß mich meine Feststellung nicht trog.

    Für diese Visionen und Vorboten litt ich ungewöhnlich stark. Und die aufgereizte Sehkraft und seelische Wahrnehmbarkeit nur steigerten dieses Leiden. Nur die Tatsache, daß ich mich fähig fühlte, durch Mentalkombinationen und Kombinationen von inneren Zuständen mich in die Vorboten hineinzumischen, erweckte in mir eine Überzeugung, begründet durch eine Feststellung, daß ich ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft sein mag - allerdings nur als ein Magier.

    Eine Vision jagte die andere, und seelische Zustände folgten aufeinander. Aufgrund dessen gelangte ich zur Überzeugung, daß die Führer der westlichen Politik imstande sein werden, rechtzeitig den dämonischen Absichten der politischen Führer vom Osten zu entgegensteuern. Man könnte das sogar so formulieren, daß die westlichen Politiker den Erhalt der richtigen Eingebungen vorausbestimmt hatten, wie den politischen Aktionen der Politiker aus Osten zu trotzen, die hingegen vorherbestimmt hatten, die falschen Inspirationen zu erhalten. Und auch darauf fühlte ich ein Verdienst zu haben, denn ich wurde vollkommen eingeflechtet in das Rad von karmischen Geschehen und Prädestination.

    Das bedeutet allerdings nicht, daß die Politiker vom Westen dieselbe Methoden wie die Politiker vom Osten anzuwenden hätten. Sollte nämlich die Demokratie eine Demokratie bleiben, muss ihre Regierung immer die Ansichten der Nation in Betracht ziehen, oder wenigstens die Ansichten des Teils der Nation, welcher an dem politischen Leben Anteil hat. Keine solche Rücksicht muss jedoch die Alleinherrschaft nehmen; hier entscheidet zumeist „die stärkste Autorität“, ein Diktator, der aus der Macht, die er hat, um das Volk und seine Mitherrscher zu unterjochen, solche Dinge wagen kann, die Demokratien nicht wagen können und sogar nicht wagen dürfen, mit harten Eingriffen gewisse Aktionen den Diktatoren zu trotzen. Übrigens waren wir vor dem Krieg (1939-1945) Zeugen gewesen, daß während der deutsche Diktator mit Waffen klirrte und zu erkennen gab, diese einzusetzen, sobald die Welt seine Forderungen nicht erfüllt, rüsteten die westlichen Mächte überhaupt nicht, oder nur in dem Masse, in welchem sie die Finanzmittel ohne Belastung ihrer Nationen gewinnen konnten, weil sonst die politische Opposition eine Wirre im Staat hervorrufen könnte. Daher kam es vor, daß zum Beispiel England die Unerlässlichkeit zu rüsten erst danach erklärte, als der damalige englische Ministerpräsident mit dem deutschen Diktator handelte und aus seiner Handlungsweise schloss, es gehe nicht mehr um ein bloßes Säbelrassen, sondern um eine Entscheidung, die Waffen zu gebrauchen.

    Ob es in dieser Situation etwas von persönlichen Neigungen des englischen Premiers gab, war es die traditionelle Überzeugung, daß man die Kriege nicht leichten Herzens auslöst. Die weisen Staatsmänner sind überzeugt, daß derjenige, der einen Eroberungskrieg hervorruft, diesen nicht gewinnen könne, weil er sich unumgänglich gegen den größeren Weltteil widersetzen muss. Deshalb war es immer möglich, daß die Diktatoren den Erfolg zeitigten; sie hatten nämlich immer einen Vorsprung vor den Staatsmännern, die sich auf die öffentliche Meinung eigener Nationen stützten.

    In der Zeit, als sich im Unsichtbaren die Vorboten formten, daß die östliche Diktatur den letzten Marsch zur Verbreiterung der eigenen politischen Doktrin antritt, gab es noch die Gefahr, daß die Verhältnisse, welche es vor dem unlängst abgeschlossenen Weltkrieg gegeben hatte, sich wiederholen werden. Das war ein Moment, der mich dazu provozierte, alle meine Kräfte zu dem Zweck anzuspannen, daß die Aussichten verändert werden. Und wahr oder nicht, daß ich durch Willenskraft, Vorstellungsvermögen und Fähigkeit, die Vorboten bildende Spannung zu transformieren, etwas in dieser Sache tat, ist es doch nur klar, daß der Westen dem Osten durch rechtzeitige Mobilisierung zu trotzen begann. Hierdurch schuf er eine Drohung, die Herrscher vom Osten in Betracht ziehen.

    Übrigens bekenne ich mich heute zu der Anstrengung in dieser Richtung nicht anders als ein Mensch, der die Vergangenheit schildert, deren Wirklichkeit sich auf die Ebene von bedeutungslosen Erinnerungen verlor, die man nötig in den Lebenslauf einlegen muss, damit er wirklich vollständig ist. Und würde jemand denken, daß ich versuche, mit meiner Wichtigkeit zu prahlen, so denkt er falsch. Es wäre besser, wenn er probieren würde, durch die Willenskraft und die Kraft des Vorstellungsvermögens die potentiellen Schicksalsspannungen im Kosmos zu erfassen und zu ändern, denn er würde sich überzeugen, daß auf diese Weise er nichts tun kann, was in der ganzen Welt der lebenden Geschöpfe als ein wirksames psychologisches Moment keinen Widerhall hätte. Und wird er konstatieren müssen, man könne diese Operationen nur trotz Widerstand vollbringen, wird er sicherlich auch wissen, die vorhergewussten Schicksale, die er zu ändern versucht, haben ihre Beschützer in der gesamten Menschheit, die immer von bestimmten Gedanken für ihre eigene Lebensanschauung beherrscht wird.

    Ich sagte schon früher, daß in 1926 der Raum voll sehr böser Vorboten war. In Wirklichkeit waren das damals nur Mentalgespenster, deren Bedeutung für die Weltschicksale sicherlich verschwände, wenn die Leute ihre Lebensanschauungen umändern und hierdurch auch die Denkweise, oder ihr Denken und hiermit auch die Lebensanschauungen. Aber nur ein Phantast könnte vermuten, daß etwas ähnliches nur aus einem äußeren Antrieb möglich sei. Dieses Denken und diese Ansichten werden aus atavistischen Voraussetzungen geformt, während das Resultat dieser durch eine stolze Überzeugung ermöglicht wird, daß jedes Individuum alles am besten von allen Menschen weiß.

    Aber die atavistischen Voraussetzungen sind nichts Festes wie die Materie. Diese stützen auf das fühlen, und daher ist es möglich, daß derjenige, der wie ein Bodhisattva fühlt und eine Stärke des Mystikers besitzt, der sich bis zum tiefsten Bestandteil seiner Natürlichkeit beherrscht hatte, diese Voraussetzungen verändern kann, und dadurch allerdings auch das Fühlen der Leute und von hier ihre Schicksale. Er kann dies um so eher vollbringen, weil die Basis vom Atavismus nicht unterschiedlich für ein jedes Individuum ist, sondern gemeinsam für alle Menschen. Aus diesem Grunde kann der Mystiker so genannte „Großtaten“ vollbringen.

    Die karmischen Vorboten waren für die Menschen sehr ungünstig. Die politische Aktivität der Kremldiktatoren schuf mächtige, hochgehende Wellen von Dunkelheit und Schatten, und ich hielt für einen Erfolg, wenn es mir gelang, die Mentalformationen, prozessierend im Einklang mit der karmischen Vorherbestimmung der Welt, zu helleren Auswegen gleichzuschalten. Und in meinem Inneren tauchten in Augenblicken von relativer Ruhe Betrachtungen auf, warum die Menschheit, so selbstbewusst überzeugt von ihrer absolut zuverlässigen Urteilskraft, nicht nur, daß sie nicht der Verwirklichung der dunklen Vorboten vorzubauen weiss, sondern nicht einmal zu erkennen, daß sie zur Schlacht geführt wird, die ein ersehntes Ziel der sittlich degenerierten Diktatoren wurde. Jawohl, ich fühlte mich immer wie eine intellektuelle Frühgeburt, aber trotzdem war es mir seit meinen achtzehn Jahren ganz klar, was in den sozial-politischen Leitsprüchen der Demagogen niederträchtig ist, die für arbeitendes Volk das Paradies versprechen. Warum denn sehen die Leute auch nicht so gut wie ich? War es so etwa nur darum, weil sie befallen waren vom Dämon der Selbstsucht, welche zum Schluss vom objektiven Urteil flieht und beginnt, sich auf schöne Leitsprüchen zu verlassen, deren Aufnahme keine Intelligenz fordert? Es mag nur so sein. Und aufgrund dessen sollten die Vorboten dauern, die dunkel wie eine Nacht waren...

    In der Zeit meiner ständig dauernden Innenkämpfe verkehrte bei uns Frau L. Einmal war es ihr sehr unwohl. Plötzlich änderte sich ihr Gesicht. Sie war nicht mehr die angenehm aussehende Frau, sondern ein Greis. In diesem Zustand wurde ihr übel, die Freunde legten sie aufs Bett, und ich erwartete mit Angst: Sie mag jetzt doch nur mystisch sterben. Aber sie war eine ungewöhnlich starke Frau. Sie ertrug die Überspannung, und ich erblickte darin, daß sowohl meine als auch ihre Realisationsvorgänge noch lange dauern werden, und diese mich auch im Bereich der Vorboten belasten werden, wo ich intensiv arbeitete.

    Und die Dunkelheit ging weiter hoch; sie wollte ein präzises Vorbild der Weltvernichtung bilden. Ich seufzte in diesen aufgewallten Elementen, die düstere Silhouetten der schlimmen Zukunft formten: „Oh, wenn es doch mehr diejenige gäbe, die so wie ich arbeiten könnten und wüssten wie. Es ist doch so einfach!“

    Dabei wurde ich bewusst, daß die Menschen nicht mehr ihr Augenmerk auf die innere Bereiche richten, wo die Schatten jeder Zukunft geboren werden. Sie glauben alledem nicht und vermuten, die höchste Stufe des Rationalismus sei, wenn man lediglich auf den Sinnesphänomenen basiert. Der schwankende Boden der Welt von „großer Erschaffung“ scheint ihnen unzuverlässig, und daher untertauchen sie immer mehr in den Trug, in welchem der Glaube an unrechte Lebenswerte zur Welt kommt.

    Jawohl. Ich glaube, daß bis auf den Grund zerrütteltes Gebäude von Materialismus und niedrigem Rationalismus das sichtbare, bereits morsche Fundament des Großen Vorurteils nicht aufdeckt, und daß die geistige Lehre, die mittels der Sittenlehre die Voraussetzungen vom friedlichen und ruhigen Zusammenleben aufbauen will, etwas schon längst überwundenes ist, wogegen bereits deutlich die Tatsache aufgeht, daß auch der Materialismus und der niedrige Rationalismus aus dem objektiven Standpunkt ein bloßes Abstraktum ist, denn diese schaffen Voraussetzungen zur Sklaverei, die vergeblich rufen wird um die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, und so weiter, sondern die nur der Willkür von Unsittlichkeit verfällt, die die Macht ergriff.

    Ich wollte wirklich dem Gott Shiva ähnlich sein und wie er diese Dunkelheit verschlingen, die sich aufblähte, wälzte und ungewöhnlich schlimme Vorboten formte. Aber was auch immer ich anstrebte, konnte ich mich dazu nicht befähigen.

    Die Kinder der Dunkelheit spürten jedoch, daß ich im Wege stehe und daß ich bedrohe, was sich als Vorboten von Zerstörung und Vernichtung zeigte. Wohl deshalb erblickte ich dort in der Ferne vom tibetischen Gebirge drei finstere Figuren – die Geister der Dugpas – auszusteigen. Sie gingen instinktiv und direkt in der Richtung gegen mich.

    Auf der westlichen Himmelseite standen immer noch ganze Wochen hindurch die hellen Götter von hohen Himmeln und schauten mein Vorgehen an. Und während der Zeit, wo sie dort standen, waren die weißen Wolken tatsächlich ihr Symbol. Sie zuckten mit keiner Wimper, nicht mal in diesem Moment, der für mich am gefährlichsten war. Ich konnte nur aus ihrer Ansicht lesen:

    Wir sehen dich an, ob du nicht in die vernichtende Dunkelheit untertauchst, wenn du dich so verhältst. Rechne damit, du kannst für mehrere Inkarnationen irrsinnig werden oder der geistigen Vernichtung verfallen oder endgültig aus dem Kosmos ausgelöscht werden.

    Ich verstand, daß das Licht und seine Kinder in ihrer Weisheit in das Benehmen von niemandem von uns eingreifen. Eben hinter unserem Benehmen gibt es einen Wunsch nach diesem oder jenem, den Wunsch, der erfüllt werden muss, ob man in seinem Inneren zur Ruhe kommen soll. Daher kann sich ein beliebiger Eingriff zu unserem Vorteil – wenn auch der Eingriff vom Gott stammen würde –als falsch zeigen. Die Götter schauen uns an, ob wir eine so wuchtige Tätigkeit ausübten, daß diese ihren Himmel berührte, und sie begleiten uns mit ihrem Blick bis zu Sieg oder Vernichtung.

    Aber ich war schon am Ende der Dunkelheiten, deren Schatten ich jedoch nicht abwich, damit man voraussetzen konnte, daß die schlimme und obskure Zukunft verhütet wird. Und eben am Ende der Dunkelheiten kamen die letzte Kräfte des Übels – die Dugpas.

    Sie gingen schon. Sie kamen zum Flussknie von Wolga und waren unaufhaltsam auf mich gerichtet. Ich folgte Frau L., aber in ihrem Inneren war nicht zu beobachten, daß sie eine Gefahr vom Augenblick herausfühlte. Dafür meine Ehefrau, die Frau von schwachen Nerven, stand in ihrem inneren Körper so, daß die unsichtbaren Waffen der Dugpas bis dorthin durchdringen könnten, wo sie ihr Ziel erreichen würden - die Vernichtung von uns beiden, jedem jedoch auf eine andere Weise.

    Aus dem Grunde machte ich große Anstrengungen, durch Bewirkung eines Sturmwindes gegen die Dugpas in der Astralwelt ihre Schritte abzuwenden, und dabei stellte ich meine Ehefrau hinter mich, damit sie uns nicht nach der Farbe ihres inneren Körpers finden konnten.

    Schließlich trennten sie sich; zwei von denen schritten zu Moskau, einer zum Kaukasus. Ich folgte zuerst demjenigen, der in der Richtung gegen die Kaukasus ging. Da erblickte ich ihn schon: Er verschwand in Felswänden vom Kaukasus-Gebirge. Irgendetwas wird dort eines Tages passieren...

    Aber nach der Art der Bewegung dieses Dugpas könnte ich schließen, daß er die Entstehung vom potentiellen Bösen symbolisierte, so daß das wirkliche Böse aus diesem Gebiet viel später herausgehen kann. Ich selbst fand bisher kein konkretes Merkmal heraus, daß sich dieses Übel schon entwickelt. Daher soll diese meine Feststellung für eine langfristige Vorhersage gehalten werden.

    Die anderen zwei wanderten im Gebiet von Moskau herum. Mit Bangen übte ich eine Wirkung aus, damit sie nicht alle dort siedelnden schlichten Menschen betraten und aus denen lebendige Tulpas schufen, woraus es sich auf der ganzen Welt ein Schwall vom Bösen ergeben hätte. Endlich:

    Ich erblickte den Kremldiktator als einen Anziehungskörper - die Schattenbrüder waren in ihm. Sogar in seinem Gehirn. Deshalb schloss ich: Von diesem Augenblick an kommt im Westen die Entscheidung im großen Ringen rechtzeitig, hingegen Moskau, bzw. der Kremldiktator wird Irrtümer begehen. Sogar ist er schon in gewisser Weise wahnsinnig. Etwas wie eine Gehirnsklerose.

    Ich hielt für ein ungewöhnlich günstiges Vorzeichen, als ich feststellte, daß zwischen dem Einwohner der Schattensphäre (dem Dugpa) und dem Diktator aus Kreml die Sympathien entstehen, sogar vermutete ich, daß ich zur Entstehung dieser durch mächtige Drücke beistand. Diese Drücke übte ich zu dem Zweck aus, daß der Dugpa als eine geistige Kraft nicht die normalen Bewohner Russlands beeinflusste. Dies hätte meiner Meinung nach bedeutet, daß dieses ganze Volk böse würde.

    Auf diese Weise wusste ich, daß der Diktator eine ihn befallende Kraft gewinnt, die sich selbst sowie ihn zugrunde richtet. In Wirklichkeit konnte ich jedoch feststellen, daß der unmittelbare Einfluss dieser Besessenheit sich in der Gehirnfunktion des Diktators zum Ausdruck kommt. Das hielt ich für ein Vorzeichen, daß er seine Absichten nicht durchsetzen können wird.

    Ob das den Tatsachen entsprach oder nicht, könnten nur diejenigen sagen, die sich mit diesem Diktator hinter den Wänden vom Kreml trafen.


    Im Laufe dieser Realisation bewegte ich mich jedoch nicht nur im Bereich der dunklen Vorboten und in Sphären unserer Welt. Ich ging auch durch manche Himmel und traf Götter, mit denen ich oft über die Aussichten für die Zukunft der Welt im Zusammenhang mit meinen mystischen Aktionen sprach. Hierbei trug ich jedoch in die Himmel auch störende Einflüsse hinein, die am mächtigsten im Himmel der Brahmas waren, wo ich auch einmal plötzlich hinkam.

    In diesem Himmel atmete alles mit Würde und Glückseligkeit. Und ich, als ein Neuangekommener, sah ich um nach allem innerhalb meiner Sichtweite. Um mich herum saßen auf Thronen Brahmas, von denen einer schien mir besonders viel die anderen Götter zu überragen. Es fiel mir ein: Der König der Brahmas! Und da reagierten schon die übrigen Brahmas, wobei sie ihrem Herrscher eine Huldigung darbrachten.

    Etwas fiel mir ein. Daher erhob ich mich in die Höhe, ich näherte mich dem König der Brahmas, berührte sein Knie und sagte: „Du bist ebenfalls das Entstehen und der Untergang.“ Und da konnte ich mich schon über die Wirkung meiner Worte wundern. Die ganze Figur des Königs von Brahmas begann in sich zusammenzubrechen, bis ich konstatieren konnte, daß sein Leben aufhörte. Aber da schwebte ich schon im Raum, damit ich mich irgendwohin ins niedrigere Gebiet auf „die Erde“ fallen ließ, mit dem Gefühl, welches ein Knabe haben mag, der dem Nachbarn in seinen Garten für die Birnen hineinkroch und um ein Haar dem Landwirt entfloh, der mit ihm mit einer derben Tracht Prügel abrechnen würde.

    Die Weile, die dieser Tat folgte, prägte sich mächtig in mein Gedächtnis ein. Während ich schon „auf der Erde“ war, befand ich mich in einer Umgebung so mächtiger und widerspenstig wirkender Kräfte, daß nur der neue Zustand, den ich durch mein Fortgehen aus dem Himmel der Brahmas und durch die Ankunft auf die Erde gewann, mich vor dem vernichtenden Einfluss dieser Kräfte schützte. Es war wie eine düstere Gewitterwolke, die ihre Feuer- und Wassermassen gibt, aber im Verhältnis zu mir nur wie gegenüber einem Geschöpf in der Natur. Und da ich mich für die Ursache dieses Aufruhrs ansah, fühlte ich eine Befriedigung, daß ich „wieder etwas getan hatte“.

    Hätte ich die Stellung und innere Gestaltung gewahrt, die ich beim Eintritt in den Himmel der Brahmas gehabt hatte, wäre ich schuld an dem Ereignis gewesen, das dort geschehen war. Das würde bedeuten, daß ich dafür auch verantwortlich bin, und dafür müsste ich entsprechende Folgen erdulden. Ich hielt jedoch in der Zeit alle plötzlichen mystischen Änderungen für zweckmäßig, und deshalb hielt ich an dem Grundsatz fest, daß dieser Zustand eine Tat erfordert, die unmittelbar auszuüben war. Darum handelte ich nur so, als hätte ich lediglich reagiert. Und die Ergebnisse der Taten zog ich nicht in Betracht. Daher hatte ich die Möglichkeit, mich in die Situation einzumischen, aber auch mich von ihr rechtzeitig freizumachen.

    Ich erwog, daß nach solchem Eingriff sich der König von Brahmas wieder irgendwo verkörpern kann, vielleicht sogar in der Welt der Menschen, was mir übrigens am wahrscheinlichsten schien. Und ich wurde mir bewusst, daß die etlichen Worte einen schrecklichen Eingriff in den Lauf der kosmischen Sachen bedeutete; sogar schüttelte ich mich vor Bewusstsein, daß ich aus dieser Situation makellos nur deshalb herauskam, weil ich mir das Bewusstsein des auf Birnen klimmenden Buben erhielt...

    Angenommen, daß hiermit die größten Schwellungen aufhörten, die den Verlauf der zweiten Realisation bezeichneten. Gleichzeitig verschwanden auch die weißen Götter, die auf dem Westhorizont standen und beobachteten, wie ich vorgehe. Mit denen verschwanden auch die Wolken, die dort so lange ausgehalten hatten. Und falls dem Leser vorkommen wird, daß meine Erfahrung mit Brahma, die mit der Vision von Vishnu und Brahma zusammenhing, wie ich zum Schluss dieser Kapitel erwähnte, nicht der Wirklichkeit zutreten kann, und ob er nicht in der Lage sein wird, die mit meiner zweiten Realisation verknüpften Ereignisse zu begreifen, weil diese das Gebiet seiner geistlichen und mentalen Bereiche und Verständnisse übersteigt, soll er diese Aufklärung annehmen:

    Bei der Vision von Vishnu handelte es sich um den Gott-Schöpfer, im zweiten Falle um personifizierte Charaktere, die brahmischen Zustände durchleben. Man kann hier die buddhistische Zergliederung von Sphären applizieren, die in Brahmas Himmeln so genannte Brahma-Purohita, Brahma- Parisadhya und Mahabrahmano finden. Übrigens wird der Charakter der Geschöpfe, die der Yogi auf seinem Wege zur Befreiung antreten kann, nach dem Verhältnis ihrer innerlichen Werten zu äußeren Faktoren bestimmt, nämlich zu Durchleben und Karma. Nach diesen Richtlinien reihen wir unter die dämonischen Geschöpfe diejenige ein, die vorbehaltlich den karmischen Kräften erliegen, die auf die Geschöpfe infolge ihres eigenen Tuns und der seelischen Beziehungen einwirken, die durch unterbewusste Bewegungen inspiriert werden.

    Die Paradiesgeschöpfe, nämlich niedrigere Klassen von Engeln, leben in Ansehung der dämonischen Geschöpfe - in deren karmischen Gruppe nach der Benehmensweise auch die Leute gehören - in harmonischeren Zuständen für vorherige sittliche Bewertung ihrer eigenen Wesen durch gute Taten. Falls die Wohltaten auf guten Absichten und Gemütsbewegungen überhaupt aufgebaut werden - und nicht auf der Entsagung - erleuchten diese das Gemüt und das Bewusstsein dieser Geschöpfe nicht mit Erkenntnis, sondern nur mit harmonischem Durchleben. Aus der wirklichen Objektivation dieses Benehmens ergeben sich Engel, bzw. Paradiesgeschöpfe.

    Wenn manche Geschöpfe aus dem kosmischen Orden die Intensität der inneren Tätigkeit oder Strahlung insoweit erhöhen, daß das zentripetal wirkende Durchlebenskarma hierdurch überwunden wird, werden diese Geschöpfe als Devas qualifiziert. Hinsichtlich dessen sind Devas die Geschöpfe, welche die Intensität der elektromagnetischen Spannung eigener Wesen insofern erhöht hatten, daß sie nicht mehr für notwendig halten, karmische Durchlebensanregungen anzunehmen, sondern fühlen sie sich höchstbefriedigt, wenn sie in einer Tätigkeit verbleiben, die manchmal nur durch wachen Zustand und rege Auffassungskraft geäußert wird.

    Die Geschöpfe, die sich auch über die Tätigkeit erhoben hatten und nur in Glückseeligkeit mit innerer Tendenz zur Tätigkeit verweilen, sind eigentlich Brahmas. Wenn diese Brahmas mehr auf Ich als auf den Tendenzen zur Tätigkeit basieren, sind sie Charaktere; Mahabrahma symbolisiert den Zustand, wo das Interesse um das eigene Wesen vor der Tendenz zur Tätigkeit weicht, welche für die inneren Qualitäten als schöpferische Tätigkeit angesehen werden kann. Der Brahma-Zustand lässt nämlich kein Verlangen nach Ergebnissen der Tätigkeit.

    Angenommen, daß der, der den Zustand Mahabrahmano erlangt hatte, auch die Tendenzen zur Tätigkeit überwindet, und daß er sich nur die Tendenzen zum Bewusstsein von selbst im Sinne vom Ich erhält. In dem Falle wird er ein Geschöpf vom göttlichen Bereich Rupa-Dhat, welches der Yogi in Zuständen seines eigenen Bewusstseins, gereinigt von gröberen samsarischen Resten, identifizieren kann. Das heißt, daß es nicht mehr um ein Geschöpf geht, sondern um einen Komplex von konkretisierten Eigenschaften, die für ein Menschenwesen die Götter der übersamsarischen Bereiche sind.

    Diese Geschöpfe, die sowohl die Tendenzen zur Tätigkeit als auch das Ichgefühl überwunden hatten und nur in unbegrenzten Seeligkeiten verharren, werden als Götter der Sphäre von Arupa-Dhat, das heißt vom Bereich ohne Formen, erkannt werden.

    Im engen schematischen Rahmen können wir daher die Lebenskräfte des Kosmos folgendermaßen aufteilen:

    Dämonen und Menschen der niedrigsten geistigen Stufe: Absolutes oder überwiegendes Erliegen den Durchlebensanregungen (dem Karma) infolge relativ nichtexistierendes Widerstandes, der sich durch innere Tätigkeit oder lebhaftes Temperament kundgibt.

    Bemerkung: Pretas, Asuras und Tiere sind eine andere Objektivation der beiden genannten Geschöpfarten.

    Engel und Menschen vom mittleren karmischen Alter: Ein relatives Gleichgewicht zwischen den Kräften von Durchlebensanregungen (Karma) und innerer Lebhaftigkeit oder Aktivität.

    Devas und Menschen geistlich höchstentwickelt: Die Lebhaftigkeit und Munterkeit überwinden in höchsten Maße die Kräfte von Durchlebensantrieben (Karma), oder die Tätigkeit von solcher Intensität, daß die Durchlebensanregungen (Karma) nicht mehr verspürt werden.

    Bemerkung: In diese Kategorie gehören auch Serafinen, Cherubinen und die höchsten Devas.

    Brahmas: Fest gestaltetes Ich oder Selbstbewusstsein und Tendenzen zur Tätigkeit, geäußert durch die Unterordnung mentaler und gröberer seelischer Tätigkeit; stärkende energetische Spannung und Strahlung.

    Die Götter von Rupa-Dhat: Tendenzen zum Selbstbewusstsein oder Ich und schwindende innere Tätigkeit.

    Die Götter von Arupa-Dhat: verschwundene Tendenzen zum Selbstbewusstsein, sowie Nichtexistenz von übrigen psychologischen Stützen für ausgeprägtes Dasein.

    Wenn sowohl die unbegrenzten Glückseeligkeiten gehörig zum Bereich von Arupa-Dhat, als auch das zum Rupa-Dhat gehörige Ich unterdrückt sind, kommt es zur Vernichtung vom Bewusstein in allen Formen - und das ist das Gebiet vom zweckmäßigen Yoga.

    An der Schwelle des Zustandes, genannt „die Vernichtung des Bewusstseins“, ändern sich für das Bewusstsein die Verhältnisse, wie wir diese aus natürlichen Zuständen kennen, die wir als Geschöpfe erleben. Das Geschöpf, welches bis hierher kam, war vor allem die Entwicklung vom Selbstbewusstsein durchgegangen, welches gezwungen worden war, die Grenzen eigenes Wesens auszuwachsen, wie es bei üblichen Menschen vorkommt, und bis zu dem Zustand heranzuwachsen, in welchem das Weltall verstanden wird als eine Zusammenfassung von Komplexen, enthalten in nach Erlösung strebendem Wesen.

    Diese Tatsache kann man nur durch das Durchleben der allgemeinen Relativität erkennen. Erst hierdurch wird es nämlich gezeigt, daß die Verhältnisse und Beziehungen von Wesen und Weltall von dem Wert des Selbstbewusstseins bestimmt werden, welches auf der höchsten Stufe den Kosmos bis in die Grenzen vom Objekt zusammendrücken kann, das für die normale Beobachtung geeignet ist. Dann kann man mit diesem Objekt durch Zustände von Denken, Bewusstsein, und Durchleben manipulieren.

    Für den Yogi, der die höchste Stufe vom Selbstbewusstsein erreicht hatte, wird der Kosmos ein Objekt, das er unter seine Kontrolle stellen kann, so wie ein schlichter Mensch gegenüber dem Kosmos nur als eine geringfügige Einheit gegenüber der absoluten Welt stehen mag. Und doch in Wirklichkeit geht es hier um die Verhältnisse, die sich der Mensch selbst geschaffen hatte. Das hatten die Yogis begriffen und darum hatten sie als eine Grundbedingung der geistlichen Entwicklung die Entfaltung des Selbstbewusstseins festgelegt, das aus den Grenzen des Körpers wachsen, den Kosmos überwachsen und endlich in sich selbst zugrunde gehen muss, begleitet allerdings mit dem Bewusstsein, daß die höchste Entwicklung erreicht wurde, die lediglich jedes Geschöpf lockt, welches sich um die Stärkung und Vermehrung eigenes Wohls bemüht.

    Was mich anbelangt, erfolgte meine zweite Realisation eben an der Schwelle des Zustandes, der „die Bewusstseinerweiterung“ heißt. Deshalb habe ich Recht, das zu sagen, was ich über die Erlebnisse der zweiten Realisation gesagt hatte, ohne den Namen „Phantast“ zu verdienen.

    Und so nach zwanzig Jahren seit der ersten Realisation wurde das Karma, das ich damals eingesät hatte, reif, und auf dem Weg von Bhakti – einem bereits milden Weg – erlangte ich ein Erlebnis, das abweichend war von dem, welches den Eintritt in das Leben bei der ersten Realisation symbolisiert hatte.


    Somit lief für mich die Zeit ab, in der für mich die kompliziertesten Situationen entstanden, die das Schicksal für einen Menschen erdenken kann. Es wäre ziemlich einfach, wenn meine zweite Realisation von selbst gekommen wäre, oder es wäre sogar einfach, wenn sie in denselben Zeitraum mit der ersten Realisation von Frau L. gehört hätte. In diese Realisationen mengte sich jedoch auch meine Ehefrau mit ihrer Eifersucht ein, und als das Schlimmste mischten sich auch Vorboten auf dem politischen Himmel ein. Infolge dessen bezog sich mein Interesse, anstatt auf das erste dieser vier Glieder, auf das letzte, wogegen meine persönlichen Sachen sich zum Ende verschoben.

    Ich vergaß also auf mich selbst, und in der höchsten Lebensgefahr kümmerte ich mich zunächst darum, in der erschreckenden Dunkelheit ein Licht vom günstigeren Schicksal anzuzünden, was ich nur insoweit machte, als es nicht akuter erwies, die seelische Gesundheit meiner Ehefrau und die Realisationsprozesse bei Frau L. zu überwachen. Es wäre vielleicht möglich zu sagen, daß es eine Manifestation der höchsten Entpersönlichung war, als, während mein Wesen unter den Drücken zweiter Realisation aufsprang, interessierte ich mich nur um das Entfachen günstiger Bedingungen in Dunkelheiten, in denen die Welt eingehüllt wurde. Nur aus der Ursache war ich in der höchsten persönlichen Gefahr, in deren mir eine Vertilgung aus dem Kosmos, Inkarnationen in der Hölle, oder der Wahnsinn drohte.

    Kann man jedoch solche Vorboten gar berücksichtigen, wenn man weiß, daß die Weltschicksale so dunkel wie eine Nacht sind, er selbst eine im Weltall nichtsbedeutende Einheit, und wenn er aufgrund seiner Kenntnisse glauben kann, daß er diese Schicksale im guten Sinne beeinflussen kann? Wie immer sich jeder beliebige in dieser Situation verhalten würde, vermutete ich, daß aus dem absoluten Gesichtspunkt das Individuum nichts ist, ob er nicht eben die exekutive Hand des Herrn ist. Das war die Ursache, daß ich durch karmisch fast unsinnige Augenblicke durchkam, nur mit relativ schwachen Besorgnissen um mich selbst, aber im Schauder, was denn die Zukunft für die Welt heraufbeschwört.

    Ich sah grauenhafte Dunkelheiten, die zu Tode gequälte Menschen ins neue Elend stürzen wollten, die noch schrecklicher waren als die bisherigen, damit sie in der Menschheit die letzten Reste von geistlichen Werten ausmerzen, welche den Leuten erlaubten bis diesen Augenblick zu erreichen. Das warf mich auf die Schwelle vom Wahnsinn, der nicht einmal vom schwächsten Licht der Überzeugung bestrahlt wurde, daß noch jemand anderer die derzeitige Situation richtig bewerten könnte. Wirklich! Ich kannte viele Mystiker und Weltmenschen, bei denen ich eines gemeinsam fand. Entweder beschimpften sie die Verhältnisse, oder sie resignierten aufgrund der innerlichen Verderbtheit, mit der Behauptung: „Gott lässt das geschehen.“ Ich wusste hingegen: Die Weltschicksale sind eine resultierende Erscheinung der magnetischen Spannung, die so genanntes latentes Karma darstellt. Es ist daher nötig, das eigene menschliche Bewusstsein zum Licht zu machen und mit dem Licht den gesamten unseren visuellen Raum zu erfüllen, und erst dann wird man wirksam dem allen Übel steuern, das über uns wie eine Verdammnis für unsere Schlechtigkeit hängt.

    Aber wer von den Leuten würde so denken? Es ist einfacher, die Diktatoren, Präsidenten und die Ministerpräsidenten anzusehen und zu beschimpfen, wenn sie alles nicht nach unserem Wunsch veranlassen. Als ob das Schicksal auf einem grünen Tisch säße, um welchen die Potentaten sitzen, und nicht daß es in einem jeden von uns wäre als ein Ergebnis unserer sittlichen und karmischen Werten. Daher kann die Welt nichts anderes retten, als die Begreifung der wahren Ursachen von Schicksalen der Welt, deren Weg ich weiter wandelte...