Kapitel VII
Die Meisterstufe

    In der Zeit, als meine Frau außer dem Hause war, lud mich zu Besuch die Frau ein, die ich als eine „Kolporteurin von Neuheiten“ (in der Mystik) charakterisierte, damit ich die Frau L. besuchte, die sich sehr viel für Mystik interessierte und eben im Kurort auf Therapie war.

    Mit jener „Kolporteurin von Neuheiten“ war ich schon eine gewisse Zeit bekannt. Sie wollte in mir eine größere Aktivität im publizistischen Sinne wachrufen, aber sie stieß auf Interesselosigkeit und Abneigung. Sonst war sie aber eine gute Frau, und sie interessierte sich für Hilfe den Leuten dort oder anderswo. Darum sprach sie über manche Leute aber - mein Interesse entzündete sich nicht. Erst beim Namen der Frau L. „witterte“ ich einigermaßen, aber ich ließ mir es nicht merken.

    Jetzt kam nach ihrer Meinung eine gute Gelegenheit für einen Besuch bei Frau L., denn es gelang ihr endlich, mit der Zustimmung der Frau L. eine Einladung zu senden. Ich war damit einverstanden.

    Ich wurde auf dem Bahnhof in Podìbrad erwartet. Ich kam an. Unter den wartenden Leuten merkte ich eine Frau, die in mir einen Anschein eines überheizten Kessels erweckte - sie hatte soviel Energie, immer versteckt hinter der vollkommenen Geistesruhe und den Nerven, so gesund, daß ich später vielmals glaubte, daß ich diese Seele nie errege, um Bedingungen zum greifbaren Ausdruck der Göttlichkeit in ihrem Wesen und Leben zu bilden.

    Ich, welcher durch die Welt schreitet als jemand, der einen kostbaren Schatz der Geistigkeit trägt und die Leute anruft: „Nehmt, es ist gut und ganz kostenlos“, wurde beim Erblicken dieser Frau einigermaßen entgleist - ich steckte den Schatz hinter den Rücken und wollte sagen: Sieh, ich habe nichts.

    In Erregung bog ich ab, schaute eine kurze Weile die ausgehängten Fahrpläne an, aber dann kehrte ich mich schnell um und schritt ihr entgegen, um mich vorzustellen.

    Dann war ich schon ruhig. Wir gingen zusammen in ihre Wohnung, sie erzählte mir über ihr Interesse und ich - hörte kaum zu. Bis später sagte sie plötzlich: „Ich will gemeinsam mit meinem Mann gehen.“

    Es fiel mir ein, was redet denn die „dumme Frau“ für einen Unsinn, aber mit lauter Stimme sagte ich nichts.

    Zu Hause zeigte sie mir die Position der Götter, worauf ich mit den Worten reagierte, daß sie es nicht machen sollte, aber wenn sie es schon anfing, soll sie weitermachen. Dann gab ich ihr vielleicht einige Ratschläge, und auch machte ich sie aufmerksam, daß ich ihren Mann kennen lernen muss - und ich fuhr weg. Der Anstand selbst dachte sich: Er soll mir auf den Buckel steigen, wenn er kein Interesse hat.

    In diesem Zeitraum besuchte ich auch Herrn S., zu welchem ich zuerst nach Landshut und später nach Hodonin fuhr. Das war deshalb, weil mich in Landshut Gestapo anhielt, verhörte und ein Protokoll mit mir aufnahm. Ich ließ mir nämlich in den Nachbarstaat telephonieren, in der Zeit, als sie schon die Menschen verfolgten, die unseren Leuten über die Grenze halfen. Eine schlechte Situation, die besser wurde, als sie das Protokoll mir nicht nachschickten. Ich hatte also Ruhe, aber dann fuhr ich schon nur nach Hodonin. Ich erachtete die Reisen für notwendig, denn dieser Herr S. erreichte bald eine Realisation, wie ich es „aus der Luft erfuhr“.

    Gleichzeitig beobachtete ich, daß auch der Dr. K. „wuchs“, der sich wohl sehr wunderte, daß ich für sehr gut hielt, als er gerade „beinahe wahnsinnig war“, wie er später aussagte.

    Er erreichte ja auch eine Realisation binnen zwei folgender Jahre. Ich hatte aber Sorge, daß es eine gute Realisation war, denn er stellte Fragen nur technischer Art, was bedeutete, daß er allein gehen will und nicht will, daß ich ihm „den Lebensweg verstelle“. Er wusste wahrscheinlich nicht, daß er vor sich einen sehr erfahrenen Menschen hat, denn er war einer der „Sturmmänner des Schülers-Führers“. Hiermit konnte er von mir nur als von einem schwarzen Magier hören, was mich zwang, über die Sittenprinzipien in der Mystik nicht zu reden, damit ich nicht verdächtigt wurde, daß ich eben durch das Empfehlen der Moral ein schwarzer Magier bin. Sein Fortschreiten auf dem mystischen Weg war mir klar, aber er kurierte sich erst von einer Verleumdungskampagne, die auf jedem gewisse Spuren hinterlässt.

    Schade nur, daß zwischen uns eine „Trennwand“ bleiben musste, denn es gefiel mir, daß er „den Weg der Vernunft“ zu gehen wusste. Also, wir werden später sehen.

    Nach einiger Zeit schufen sich endlich Umstände, daß ich aus einer Reise nach Hause, anstatt gerade zu gehen, einen großen Bogen machte, und dadurch erfüllte ich das Versprechen, den Ehemann von Frau L. anzusehen.

    Ich wurde herzlich gegrüßt, aber - ich ging die Situation sondieren. Ich kam ins Gespräch über meine Ansicht auf Gott, über Möglichkeiten in den Himmel einzugehen und über andere Sachen, und das brachte Frau L. zu einer reservierten Stellung, während Herr L. es als übermäßig, vielleicht etwas wie eine Blasphemie sah.

    Da es mir an ihren Meinungen nichts lag, da ich freiwillig sprach, fühlte ich mich auf diesem Besuch wohl.

    Eine andere Lage bildete sich daheim.

    Ich wurde zu einer Gesundheitsuntersuchung eingeladen, ob ich arbeitsfähig in Deutschland bin. Weil ich zur Zeit unterwegs war, schickten sie die Einladung vom Haus zurück, und ich bestrebte mich, über meinen Bruder eine Arbeit direkt in Pardubitz zu bekommen.

    Ich wurde angenommen, aber am Arbeitsamt hatten sie meine Nachweise nicht, denn sie leiteten diese weiter in die Abteilung, wo sie Arbeitskräfte nach Deutschland abfertigten. Dann kam ein Schutzmann zu ermitteln, was mit mir los ist, aber ich wollte nicht mit ihm gehen, sondern selber. Der Arzt stellte bei mir Herzprobleme fest. Im Büro sagten sie mir, ich müsste keine Stelle antreten, aber wenn ich schon eine habe, so soll ich arbeiten.

    Es fing für mich ein neues Leben an, das Leben eines Fabrikangestellten, was ich befürchtete mit Hinsicht auf das psychologische Milieu der Fabrik. Sie gaben mich in die Kopiererei, aber weil ich keine direkt zugeteilte Arbeit hatte, bleib ich völlig gleichgültig - und machte nichts.

    Nebenan in der Registratur gab es einen Mann, der dahin nicht taugte. Sie platzierten mich daher in die Registratur. Eine sehr schlechte Umwelt infolge des bisherigen „Registrators“. Er grüßte mich nämlich damit, daß „die tschechischen Schweine und wilde Säue sind schrecklich schlechter Natur“, und es ist daher nötig, sie aufzupassen. Er spuckte ständig auf den Boden, und vor Zorn stampfte er darauf, denn „die Schweine wollen immer etwas und wissen nicht was“.

    Er war beinahe ein Analphabet, er legte die Registratur anfangend von einigen Zeichnungen an, so daß er „ein besonderes System vom Anlegen“ in die Mappen hatte, sonst aber wies er eine Genialität in zweideutigen Reden auf.

    Pädagoge und Psychologe! Im Fabrikmilieu mögt ihr viele Leute finden, die sehr schwerfällig in der gewöhnlichsten Lebens-, Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik sind, aber in der Erotik wiesen sie eine ungewöhnlich lebendige, rege und „intelligente“ Denkweise auf. Ich erwähne dies als eine Warnung, denn solche Strukturierung formt später Revolutionäre, die glauben, sie wissen alles am besten und die in diesem Selbstbewusstsein nur die Kultur begraben können, wenn sie dazu mal eine Gelegenheit haben.

    Im Wesentlichen sehe ich das als eine logische Folge vieler Irrtümer, die eine einflussreichere Gruppe der menschlichen Gesellschaft beging, und mir ist es klar, daß es um eine Überschreitung geht, deren Ursache in der Entwicklung der menschlichen Intelligenz und in der gegenwärtigen Wirtschaftsnot liegt. Wirklich. Die Anfangsgründe der Intelligenz von sozialbedrückten Massen finden sich für gewisse Zeit mit Erotik ab, aber nach einiger Zeit werden sie sich auch im Sozialwettbewerb bemerkbar machen wollen. Und ich sehe, daß die Situation so weit gedieh, daß die menschliche Gesellschaft nicht Zeit genug haben wird, die karmischen Schulden denjenigen, deren Intellekt durch soziale Unrechte entwickelt wurde, auszugleichen.

    Ihr werdet haben - und ihr habt schon - Proletariat, das intelligent ist, wenigstens dermaßen, daß es solche Drücke ausüben könnte, die das gesellschaftliche Leben auf die Dauer bedrohen würden. Aus dem Grund sehe ich nur den Horizonten entgegen, wo ich die Flammen der in Leidenschaft, Unwissenheit, Krise und Elend werdenden Welt nicht zuschauen muss.

    Bereits seit der Zeit, wo ich geistig in dem Maß wach wurde, daß sich meine Sehkraft erschloss (1926), beobachte ich furchtbare Schatten, welche sich auf die Zukunft legen. Es erfüllte sich bisher schon dadurch, daß es wirtschaftliche Krise und der Krieg war.

    Was wird weiter folgen?

    Ich sagte im Krieg, daß wir als das Ganze vor einem Abgrund stehen, und daß ich nicht weiß, ob dieser Krieg eben diesen Abgrund nicht bedeutet. Aber vielleicht schon am 8. oder 9. Mai 1945 antwortete ich auf eine Frage von Frau L., daß wir als das Ganze diesem Abgrund noch näher sind. Und heute, als ich diese Zeilen schreibe, will ich meine Weissagung nicht ändern.

    Ich arbeitete also in der Registratur. „Der Alte“ sagte mir außer schon erwähnten Belehrungen: „Dies sind Halbfabrikate, dies Preislisten, das Röntgen, das dieses, das jenes“.

    Es wunderte mich gar nicht mehr, daß der Mann, an dessen statt ich hierher aufgenommen wurde, mit keiner Sache fertig sein konnte. Man kann die Dinge nicht im Kopf behalten, und ich auch war davon dumm.

    Ich machte daher wieder nichts. Ich schaute die Regale an, folgte den Nummergruppen, plötzlich fiel mir eine Idee ein, und ich reihte so ein, als wäre ich dort schon lange Zeit.

    Dann verstand wieder „der Alte“ nicht. Ich erklärte ihm: Das hier geht von eins bis die höchste Nummer, dieses auch, und dieses ebenfalls, alles nach Format. Er strengte seinen Kopf an; schließlich begriff er, daß eins, zwei, usw. auch eine Einreihung darstellt. Dadurch gewann ich ihn für mich und wurde ein leistungsfähiger Angestellter der Fabrik.

    Dann wurde ich an eine andere Stelle versetzt. Sie gaben mir die deutsche Registratur, und die Arbeit war für mich eine Spielerei. Als „Spielerei“ sah ich jedoch nicht die Lage, in der ich mich als der Angestellte der und jener Kategorie befand. Sie konnten mich anschnauzen, daß ich „ein Spiritist“ bin, und ich war dafür schon so empfindlich, daß aus mir die yogische Kraft herausschlagen konnte und ein Unglück herbeiführen.

    Was Spiritismus heißt, wussten sie vermeintlich. Irgendeine Putzfrau - weil jemand ihr den Putzlappen für Fußboden betrat - berief von ihm „gute Seelen“ ab; er benahm sich dann zerknirscht, und so erlaubte die Putzfrau wieder den Seelen zu ihn wiederzukommen.

    Ich werde allem vorbeugen, entschloss ich mich. Man sprach dort zweideutig, die beste Unterhaltungsweise. Also, ich kann „dreideutig“, „vierdeutig“, oder noch mehrdeutig sprechen.

    Mit diesem Augenblick machte ich die Umgebung „angenehm“. Der alte geiferte manchmal von Vorstellungen, die ihm vor Augen zu tanzen begannen - er war doch ein alter Kosak. Dann schien es ihm zu stark - und er redete auf mich ein. Aber ich hatte „Visionen“, und darum fuhr ich heftig diesen Seelenweg weiter. Es war einfach so, daß, als ich schon weg von dieser Stelle war, konnte der neue Leiter der Registratur nur seufzen:

    „Ich bin doch ein alter Saukerl, aber wie es nur der Minarik machte, daß er die Moral auf einer so elender Stufe zu halten wusste!“

    Aber diese Situation war für mich schon längst zu Ende. Ich kann nur erinnern, wie die Leute eines Tages endlich erfuhren, daß Minarik ein gewisses Buch über „Spiritismus“ schrieb. Sofort lachen konnten sie nicht, weil das Milieu stürmisch und „rational“ war. Sie beobachteten deshalb. Schließlich öffnete sich ein Mund:

    „Also, Sie sind bestimmt kein Spiritist. Eher könnte es „der Alte“ sein. Falls Sie ein Buch verfasst haben, so war das nur wegen Geld.“

    Ich war zufrieden. Mein Innere sollte nicht verwundet werden und konnte daher in seinem Schmerzensschrei, wie ein unbarmherziger Schütze, tödliche keine Pfeile gegen die Leute losschießen, die für ihre Vergnügung, oder für andere Zwecke, aufgreifen konnten, ohne daß sie wussten, was.

    Und in diesem Zeitraum bildete sich eine neue Situation, unterschiedlich von dieser rauen Wirklichkeit, die mich etwa dreimal innerhalb der Periode von etwas mehr als zwei Jahren auf das Krankenbett legte.

    Es verlautete hier und dort, ich sei ein „Spiritist“, der ein Buch über Spiritismus geschrieben hatte, bis es schließlich zu Ohren vom Herrn S. kam.

    Er hörte auf zu arbeiten und reiste mir sofort nach.

    Er forschte: „Sie haben ein Buch über Mystik geschrieben?“

    „Ja,“ antwortete ich.

    „Haben Sie es aus Erfahrung geschrieben, oder ist es eine Kompilation?“

    „Aus Erfahrung.“

    Sodoma lieferte einen gerechten Menschen aus. Mein Innere wurde versöhnlicher, und obwohl ich ins Leben dieses jungen Mannes wie ein Blitz aus heiterem Himmel eingriff, doch auch mir erging es danach besser. Wir führten gemeinsame Gespräche, er war verwundert, daß die „Wildnis“ für mich durch Schließen der Tür der Registratur aufhören mag, und er begann zu mir immer größere Sympathien hegen. Er war Zeuge, als ich plötzlich unruhig wurde und klagte, daß meine Ehefrau schlimm dran ist, daß ich einen Passierschein brauche, damit ich eingreifen konnte. Während wir darüber redeten, ging mir ein Licht auf, daß auch dies zu spät wäre, so schoss ich unsichtbare Pfeile und sagte ihm dann sofort, daß „es schon gut ist“, vielleicht sagte ich sogar, es sei sehr gut, denn als ich mich bei der Ankunft zu Hause überzeugen konnte, fand ich meine Ehefrau auf dem Bett, als sie in einer wonnenvollen Realisation badete, die ich als die höchste und beste bewerten musste, aus denen, die ich bis zu der Zeit bei jemandem je festgestellt hatte. Das ist aber ein Ereignis der späteren Zeit.


    Pardubitz wurde beunruhigt von Fliegeralarme. Nachtanflüge der tiefliegenden Flugzeuge riefen stets eine Gefahr hervor. Ich wurde besorgt.

    Ich verspürte den Krieg als einer der Menschen, die zu seinem Ausbruch beigetragen hatten. Ein reißender Schmerz in meiner Brust zwang mich, mentale Kombinationen zu bilden, mit denen Hilfe ich mich in den Kriegeslauf als ein bedeutsamerer Liniensoldat verstückte. Ich konnte die Feuerröte und den Eisenschwall bei Sedan als ein französischer Soldat durchleben, verspürte das Schmelzen von Panzern, die meinen Körper bildeten, ich konnte hin und her geschleudert werden in der Schwärze irgendwo im Nordsee, wo die englische Flotte den Respekt der Deutschen erregte, ich konnte sogar irgendwo bei Pantellerie im Seekrieg behilflich sein, wo die italienische Flotte später meines Blickes entschwand, ich konnte an „Scharmützeln“ in Nordafrika teilnehmen und schließlich eine ermattende deutsche Kanonade irgendwo bei Viazma erlaben, und unsichtbare Flügel über dem Leiden bei Stalingrad ausbreiten. Das alles erlebte ich so lebhaft, daß ich die Stellen, Frontbewegungen und weitere Einzelheiten angeben konnte, und auch erwähnte ich das ab und zu.

    Ing. H. „studierte kritisch“ meine Wahrnehmungen. „Und da sehen Sie italienische Schiffe und die afrikanischen Küsten gleichzeitig?“

    „Natürlich,“ entgegnete ich.

    „Eben das ist unlogisch,“ wandte er ein. „Die menschlichen Augen können diese Fernen nicht umspannen und dabei geringfügige Schiffe sehen, aber das wissen Sie wahrscheinlich nicht.“

    Dummkopf, dachte ich mir, schaue ich etwa mit den menschlichen Augen? Mein plumper Körper bedeckt diesen ganzen Raum, und meine Pupillen konzentrieren das Objekt nicht in einen Punkt im natürlichen Gesichtsfeld, sondern sie sind gewaltige und zusammengesetzte Sehflächen, die dazu bestimmt sind, die Wahrnehmung irgendwohin ins Bewusstseinszentrum zu befördern. Ich persönlich will nicht durch unsinnige Aussagen blenden. Ich verspüre den Krieg an meinem Leib als ein Wesen, das dadurch leidet und vor der bisher unbegreiflichen Zukunft sich entsetzt.

    Dann einst in der tiefsten Nacht hing unmittelbar über uns das „Bäumchen“, das die dunkle Nacht beleuchtete. Ich ging im Garten herum, hörte dem Bombenschwirren zu, führte die Frau mit dem Sohn in den Holzschuppen hinüber - für alle Fälle - denn in der letzten Zeit sprach der Hüter der Schwelle Drohungen aus so genannter höheren Gewalt aus.

    Ich glaubte denjenigen, die bombardierten. Leider hatte ich wegen Häusern keinen Überblick über die Gegend, aber es schien mir, daß Bomben weder auf „Fantovka“ noch auf den Bahnhof fallen. Ich überlegte, was für ein Durcheinander darin herrscht.

    In der Früh fuhr ich in die Fabrik und stellte fest, daß weder Bahnhof noch Fantovka, sondern dort in der Ferne manche Häuser der Bombardierung unterlagen.

    Ich hörte auf, den Bombardierungsverbänden zu glauben, und deshalb konzentrierte ich mich auf das innere Gefühl. Infolge dessen sagte ich eines Tages: „Herr B., verbreiten Sie bitte diese Papiere CPO (Zivil-Luftschutz), damit es zu keinem Malheur kommt.“

    Ich war nämlich ein Unterkommandant CPO und übte den Dienst nur sehr schlampig aus, weil ich aus meinem Zustand feststellte, daß es keinen Zweck hat, die Leute mit so etwas zu belästigen, was sie sowieso nicht befolgen werden und auch nicht können. Es ist nötig, den Krieg zu beseitigen, und nicht uns zu belehren, wie man sich vor, bei und nach einem Luftangriff verhalten soll. Alles lauter Unsinne unbegreiflicher politischer Frevelhaftigkeit in Wahnideen und Größenwahn ertrunkener Menschen, die sich ein Recht über Nationen anmaßen, welches keinem individuellen Menschen und keiner Gruppe zusteht.

    Meiner Frau befahl ich, daß sie sofort am Anfang des Fliegeralarmsignals weit ins Freie zu Fahrrad abfährt. Den Sohn schuf ich schon früher zu meinen Bekannten weg, wo er in die Schule ging, und ich wollte ihn dort bis zum geeigneten Augenblick belassen.

    Jetzt war ich daher die Sorge los. Deshalb war ich am nächsten Tag bei Alarm ruhig. Ich erfüllte die Aufgaben des Unterkommandanten CPO, und der Ehefrau gebot ich wegzufahren.

    Meine Beschäftigung war auf der anderen Stadtseite. Am Mittag kam ein Luftangriff, wobei ich etwas wie Rollvorhänge herabziehen hörte, in der Ferne sah ich Qualm, und hierbei stieg in mir Unruhe...

    Die Bombardierung wurde schließlich still. Der Luftalarm war noch nicht aufgehoben worden, aber es schien mir, daß ich durch Zögern eine Aufhaltung auf dem Weg erwarten könnte, und so fuhr ich schleunig heim. In der Nähe vom Daheim konnte ich schon nur zu Fuß gehen und das Fahrrad knapp um stürmisch brennendes Erdöl führen, das auf mein Gesicht seine Wärme warf. Ich hörte ein Geknister und Detonationen, und über mir erstreckte sich wie ein Höllenbaldachin eine Qualmwolke, die irgendwohin nach Westen, in zweistelliger Kilometer Entfernung vorbeizog und mit dem klaren Himmel kontrastierte, auf dem die heiße Augustsonne strahlte.

    Die Straße, wo unser Haus stand, war demoliert. Dort drüben, wo noch heute früh ein Doppelhaus gestanden war, gähnte nur ein Loch und unordentliche Haufen vom Schutt. Ich ging zu unserem Haus. Es war zerrissen, so daß man darin nicht mehr wohnen konnte, und - ich hatte Freude, daß die Wirklichkeit derlei war, daß sie sogar zu getreu des Vorboten entsprach.

    Ich schritt ein wenig zurück und bemerkte: „Mistvieh, sie zerbrechen uns den Pfosten mit der Hausklingel. Wie werden denn uns die Leute jetzt läuten?“

    Mir entgegen ging eine Frau, die Besitzerin eines des oben erwähnten Hauses und versicherte mir: „Herr Minarik, hier lag ich (etwa nur eineinhalb Meter vom Haus im Durchgang zum Tor) und rief den Sohn, er soll weg vom Haus gehen, weil hier der Tod herumging. Es war grauenvoll, schauen Sie her, welche Beule ich auf dem Kopf habe.“

    Lächerliche Kontraste. Die Straße zersprengt, die Leute weinen über Besitzverlust, und hier eine Beule auf dem Kopf als Beweis, daß es wirklich schrecklich war.

    Übrigens ging es um eine Spiritistin, die ihr Schicksal gut ertrug. Sie sah den Sohn, wie er tot hoch in die Luft aufflog, und als ich direkt in der Mitte ihrer Brust den Zustand untersuchte, hörte ich eine leise Stimme: So ist das in Ordnung. Gott wollte es, und was Gott tut, tut er sicherlich gut.

    Ich konnte mich nur wundern über die bodenlose Ruhe der schlichten Menschenseele. Hinter dieser Ruhe konnte ich jedoch etwas wie eine drohende Kraft feststellen, die von der objektiven Ungerechtigkeit berührt war. Eine Stärke, die aus ihrem Wesen herauskam, und die mich auf allen Körperteilen beleckte.

    Jawohl, Frau, bedachte ich, ich verstehe dich besser als du überhaupt zu begreifen weißt. Aber da lenkten sich schon meine Blicke dorthin, wo das Werk vom Augenblick die Tränen in die Augen sogar der alten Männer zu treiben wusste, welche ihr Lebenswerk in Trümmer sahen. Deshalb bestrebte ich später in meiner Rede nur tröstende Worte zu benutzen. In meiner Gemütsverfassung war nicht einmal zu denken an den Plunder, die ich verloren hatte. Übrigens sollte ich mehr nach dem Tod des Herrn B. verlieren, an dessen Namen ich das Haus gekauft hatte, denn er hatte Brüder und Schwester, die erben wollten.

    Ich versuchte die Tür vom demolierten Haus zu öffnen. Sie war nicht verschlossen. Ich wurde unruhig, denn ich konnte die Türe nicht aufmachen wegen einem innen gespreizten Fahrrad.

    „Was mag mit meiner Ehefrau los sein?“, legte ich mir die Frage, weil hier plötzlich viele Dinge nicht stimmten. Beunruhigt suchte ich sie. Ich wusste doch, daß sie aus der Bombardierungszone nicht zu Fuß herausgehen konnte. Aus dem Grunde hatte ich sogar angstvolle Weilen. Dann regte sich mein Innere: Alles in Ordnung, keine Sorge.

    Trotzdem ging ich herum unruhig, ich befragte, aber niemand konnte mir eine Nachricht erstatten. Dann schließlich, nach relativ langer Zeit, kam meine Frau zurück. Sie erklärte:

    „Ich wäre sofort fortgefahren, weil ich schon wusste, daß eine Bombardierung kommt, aber die Nachbarn waren nicht zu Hause, nur die Oma, und weil ich fühlte, daß ihr Haus ebenfalls zerbrochen wird, half ich ihr über den Zaun klettern. Damit habe ich mich aufgehalten, für das Zweirad bin ich nicht mehr zurückgekommen, und schließlich habe ich ein Versteck bei einem Bäcker gefunden. Ich kann dich versichern, Papa, daß ich ruhig war.“

    „Ich habe dann einer Mutter Kind gerettet, die es im Schrecken ins Federbette drückte und sie hätte es fast erstickt. Aber es hat auf mich auch eingewirkt, obwohl ich wusste, daß in unseren Luftschutzraum keine Bombe fällt. Sie sind in unmittelbarer Nähe gefallen.“

    Ich sagte nichts und dachte nur an den Hüter der Schwelle einerseits, und an den Allerheiligsten andererseits. Und ich schloss: Wenn nur ihre schwachen Nerven das alles ausgehalten hatten!

    Dann kamen meine Freunde helfen, die Habseligkeiten zu übersiedeln, die wir zu einem Spengler brachten, der Sympathien für mich hegte, denn er hielt mich für einen Spiritisten. Und so - hörte ich auf, mich um alles zu kümmern.

    Ich fuhr auf „Bombardierungsurlaub“ und erfreute mich über die Ruhe. Übrigens war es nötig für mich. Ich fühlte mich nervenerschöpft, und mein Gesundheitszustand beanspruchte andere Anblicke als Pardubitz in ewiger Gefährdung, denn die westliche Luftwaffe nahm die Stadt aufs Korn.

    Wir verbrachten mit meiner Ehefrau einige Tage auf einer ruhigen Stelle, und dabei konnte ich mich erinnern, daß ich hier von etwa zwei Monaten die Frau L. getroffen hatte, als sie mir mit Herrn L. kostenlos die Sommerwohnung überlassen hatten. Ich konnte mir denken an ihr sachliches: „Was soll ich tun“ und mein stereotypes: „Das, was Sie bisher getan haben.“

    Die Leute wissen aber nicht, was sie tun, insbesondere, wenn diese „Arbeit“ vorwiegend in flammender Sehnsucht nach der Befreiung von einer äußeren oder inneren Krise besteht. Betrogen von Lehrensystemen der neuzeitlichen Mystik, vermuten sie, „etwas machen“ heiße in einer orientalischen Position zu sitzen und dabei entweder den eigenen Nabel anzuschauen, oder sich an etwas mental in dem Masse zu heften, bis ihnen „am Gehirn eine Schwiele ausbricht“. Manchmal glauben sie auch, die ganze mystische Anstrengung beruhe auf der richtigen Aneinanderreihung von I, A und O, oder auf dem richtigen Aufsagen von „gewaltig wirkungsvollen Mantras“, die ihnen ein fragwürdiger Meister der Mystik mitteilen kann. Leider wissen sie nicht, daß das mächtigste Agens jeder Mystik und auch des Lebensaufbaus der Seelenzustand ist, der durch ihre Reaktionen auf die Lebenszufälligkeiten einerseits, und durch die von diesen Zufälligkeiten bedingte Sehnsucht andererseits, entsteht.

    Wie könnte ich also die sämtlichen wirkungsvollen Momente anführen, die ihr den mystischen Weg öffneten, die Momente, die von seelischen Reaktionen auf das eigene lebhaft durchgelebte Leben gebildet worden waren? Sie kann sich die Beine durch orientalische Sitzhaltungen bis zur Bewusstlosigkeit brechen, und dennoch muss sie zu den zu ihrer Rettung tragenden Bedingungen gar nichts hinzutun. Du kannst also tun und lassen, wie du willst, hauptsächlich erschlaffe nicht, wenn du anfängst die Welt mit anderen Augen anzuschauen, in der Zeit, wo sie aufhört dir als die Hölle zu erscheinen, aber sie wird sich als eine angenehmere Umgebung zeigen.

    Für diesen Augenblick kann ich den Menschen nicht mal durch die scharfsinnigste Zusammenstellung auf der Ebene der mentalen und psychologischen Lebensführung vorbereiten. Dieser Moment von sich aus bedeutet eine Prüfung, welche man besteht, oder in welcher man durchfällt.

    Derjenige, der seine Anstrengung nicht zum Entwurzeln sämtlicher animalischer Neigungen aus seinem Wesen zielt, sucht in der Mystik neue Gelegenheiten zum glücklichen Gefühlsdurchleben in der Sinneswelt. Diese Orientierung bedeutet, daß der Sinn der Mystik nicht begriffen wurde. Diese Lehre will nämlich den Menschen vom Leid derart befreien, daß sie von ihm den Verzicht auf alle Bemühungen, seiner Natürlichkeit auf übliche Weise zu befriedigen, erfordert, und im Gegenteil, daß er von sich alle Wünsche und Sehnsüchte herausreißt.

    Wenn es dem Menschen gelingt, beginnt er glücklich aus innerer Quelle zu sein. Seine Begierde hört auf ihn zu beunruhigen und ihm eine pessimistische Lebensanschauung aufzunötigen, das heißt, er fängt an, die Welt mit neuen Augen anzuschauen, mit Augen eines Menschen, der von ungestillter Begier nicht beunruhigt wird. Und das ist der Anfang vom Glück, welches nicht vernichtet werden kann, weil es sich nicht auf Vermögensanhäufung gründet.

    Noch ein Wort zu der Prüfung. Ich entschied mich, die Frau L. auf die Stellen mit Sturzgefahr aufmerksam zu machen, und ich war sicher, daß sie meine Warnung verstehen wird, weil sie reif für die weiteren Schritte auf dem mystischen Weg war.

    Jetzt reicht es aber schon. Der Bombardierungsurlaub war vorbei. Deshalb musste ich dieses relativ ruhige Plätzchen verlassen und wieder an den Ort zurückkehren, wo wir alles so hintergelassen hatten, wie es gestanden war, bis darauf, daß ich mit Hilfe eines Menschen einen Holzschuppen ausbaute, schuf allein den Dachverband und überdachte diesen.

    Wir hatten keine Wohnung. Darum ließ ich meine Frau auf der Stelle und empfing ein Angebot des erkenntlichen Hörers aus der Registratur - Herrn S., daß ich zu ihm einziehe. Er ergriff diese Gelegenheit zu Gesprächen, die bis in die Mitternacht und auch länger dauerten, wohl von Tag zu Tag. Ich erzählte ihm sonderbare, unerhörte Geschichten aus meinem Leben, und er gab nach der Redeart und dem Benehmen sicher zu, daß es Wahrheit sein mag.

    Dann sprach der Spengler, wo wir unsere Mobilien aufbewahrt hatten, eine leichtfassliche Klage aus, er würde schon die Werkstatt leer brauchen. Er war ein Gewerbetreibender, und die Werkstatt half ihm den Lebensunterhalt zu wahren. Auch mir erschien diese Situation schon lange zu dauern, und deshalb wandte ich mich an den Allerheiligsten mit Frage, was mit den neuen Umständen los ist, die sich nach seiner Versicherung (relativ) gut entwickeln sollten.

    Er beruhigte mich, ich müsse mich um nichts kümmern.

    Ich nahm aber Rücksicht darauf, daß ich einen Gewerbetreibenden behellige. Da kam jedoch schon Herr B. und sagte, irgendeiner Mensch bot ihm an, daß wir zu ihnen einziehen können.

    Wir wohnten also in einer neuen Wohnung, bedrängt in einer Mansarde. Dort schrieb ich mein zweites Buch, das in 1945 erschien, nach dem Kriegsende. Und eben hier fiel meine Frau in einen Zustand, den ich gleich am Anfang, bei der Arbeit in der Registratur, aufgefangen hatte, und welcher sich zeigte eine Realisation zu sein, die ich schon erwähnt hatte.

    Sie erlebte Glück. Nach dem großen Leiden, das sie häufig beklagte, und welches jeder ihr Zuhörer anders beurteilen konnte - nach seinem eigenen Gesichtspunkt, nach der Frau Irrsinnigwerden und der Zeit, als ich sie durch bloße Ausstrahlung meines Wesens wörtlich seelisch zermürbt hatte, fand ich sie auf dem Bett beinahe geschleudert in glückseligen Gefühlen.

    Ich untersuchte ihren Geistzustand und ihre Gemütsverfassung und fand nichts anstößig. Allerdings konnte ich ihr die Vorgänge, die ihr Wesen von Augeblick zu Augenblick befielen, nicht erklären. Ich wusste, sie würde nicht begreifen, und sie könnte, durch die Mühe zu begreifen, solche Situation bilden, welche das „Große Durchleben“ vernichtet hätte.

    Ich verstand ihren damaligen Zustand als eine Erleichterung für mich, aber die Umstände zwangen mich ständig in andere Richtung zu schauen, zu Horizonten, die mir als dunkle und beleuchtet nur von einem schwachen Schein schienen, und die nur eine kurze Ruhepause versprachen.

    Die Fliegeralarme kamen wiederholt. Nach Erfahrungen mit „der gefährlichen Zone bei Bombardierung“ und nach Erinnerung der verbissenen und sogar unzurechnungsfähigen Feindschaft des Hüters der Schwelle, fuhren wir lieber immer beim Alarm hinter die Stadt fort. Und so einst irgendwo im Wald riss sich meiner Frau etwas im Stirn, und gleich darauf konstatierte sie: „Mir erschließt sich die Welt. Ich sehe überall, ich sehe, wohin ich will. Ah, das ist schön!“

    Natürlich, es ist schön, aber nur beim ersten Blick. Wer aber lange Zeit schaut, sieht auch Schrecken, in denen die Welt steckt, die gegenwärtigen kleinen Grauen, aber er kann auch Schatten schrecklicherer Grausen erblicken, denen die von Leidenschaften und Unkenntnis ergriffene, eingebildete und auf eigene Vernunft sich verlassende Menschheit entgegengeht. Jawohl, bildschön ist die Welt eines Hellsehers, sofern er sie als jemand anschaut, der am Sonntag nachmittags ins Freie geht, und dort, von allen Sorgen zurückgezogen, sich an die Blicke an die schöne sonnengestrahlte Landschaft ergötzt. Aber weniger schön ist die Welt für einen Hellseher, der die Breiten und Tiefen von Hoffnungslosigkeit erweckendem Bewusstsein der Leute zu messen weiß, hinter welchem keine glänzende Vernunft steht, sonder nur verschiedene Leidenschaften und der Selbsterhaltungstrieb.

    Hiermit sei gesagt, daß diejenigen, die wahre Bedeutung der mystischen Erziehung nicht begriffen, sich vor allem nach Entwicklung übernormaler psychischer Tauglichkeiten sehnen. Sie würden gerne hellsehende, hellhörende und gewisse Weise auch mächtige Leute. Dagegen das wirkliche Hellsehen, welches sich nicht auf dem Sehen einiger Symbole gründet, sondern auf dem Sehen der Wirklichkeit, die üblich hinter einer Maske der Erscheinungen versteckt wird, bedeutet das Sehen der Sachen, die kommen sollen, weil diese von innerlichen Zuständen der Leute vorbereitet werden.

    Da der dominierende Faktor in der Menschheit die Lust ist, kann der wahre Hellseher nichts anderes sehen als das Übel, das sich aus den Gieren ergibt. Es ist doch so einfach zu deduzieren, daß die Gier heißt das haben, was ein anderer Mensch besitzt, und wenn diese Gier stark und kompromisslos ist, führt sie zur Entwicklung der Gewalt. Die Gewalt ruft die Verteidigung hervor; der Angriff und die Verteidigung stiften einen Kampf. Somit können die Leute nach ihrer heutigen Natur das Übel nicht vermeiden; sie tragen es in sich und machen es in der Welt geltend, eben deshalb, weil sie sich vom Übel hinreißen ließen.

    Hat es wohl hinsichtlich dieser Erkenntnis eine Bedeutung zu sehen und zu erraten, daß das oder jenes Individuum aus der Schar von Gier hingerissener Wesen, ähnlich den Raubtieren, aus dem Kampf um die Beute besser kommt als ein anderes Individuum? Lassen wir den Hellseher die wahre Bedeutung des Kampfes um die Beute sehen, zu dem die Menschen von Gier hingerissen wurden, er soll jedoch daraus eine Belehrung ziehen, daß er die Begierde in sich entwurzeln muss, damit er auch nicht in diesen Kampf mitgerissen würde, in dem sich die Menschen gegenseitig gar nicht schonen. Erst dann wird er ein Hellseher, ein Mensch, der durch seine Fähigkeiten die Weisheit erobert, und nicht die Beute oder das Vergnügen, daß er aus dem Kampf um die Beute gut herauskommt.

    Was mich betrifft, beachtete ich nie einige Zeichen, die mir Erfolge auf dem Feld der äußeren Bemühungen wahrsagen sollten. Ich bemerkte jedoch, zu welchem Benehmen die nicht unterdrückten Emotionen führen, und ich zog daraus die Lehre, daß wenn man dem Kummer entrinnen will, muss man sich aus Leibeskräften bemühen, aus sich die elementaren Triebe auszureißen und den Zustand zu erreichen, in welchem er als ein von allem befreites Wesen so eine psychologische Spannkraft erlangt, mit deren Hilfe er sich mit der eigenen Natur vom Universum identifizieren würde.

    Ich hörte oftmals, diese Anstrengung sei ein Ausdruck des buddhistischen Pessimismus, ein Beweis der Unfähigkeit, sich in der Welt nützlich zu machen, wobei es vermutlich eine wahre Äußerung vom Optimismus sei. Dazu sprach Gott in meinem Inneren leise aus: „Pass auf! Die Betätigung von sich selbst in diesem Sinne bedeutet nicht, daß der Mensch höhere Werte des Lebens ergreift, sondern daß er einer zügellosen und niemanden schonenden Begierde verfällt. Übrigens, wer handelt wie ein Raubtier, kann wie ein Raubtier sein Ende nehmen. Und wenn er sein Leben nicht in dieser Inkarnation so beschließt, wird er solches Ende in einer anderen Inkarnation nehmen. Beanspruchst du das Wohl, dann musst du das Wohl auch stiften.“

    Du, Frau, die das Fassungsvermögen vom nicht einmal weltlich durchschnittlich klugen Menschen besitzt, aber trotzdem wurdest du mit den Flammen versengt, die eine andere Äußerung der seelischen Zustände und Spannungen des Mystikers darstellen, der neben dir steht und lebt, du wirst nicht dein Sehen für eine Verstärkung zur solchen Klugheit ausnützen, die z.B. den St. dazu führte, ein neues Weltall für Eigengebrauch zu erzeugen. Das ist eine Tatsache, die mich zur Bewertung deiner Realisation als der besten und reinsten von allen, die ich je beobachten und sehen konnte.

    Wir, mit der Möglichkeit der Benutzung von Vernunft oder Willen, konnten „das Große Durchleben“ eben mit der Kraft dieser psychologischen Faktoren nur trüben. Wir konnten uns nicht in das Durchleben wie du ergeben, sondern nur aufpassen, damit das, was in uns als Gott selbst eintritt, kein Teufel, eine falsche Entzückung wäre. Wer versteht aber das alles, was so unverständlich ist? Darum gehen wir weiter.

    Frau L. bemühte sich schon längst mich besuchen zu können. Während der ganzen Zeit von vier Jahren sahen wir uns etwa viermal, und sie brannte von Sehnsucht.

    Ich schloss, daß es besser sein wird, wenn sie die Umgebung, in der ich lebe, nicht sehen wird. Es gab keine Garantie, daß sie alles begreift, und dann könnte alles unterdrückt werden, was die Beihilfe auf ihrem mystischen Weg versprach. Doch, trotz meiner Anstrengung, ihr die Ankunft zu verwehren, reiste sie an. Sie sah mich irgendwo in der Küchenecke das Buch schreiben, dann hielten wir eine Rede, sie fuhr nachher weg, und mich kümmerte es nicht, was sie aus diesem Besuch mitgenommen hatte. Wir waren fast am Kriegsende, ich fuhr nirgendwohin, und außer der Einheimischen besuchte mich niemand. Dr. K. war bereits nach einer Realisation, die ich für klar hielt, weil es sich in sie das Herz nicht einmischte, sondern nur das Bewusstsein. Und sein Freund, der etwa in der Zeit ab und zu bei uns verkehren durfte, vermutete bei seiner Rede, daß er das Kredo meines Lebens und meiner Bestrebung hört. Und - der Krieg nahm ein trübes Ende.


    Die sowjetischen Truppen waren noch nicht angekommen. Ich schloss, daß die Sonne sowohl in Wirklichkeit als auch in Herzen und Geist der in jüngster Zeit meistgeprüften Menschheit zu scheinen begann. Ich verließ die Fabrik, wo man ohnehin nicht arbeitete, und gelangte zum Schluss, daß es wohl die Zeit kam, jemanden von Freunden - Mystikern zu besuchen. Ich überlegte die Sache, und nichts schien mir für eine Radfahrt so passend wie Turnov (Turnau), wo ich die Familie L. besuchen konnte und unweit in Frydstejn (Friedstein) die Familie S., wo ich während des „Bombardierungsurlaubs“ gewesen war, wo dann meine Ehefrau geblieben war, und wo ich auch eine längere Zeit unseren Sohn gehabt hatte, damit er von Bombardierung gedrohten Ort zurückgezogen wäre.

    Ich trat also die Reise an. Vor mir gab es mehr als 100 km Radfahren hinwärts. Ich fuhr frühmorgens aus, und bereits nach etwa fünfzehn Kilometer der Fahrt erblickte ich unangenehme Dinge.

    In Straßengräben auf beiden Seiten lagen viele Sachen aus Privatvermögen der Haushalten. Auf einer Stelle nahm ein Mann mit seiner Frau aus alledem etwas heraus. Es fiel mir ein: Hyänen. Deswegen sprach ich sie an: „Stehlt ihr, stehlt ihr?“

    Da der Mann nicht wusste, wer ich bin, wehrte er sich:

    „Wir wollen das auf dem Nationalkomitee abgeben.“

    Ich fuhr weiter und holte einen Transport ein. Es war eine aufgeschreckte Menschenmenge, vorne jemand mit einem Kopfverband, und außer ihm eine Frau mit blutigem Kopf.

    Ich schrie die Partisane an: „Heldentat!“

    Sie sagten nichts, aber sie konnten mir auch eine Kugel durch den Körper jagen oder mich in den Transport einreihen.

    Da die Situation in unserem Staat von Kommunisten beherrscht wurde, die von UdSSR protegiert wurden, forderten diese eine weitere Macht, indem sie in Menschen die Böswilligkeit gegen angebliche Verbrecher - Deutsche zündeten. Dies sollte sein - wie ich aus ihren Quellen informiert wurde und wie ich das endlich auch ohne diese Auskunft erkannte - der Menschenmenge vorgeworfener Kadaver, damit die politische Herrschaft die genau gezielte Politik ausüben konnte. Und diese abscheuliche, ja verbrecherische Taktik wurde und wird immer noch geltend gemacht. Die teuflisch pfiffigen Führer der Kommunistischen Partei wissen, daß sie ihre unreine Politik auf die niedrigste und durch elementare Triebe geführte Volksschicht bauen müssen, die tüchtig ist, durch ihre Taten die sämtlichen kultivierteren Menschen in Schrecken zu versetzen. Nur darum wurde das Eigentum einer Gruppe konfisziert, damit andere Menschen glücklich waren, weil die ersten auch nichts mehr besitzen, während die Werte, errungen mit Händen der ersten sowie anderer, für weitere unterwühlende Arbeit in dem von Kommunismus bisher noch nicht unterjochten Weltteil gegeben werden.

    Ich wurde von führenden Kommunisten belehrt, daß es um eine Taktik geht, wogegen das Ziel in den besten Verhältnissen liegt, wo keine Regierungen nötig sind, und wo es nicht einmal Klassenunterschiede gibt. Und zu diesem Ziel schreitet man durch die strengste Zentralisation der Regierungsmacht, durch die unbeschränkte Diktatur der Einzelnen, durch so genannten Klassenkampf bis zur Vernichtung nicht nur derjenigen, die höhere Klasse bildeten, sondern auch ihrer Nachkommen. Die kommunistischen Führer schreiten zu diesem Ziel durch unermessliche Ausbeutung aller Menschen, durch das Herabstoßen der Leute ins seelische Elend, welches die Geschichte noch nicht erkannt hatte; sie schreiten hinzu, indem sie den Arbeitern kaum zu essen geben für die höchste Arbeitsspannung und den Beamten für die Nervenvernichtung aus Überarbeitung.

    Eben diese Leute, die mich darüber belehrten, was Taktik und was Ziel ist, gründeten diese Verhältnisse, ohne daß sie sich über der unvorstellbaren Grausamkeit dieser „Taktik“ aufhielten. Aber sie waren hier, in unserem Staat, und sie mögen selbst noch nicht gewusst haben, daß sie eine Revolution machen, die eigene Kinder auffrisst. Aber als einst in der UdSSR der Marschall Tuchatschewski gerichtet wurde, hatten sie Freude, wie die Justiz der Sowjetunion diese Leute aufzudecken weiß, während sie selbst durch den Kommunismus so erzogen sind, daß sie alles, was sie angeblich verschuldet hatten, eingestehen.

    Möge es um die Sache, wie immer sein, ist es sicher, daß die Niederträchtigkeit, Lüge, Grausamkeit, Rücksichtslosigkeit und eine ganze Reihe anderer Sittenlaster die Schicksale der Ewigkeit nicht bestimmen wird. Und ob es heute, ganz nahe hinter der Tür des Hauses, wo ich dies schreibe, die Leute gibt, die auf das Regime gegen so genannten Kapitalismus schwören - während sie ab und zu missliebig bemerken, daß es ihnen nicht so gut ergeht, wie den ehemaligen Kapitalisten - heißt das noch nicht, daß sich dieses Regime erhalten wird. Dieses verlassen schließlich alle, in denen es sogar das geringfügige Fünkchen der Sittlichkeit gibt, so daß es sich schon nur auf die Opportunisten oder seelisch beschränkte Menschen stützen muss. Auf diese Leute kann man die Welt und die ewig zu dauernde Verfassung nicht bauen...

    Ich dachte. Etwa noch gestern oder vorgestern setzte sich eine Bestürzung wie eine Wolke auf das Stadtviertel, wo ich wohnte, weil das deutsche Heer auf dem Rückzug vor den Russen ankommen sollte. Und vielleicht einen Tag vorher waren irgendwo in der Stadt die Sokole aufgetreten. Die Deutschen reagierten. Dafür fuhren Panzerwagen, und die Leute benahmen sich ruhig „bürgerlich“. Ich bedachte: Ihr solltet den bewaffneten schwarzen Uniformen ein paar Kopfstücke mit leeren Händen geben, dann könntet ihr auch jenes tun. Aber weil ihr ihnen keine gabt, sollt ihr euch auch diese „Heldentat“ schenken. Ja, ja. Unser Volk ist wie ein jedes andere, womöglich schlecht, obwohl man während des Kriegs verlautet sprach, daß die Tschechen nicht dessen imstande wären, was die Deutschen. Apropos nur die Sittenverderbtheit kann sich den Heldenmut mit Automat in der Hand gegen ganz leere Hände vorstellen.

    Vermutet ihr, Leute, daß dieser Stand ermöglicht, ein glückliches und ruhiges Zusammenleben in der Zukunft sowohl innerhalb der Nationen als auch unter den Nationen? Ich verstehe die Pädagogik und die Psychologie nicht, falls sie in dieser Richtung Optimismus gegen Pessimismus legen. Etwas Morsches, das mit Einsturz droht, steckt in der ganzen Menschheit, die bei vollen Töpfen die Armen sterben lässt mit Herzen, das des eigenen Körpers Fuß auf den Leib des im Verzweiflungsschrei sterbenden Menschen zu setzen weiß und die Menschengefühle es als etwas „Unrationelles“ anschaut...

    Ich fuhr weiter mit der Bürde vom Frieden auf meinen Schultern.

    Denn, obwohl die Sonne wie im fortgeschrittenen Frühling schien, doch konnte ich nichts anderes sehen als Blut und Dunkel, die sich über die endlosen Fernen vom Land erstreckten, wo „der Frieden eintrat“.

    Wirklich war der Frieden in 1945 unterschiedlich von dem in 1918, an den ich so gut erinnere. Welch eine Seelenfreiheit damals, und die Spannung und gedrückte Stimmung in 1945! Wieso? Weil der Frieden von Hyänen getan wurde, von Menschen, die bedeckt waren von tiefer Unwissenheit, die jede Spur vom Humanismus verwischten. Von Menschen, die uns als den Anfang vom tausendjährigen Reich Morde, Hoffnungslosigkeit, Lügen, Grausamkeiten und wörtlich unsinnige Selbstsucht vorlegten. Und du tschechisches Volk warst nicht imstande, in deinem großen Teil den leibhaftigen Dämon zu erkennen, der begann, dich unvorstellbaren Trübsalen entgegenzuführen, denn du wurdest vom Egoismus verblendet, von welchem eine Anekdote sagt, daß zum Unterschied von einem Deutschen, der beim Eintritt in den Himmel ein gutes Wort für das Großdeutsche Reich einlegte, und von einem Engländer, der sich für die Erneuerung von England als der Königin der Meere einsetzte, verlangst du, daß dem Nachbar die Kuh auch verendet, weil deine auch krepiert war. Jawohl, es war vielleicht die Folgeerscheinung der dreihundertjährigen politischen Unfreiheit, aber die Sittenverderbtheit, deren Brutstätte die Bedrückung war, soll durch energische Eingriffe beseitigt werden, so wie ich mich habituell ummodelte. Nur auf solche Weise wird die Sehkraft von Irrtümern gereinigt, und man kann unterscheiden, ob derjenige, der zu ihm als ein Sieger mit Friedenzweig in der Hand kommt, nicht nur ein Scherge des Dämons und seiner eigenen Sittenverderbtheit ist.


    Ich teilte die Fahrt in zwei Etappen, und so kam es dazu, daß ich in Hoøitz die „Krasnaja Armija“ ansehen konnte. Dort auf dem Marktplatz hielt ein Offizier eine unverständliche Rede zu großer Menschenmenge.

    Ich lenkte die Aufmerksamkeit zu der Masse und dachte. Ihr Schaulustigen und Anhänger kauft sich euer Los - entweder wissentlich oder unwillkürlich. Hiermit war mein Interesse für die Rote Armija vorbei. Ich fuhr weiter, und irgendwo hinter Jièin holte ich einen Transport ein. Ermüdete Menschen mit der Pose von Jaks, einem unbekannten Schicksal entgegengehend, dem sie misstrauten. Vorne deutsche Soldaten. Nicht diejenigen, die das Regime symbolisierten, sondern arme „Väter“, von denen mir manche so elend vorkamen, daß sie an die schleppenden Füße noch die Arme und die herausgestreckte Zunge anschließen könnten.

    Der Weg stieg an, und gleich darauf sollte ich bergab zur Stadt fahren. Ich beobachtete zwei junge Männer, die den Transport führten, und sie gefielen mir nicht. Einer brüllte die apathischen und ermüdeten Soldaten an, die sich nicht wehren konnten und es auch nicht imstande waren. So was wie ein Schauder überlief mich. Und etwas in mir befahl: „Schnell vorwärts!“ Und da nahm ich die Mühe, rasch auf dem Hügel und hinter ihm zu sein.

    Als ich dann bergab fuhr, weit genug schon von dem Transport, hörte ich Maschinenpistole knattern. - Hoffentlich war es irgendwo anders.

    Ich traf zur Familie L. Frau L. begrüßte mich mit Freude wie allemal. Die „Bürde des Friedens“ lag auf ihr wie auf allen, die nicht wussten, daß „ihre Stunde schlug“. Darum fragte sie: „Wie ist das mit dem dunklen Abgrund, den Sie vor den Menschen schon früher gesehen hatten, und über den Sie gesagt hatten, Sie können nicht bestimmen, wenn es Krieg ist, ob der Abgrund nach dem Krieg hinter uns sein wird?“

    „Wir sind dem Abgrund näher.“

    Dann besprachen wir „bessere Dinge“, und ich machte mich auf den Weg nach nahem Friedstein. - Auch hier hatten sie Freude, daß ich ankam; nur wunderten sie sich, daß mir unterwegs nichts passiert war.

    Ich konnte nicht begreifen, was mir passieren könnte, aber in jedem Falle hielt ich für gut, mir eine Ruhe gönnen zu dürfen. Ich blieb dort eine, womöglich zwei Nächte. Dann machte ich mich auf die Abreise, aber jemand sagte, durch Friedstein werde das Sowjetheer fahren, und so hielt ich mich ein wenig auf.

    Die Truppen kamen an, die Leute gingen aus den Häusern heraus, jemand sprach mit mir und machte mich aufmerksam: „Sie stehlen Fahrräder.“

    Nach diesem Aufmerksammachen fuhr ich durch Feldwege zu Turnau, und nach einem kleinen Verweilen bei L. kehrte ich ohne weitere Erlebnisse heim.

    Als ich mich zum Haus näherte, sah ich beim Tor russische Soldaten, die sich mit unserer Hausfrau unterhielten. Ich begriff, daß sie sagten: „Da habt ihr befürchtet, was passiert, wenn wir gekommen sind, oder?“

    Die Hausfrau log: „Wir haben uns gefreut.“

    Ich wusste ihr ins Gesicht zu spucken. Ich hielt die Erinnerung daran wach, wie sie zu uns hereinlief und einige Auskünfte mitteilte, die im wesentlichen sagen sollten: „Es kommt Schrecken, die Russen fressen Kinder.“ Ich tröstete sie, daß sie auch die Leute sind, und ich hatte im Sinne das Regime, das ich bereits vor achtzehn Jahren in einer Vision erkannt hatte. Ich könnte sogar sagen, daß ich das russische Volk lobte; als die Sowjetarmee kam, wollte ich sie weder sehen noch in Berührung mit Gliedern ihrer Garnison kommen. Etwas schweres wie eine Wolke verhüllte mich und verdeckte meinen Horizont, wo ich lieber lächelnden Gott sähe, der sich nicht in diesem „im Frieden“ schon lebenden Land zeigen wollte. Es war nur eine Wolke, während der Okkupation war es ein Teufel. Was war besser?

    Ich kündigte meine Beschäftigung und nahm eine andere an, wo ich nicht soviel gebunden war. Aber eine gewisse Unruhe befiel mich und wurde stärker und zum Schluss erreichte den Gipfelpunkt in einer Entscheidung, irgendwo eine Anstellung anzunehmen, weg von den Mystikern zu flüchten und irgendwo in der Welt sich zu verlieren, wo mich niemand heraussuchen könnte.

    Ich hatte den getreuen Herrn B., dem ich auf seine Schultern die übliche Agende des Familienlebens lud, so daß ich mich für meine Mystik frei machen konnte. Dieser Mann dachte nicht anders, als daß wir zusammengehen werden.

    Dann war hier Herr V., der langjährige Treue der Lehre oder mir aufwies - ich weiß nicht genau - und der lag mir ebenfalls am Herzen. Niemanden anderen hatte ich damals in petto.

    Nach Überlegung wollte ich meine Absicht vollbringen, und dafür fuhr ich ins Grenzgebiet. In M. war ich in die Wirtschaftsabteilung beim Ortnationalkomitee eingestellt worden, aber später vergaß ich die ganze Geschichte in Betracht zur festgesetzten Frist. Das hielt ich für ein „Vorzeichen“, und danach dachte ich darüber nicht mehr.

    Die Lage erforderte eine Lösung, und so war ich sowohl bekümmert als auch deprimiert. Es erschien mir so, daß ich keinen zuverlässigen Ausweg hatte.

    Auf eine unbekannte Weise erfuhr meine Lage auch die Frau L. So trug sich zu, daß ich zum Telephon gerufen wurde. Sie teilte mir mit, ich könnte eine Stelle bei ihnen annehmen, und wohnen könnte ich dort auch.

    Ich fuhr alles anschauen. Dem Herrn L. legte ich brieflich sowie mündlich meinen Fall hinsichtlich der Gesundheit und auch der Schulausbildung dar, und ich schilderte ihm die Schwierigkeiten, die ich darin sehe.

    Er spendete mir Trost - und die drohenden Wolken, die alles Böses, das mich bedrückte, symbolisierten, wälzten sich von mir weg.

    Ich erlebte einen Schock. Mein Innere wurde buchstäblich gerauft, und Tränen schossen mir aus den Augen hervor. Und so, wie ein gerade aus Ohnmacht erwachender Mensch, der weiter gehen will, so brachte ich mich in Gang der neuen Zukunft entgegen...


    In Gablonz hatte ich eine Anstellung, die mir einerseits gefiel, andererseits war ich mit ihr nicht zufrieden. Diese Unzufriedenheit könnte einfach beseitigt worden sein, aber es gab da keine Voraussetzungen zu einer einfachen Verständigung mit Herrn L., der jetzt mein Chef war. Trotz alledem konnte ich mich jedoch aus merklichen Ursachen nicht klagen, denn ich hatte viele Vorteile gegen die übrigen Angestellten. Sogar könnte ich über die Sache im allgemeinen sagen, daß ich mich unabhängig fühlte, für wenig Arbeit sehr gut bezahlt, und ich hatte als der Beschäftigte genug Freizeit.

    Ich äußerte meine Befriedigung Herrn B. und Dr. K., die der Frau L. mitteilten: „Gnädige Frau, Sie haben es gewonnen“.

    Sie selbst wusste jedoch nichts, was sie eigentlich gewonnen hatte.

    Übrigens könnte aus meinem Benehmen nichts offenkundig sein, was diese Sache betreffen sollte. Ich untersuchte alles, was nötig war, hinsichtlich der Familie L. zu untersuchen, und ich konnte nur konstatieren, daß in Frau L. ich großen Schutz und große Stütze habe. - Der erste Mensch in der Welt, dem ich dankbar war...

    Herr L. war bei mir in diesen Tagen erst auf der zweiten Stelle, weil wusste, daß der Grund, warum ich sein Angestellter bin, nicht aus seiner Initiative herauskommt. Aber trotzdem schloss ich, daß ich vor mir einen Menschen habe, der sich von den sämtlichen Leuten, die ich erkannt hatte, unterscheidet. Er half mir de facto und machte damit nicht viel Worte. Sogar sah er nicht darin sein Verdienst.

    Als ich ihm sein Verdienst ins Gedächtnis rief, begriff er nicht, daß es in seiner Tat etwas derartiges gewesen wäre. So entsann ich etwas aus meinen vergangenen Feststellungen. Man kann einen, der uneigennützig einem Menschen in allseitiger Not Beistand leistet, eher in des Herrn L. Kreisen finden, als in gesellschaftlich weniger bedeutsamen Kreisen, obwohl die Leute aus diesen Kreisen denken, sie seien schon daher tugendhaft, weil sie ihrer Meinung nach arm oder mittellos sind. Und vor meinen geistlichen Augen schwebte ein Licht, das eine Bestätigung leistete, daß das Hängen am Besitz eher dort zu finden ist, wo daran ein Mangel ist, als dort, wo es den Besitz gibt.

    Es ist wie eine Kette guter und böser Erscheinungen, deren Glieder sich nicht durchwinden, sondern sie sind einzelner Natur. Die Gutherzigkeit und der Besitz gehen Arm in Arm, sowie Sittenverletzung und die Armut, wenigstens im streng gerechten Sinne. Und falls es den Eindruck macht oder es wirklich so ist, daß die Sittenverletzung und Reichlichkeit am Besitz auf einer Seite, und die Gutherzigkeit und Armut auf der anderen Seite zu sich gehören, so geht es dann um noch nicht reifes Karma. Zum Schluss wird der böse Mensch mit Armut belohnt, und er wird an sie auch dann leiden, wenn er sich zu guten Wegen gewandt hatte, und der gute Mensch wird vermögend sein, wenn auch seine Natur schlechter wird, und er gerät an den Abstieg in die niedrigen Welten, in die höllische Welt.

    Lassen wir jedoch die Überlegungen beiseite, denn das Leben geht weiter...

    Ich begann nachzudenken, warum ich eigentlich nach Gablonz gekommen war. Meiner damaligen Meinung nach war es dazu kein Grund. Ich konnte in Pardubitz bleiben und auf einem Fleck verweilen, wo sich meine Verhältnisse - auch hinsichtlich der neuen Lage - adaptieren könnten. Ich gelangte leider zu keiner vernünftigen Erklärung, und darum schob ich das auf; alles stellt sich heraus.

    Die Weihnachten 1945 stand vor der Tür. Gewisse Wolken erschienen auf meinem Beschäftigungshimmel, aber es war nichts Böses uns Bedeutsames - es wurde während der weiteren Zeit besser. Aber die Schicksalssilhouette hob sich anderswo ab.

    Ich musste feststellen, daß Frau L. geistlich verkam. Ich sah sie nur wenig, damit ich den nicht ausgesprochenen Wunsch vom Herrn L. erfülle.

    Ich wusste nicht, wie ich diese Situation lösen soll. Ich wollte meinem Wohltäter nichts tun, womit ich ihm Unruhe bringen könnte, denn ich wusste, daß er genug Sorgen mit Geschäft hat, welches er nach dem Krieg erneut in Gang bringen musste. Ich wusste auch, daß diese Situation eine Lösung erfordert, weil der Frau L. Verfall mich so berührte, daß ich mich für den Schuldigen hielt. Es gab hier wohl gewisse karmische Bünde, die verursachten, daß ich so schlecht einwirkte. Darum entschloss ich mich, es ihr beseitigen zu helfen.

    Ich schickte meine Frau mit einer Botschaft, daß die Frau L. zu uns kommt, daß ich sie sprechen will. Und wortlos entschloss ich: Wenn sie morgen bis Abend kommt, ist alles gut. Wenn sie aber später kommt, ist es schlimm, und deshalb werde ich kündigen und weg von Gablonz umziehen. Die Stadt gefiel mir sowieso nicht für ihre Lage. Hinzu traten noch meine Betrachtungen, die ich gerade erwähnte.

    Frau L. stellte sich schon in etwa zwei Stunden ein, gleich nach dem Mittagessen. Daher witterte ich: Ah, es ist sogar allzu gut.

    Ich sprach sie an: „Merken Sie, daß Sie geistlich sinken?“

    „Ja, und ich habe dafür keine Aufklärung.“

    „Von jetzt ab wird alles in Ordnung sein. Aber aufgepasst! Können Sie bei mir tagtäglich etwa für eine Stunde vorbeikommen?“

    „Ja.“

    Ich konstatierte, daß alles sich in Bewegung setzte, und zwar sehr heftig. Ich sagte aber gar nichts und scherte mich nicht darum, was sie davon denkt. Ich sagte ihr, wie sie arbeiten soll, und sie hörte zu.

    Später, damit sie nicht die Aufgabe vergisst, die ich ihr auferlegt hatte, versuchte ohne Worte ihre neue Arbeit.

    „Nicht so,“ sagte ich. Und erklärte ich weiter.

    Sie war taktvoll, sprach kein Staunen aus, aber innerlich sagte sie zu sich: „Also, so ist das! Ich weiß schon, wie ich weitergehen soll.“

    Das gefiel mir. Sie vergällte die Atmosphäre mit keiner Verwunderung, und dadurch konnte ich ohne Sorgen sein, daß in mein Leben irgendwelcher Fanatiker eindringt.

    Ich änderte Übungen von Tag zu Tag, manchmal gab ich sogar eine Übung bei Ankunft, zweite beim Abgang auf. Auf die Moral drängte ich nicht, weil es zur unnötigen Belastung auf dem zu erweiternden Feld der mystischen Anstrengung geführt hätte...

    In der Zeit erwartete ich eine definitive Ankunft vom Herrn B., der schon auf der alten Anstellung in Pardubitz frei gemacht worden war und auf einer gleichen, mehr aber bezahlten Stelle in Gablonz eingestellt wurde. Er gewöhnte sich an uns und hing an uns. Er hatte längst hinter sich eine Realisation gehabt und fing an, zum weiteren Fortschritt auf dem Weg zu erwachen. Es war bei ihm merklich, daß bei ihm zu einem Reinigungsprozess im tiefen Sinne gelangt, und irgendwo erfuhr ich, daß der Hüter der Schwelle begann, seinen Bemühungen Interesse entgegenzubringen.

    Ich warnte ihn, daß er bei jeder Fahrt zu uns auf dem Hügel aussteigt und versicherte ihn, daß es sein Gutes hat, obwohl es etwas weiter ist als aus der Station unterhalb des Hügels. Ich zählte damit, daß er mich gehorchen wird, und es lag mir daran sehr viel, weil ich wusste, daß hinsichtlich eines kleinen Mangels, der seine Gesundheit betraf, sich der Hüter der Schwelle in sein Inneren hineinmischen und mit Worten der inneren Stimme sprechen könnte.

    Die volle Sicherheit hatte ich jedoch nicht, und daher entgegnete ich Frau L. bei einem Besuch: „Wenn Herr B. bis hierher gelangt, ist der Hüter der Schwelle bloßes Nichts im Vergleich zu mir.“ In Frau L. - wie sie später sagte - erstarrte es. Man soll nicht die Mächte der unsichtbaren Welt in die Schranken fordern.

    Ich meinte, daß es möglich ist, den Schicksalsgang durch geringfügige Drucke im psychischen Sinne zu ändern. Wusste dies aber Herr B. zu tun?

    Es war Freitag, als er ankommen sollte.

    Er kam nicht an. - Sogar nicht einmal am Samstag. Er war in der Hauptstadt etwas zu besorgen und fuhr dann mit Schnellzug zu uns. Er stieg jedoch nicht auf dem Hügel, sondern er fuhr weiter. Und als er sich bereitete auszusteigen, die Straßenbahn entgleiste, und er und noch zwei Leute verloren ihre Leben.

    In der Zeit träumte ich, daß ihn ein Nervenanfall befiel, den er litt. Ich wollte nicht, daß er umfällt, und so rief ich wuchtig: „Herr B.!“

    Er schüttelte sich, kam wieder zu Besinnung und entschuldigte sich, daß es schon gut sei. Gleich darauf sank er aber zum Boden ohne Anzeichen des Nervenanfalls. Ich wusste, daß es aussichtslos wäre, ihn unter diesen Umständen anzurufen, und darum nahm ich ihn an den Schultern, stieß ich ihn mit dem Fuß an die Brust, und er erwachte.

    Der Traum beunruhigte mich. Um so mehr, daß es in der Zeit war, wo die Straßenbahn ankam, als er kommen sollte und nicht einkehrte. Aber ich konnte nicht erkennen, daß in dem Unsichtbaren, dort, wo er sein sollte, „die Leere“ wäre, wie es üblich ist, wenn gerade jemand stirbt. Ich erweckte ihn, und das galt für die unsichtbare Welt wie für das wirkliche Leben.

    Ich widmete dieser Einzelheit nicht viel Aufmerksamkeit, aber meine Unruhe stieg. Plötzlich sah ich aber Herrn S. bergab zu uns laufen, und der fragte gleich bei Ankunft: „Wie war der Taufname vom Herrn B.? Anton? Dann ist er tot.“

    Er zeigte mir Zeitung mit der Nachricht über den Unfall.

    Es war Sonntag. Am Nachmittag pflegten zu uns die Eheleute L. zu kommen, die bereits über das Ereignis informiert wurden. Sie kondolierten mir, denn sie wussten gut, was Herr B. für mich bedeutete. Besonders Frau L. fühlte lebhaft mit mir und in Gedanken sprach sie etwas wie einen Wunsch aus: „Wenn ich bloß Herrn B. vertreten und Herrn Minarik die Bürde seines Schicksals erleichtern könnte.“

    Ich fragte ebenfalls wortlos und meine Frage legte ich in ihren Bauch, damit sie wohl in der telepathischen Verbindung nichts herausfühlte:

    „Und was dieser?“, zeigte ich mit körperlosem Anblick an Herrn L.

    „Um ihn handelt es sich nicht,“ antwortete sie, ohne darüber zu wissen

    Na gut, ich werde darüber nachdenken, sagte ich.

    In den letzten Tagen überlegte ich, warum ich in Gablonz bin - und es kam mir vor, es wäre darin etwas Naturwidriges, wenn ich nur zwischen Arbeitstisch, Bett und Essen leben sollte. Und die Vermutung, es sei für mich geeignet nur darum zu leben, damit ich mir mein täglich Brot durch Hand- oder Kopfarbeit verdiene und die übrige Zeit dem nutzlosen „Nichtstun“ widme - das war für mich etwas so unannehmbares, daß das ganze Elend, das ich durchgegangen war, mir als besseres Lebensschicksal schien, weil es geistlich belebte.

    Ich erprobte also mit inneren Drücken die Festigkeit meiner Beschäftigung, schätzte ab, daß ich vor mir die Eheleute habe, die bereits der natürlichen Pflicht von Vater und Mutter Genüge getan hatten, und ich schloss, daß die Triebangelegenheiten beim Mann dorthin zurückweichen müssen, wo es solche Entscheidung gibt, die ich durch magische Anfrage erfuhr. Dabei schätzte ich die Ursache der Entscheidung von Frau L. ab, und es schien mir, daß dadurch alle Voraussetzungen dazu gegeben sind, ihr die Pforte der himmlischen Welten aufmachen zu helfen.

    Mittlerweile ereignete sich nichts Beachtungswertes, nur daß ich einen Traum hatte, daß der verstorbene Herr B. zu mir kam. Er stellte sich vor mich auf, und ich legte ihm Fragen vor: „Auf welche Weise bewegen Sie sich von Ort zu Ort?“ - Er verstand nicht, warum ich ihn nach solchen Sachen frage, über die er nicht nachdenkt, aber trotzdem konzentrierte er sich darauf und antwortete: „Na also, wenn ich irgendwo sein will, so bin ich dort.“ Nachher richtete ich ihm sehr vorsichtig eine Frage in den Bauch, damit ich ihm nicht das Ereignis ins Gedächtnis rief, welches für ihn eine wesentliche Änderung der Lebensumstände bedeutet hatte: „Merken Sie sich noch, daß sie auf der Erde lebten?“

    Er vertiefte sich offensichtlich tief in sein Wesen, um danach zu fahnden, was ich wissen will. Schließlich sah ich, daß etwas wie eine Finsternis in seinen Erinnerungen auftauchte, und gleich darauf entgegnete er: „Ich erinnere mich, daß ich vor Zeiten in einer schwarzen Welt war.“

    Die Tibeter bezeichnen den Existenzstand, in welchem sich mir Herr B. vorstellte, als bardisch. Da sein Körper jedoch vollständig war, und später ich ihn zum bereits formierten blauen Licht zurückziehen sah, war dies kein bardischer Zustand, sondern nur die Schlussphase. Daraus schloss ich, daß er durch das Fortgehen von mir einer neuen Inkarnation entgegengeht.

    Was sein Interesse um mich betrifft, wurde dies von seinen damaligen Beziehungen zu mir diktiert. Aber ich enttäuschte mehrere unsichtbare Wesen. Ich hielt für mich nämlich ihren gesegneten Zustand nicht für gut, denn ich auf dem Standpunkt bestehe, es sei nötig so zu leben, damit „der Dolch - die Lebenskraft“ aus dem Körper zu rechter Zeit herausfliegt. Von dieser Zeit erhoffe ich die Beendigung des Laufes vom Karma, das mein Wesen gefügig macht. Aus dem Körper früher „herauszugehen“ bedeutet eine Vernachlässigung einer großen Gelegenheit, die ich gewann, indem ich den meistesoterischen Teil der befreiungsbringenden Lehre erkannte.

    Dann wandte er sich zu mir mit der Sache, wegen der er kam:

    „Willst du mit mir gehen?“

    Ich gab ihm eine ablehnende Antwort, und er erwiderte mir dazu:

    „Ich ehrte dich, Weise, aber jetzt sehe ich, daß du auch an der Welt gefesselt bist. Es ist doch solche kurze Weile und dann Freiheit.“

    Dann ging er weg nach dem Prinzip „wo ich sein will, dort bin ich“, aber wie ich sah, geschah auch dies innerhalb der Zeitgrenze. Dort, irgendwo in der Ferne, wo er beinahe meinen Augen verschwand, sah ich ihn in irgendeiner Bewegung seinen Flug zur Erde wenden. Und vor den Augen tauchte mir eine Finsternis auf, die er bei der Erinnerung an seinen Aufenthalt auf der Erde erwähnte. Ich reagierte heftig und rief: „Herr B., Vorsicht!!“ - Er erschrak, vergaß auf die karmischen Verwandtschaften, die ihn wie in Anhänglichkeit nach unten zur Erde zogen, und anschließend trennte er sich in zwei Geschöpfe, von denen ein dunkles und nicht interessantes zur Erde fiel, damit es hier irkarnierte, während von den Augen des anderen sich die blaue Sphäre gewisser Götter aufging. - Diese Nachklangen spielten sich nach meinem Erwachen ab.


    Hiermit lief für mich die Periode ab, in der ich mich bestrebte, die Aufgabe des Mystikers zu erfüllen, der an die Lehrenübertragung denkt. Es war ein Zeitraum der günstigen Vorzeichen, denn der brachte mir sowohl die Sozialsicherheit als auch für die Lehre so bedeutsame Freundschaften. In dieser Zeit ließ ich definitiv von jedem Gedanken an die Zusammenarbeit mit den Mystikern ab, von denen ich glaubte, daß sie etwas kennen, und schließlich empfing ich die autoritative Stellung eines Yogameisters, ohne die ich den bisherigen Weg nicht weiterschreiten konnte. Dabei konnte ich zufrieden sein, wenn nicht auf dem Horizont eine andere Gefahr von der politischen Situation aufgetaucht wäre, die als ein neuer Krisenfaktor zum Ausdruck kam. Ich wäre am liebsten den Weg eines Mystikers geschritten, dessen ganzes Leben nur von magischen Arbeiten und Mitteilungen der Lehre erschöpft wird. Die Welt hingegen „erdachte“, daß man nur dann nützlich sein kann, wenn er an der Vermehrung vom Kriegspotential des Reiches oder an einem sonderbaren „Zweijahresplan“ arbeitet. Ja, ja, neue Republik, die den „Zweijahresplan“ erklärt hattest, um sich in die Kriegsmaschinerie der Sowjets einzugliedern, beginnst du den Weg vom Totalitätsstaat zu schreiten, der die größten Anstrengungen machen wird, die geistigen Werte zu unterdrücken, die ich mit solchen Schwierigkeiten gefunden und wachgerufen hatte, und welche dir eher den Segen Gottes als das „Bauen“ bringen würden, dessen Ziele ein normaler Bürger nicht mal voraussehen kann, weil er mit Augen seines physischen Bedarfs schaut.

    Es kam mir das alles vor, als ein Zug dämonischer Kräfte gegen mich, aber ich erlernte in „kleinen Verhältnissen“ zu arbeiten, so daß ich begann die Übertragung der Lehre auf einer Erbfolge aufzubauen, die man als eine Übertragung mir System „von Mund zu Ohr“ definieren kann. In diesem Falle ergab sich für mich eine Marter, deren Herkunft in Sorgen und Befürchtungen um die Lehre lag; da mich das Leben so hart prüfte, war es schon voraussichtlich, daß ich mit der geistigen Lehre durchkomme, ohne vernichtet zu sein! Vernichtet? Dieser Vorbote hing über meinem Kopf wie eine schwarze Wolke seit 1926, und ich schwächte ihn durch einen bedächtigen Vorgang ab. Ich musste nur hoffen, daß es mir gelingt, diesen Vorbote in der Zukunft zu löschen, denn es dämmerte mir die zweite Realisation auf, zu der ich gerade anlangte.