Kapitel VI
Meines Weges

    Ich lebte nicht mehr in der Not, sondern nur in Sorgen. Daher schaute ich wieder vor mich und bestimmte: Ich muß mit der Lehre weiter. Die Leute rund um mich sind nicht geeignet für die direkte Übertragung, und aus diesem Grunde bleibt mir nichts anderes übrig als mit Hilfe eines Buches in die Welt zu rufen.

    Ich versuchte es. Ich hatte schon Horoskope geschrieben, hoffentlich wird auch dies angehen. Mein Geist war jedoch nicht gewöhnt an diese Arbeit. Ich las keine Romane und auch keine besseren literarischen Werke - nur verschwindend wenig Bücher über die Mystik, deren literarischer Wert fraglich war. Ich wusste nicht gut, welches „i“ auf bestimmte Stellen zu setzen, ich kannte weder den Ausdrucksstil noch die Satzlehre. Der Ehefrau Hilfe in dieser Angelegenheit war undenkbar. Es war nötig, die Lebenserfahrungen im Buch klar zu schildern, sonst könnte ich mit vielen Worten um nichts herumlaufen.

    Daher rief ich in den Himmel. Ich erklärte den Himmelsgeistern meine Schwierigkeiten.

    Sie versprachen mir eine Hilfe mittels Gedankenbeeinflussung.

    Das glaubte ich nicht. Ich hatte die Lehre, so auch ich musste in der Lage sein, diese darzulegen. Deshalb musste ich verhandeln: Nur die Satzlehre.

    „Also gut,“ sagten sie mir.

    Ich brummte mit Anflug der Zufriedenheit, damit sie wussten, daß ich es im vollen Ernst meine.

    Dann hatte ich keine Angst mehr, und ich fing an. Es ging wesentlich besser an als ich je hoffen konnte. Alles formte sich selbst. Nur eines genierte mich, daß ich nicht völlig frei schreiben konnte, sondern ich musste in einer logischen Kontinuität das Lehrenmaterial einhalten. Ich fühlte, daß das Buch die Form erst in der Darlegung annehmen muß.

    Zu der Zeit verließ uns St., der bei uns in Untermiete wohnte. Ich war mit ihm nicht zufrieden, denn ich wusste, daß sein Leben eine andere Richtung nahm als welches er während der Zusammenarbeit zur Gründung der Lehre führte. Die Ursache war, daß ich ihm keine Belehrung über absolute Liquidation der Individualität bieten mochte. Er war unnahbar, er ging hart den Weg der künftigen mystischen Ergebnisse. Und das machte ihn in meinen Augen ein fremdes Wesen...

    Er hatte Erfahrungen eines Mystikers mit der Einweihungskraft, leider begriff er, daß diese Erfahrungen zu Einweihungen mit der Voraussetzung dienen, die äußere Existenz auf diese Art und Weise zu wehren.

    Tschechoslowakei ist kein Tibet, und so ging ihm die Sache schief. Er sah schon die Schatten seiner eigenen Zukunft, wo die Peitsche vom Karma auf seinen Rücken fallen sollte. Er wäre dem gerne entronnen, aber er wandte sich mit diesem Problem an mich nicht, weil er meine faktische Situation sah. Er merkte, wie ich mich darin benehme, und es war ihm offenkundig, entweder wisse ich mir keinen Rat, oder es steckte darin eine andere Hemmung.

    Das Problem der karmischen Prüfungen war jedoch seine Angelegenheit. Und die Sache mit jemanden zu beraten, der ein Opfer der Situation ist, hatte seiner Meinung nach keinen Sinn. Er wollte sich also allein helfen.

    Ich stellte das sehr bald fest. - Er erschuf für sich ein neues Weltall, wo er selbst Brahma sein wollte. Er sah zwar, es sei kein Entwirren vom Ariadnefaden, welcher sein Dasein und Karma symbolisiert. Aber unangenehme Visionen kann man auch so entfernen, daß wir die Gefahr nicht sehen wollen. Es ist eine "Vogel-Strauß-Politik", aber die karmischen Drohungen des schlechten Schicksals sind näher als die Drohungen bezüglich der Erzeugnisse des Gottes-Schöpfers - nämlich der Wesen und alles Lebendigen und Nichtlebendigen, was Gott erschuf.

    Er mag nicht einmal die Grausamkeit der Tat gesehen haben, die sich in seiner felsenfesten Entscheidung kundgab, aus sich Brahma, den Gott-Schöpfer zu machen. Er hatte solche Einweihung, die ihm auch die Erkenntnis bewährte, wie Brahma zu werden, und er war in Not, der er entrinnen wollte unter der Losung: „Die eigene Rettung um jeden Preis!“

    Er mag nicht gesehen, nicht mal erraten haben, daß er selbst , ich und die sämtlichen übrigen Leute, die auf der Welt leben, hier auch nur deswegen sind, weil es ein Seppl gelüstete, dem Gespenst vom bösen Karma zu entrinnen, indem er sich zum Gott-Schöpfer machte. Dabei dachte er nicht zu Ende, daß in der Zeit, wo sein Karma reifen wird, kommt seine Erschaffung in die Krise eines langsamen, schrecklichen, die höchsten Bestürzungen hervorrufenden, großen STERBEN.

    Ja, ja, Seppl. Auch das ein Seppl, das nun Brahma ist, war damals verblendet bezüglich „der Zeiten Endes“, und nun mag diese Tatsache in seiner kosmischen Brust eine tiefe Furche vom erweckenden Bewusstsein einer grausamen, auf keine Art gutzumachenden SÜNDE meißeln werden, die er in der seelischen Verdunkelung begangen hatte.

    Wolltest du seinem Weg folgen?

    Solche Ursache von Erschaffung der Welt und alles Lebenden, das es darin gibt, wird keiner der normal-denkenden Leute anerkennen wollen. Es liegt daran, daß sie nicht wissen, daß das Universum eine Illusion ist, die als wirklich nur im Verhältnis zu gewissen energetischen Quanten erscheint, welche die Welt der Phänomene bilden. Außerdem wissen sie nicht, daß die Quanten nicht stabil sind, und daß sie auf elektromagnetische Mentalantriebe der planmäßig denkenden Leute sehr stark reagieren, oder daß Erscheinungen nur eine energetische Verkettung darstellen, die sehr lebhaft auf energetische Mentalimpulse reagiert. Diese Unwissenheit ist verursacht auch dadurch, daß die Aktionen des Mentals und die Reaktionen der energetischen Quanten, die Existenz bilden, nicht augenblicklich sind, sondern langsam, so daß der Impuls, den jemand äußerer durch den physikalischen Aggregatzustand erteilt, oftmals nach einer sehr langen Zeit zur Geltung kommt, dann, wenn der Impulsgeber nicht mehr unter den Lebenden geweilt hat, wogegen die durch den Impuls hervorgebrachte Änderung im Rahmen der gesetzlichen Wandlungen verläuft.

    Die Mystiker, die diese Zusammenhänge begriffen und die auch wissen, daß sie selber nie aufhören, in der oder jener Form zu existieren, interessieren sich nicht viel für den engen Gesichtspunkt des Weltmenschen. Darum legen sie nur Bedingungen für Entstehung neuer Situationen an, wobei sie auch darauf zielen, des Schicksals der Führer und der Gründer dieser Situationen teilhaftig zu sein, und nicht nur seine Opfer zu werden.

    Vom niedrigeren Standpunkte aus werden sie auf diese Weise auf der niedrigeren Stufe Führer und Herren der menschlichen Ebene, wogegen vom höheren Standpunkt aus werden sie Götter oder Herrscher der schöpferischen Zyklen. Aber aus dem Blickwinkel der weisesten und höchstreifen Mystiker führt diese Anstrengung zu keiner wesentlichen Lösung der individuellen Lebensprobleme. Aus dem Standpunkt dieser Weisen werde jede durch einen Impuls hervorgebrachten Geschehen müde, und dies sei ein offensichtlicher Vorbote einer Krise, die ein Individuum als das Leiden erlebt.

    Was liegt daran, daß der Kenner der Mystik imstande ist, solche Impulse hervorzurufen, die für ganzes Brahmansalter hindurch dauerndes Werden bilden? An diesem Ende kommt derselbe Schmerz wie bei Eintagsfliege zum Schluss ihres Lebens, das nur ein Tag dauert. Außer dem Sehen, welches begründet ist mit Überwindung der Einflüsse von Momenten kürzer des Brahmans Alters, sieht er das Ende viel näher als der Mensch mit seinem Gradmesser für diese Zeit. Infolge dessen überlegt er, er müsse dieses Ereignis von „morgen“ vermeiden wie ein weltlicher Mensch ein morgiges weltliches Ereignis. Nur wenn er sich in die menschliche Anschauung vergrabt, und dabei solche Impulse hervorbringt, die Voraussetzungen haben, die ganze Zeit eines Brahmanalters hindurch zu dauern, und dann kann er sich über seine Tat freuen, die ihm ein endloses Vergnügen verspricht.

    Was mich betrifft, hatte ich zu jener Zeit kaum Interesse dafür, was wer macht. Ich hatte meine Sorgen eines Menschen, der sich anstrengt, aus der Welt eine kleine Scheibe Brot zu erwerben, ebenso wie die Leute, welche unter dem Joch der unbegreiflichen Unwissenheit jammern. Übrigens brach die Not herein, und ich hatte für meine Familie zu sorgen...

    St. schuf in der Zeit einen neuen Kosmos. Wirklich, Leute, lacht nicht. Er erschuf seinen neuen Kosmos. Apropos ist das nicht so schwierig. Es ist nötig, das mentale Sperma in das mütterliche Ei der Weltsubstanz zu befestigen, die sich da und dort in sichtbare Formen entwickelt; dann braucht man beim wachen Bewusstsein zwei vor den Augen verbundenen Faktoren zu halten, damit der neue Kosmos nicht zu seinem eigenen Kosmos wird, sondern damit er seinem Schöpfer gehört. Außerdem ist es nötig, diesen unförmigen Embryo so lange zu hüten, bis er selbst ins Gravitationsfeld übergeht, wie es in interstellaren Verhältnissen bekannt ist.

    Das ist keine schwierige Sache, falls man durch die mystische Einweihung eine beliebig lange dauernde Erhaltung einer lebhaften Vorstellung erreicht. Übrigens wissen die hochreifen Mystiker sich nicht nur Luft vorzustellen, sondern auch physikalische Zustände als Faktoren im Raum; dies bildet eine Voraussetzung für die Erschaffung der Wirklichkeit aus Nichts, wobei die Mentalenergie eine Bedingung für den wirkungsvollen Impuls darstellt. Auf diesem Grunde ist es möglich, ganze physikalische Massen in Bewegung zu bringen, während das Denkensvermögen in bestimmten Begriffen diesen Massen ihre Endformen festlegen kann. Alles anderes schafft die tatsächliche kosmische Gravitation an.

    Dann muss man dafür keine Sorgen mehr tragen. Der Kosmos reift zum Fötus, und einst wird er körperlich wie der unsere.

    Und die Zeit?

    An der Zeit liegt es nicht. - Wem es gelingt, den imaginierten Embryo des neuen Weltalls ins Gravitationsfeld des Universums zu bringen, der wird ein Gottesprinz, der an der Königsrente bis dahin teilnehmen wird, wenn er selbst ein König geworden ist. St kannte das alles. Er hatte nur eine kleine Unsicherheit: Was ich?

    Ja, ja, was ich.

    Ich suchte ihn schon heraus und sprach mit ihm:

    „Also, was, machst du neuen Kosmos?“

    Es ist schon verraten, wie man sagt. Er duckte sich ein wenig: Und was jetzt?

    Nichts.

    Eigentlich nur wenig, wenn er die Tat einstand.

    „Warum tust du so eine Sache? Das Weltall, das es jetzt gibt, und in welchem auch wir uns befinden, reicht mit der ganzen Misswirtschaft. Lass das sein! Übrigens würdest du dafür eines Tages Haue bekommen. Verstehst du mich?“

    Er war seelisch etwas gekrümmt, als er gestand: „Ich habe Angst vor solchem Schicksal, wie Sie haben, und ich will mir helfen.“

    Ich bedachte: Siehst du, Held. Du, welcher als ein Lehrling aus einer Tanzunterhaltung vom Messer gestochen kamst, und dazu bemerktest du, ihr necktet euch bloß so. Du, über den ich hörte, du warst in Umzingelung von denen, die dich durchprügeln wollten, und unbewegt vor Angst aus der Situation liquidiertest du etwa zehn, möglich mehr Menschen mit deinen Fäusten, so daß sie solche Belehrung bekamen, daß sie vor dir so eine Angst hatten, wie vor dem Teufel selbst. Du, der mich an physischen Mut sicher übertriffst, befürchtest du plötzlich das Lamm-Schicksal, welches früher als ich stirbt, der gut arbeitete und gehorsam war sowohl vor Gott als auch vor den Leuten.

    Aber wozu sind Betrachtungen. Er wusste wortlos, ich lasse die Sache nicht so einfach sein. Etwas schaltete ich ihm darin um. Sein Weltall hielt noch eine Weile, aber dann - fiel es herunter.

    Hiebe der karmischen Hetzpeitsche sausten schon auf seinen Rücken nieder, und er musste sich es gefallen lassen. Er klammerte nach dem Rohr, welches ihm später die Hüfte seiner mystischen Macht durchbohren wird. Er kam zur Krämerei mit Exkrementen der Großen Lehre, während meine Brust sich erneut von Erkenntnis zusammenkrampfte, daß die Bemühung, die Leute mit guten Einweihungen zu organisieren, der Anstrengung ähnelt, Tonnen Sand in ein Bündel zusammenzubinden.


    Das Schreiben und Umschreiben des Buches dauerte mir etwa ein halbes Jahr, möglich länger. Darum legte ich die Arbeit meinen Freunden, den suchenden Mystikern vor. Ich gab es einem, der Schriftstellerneigungen hatte, einem Hochschüler, dann dem bereits erwähnten hitzigen Herrn H. und einem Priester. Ich wünschte mich um Anmerkungen, damit ich beurteilen konnte, wie es diese Menschen - die Prototypen bestimmter menschlichen Charaktere - verstehen werden. Die Kritik von drei war günstig, dagegen Herr H. mag mit der Arbeit immer noch nicht fertig gewesen sein.

    Inzwischen sollten die Herren B. und H. zu uns in Untermiete umsiedeln, während ich mit der Familie auch den Wohnort änderte. Ich war seit elf Jahre nach der Realisation, überlebte den heißen Mai 1935, wo ich machtlos ganze Tage hindurch im Gras lag und wo es für mich ein Problem war, in die Küche zu Mittagessen zu gehen - also ein Jahr für die Folgen der Realisation am schlimmsten, und mein Gesundheitszustand begann besser zu werden. Sogar konnte ich nach vielen Jahren den Himmel besuchen und dort mich laben. Aber um die Sache klar zu machen: Im Himmel war ich nicht willkommen. Wie konnte ich aber der Götter Meinungen beherzigen im Augenblick, wo die giftigen Ströme der Höllensphäre, in der ich so viele Jahre verbracht hatte, nicht zuließen, daß wenn auch ein günstigeres Gefühl auftritt.

    Ja, es war am Sonntag, als bei uns Mystiker zu üblichem Besuch waren. Und eben bei ihrem Besuch verspürte ich, daß es Zeit kam, den Himmel zu besuchen, und daß ich durch den Sachverhalt erlaubt habe, mich zu erfrischen.

    Ich verließ die Gesellschaft, und ging in den Raum, wo ich ganz allein war.

    Ich legte mich am Boden nieder.

    Ich übertrug das Bewusstsein in den Himmel.

    Die Götter stellten sich sofort neben mir auf und konstatierten:

    „Du bist schwarz und schwer von teuflischen Einflüssen, geh weg, bitte.“

    Ich wusste, daß es meine Zeit ist, und daher sagte ich:

    „Lasst mich in Ruhe.“

    Mein Körper sozusagen lud sich mit Licht und harmonischen Vibrationen der himmlischen Sphäre auf. Und binnen etwa nur ein wenig mehr als eine halbe Stunde wurde ich erfrischt.

    Es wartete jedoch auf mich eine Gesellschaft, und deshalb war ich im Begriff, den Himmel zu verlassen. Aber da reagierten die Götter schon günstig, denn sie sagten:

    „Du bist rein und angenehm, verbleib hier, bitte.“

    Ich erhob mich ohne Antwort und ging unter die übrigen Mystiker. Ich wurde mir nämlich bewusst, daß es Zeit der Ruhe, und Zeit der Tätigkeit gibt. Und schließlich war mir diese Erfrischung ausreichend; eine größere Menge Licht und Harmonie würde die weiteren Lebenskämpfe unangenehm machen... Meine Existenz war nämlich nicht fest, und ich entschloss mich über den Gedanken auf den Weg zum Ausbau einer selbstständigen Existenz.

    Das Schicksal war jedoch hartherzig und zwang mich den Weg zu gehen, den ich nicht für mich so gut und günstig hielt. Endlich willigte ich ein - und ging.

    Ich war unruhig. Immer noch wartete ich auf die Kritik über mein Buch „Der direkte Pfad“ vom Herrn H., und ich konnte sie nicht erwarten. Es war beinahe zwei Jahre, als ich ihm das Manuskript gegeben hatte. Ich drängte ihn, bis er endlich mit Schneckentempo mit der Arbeit „herbeigelaufen kam“.

    Ich schaute erstaunt seine Anmerkungen zur Handschrift an. An die Stelle des damaligen Punktes trat ein Komma und eine Satzfortsetzung, in der alles widerlegt wurde, das in der ersten Satzhälfte gesagt wurde. Und doch an seiner Kritik lag mir am meisten. Er repräsentierte nämlich Rationalisten im eigensten jetzigen Sinne des Wortes, denn er war ein Marxist und überzeugter radikaler Kommunist in einer Person. Dabei hatte er des Technikers Verstand, wobei alle übrigen die „ruhigen Bürger“ waren.

    Ich warf das Buch zu Tisch und war entschlossen, es nicht zu verlegen, sondern umzuarbeiten.

    Und da formten sich schon auf dem politischen Himmel Sturmwolken, aus denen ein Blitz – der deutsche Diktator einschlagen sollte.

    Der Hüter der Schwelle begrüßte meine Entscheidung über Neubearbeitung vom „Direkten Pfad“. Sie kam und heulte auf: „Deine Absicht, das Buch zu verlegen, gelingt dir nicht mehr.“

    Erst dann ging mir das Licht auf: „Also, so ist das?“ Die Spannung in meinem Inneren stieg wie bei der höchsten Erregung.

    „Jetzt reicht´s aber,“ befahl ich, „das Buch wird schon erscheinen!“

    Der Hüter der Schwelle versuchte mit einer Androhung zu widersprechen, daß selbst wenn sie die Welt vernichten sollte, gelingt es mir nicht, den „Direkten Pfad“ zu verlegen.

    Diese Behauptung mag der Leser gewagt und übertrieben finden. Ich trage in mir jedoch keine einzige Spur vom Ehrgeiz, eine bedeutsame Person zu werden, dennoch fühle ich mich verpflichtet, darüber zu referieren, wobei ich mir ein Recht zu behaupten anmaße, daß ich nicht im geringsten ein Opfer einer Wahnidee bin. Man muß in die Mechanik des kosmischen Werdens sehen um zu lernen, daß die großen Ereignisse ihren Ursprung in relativ kleinen Ursachen nehmen. Übrigens fühlte ich in der Zeit nicht, daß es auf unseren Kontinenten, auf dem europäischen und amerikanischen, jemanden gibt, der sich beherrscht. Daher war der See der Energien, dessen Wellenbewegung den Leuten sowie den übrigen Geschöpfen die psychologische Lebenskraft erteilt, relativ gut dafür vorbereitet, daß ein fähiges Individuum darauf neue, qualitativ bisher nicht existierende Wellen hervorrufen könnte. Aber die psychologische Abhängigkeit der Leute von dem Seewellenrhythmus ist jedoch nicht nur etwas rein mechanisches. Dieser Rhythmus hat seine Wächter, seine Egregore, die von diesem Rhythmus leben, und daher empfindlich auf seine Störungen reagieren. Das war die Ursache, warum der Hüter der Schwelle auftrat, die allerdings machtlos ist in der Zeit, wo man einen neuen Rhythmus anlegt, obwohl sie darauf mit verteidigenden Vorgängen reagieren kann, woraus sich Hekatomben ergeben.

    Im Verhältnis zu mir hatte Der Hüter der Schwelle keine anderen Möglichkeiten. Ich wurde verbarrikadiert hinter dem Schein eines bürgerlich absolut normalen Menschen, und darum konnte sie mich nicht mit einem Pomp auf das Kreuz bringen als einen der großen Mystiker. Und so lebte ich einen Augenblick, wo ich gleichzeitig durch ein Doppelvorgehen einen neuen Rhythmus einführte, an dessen Sieg ich glaube aufgrund der Tatsache, daß es keine Leute gibt, die mit gleichen Kräften operieren würden, allerdings in einem anderen Geiste als ich. Einstweilen weiß ich, daß es nur Sklaven vom Karma gibt, die Leute, die sich durch die Spannung im Raum beherrschen lassen. Und dies ist der Grund, der mich im Glauben bestärkt, daß meine Tat gelingen wird.

    Ich hatte in mir nicht im geringsten ein Motiv zur Krämerei. Erneut begann ich von früh bis spät zu schreiben, ich suchte eine Druckerei, fragte bei Verlegern bewusst, daß das Buch kein Mensch infolge der politischen Situation in Verlag nimmt. Dazu trieb ich ein Darlehen für einen Selbstverlag auf, ich verhandelte mit einer Druckerei, verpflichtete sie zu einer bestimmten Frist gegen eine Konventionalstrafe, denn ich befürchtete, daß sie den Termin nicht einhalten, weil der Hüter der Schwelle für die Sache ein Interesse hatte.

    Dabei war nicht alles so schlimm. Die Anleihe bot mir ein Geschäftsmann aus Pardubitz ohne Gewähr und sofort an, und Herr Neubert, der Eigentümer der großen Druckwerke in Prag, versprach mir Papier für den Verlag, falls es mir gelingt, das Buch in Druck legen zu lassen.

    Diese waren jedoch nur kleine Erleichterungen. Es war nämlich keine Zeit für die Korrektur, und das Buch war sogar nicht ganz fertig als ich es in Druck legte, gleich von der Schreibmaschine. Die große Eile war dann auf dem Buch allerdings zu sehen, aber ich wollte es gedruckt haben, früher als der deutsche Diktator eine neue politische Situation gebildet hat. Und - die Druckerei stagnierte.

    Die Zeit, wo ich das Buch zu Hause haben sollte, näherte sich schon, und daher fragte ich: „Also, wie sieht es aus mit dem Druck? Wird er schon fertig sein?“

    „Wir haben noch nicht angefangen daran zu arbeiten,“ war die Antwort.

    „Ihr werdet eine Konventionalstrafe zahlen,“ drohte ich.

    Hiermit trat Unruhe und Hast ein, und dann ging es schon gut. Nur noch irgendeine Schererei um die Konventionalstrafe - und das Buch bekam ich vierzehn Tage, bevor wir Bürger vom Protektorat wurden.

    Ich war darüber unruhig. Ich wollte in die Mystik eingreifen, und diejenigen, die auf den Wegen der Mystik suchen, zu rufen, ich wollte helfen. Und inzwischen brach die Nacht herein, die undurchdringliche Nacht.

    Ich untersuchte die Situation. Ich wollte etwas für die Ablenkung des politischen Übels tun, ich wollte mit dem Licht etwas früher kommen, als die Nacht wird.

    Es gelang mir nicht, und ich wusste, es sei aussichtslos, auf diese Weise die hinunterstürzende Lawine vom reifen Karma der Welt zu Stehen zu bringen. Die Tage der Welt sollten noch kommen, ohne daß sie sich abwenden ließen.


    Im Laufe zwischen Verfassung und Druck des „Direkten Pfades“ belastete mich die finanzielle Lage. Ich wollte sie derart lösen, daß ich irgendwo am Platze verankern würde, meinetwegen als ein Fabrikarbeiter. Ich hatte keinen Papierfetzen, den man „Beamtbefähigung“ nennt, und darum blieb es mir nichts anderes übrig als nach einer Arbeitsstelle Umschau zu halten. Übrigens war ich für meine Umgebung „ein rätselhafter Mensch“, und ich selbst erwartete Änderungen auf dem politischen Himmel.

    Herr W. besorgte mir durch Protektion eine Arbeitsstelle in einer Dynamitfabrik. Ich kam in die Säurenabteilung hin, und bereits nach zwei Tagen erbrach ich violette Säfte.

    Ich vermutete, daß es besser ist vor Hunger zu sterben, weil auch unter diesen Umständen es möglich ist mit einer gewissen Anspannung gut gelaunt zu bleiben, als eine Voraussetzung eines guten Todes, wogegen das Eingeweidereißen durch Erbrechenstöße dies nicht erlaubt. Daher ging ich am dritten Tag nicht mehr zur Arbeit.

    Herr B. besorgte mir darum eine neue Stelle, diesmal im Wasserwerk. Ich stellte mir die Bedingung von einer leichten Anstellung, mit Rücksicht auf meine subtile Körperkonstitution. Der Chef-Ingenieur versprach es, aber er war nicht überall. Der Leiter hatte seinen Liebling, der bereitwillig dienerte und bediente. Dann wusste er, ich sei ein Protektionskind, so hatte er ein bisschen Angst, damit ich jemanden nicht verklatsche, oder was weiß ich noch?

    An leichter Arbeit war aber ein Mangel, und so war ich hinderlich. Außerdem sprach ich mit niemandem, ausgenommen mit dem „Wassermeister“, mit welchem ich arbeitete. Der Leiter griff mich zeitweise mir Bemerkungen an, die mir weh taten, und darum entschloss ich mich, die Stelle zu verlassen. Das mag wohl nach vier oder drei Wochen geschehen sein.

    Ich vermutete, ich sei nach diesen Erfahrungen stark genug, um eine Schlinge an den Hals zu setzen, wenn ich zu großes Darben der Familie anschauen müsste. Die Erfahrung aus diesen zwei Beschäftigungen war für mich ja ausreichend um zu erkennen, daß ich für den Beruf des Arbeiters nicht fähig bin. Ich war es nicht fähig weder aus Gesundheitsgründen noch hinsichtlich der Konkurrenz, in der nur derjenige gewinnt, der am meisten ein Loblied und einen Dank dafür zu singen weiß, daß ihm jemand eine Möglichkeit gibt, seinen bescheidenen Lebensunterhalt für die Arbeit bis zur Erschöpfung zu verdienen. Ich war dessen unfähig auch darum, weil ich schon wirklich nicht ertragen konnte, sogar aus physischen Gründen, bis auf Ausnahmen, die völlig materialistische Gesinnung dieser schwergeprüften Weltkinder – Arbeiter. Die Arbeiter werden im primären Sinne vom schlechten Karma ereilt, und im sekundären Sinne winden sie weitere Glieder der Kette dieses Karmas, indem sie sich von den schweren Verhältnissen fast materielle Denkweise aufnötigen lassen.

    Ich würde eine Beschäftigung eines Unterbeamten oder etwas ähnliches brauchen, wo ich mehr aus meinem Geist als aus den Händen geben könnte. Für solche Beschäftigung würde meine Dankbarkeit heraussprudeln, die mit Sicherheit den Menschen gen Himmel emporhöbe, der mir solche Stelle besorgen oder selbst darbieten würde.

    Dazu noch hatte ich viel zu tun mit dem Druck des Buchs, und so fühlte ich mich nicht wie ein völlig unnötiger Mensch. Ich arbeitete daran, gab es in Druck, sollte es verkaufen, womit die Ankunft der Leute mit Fragen zu erwarten war; diesen Leuten wollte ich ehrlich anraten auf Grund meiner allen mystischen Erfahrungen, die ich hatte. Nebstdem kam mir die Möglichkeit heraus, endlich zum geistlichen Wohl der Leute zu arbeiten.

    Ich wurde gut bewusst, daß diese „Beschäftigung“ im Altertum gestorben war. Aber auch heutzutage haben die Leute mit geistiger Lehre verknüpfte Probleme, und die falschen Lehren stürmen durch die Welt und verdüstern den wahren Ruhm des geistigen Lebens mehr als der rationelle Materialismus, der in der nächsten Phase als der dialektische Materialismus, sich bemühen wird, die Lehren über das geistliche Leben auszurotten, ob sie gut und wahr sind, oder ungut und falsch.

    Angesichts der Hemmungen mit Übertragung der Lehre sollte vielleicht auch ich, wie ein engstirniger Mensch, den dialektischen Materialismus als eine frevelhafte Lehre ansehen, die dem gläubigen Menschen anzunehmen erlaubt, daß irgendwo hinter der Kulisse der menschlichen oder übermenschlichen Gerechtigkeit irgendeiner Gott oder Christus siedelt, der sie in den Himmel kaum hineinlässt, weil sie alle – ob gute oder sündige – Gott erinnern müssen: Ich armer Sünder.

    Bis jetzt gab es jedoch genügend Zeit für „das Wohl“ des dialektischen Materialismus. Früher sollte der deutsche Diktator kommen, der diese Lehre verfolgen sollte, damit sein Sturz wohl nicht prophezeit würde, der außerdem auch ohne stampfende Tischchen vorherzusagen war, ja zuverlässiger, weil es um ein Problem mathematischer Art ging. Aber Diktatoren denken über Tatsachen nicht nach. Sie haben ihren eigenen Geruch.

    Der Hüter der Schwelle drohte mir ja schon an, „Der direkte Pfad“ solle nicht erscheinen. Und längst vorher, wo es noch keine dunklen Wolken auf dem politischen Himmel gab, gingen ganze Legionen dunkler Zwergen aus der unsichtbaren Welt – der Wesen, die das abgespaltete Ich des Hüters der Schwelle darstellen – durch alle Auen unserer Welt hindurch, um den Schuldigen zu finden, der begann „die Ordnung zu machen“, die sich der Hüter der Schwelle im Bereich, wo er der Herr ist, nicht gefallen lässt.

    Ich sah gut diese schwarzen Elfen, wie diese auch derjenige sah, der später den neuen Kosmos zu machen begann. Sie gingen knapp um meine Füße herum, starrten stumpf vor sich in die Erde, und suchten den, der die Unruhe auf ihren Fluren säet. Ab und zu, als ich der Ermüdung verfiel, gingen sie auch durch meinen Körper, den ich breiter und dünner als das Luft von Avichi (Abyssus) gemacht hatte, so daß ich für sie ein unsichtbares Wesen wurde. Aber in diesem Zustand donnerte ich mein Ich in den qualitativen Raum der Welt, denn sonst könnte ich hier die Lehre nicht ausbauen. Hierdurch wurden die Elfen sowie ihre Frau, die Hüterin der Schwelle, derart inspiriert, wie der Ultraschall den inspirieren kann, der die Klänge nicht nur hört, sonder auch fühlen-hören kann.

    Aber ich war sehr viel erfahren im Kampf, so daß ich viele Erfolge in Bekämpfung der niedrigeren Hüter der unsichtbaren Welt zeitigte. Ich erzeugte meinen geistlichen Körper, der in den Welträumen wogte und ins Karma der Welt meinen künftigen, weitaus mehr verkörperten Eingriff einprägte.

    Ich wollte diesen Eingriff schaffen, aber wirklich nur der Welt zugute. Dazu kann ich verantwortlich erklären, daß es mir nicht um eine Scheibe Brot ging, sondern darum, meine Erfahrungen und Erkenntnis abzugeben mit Bewusstsein, daß ich Brot bereits esse, und als ein Asket ich verpflichtet bin, dafür mit großer Savikalpa zu zahlen, daß heißt, durch Bildung des potentialen Karmas, ähnlich wie die übrigen, die Pflicht des buddhistischen Mönches begriffen, die dafür mit Meditationen oder mit jenem „Metta“ zahlen.

    Übrigens erfasste ich meine Arbeit als eine Pflicht, die mir aufgrund der uralten karmischen Schulden entstand, die ich sowie jeder andere Mensch hat. Ich gewann Erfahrungen und Erkenntnis, welche von mir die Menschlichkeit bis zur allen Monade abschüttelte, und aufgrund des Bewusstseins, daß ich keine „Individualität“ bin, sondern nur eine kleine Koralle im Halsband sämtlicher weltlichen Geschöpfe, vergaß ich auf meine unmittelbare Befreiung. Es dämmerte mir ein Licht der entsetzlichen und hochwürdigen Wahrheit auf, daß Nirwana auch im Samsaro ist, und daraus schloss ich, ich möge befreit werden, bzw. die Befreiung erleben auch in der Haut der tierischen Existenz und in der Tätigkeit, die nicht mehr menschlich ist, sondern bei weitem höher.

    Jawohl, wer solche Denkweise hat, kann er an die Lehre nicht im Zusammenhang mit der Scheibe Brot denken. Die Scheibe Brot ist bedeutungslos; von Bedeutung ist der Augenblick des Todes, der ein genaues Datum hat, das man sich in der Tiefe der bereits vergangenen eigenen Zeit bestimmt.

    Die politische Konstellation des Jahres 1938 und der weiteren Jahre griff störend in meinen Plan ein, denn ihr Karma war reifer als das Karma meiner Verdienste. Deshalb bemühte ich mich, die entstehende Neuzeit durch Anstrengung auf niedrigerer Basis zu trotzen. Solche Anstrengung ist allerdings immer weniger wirksam und oftmals schlägt sie völlig fehl.

    Mein Gemüt war von der Konzentrationsstufe her wie ein Stein. Das Denken hatte ich aus meinem Leben schon vor 12 Jahren ausgeschaltet, aber zu dieser Zeit zog ich CHITTA in den versteinerten Zustand zusammen, damit ich wenigstens auf der Mentalebene Bedingungen zu Fehlberechnungen des Diktators schuf; bei einem schwächeren Diktatortyp möglich auch vernichtende Bedingungen.

    Die Spannung spiegelte sich sogar in meinem Körper wider, und so etwa im Juni 1938 stellte sich ein sehr scharfer Stich im Herz ein. Die Engel redeten mir zu, nicht fortzufahren. Schließlich erkannte ich das selbst als besser im Laufe der Sachen schlechterer Art. Und so, als ich in meinen Bemühungen nachließ, befiel mich eine endlose Klemme, und ich erlebte das gesamte Leiden der Welt, das mich persönlich gemäß meinen Berechnungen nicht in der vollen Drastik berühren sollte.

    Als ich endlich in Erzeugung der direkten Drucke auf den Sachverhalt nachließ, wurde allmählich die visuelle Sphäre klar. Ich begann wie ein Blinder zufrieden zu sein, der einen auf seinen Kopf herunterfallenden Stein nicht sieht. Der Einfluss der Vorzeichen übertrug sich jedoch in meinen Körper, und so fing ich das Yoga „des mystischen Tanzes“ an.

    Der mystische Tanz bedeutet einerseits momentaner Lage entsprechende Figuren, andererseits die Fähigkeit, den Sinn des Augenblicks zu erraten und auf ihn innerlich zu reagieren. Man hat darin den Erfolg nur unter Voraussetzung, daß in ihm keine von der tierischen Natürlichkeit ausgesandten Impulse mehr auftauchen, sondern nur Reaktionen auf das äußere Geschehen, wobei es wünschenswert ist, daß man sensibel ist wie ein gut durchsetzter, sonst aber neutraler Faktor. Unter diesen Umständen ruft in ihm die Außenwirkung symbolische Attitüden hervor, die ihm eine Belehrung leisten, wie man sich als ein menschliches Geschöpf benehmen soll. Nebstdem sind die von äußeren Einflüssen hervorgebrachten Attitüden eigentlich Vorzeichen.

    Da die Vorsignale so schlimm waren, fühlte ich mich psychisch dauernd indisponiert. Sehr häufig ging ich in einer großen Unruhe im Zimmer auf und ab, und sondierte die Situation aus dem Standpunkt der „Aufsicht“, denn ich begann zu guter Letzt auch meinem äußeren Schicksal aus dem Standpunkt der Polizeisicherheit Interesse entgegenzubringen.

    Es schien mir nicht, daß es so etwas auf dem Firmament meines Schicksals gibt, und so erlebte ich nur damalige und künftige Trübsale der Nation. Dies reizte einigermaßen mein Augenlicht, und so als ich einst wieder in der Stube auf und ab ging, musste ich einem Sarg Platz machen, in dem jemand lag. Es interessierte mich nicht viel, aber als ich zum zweiten Male zurückging, stand die Leiche auf, schlug sie die Beine über den Sargrand, schüttelte sie von sich die Starre herab - was sah aus, als ob sie lange Zeit gelegen war - und der deutsche Diktator war auf der Welt.

    Er sah mich nicht, denn sein Interesse galt er nur seiner eigenen Person. Gewissermaßen schritt er stolz einher, und anschließend entschloss er sich: „So muß ich schon losgehen.“

    Es war mir von alledem übel. Ich wusste, daß er den erfolgreichen Missetaten entgegeneilt, und erneut raffte ich mich zum Hervorbringen der magnetischen Spannung auf. Infolge dessen wurde ich gefesselt, ich konnte nicht vom Platz weg, und in mir tauchte eine Erkenntnis auf, daß solches Tun eitel ist...

    Ich ließ daher die Spannung nach, sorgte für sie nicht mehr, und in meinem Hals ergoss sich die Bitterkeit der Galle. Ich durchlebte das Leiden stärker, sozusagen körperlich. Alles war mir nämlich so klar, daß ich ausführlich alles erzählen könnte, das die Zukunft bringen wird.

    Hätte es aber irgendeinen Sinn? Ich erlebte bereits zwei große Vorboten, und dabei dämmerte mir auf, daß als ein Prophet der garstigen Zukunft aufzutreten mir einen Spott und eventuell einen Polizeiangriff eintragen würde.

    Ja, ja, liebes Schicksal. Du weißt deine Angelegenheiten unmittelbar inmitten der Leute vorzubereiten, und kannst alles sogar derart einrichten, daß du die Augen der führenden Politiker blind machst, und ins Herzen der übrigen Leute einen Spott und einen Willen zum Mord einsetzt, falls auf die Sachen des Geistes Weisen aufmerksam machen würden. Du, Volk, bist trotz deiner unbegreiflichen Blindheit so selbstbewusst, daß jeder dein Einzelmitglied - ob er schon ein Intellektuelle oder tief im infernalischen Bereich der absoluten Unwissenheit versunkener Bierneunmalkluge ist - jeden der Menschen zu insultieren weiß, der klar in die Zukunft sieht und diese nach Prinzipien der psychologischen und karmischen Mathematik errechnen kann.

    Warum kann dieses Volk, so selbstbewusst in der Sache der intellektuellen Reife, eine so einfache Wahrheit nicht begreifen, die uns über den dynamischen Einfluss von Mentalqualitäten belehrt, mit denen man erfolgreich im Bereich der karmischen Werten der Welt operieren mag? Müssen denn die Leute der furchtbaren und drohenden Verdunkelung aus dem argen Karma erliegen, die wahre Ursache vom Mangel an Vertrauen in die wirksame Macht der Denkweise ist, die doch der Grund vom Tun darstellt? Der direkte Einfluss auf das Denken ist ja äußerst deutlich, und man kann mit kleinen Schwierigkeiten auch herausfinden, daß diese Macht des Denkens eine dynamische Kraft ist, die einem mitfühlenden Menschen frohen Mutes ermöglicht, eine neue Denkweise in der Welt durchzusetzen, die nicht mehr zum destruktiven Verhalten führen würde.

    Wer denn will aber diese zur Wohlfahrt der Leute führende Magie treiben? In seltenen Fällen erscheint ein Mensch, der keinen selbsttüchtigen Rücksichten verfällt, und der daher fähig ist, zum Wohl der Welt zu arbeiten, und dadurch auch zum eigenen Wohl, wenn er seine Tätigkeit aus dem Standpunkt der großen Zeitzyklen anschaut. Und selbst wenn ein solcher Mensch vorkommt, fehlt es ihm oftmals die Erkenntnis der magischen Operationen mit Gedanken, und deshalb kann er häufig nichts zum Wohl der Welt verrichten. Er muss zunächst erfahren, daß das Denken eine wirkungsvolle magische Kraft ist, die primär das gesamte Leben der menschlichen und auch unsichtbaren Geschöpfe beeinflusst, und daß es als ein magnetisches Agens mit versinnlichenden und zum Wohl der Welt führenden Qualitäten vollgefüllt/durchgedrungen werden kann.

    Mittlerweile wird eine andere Situation gestaltet. Die Leute glauben an die Wirksamkeit des Denkens nicht; es wurde in den menschlichen dilettantischen Vorstellungen sogar zu einem wertlosen Produkt der Materie. Trotzdem benutzen die Leute das Denken im magischen Sinne zum Gestalten übler Schicksalsbedingungen der Welt auf Grund ihrer psychologischen Unbildung. Wem käme es in den Sinn, eine Denkensdisziplin aufzunehmen, wenn das Denken aus dem allgemeinen Gesichtspunkt nichts anderes ist als unwürdiges Produkt der Materie? Und eben im Hinblick darauf lassen sich Triebe und Leidenschaften entfesseln, die auf üble Weise das Denken beeinflussen als eine Kraft, die nach der Eigenqualität den Samen der schlechten Schicksalsaussaat darstellt. Es ist nötig, dies zu begreifen und der technischen Kultur auch die mentale anzuschließen. Durch die Wirkung dieser Mentalkultur würden bessere Voraussetzungen für das Nebeneinanderleben vorbereitet, so wie jetzt durch die nicht kultivierte Denkweise die Konditionen des unerträglichen Zusammenlebens vorbereitet werden...

    Ich schwamm in dieser Erkenntnis und schärfte meine Augen nur dazu, das geschehen sollte und was für einen Sinn es für das geistliche Leben der Leute haben sollte, und auch für die Lehre, die ich gefunden und aus dem von Vergangenheit angehäuften Müll ausgegraben sollte. Ich merkte alles, das in Beziehung zu mir gestaltet wurde, denn ich erkannte mich als einen Wächter der Lehre, der, weil vereinsamt, von den Gespenstern der Zeit liquidiert werden kann, damit er doch nur die Lehre nie zum Wohl der Menschen übergäbe.

    Es ging ja um das Zepter der Macht, das die Menschheit bereitwillig in die Hände des Hüters der Schwelle zusteckt, der anschließend dieses Zepter auf den Hekatomben vor den machtvolleren Leuten des Geistes bewahrt. Ich wurde infolge des Ratschlusses vom Allerheiligsten in die Zeit gestellt, in der die Menschen letzte Haltpunkte des lachenden Gottesscheines verlieren, in die Zeit, die darüber hinaus noch schwanger ist vom Dämon, welchen ich lediglich aus den tiefsten Höllen kenne.

    Als ich die Reden über Fortschritt und „tausendjähriges Reich“ hörte, das nach Diktatoren kommen sollte, musste ich in mir ein böses, greisenhaftes, scharfes und sarkastisches Lachen verbeißen, weil ich wusste...

    Ich verspottete alles. Sowohl die Menschen, die dachten, die politische Situation könne ein bedeutsamer Politiker hervorbringen aus eigenem Willen und ohne Rücksicht auf die aus der Vergangenheit herkommende karmische Kraft der Nation, als auch die Menschen, die glaubten, die sehr schlimme Situation könne ein Werk „der schwarzen Magier“ sein.

    Ich lernte nämlich die schwarze Magier kennen, die an die schwarze Magie nicht glaubten, die aber in ihrem Sinne arbeiteten. Jawohl, es waren jene intellektuell rückständigen Menschen, mit denen ich auf Bauten arbeitete, und von denen ich so häufig hörte, sie würden es ihnen (denjenigen, die über wirtschaftliche und politische Verhältnisse verfügten) schon zeigen.

    Wirklich, eben da beginnt die schwarze Magie, jene Saat der unerbittlichen Abrechnung mit denjenigen, die Situation von weit breiterem Gesichtspunkt verstehen. Und diese Magie hatte immer, und bisher hat, bessere Bedingungen zur Geltendmachung in der Welt der Leute als die gute Magie. Fast jeder Mensch lässt nämlich freien Lauf dem gierigen, neidvollen und stupid selbstbewussten Denken, wogegen die Denkweise mit Berücksichtigung vom Wunsch des Guten und von Bereitschaft zum Selbstopfer kaum vorkommt.

    Ja. Die Welt prahlt, sie gelangte zur Erleuchtung, mit deren Hilfe sie die „Irrtümer des mystischen Aberglaubens“ überwand, in Wirklichkeit jedoch öffnete sie durch dilettantische Psychologie die Tür den schlimmsten Erscheinungen im Zusammenleben. Sie verhält sich, als ob sie alles wüsste und kannte, aber sie weiß nicht, denn sie will nicht wissen, daß es die Magie wirklich gibt. Diese existiert in natürlichen Zustand und Denkart, was eine schwächere Äußerung der Magie sein mag, als welche die rituelle Magie hervorbringt, aber dieser natürliche Denkzustand die Gesinnung eines jeden Menschen beherrscht, weil durch Verallgemeinerung die Gesinnung stärker worden ist.

    Es geht um eine gewisse Art der Suggestion, deren Quelle im Raum liegt, im Bereich, das die Yogis Chitta-Kasha nennen, und falls sich die Leute von dieser Suggestion befreien möchten, müssen sie strebsam sein, in dieses Chitta-Kasha etwas anderes einzusetzen, als das es dort jetzt gibt und das dort von der langfristigen Disziplinlosigkeit der Menschen aufgewuchert war.

    In der Zeit nahm die dringliche Gefahr an Schärfe zu, und deshalb begann ich mich vorzusehen. Die Liquidation meiner menschlichen Existenz, zu der bei einem unvorsichtigen Schritt käme, brächte meiner Meinung nach mehr Schaden als Nutzen. Wie immer ich damals erfahren war, die Zeit ist doch nur eine Dimension, in der ab und zu Risse in der zusammenhängenden Reihe aufgewallter Wellen der Großen Finsternis auftauchen. In diese Risse wollte ich Ladungen vom geistigen Licht legen. Und sollte ich auf diesem Weg zu rechter Zeit sterben, könnte ich ruhig sein, denn ich erfüllte meine Pflicht bis zum Großen Ende. Das ist besser als sich einem Henker in die Hände ergeben, der mich zur Todespforte bringen könnte, und dort mich beispielweise durch Hände des bereits nur kleinen Hüters der Schwelle mein Gehirn auch für Zierde ausfließen lassen könnte zum Abschrecken derjenigen, die zum Beispiel wie ich mit „aufgemachten Augen“ gingen.

    Diese Erkenntnis ließ mich allerdings kein Wesen werden, das sich durch das Händeringen und frommes Augenverdrehen irgendwo in einer Klosterzelle Lobpreisen oder Kirchenheiligkeit loskauft. Ich war immer weiter ein Mensch aus der Menschenwelt, und aus meiner Oberfläche verschwand schon alle Spur eines prahlerischen und nichts machenden „Mystikers“.

    Inzwischen beobachtete ich den hitzigen H. Ich vermutete, ihn für den ersten der Suchenden zu halten, weil er den destruktiven Geist eines kommunistischen Versammlungssprengers und „Dialekt-Logikers“ hatte. Manchmal quälte er mich mit seinen Moralausdrücken, die beim Einweihungsvorgang schon in den Abgrund der vergangenen Zeit versinken sollen. Das erfüllte die Zeit, wo nicht mehr freiwillig, sondern unter meinen Drücken, seine Sittenfehler, als eines Schülers des Großen Weges, fallen müssen.

    Er betrieb Exzesse.

    Sogar in meinem Beisein.

    Ich stellte mich vor ihn mit gesteigerter Kraft und brüllte auf:

    „Jetzt erklären Sie, daß Sie ein Trottel sind!“

    Er zögerte und trat zurück, aber er sagte nichts.

    Ich rückte ihm nach und drang in ihm, mir entgegenzukommen.

    Er trat zurück.

    Ich rückte vor.

    Es fiel mir ein: Ob er bis zum Fenster zurücktritt, bleibt es mir nichts übrig, als ihn mit Faust durch das geschlossene Fenster hinauszufeuern. Hierdurch werde ich ein Mörder, weil unten Beton ist.

    Er bekam schon Angst. Es fiel mir ein: Das Schicksal eines Mörders betrifft mich nicht.

    Schließlich erklärte er: „Ich bin ein Trottel.“

    Ich war nicht zufrieden. Er rundete sich es im Geiste ab, und legte mir in seinem Bekenntnis einen Gedanken vor:

    „Ich kann mir es leisten, ein Blödel zu sein. Du kennst ja die Vorteile meines Geistes.“

    Ich drängte mit starken Worten: „Das ist ein Stolz. Ich will, daß Sie bekennen ein Blödel zu sein, oder es kommt zum Unglück.“

    Er brach zusammen, hatte Angst, und dann bekannte er mit seinem ganzen Wesen:

    „Ich bin ein Idiot.“

    „Mit Idioten will ich nicht reden,“ lenkte ich den Weg eines Meteors ab, „heraus!!“


    Ich verlor wieder einen Menschen. Er wohnte im Nebenzimmer. Irgendein Nichtsnutz klebte ihm an die Tür ein Schild mit dem Namen „Gomchen“ (der Oberlama) an. Er hielt sich von mir fern und ich von ihm ebenfalls.

    Dann sollte er umziehen. In diesem Zusammenhang dämmerte vor meinen Augen eine grausame Erkenntnis seiner künftigen Schicksale auf. Daher hätte ich ihn gerne zurückgehalten, und ich ließ ihn durch meiner Ehefrau Mund wissen, ohne daß er erfahren durfte, daß es von mir kommt.

    Sie konnte ihn nicht anhalten. Und doch, nach einem kleinen Entschuldigungswort hätte ich ihn versichert, daß es „doch um nichts ging“. Er war aber eine harte Individualität, und ich begleitete sein Fortgehen von uns mit einer schlechten Vision, die später die Gestapo realisierte.

    Mittlerweile hob sich eine Silhouette ab. Jemand erzählte von mir als von einem Mystiker einer Apothekerin; - die entschied, es werde „ein Jux“ sein, einen Spiritisten kennen zu lernen, und sie wollte sich einfach - belustigen. Es wurde ihr über mich etwas gesagt von einem Menschen, und der wusste zu sagen, oder besser nicht-sagen, mit vielen Worten nichts.

    Sie lud mich mit einem Brief ein. Und weil ich zu jedem Menschen gefahren wäre, der für die Lehre auch das geringste Interesse gezeigt hätte, nahm ich die Einladung an. Sie mag sich auf den Spaß gefreut haben, vielleicht war sie ein bisschen neugierig. Sie sollte sich aber nicht irren. Ich war in einer Situation, in der das Wesen Pfeile der geistigen Macht ausschießt.

    Ich stieg aus dem Bus, stellte mich vor, und sie bat damals schnell, daß ich etwas später kam. Ihre Knie schlotterten, und sie verlor den Boden unter den Füßen. Sie wollte also „Atem holen“.

    Ich kam am Nachmittag. Wir sprachen über Yoga, ich untersuchte ihren Zustand, aber vermied jedes Urteil. Ich empfahl jedoch, daß sie am Abend das und jenes versuchte.

    Am nächsten Tag kam ich wieder. Sie zeigte mir die Position der Götter; ich drückte ihre Knie zum Boden hinab, bis sie vor Schmerz aufschrie.

    Ich war dort am dritten Tag. Ich hatte einen Traum, in dem ich schnell zurücktrat, während sie mir folgte. Ich konnte weiter nicht mehr zurückgehen, ich fühlte einen Absturz hinter mir. Sie stellte sich knapp vor mich, so daß ich ihr ins Gesicht sah und jeder Gesichtsbewegung aufmerksam folgen konnte. Mit den zweiten Augen schaute ich unter mich und schloss: Wenn du Mädchen wüsstest, auf welchem Platz wir stehen, bekämst du dann Schwindel und hernach bliebe es nichts übrig als ein Fall in einen tiefen Abgrund von seelischem Elend und sittlicher Verderbtheit.

    Sie schaute jedoch mich an. Danach wurde die Situation langsam anders; wir waren in einer normalen Gegend. Aufgrund dessen entschloss ich gleich in der Früh, es „in Bewegung zu setzen“. Mein Sinn war versteinert, der Körper pulsierte, und es bildete eine merkwürdige Umgebung. Das zeigte sich auch auf einem schlecht aussprechenden Mann, der unaufhörlich eine ungeschickte Hochachtung ausdrückte, als er mit uns saß. Dann begann es alles plötzlich auf ihn zu wirken, er kobolzte und tollte herum, und Frau Apothekerin war verwundert, „was mit Franz los ist“. Ich behauptete, daß etwas in der Luft liegt.

    Ja, etwas war los. Ich fuhr am vierten Tag ab, während Frau Apothekerin eine Realisation hatte, so daß die Leute sie nicht erkannten, weil sie „eine andere Natur als bisher hatte“.

    Sie begleitete mich zum Bahnhof. Ich fuhr ab. Von alledem, was gerade geschehen war, fühlte ich mich deprimiert. Denn kaum der Zug ein paar Kilometer zurückgelegt hatte, trafen bei ihr Zweifel ein, ob das alles nicht ein bloßer Traum gewesen war.

    Ich verspürte das als eine schlechte Belohnung für viel Arbeit. Ich vermutete nämlich, daß ich wenigstens auf diese Weise einen Stern auf meinem Himmel anzünde - und wieder nichts.

    Um die Sache klar zu machen, füge ich noch hinzu, daß die Realisation unter bestimmten Umständen eine Entfaltung einer riesig zärtlichen Blüte bedeutet, die von einem sehr schwachen Zweifel gegen sie wie vom Frost verbrannt werden kann. In diesem Falle war das solche Realisation, bei welcher es um eine Frau ging, die ehemals - wie sie selbst erzählte - die Gleichberechtigung der Männer und Weiber bezeigen wollte, indem sie Pfeife rauchte, zur Jagd ging, und ich weiß nicht was noch.

    Wie ich bei dem Besuch bei ihr feststellte, wies sie alle Merkmale eines Menschen auf, der seine Gefühlsbewegungen anschaut wie etwas, das nötig ist scharf zu beurteilen, und die Natur dessen durch den Mentalsarkasmus und andere Ausdrücke reines Rationalismus zu untersuchen.

    Eben darin erblickte ich ihre Reife für die Mystik, für den Weg durch schreckliche innerliche Wandlungen, bei denen von der alten Gefühlsstrukturierung kein Stein auf dem anderen bleibt.

    Wer von euch, Männer und übrige Frauen, die ich erkannt hatte, glich dieser Frau? Jeder von euch hatte irgendeinen Gefühlskomplex, für welchen er sich selbst hielt. Daher kamt ihr mir vor als zum Modellieren unpassendes Material, denn nach jedem zarten Daumendruck, der auch dann notwendig ist, wenn er anscheinend keinen Sinn für die Bildung des „inneres Werks“ hat, bliebe eine dauernde Spur, die darauf hinwiese, daß das Material nicht richtig elastisch und formbar war.

    So wurde ich die ganze Zeit der Fahrt im Zug hindurch mit verschiedenen auf Enttäuschung weisenden Betrachtungen befasst, und mittlerweile entstand eine neue Situation - zu Hause.

    Herr B. fragte mich gleich bei Ankunft an, wie es mir ergangen war. Ich sagte ihm, daß ich während der vier Tage so viel Arbeit getan hatte, wie viel der fähigste Mann auf sich in zwei Jahren ausmachen kann. Sonst erklärte ich nichts mehr.

    Anders war es mit meiner Frau. Die Eifersucht machte sie „hellsehend“ - das heißt, sie entwickelte eine Fähigkeit, die ihrem Besitzer ein Leid zufügt, falls er zu Visionen eigene Urteile hinzufügt.

    Ich wurde eine Zielscheibe für Vorwürfe, und ich erwog, ob sie begründet waren, wenigstens in meinem tiefsten Unterbewusstsein, und als ich zu einem negativen Schluss gelangte - wurde ich innerlich verstockt.

    Dann kamen Nachrichten von Frau Apothekerin, und dazu folgten meine Antworten, die sie unterstützen sollten, damit sie erneut dorthin emporschwingt, wohin ich sie binnen der vier Tage gebracht hatte. Die betörte Eifersucht machte jedoch die Schubladen in meinem Tisch auf, sah, was es nicht gab, und dies führte sie zum Fluss; jemand bewachte sie, hielt sie auf, brachte sie heim - kurz gesagt - eine Szene.

    Konnte meine Frau denn nicht begreifen, daß mich etwas anderes interessierte, als andere weiblichen Augen? Wie sollte ich mich jetzt einrichten? Ich entschied mich, im gewissen Maße ihre Gefühle zu respektieren, denn die Frau Apothekerin geriet viel zu bald ins Wanken im Glauben an den Wert ihrer Erlebnisse, trotzdem empfing ich den Willen, ihr Fühlen zu respektieren doch nur mit dem Gefühl, daß sie daran schuld ist, daß ich mit eigenen Händen das werdende Licht der brahmischen Welt begraben muß. In jedem Falle gelangte ich durch diese Aktion zur Überzeugung, daß meine Schlüsse und der Weg richtig sind, und daher entschloss ich mich meinen Weg weiterzugehen, sobald sich die Vorboten besser und günstiger zeigen. Übrigens hinsichtlich dessen, was mit mir geschehen war, erschien als eine Erinnerung, daß ich weitergehen muß, ob ich nicht mir selbst untreu werden will, und falls ich einen Schatz zu nicht dem geringsten Zweck begraben möchte, den ich wie durch ein Wunder in dieser Welt und diesem Leben gefördert hatte.

    Es erschien hier also ein Missverständnis, welches ich nicht respektieren mochte. Ich wusste doch, daß das echtes Innenleben etwas mehr als persönliche Wünsche und Forderungen bedeutet, und das war die Ursache, daß ich jedwedes Interesse für meine Frau verlor und vorwärts blickte, dorthin, wo auf mich die Erlösung wartet mit Voraussetzung der Mitteilung ihrer Begleitzustände. Aber trotz dieser Entscheidung wurde ich nicht einer der Menschen, die Vergangenheit mit innerer Regungslosigkeit verlassen. Ich wusste, daß alle Schicksalszufälligkeiten eine logische Beziehung haben, und deshalb entschloss ich mich, zwar selbstständig, vorzugehen, aber mit Rücksicht auf die inneren Zustände meiner Gattin. Aus dieser Konstellation kann allerdings ein Blitz der scheinbaren Härte und Herzlosigkeit herausfahren, aber - der Mensch kann hinter seinem Rücken nicht als mit Zärtlichkeit volles Wesen handeln, wenn er mit der Stirn auf eine Situation gerichtet ist, die Eingriffe des Kämpfers mit Leib und Seele erfordert. Das war eine Gegensätzlichkeit, die mich für mein eigenes Gewissen nicht beschuldigen konnte, daß ich noch etwas Gutes nicht getan hatte, das ich tun können hätte. Übrigens, die Zeugenschaft sollte die Zukunft ablegen...


    Im Laufe der ganzen Zeit seit der Buchausgabe lernte ich viele Leute kennen. Außerdem erfuhr ich, ich solle das Buch nicht geschrieben haben, sondern jemand anderer es machten, und ich bestätigte es nur mit meiner Autorunterschrift. Das war zu stark sogar für einen Anhänger des „Schüler-Führers“, und so auf Grund der Wahrheit erklärte er, er sah selbst, daß ich es schrieb. Aber was konnte er mit seinen menschlichen Augen sehen, wenn, wie er den Vorsitzenden des mystischen Verbandes hörte, der Herr Vorsitzende - versteht, der "Schüler-Führer" – „könne die Herrschaft sehen, was Sie auf dem Teller zum Abendessen haben!“ - So sollte sein Hellsehen ausschauen.

    Das Schicksal schaute jedoch die üblen Nachreden und Verleumder wie auf Mond heulende Hunde an, und so wurden langsam Bedingungen zur Verwirklichung meiner Absicht gestaltet: Ich rufe die Leute, die suchen!

    Ich pflegte Rücksprachen mit Herrn Neubert, und der hatte sich persönlich mit Gustav Meyrink getroffen, den ich bei meiner Nachforschung in der unsichtbaren Welt entdeckte als den einzigen Mann auf dem europäischen Kontinent, der eine hochwertige Realisation erreicht hatte. Ebenso traf Herr Neubert die Frau A. David - Neel. Auf Grund seiner Gespräche mit diesen Leuten fragte er mich überrascht an, wo ich die sämtlichen Erfahrungen gewonnen hatte, die aus meiner Rede deutlich waren. Darauf antwortete ich einfach: „Ich habe in mir herumgewühlt.“ So gewann ich seine Sympathien, was sich darin bemerkbar machte, daß er die Aufgabe meines ersten Buches materiell unterstützte.

    Dann erkannte ich Dr. O. Elias, von dem ich hörte, er sei ein „lebendiges Lexikon“. Er hatte nämlich ein Interesse sich mit mir zu treffen. Er verbeugte sich tief vor mir, wie vor einem Weisen aus Orient, und anschließend befragte er mich, wo ich erkannt hatte, daß es möglich ist, die Gedanken der Telepathen „zu essen“, denn er vermutete bisher, dieses Geheimnis kenne nur er und außer ihm etwa nur noch drei oder vier Menschen, vielleicht in Tschechischer Republik, vielleicht in Europa. Er war sehr erstaunt, was ich ihm von ihm selbst mittels direkter Feststellungen sowie aus Träumen mitteilte. Dann erzählte er mir über den magischen Hintergrund damaliges Krieges, und versprach mir, er werde mir in geeigneter Zeit darüber aussagende Dokumente, die er besitzt, übergeben.

    Dann kam aber das Attentat auf Reinhard Heydrich und darauffolgende faschistische Terror. Ich ging mir Absicht ihn zu besuchen, und vergaß in die Tür einzutreten.

    Ich hielt es für eine Vorbote, und anschließend erfuhr ich, er sei von Gestapo verhaftet worden, und eben durch dieses Vergessen errettete ich mir das Leben. Übrigens machte seine Rede den Eindruck, als ob er über diese seine Zukunft informiert wäre. Deshalb sprach er, trotz sein relativ niedriges Alters, über die Dokumenten wie über eine Erbschaft.

    Dann lernte ich noch eine ganze Reihe Menschen kennen, aber von den sämtlichen Bekanntschaften ist nur eine Einladung nach Cerveny Kostelec (Ortsname) erwähnenswert. Ich fuhr auf Einladung in die Wohnung eines Mädchens, und dieses Mädchen war charakteristisch damit, daß auf Gefilden, wo sich diejenige ohne Glatze kämmen, sie ein „Hütterl“ bildete, eine typische Einzelheit. Sie wollte eine gute Gastgeberin sein und wollte mich alleine nicht „anöden“. Deshalb machte sie mich mit einigen Menschen bekannt, von denen ich mir nur an vier erinnere.

    Vor allem ging es um irgendeinen „Naturarzt“.

    Ich war in seiner gewöhnlichen Küche, die gleichzeitig als eine alchimistische Küche diente. Es schien mir, daß er sich etwas brüstet, und daher, während ich „ihn zu Boden schmetterte“ (bildlich), erklärte ich, als ich dessen satt war, daß „ich glaube, daß es auf der Welt Menschen gibt“. Sein kompliziertes Wesen hielt es für ein Thema zu einer tiefen philosophischen Unterredung. Etwas kitzelte mich im Hals, einfach einige Überreste vom Essen. In seiner alchimistischen Küche, wo jeder Mensch für eine kleine Belohnung die Gesundheit erhalten sollte - schließlich wohl auch ich mit meinem jetzt schon kränklichen Herzen - lag in einer Wiege ein beschneuztes Kind mit Krankheitssymptomen und außerdem waren dort noch etwa zwei seiner gleich aussehenden Kinder, aber schon etwas größer.

    Dieser Besuch war für mich ausreichend, um mich noch kränker zu fühlen. Die Gastgeberin und ihr für mich näherer Partner merkten es vielleicht bei mir, und so bemerkten sie: „Jetzt zeigen wir Ihnen etwas besseres“.

    Der Partner fuhr in eine fernere Stadt bis am Abend, und inzwischen kamen zwei alte Weiber mich anschauen.

    Ich bin kein Heiliger in meinem Inneren, sondern eher ein alter Kater, der die Krallen auch aufs Streichen zeigt.

    Ich sage nichts, entschloss ich mich.

    Die Weiber warteten, bis der „Bruder“ kommt.

    Als er ankam, manövrierte ich im Gespräch, so daß daraus nichts besseres hervorging, außer vielleicht, was für „ein schreckliches Wetter“ es ist.

    Die alten Weiber waren dessen satt und empfohlen sich. Das Fräulein mit ihrem Partner begleiteten sie, es gab niemanden anderen dort, ich platze wohl nur mit zwei Fragen an den Bruder heraus: „Also Sie haben erreicht, und keiner weiß darüber?“

    Er nickte zu, weil er verstand.

    Aus meinen Augen stürzten wirkliche Tränen, denn ich wurde mir bewusst: Der erste Mensch, der von den allen „Meistern“, die ich bisher erkannt hatte, etwas erreichte. Dann benahm ich mich merkwürdig, und des Fräuleins Partner wunderte sich, als der Greis fortgefahren war: „Zum ersten Male habe ich Sie als einen Bhakti gesehen.“

    Ich entgegnete: „Natürlich, ich habe ja mit einem Bhakti gesprochen.“

    Also, ich erkannte „den Bruder“. Aber erkannte er mich auch? Als er mich nämlich unmittelbar am Rand vom Höllenabsturz schreiten sah, vermutete er in seiner Schlichtheit, daß einer, der durch solche Gegend schreitet, auch ein Höllenkind sei. Was er, ein Michel, konnte über einen Menschen wissen, der die Ewigkeit erlebt hatte und in diesem Leben einen Stamm erklettert hatte, der mit seinen Wurzeln im Analphabetismus steckt, während den Wipfel er bis zur Weisheit hochgereckt hatte? In seiner Einfachheit glaubte er, die Kinder Gottes können nur stumpfen Mutes sein, welcher sich im steinschwarzen Gehirn ihm ähnlich versteckt, bei ihm jedoch überstrahlt vom Licht der paradiesischen Genusssucht Wie könnte er den Menschen begreifen, der sogar die Genusssucht, die sich nur in Gottesbereichen befriedigt, für etwas schrecklich Gefährliches hält, für etwas, das zu einer neuen und möglich noch ärgeren Inkarnation führen könnte, als welche ich in diesem Leben erhalten hatte für ein kleines Verschulden, das in obligatorischen Entflammung des Kämpfers versteckt war?

    Wirklich, es schien ihm, daß ihn so was wie mein Schicksal nie betreffen könnte, weil er sich für gottergeben hielt. Und so benahm er sich, als wüsste er gar nicht, daß Gott auch andere Kinder hat als er selbst ist, der sich an der Gottesschürze festhielt. Er sollte sich in der Welt umsehen und versuchen, in die Tiefe des menschlichen Herzens zu sehen. Auf diese Weise würde er wie ich erkennen, daß fast jede Seele im Menschenkörper nur bedingungsweise göttlich ist, und daß ihre oberflächliche Verdunkelung nur etwas Relatives ist, eine Schale, die unter bestimmten Bedingungen herabfallen kann und den prangenden Kern der Göttlichkeit erscheinen lässt.

    Daher müsste er nicht jeden vor mir warnen, und er sollte anstatt auf sein Hellsehen auf die natürliche Meinung geben, die häufig zuverlässiger ist als das göttliche Sehen selbst. Er sollte bewusst werden, daß göttliches Sehen die geistigen Wickelkinder sowie die etwas herangewachseneren Kinder zur Meinung verleitet, daß sie für einen Vermerk vom Höllenkarma auch das halten, wenn jemand, der ausschließlich am Gottes Werk arbeitet, einen Tagelöhner machen muß und sich beschmutzt.

    Jawohl. Die Himmelszugehörigkeit wird nicht nur von dem schwarzen, steinharten Gehirn und vom Zusehen der schönen Blumen und Früchte im Paradies dokumentiert, sondern auch durch die Arbeit am Gotteswerk, die Arbeit, bei der man sich vom Kopf bis zu den Füßen beschmutzt. Das ist endlich auch daraus deutlich, daß die Welt, wie immer wild bewegt von Leidenschaften aus dem Ich, sich häufig nur darum empört, weil sie ebenfalls zum Gott gelangen will.

    Und falls man heute an anthropomorphen Gott nicht glaubt, geben wir, welche prahlen möchten Mystiker zu sein, der Welt höheren Gott; geben wir ihr Brahman, denn eben dieser Gott ist ein Gipfelpunkt des von der Entwicklung der reinen Vernunft und wissenschaftliches Geistes bezeichneten Weges. Oder wollt ihr, alle Mystiker der Rydl-Art, behaupten, nur der eure Gott sei der wahre Gott, wie es die Kirche behauptet hatte und immer noch behauptet, die nach Erhalt der Macht fähig war, vor Liebe zum Gott Blut so ausgiebig zu vergießen, wie damals eben herrschende politische Tyrannen? Weg mit solcher Mystik! Es soll uns das Licht der wahren Absolutheit scheinen! Denn nur im Schein der Absolutheit verschwindet die Neigung zur mystischen Genusssucht und erscheint die Weisheit und Besonnenheit – Eigenschaften der Weisen, die frei sind vom schwülstigen Selbstbewusstsein der geistig leeren Leute, die hingegen reich an Mangel an Verständnis sind.

    Dies solltest du wissen, Rydl, aber auch du, Friedrich. Ihr solltet wie ich wissen, daß im Verhältnis zur Welt der Mensch nicht besser ist durch wie immer hohe und gute mystische Erlebnisse, sondern einzig und allein durch eine Tätigkeit, durch die man einen anderen Menschen zum Licht der Erkenntnis hinführen kann. Wirklich, ich kann klagen. Ich kann eine Klage erheben über Mystiker, die für eine bestimmte Anzahl elender Erlebnisse sich als Übermenschen fühlen. In Wirklichkeit, wenn es ihnen gelang, die menschlichen Qualitäten aus dem Gemüt zu reißen, gelang es ihnen leider nicht, die schlechten Charaktereigenschaften zu entreißen. Daher weiß ich: Diese Leute machen die Welt nicht anders. Sie lassen sich von solchen Gedanken führen, welche das verdorbene Ich nicht ausrotten, sondern sie nur einige Erlebnisse betonen. Deshalb werden sie nur ein Reflex vom Sternlicht in einer kotigen Pfütze bleiben.

    Ich vertrete übrigens eine Ansicht, die Bedeutung der mystischen Anstrengung stecke in der Fähigkeit und Kraft, nach Gesetz der heilsamen Sittlichkeit zu leben, und nicht in mystischen Ergebnissen. Sogar sehe ich die mystischen Ergebnisse eben in der Befähigung und Kraft, nach Sittenvorschriften des Yoga zu leben, denn das gesamte Karma findet seinen Rückhalt lediglich in der Art des unmittelbaren Lebens, Fühlens und Denkens. Gemäß dieser These können wir voraussetzen, daß das nichtschwankende Benehmen nach Sittenprinzipien des Yoga sich im unmittelbaren Durchleben widerspiegelt, woran jedem Menschen in erster Linie liegt, und zwar auch damals, wenn er vor Unwissenheit an magischen Effekten basiert.

    Jawohl! Es sind die Lebensbedingungen, die uns interessieren, während die magischen Effekte wir nur solange wünschenswert finden, als die Lebensprobleme in äußeren Lebensumständen versteckt werden. Aus dem Grunde sind die so genannten mystischen Ergebnisse wesenlos. Sie sind fern von der Lebensweise, die wir natürlich führen, und darum bleibt nichts übrig, als die grundsätzlichen Moralprinzipien aufzunehmen und durch die Einhaltung deren jedes Interesse für magische Effekte und Phänomene und daher auch für eigenes tödliches Ich zu vernichten. Dann wird der Mensch nur ein kleines Wesen, das aber fähig ist, über die moralische Kraft in den Himmel durchzudringen... Das Übrige ist eine Vergeblichkeit, die verborgene oder offenbare Megalomanie unterstützt, die den schreitenden Menschen zu rechter Zeit in die Hölle herabstoßt.


    Dann kam mir zum zweiten Male in die Quere jener Herr, der angeblich „sprechen konnte“. Er wurde mir von Dr. K. erwähnt, daß er günstig beurteilt werde.

    Ich willigte in ein erneutes Zusammentreffen.

    Ich besuchte ihn in seinem Amt, wo ich mir mit ihm nach ein paar Worten eine Zusammenkunft nach Amtsstunden verabredete. Dr. K. fragte mich, als wir herausgingen, was ich über ihn denke, und fügte hinzu, er erwartete, daß ich ihn ironisieren werde oder etwas anderes anstelle.

    Ich erklärte, daß er mystische Augen hat, und daß es möglich ist, daß er „fertig“ (mystisch) ist. Dr. K. fragte mich an, welche mystische Augen, und ich erwiderte unverständlich, daß – „solche runde“.

    Später, als wir uns mit dem „Herrn, der sprechen könnte“ erneut trafen, stellte ich an ihn zwei Fragen:

    1. „Wieso, wenn sie daran so gut sind, waren Sie ein Anhänger von Weinfurter?“

    Er antwortete, er war nicht.

    2. „Wieso, wenn Sie gut sind, ehrt Sie die Frau J.?“ Er entgegnete, sie sei nicht ganz klar im Kopf.

    Auf Grund dieser zwei Antworte schloss ich, daß er die „Realisation“ wirklich schon erreicht hatte, weil er einerseits ihre Merkmale trug, und andererseits bewies er, daß diese Merkmale nicht als ein Ergebnis vom ekstatischen Gemütszustand aus Verehrung des „Schülers-Führers“ herkommen, und in Frau J. erweckte er keine Hochachtung nach Art der weltlichen Schwätzer. Ich war glücklich, schon zweiten Menschen zu finden, der ohne Verkehr mit mir auch „erreicht hatte“. Ich befreite mich dadurch von einer unermesslichen seelischen Belastung von Befürchtung, daß es um ein zu viel seltenes Phänomen geht.

    Die Feststellung, daß es nicht die Leute gibt, die „in der Mystik“ etwas getan hatten, hielt ich für ein gewichtiges Argument gegen mich selbst im mystischen Sinne, denn ich war überzeugt, daß falls diese meine Realisationen keinen Ähnlichkeiten haben, mögen sie einen Ausdruck der Außergewöhnlichkeit meines Zustandes sein, der allerdings sowohl richtig als auch falsch sein mag.

    Ein Stärkungsfaktor für eine positive Beurteilung meiner mystischen Ergebnisse waren die Momente während der acht Tage meiner Realisation. Damals erfuhr ich, stellte fest und beglaubigte aus der allen Wesensubstanz, daß der Preis, den ich gerade erreicht hatte, wirklich echt war, daß es etwas ist, das alle Menschen auf die richtige oder falsche Weise suchen, und zwar sogar in der Welt, im Spiritismus, im Kirchenglaube und in sämtlichen Formen der Mystik und auf eine andere Weise. Diese Feststellung wurde erst durch eine konkrete Entdeckung erschüttert, daß mein Erreichen keine Analogie hat, weder in der Welt noch dort, wo die Hochachtung und Verehrung, geheimnisvolle Andeutungen und das Selbstbewusstsein von eigener Heiligkeit und vom Segen herrschen, also eigentlich dort, wo man so was am leichtesten finden könnte, weil es auch die richtige Firma hat – nämlich in mystischen Kreisen und Gemeinschaften.

    Auf Grund dieser Erkenntnis verlor ich langsam die Sicherheit, daß meine Realisationen einen absoluten Charakter haben, und es schien mir besser diese Sicherheit zu verlieren, als aus der tatsächlichen Situation zu schließen, daß ich den richtigen Weg ging, während die sämtlichen anderen Leute, die ich erkannte, den falschen Weg nahmen. Darin erblickte ich nämlich einen gut gepflasterten Weg, der schön zum Stolz und später auch zur Liquidation eigener Geistigkeit führt.

    Der Richtigkeit der erkannten Lehre war ich ganz versichert. Diese bestätigten mir Lehren großer Religionen, die ich sowohl durch direkte Wahrnehmungen als auch durch Informationen von den Gläubigen erkennen konnte. Die Realisationen sind dagegen etwas anderes; hier kann man eine unerschöpfliche Menge psychischer Bewegungen und visionäre Wahrnehmungen formen, die man nicht von Eisenreifen des sachlichen Denkens fesselte.

    Fesselte ich sie? Ich konnte vermuten ja – aber jeder Mensch hält am Standpunkt fest, daß er der objektiv sehende und denkende Mensch ist, wenn auch er seine Lebensanschauungen und Überzeugungen vom Monat zum Monat, vom Jahr zum Jahr geändert hatte. Es schien mir, daß darin eine tückische Falle steckt, die nur die Menschen mit gewaltigem Intellekt erfolgreich vermeiden können, wogegen ich doch ein intellektuell ungebildeter Mensch war. Nur darum werde ich imstande sein alles zu glauben, das ich erreicht hatte, wenn ich alles bei einem anderen Menschen beglaubigt haben kann.

    Aber nicht einmal du, Friedrich, ermöglichtest mir meine Realisationen zu bestätigen. Ich sah bei dir, daß du ein Selbstbewusstsein eines Menschen trägst, der sich tröstet, daß er mehr als die anderen Leute erlebt und erkannt hatte. Dieser dein Mangel würde mich nicht viel genieren, weil ich aus dem wahren Zustand die Schlacken zu eliminieren weiß. Nur daß diese Schlacken sich nach dem Erlebnis nicht vermehren dürfen, sondern ihre Anzahl abnehmen muss.

    Bei dir konnte ich jedoch beobachten, daß du dich zu einer Überzeugung entwickelst, daß du der einzige bist, der erkannt hatte. Erkennst du denn auch, daß dies eine Rutsche ist, die auf die spätere Degeneration, auf die Rückkehr nach Samsaro, in die Welt der Sorgen hinausläuft?

    Falls es wahr ist, daß heute, wo ich diese Zeilen schreibe, deine Anhänger erklären, der Christus, der sich nach irgendeinem Prophet vom Mittealter auf 50o Breitengrad Nördlich zur Welt kommen sollte, schon geboren wurde, und sie bereits mit ihm verkehren – dann fährst du schon die Rutsche herunter. Siehe es übrigens in deiner Überzeugung, daß nur du selbst weißt und kennst. Die Welt ist nämlich nicht in einer Nussschale, so daß dort nichts mehr geschehen könnte, als daß in einem Herzen eine Überzeugung von selbst geboren wird wie von jemandem, der kennt, weiß und am meisten erreicht hatte. Noch heute lebt zum Beispiel der, welcher das Weltall erschaffen hatte – und er hegt dieselbe Überzeugung.


    Mein Hausherr ließ mich in der Zeit wissen, daß er in die Rente geht, und daher möchte er in sein Haus einziehen. Ich sollte also meinen Wohnort wechseln. Ich überlegte diese Situation, und es schien mir als unerlässlich, einen Wohnort ähnlich dem bisherigen zu haben. Ich bedachte die Gefahr vom weiteren Übersiedeln, und gelangte zur Meinung, am besten ein eigenes Haus zu besitzen. Es war ein Einfall, der meine Genossen in der Mystik für extrem hielten bezüglich meiner damaligen Finanzlage, aber es kam sowohl der, der sein Haus verkaufen wollte, als auch die notwendigen Finanzmittel. Nur eine kleine Schwierigkeit gab es darin. Es wurde Bewilligungsverfahren kundgetan, und das führte mich dazu, das Haus zu Namen Herrn B. zu kaufen, der sich bei uns ansiedelte mit Absicht, auf die Dauer zu bleiben.

    Seit der Zeit fühlte ich mich unabhängig. Aber in mein Leben drängte sich eine neue Sorge: Plötzlich sank mir die Ehefrau zu Füßen mit Schrei, daß sie wahnsinnig wird. Sofort darauf erkannte sie weder mich noch unseren Sohn noch Herrn B.

    Ich war bereit, am nächsten Tag in die Hauptstadt zu verreisen, die Reise wollte ich nicht abrufen, und daher entschied ich mich, meine Frau und unseren Sohn mitzunehmen. Wir führten der Ehefrau Schwester irgendeinen Proviant mit, und daher entschloss ich: Auf der Proviantlinie gib es eine übliche Kontrolle, wir haben Butter und andere Dinge, „das Ärar“ kann die Sache in die Hand nehmen und die Dinge beschlagnahmen, wie es üblich war. Daher wird Sohn mit Mutter, und ich allein gehen.

    Der Sohn schaute jedoch mich an, und so ging die Ehefrau in der Volksmenge verloren und entfloh. Sie fand sich in der Hauptstadt nicht zurecht, deshalb ließ ich sie über Bahnhofrundfunk rufen, und dann ging ich zur Polizei. Ich fand sie nicht, aber dann fiel mir etwas ein, ich fuhr zu ihrer Schwester – und die Ehefrau war bei ihr.

    Ihr Bewusstsein hellte sich nämlich auf, als sie eben bergab ging, wo wir einmal zusammen zu Fuß gegangen waren. Und anschließend wusste sie schon, wie sie gehen soll.

    Ich ließ sie also dort, machte alle Besuche, und dann fuhren wir nach Hause zurück. Sie dachte, wir fahren ins Gas, wo wir vergiftet werden, und ich befürchtete eine Szene im Zug. Glücklicherweise beruhigte sie sich. Bis erst aus dem Bahnhof wollte sie nicht heimgehen, weil „alles im Gas eingehüllt“ wurde.

    Ich brachte sie ins Gebirge zu ihrem Bruder, wo sie bis zum Tode des Reichsprotektors verweilte. An dem Tag besuchte ich sie, aber in der Eile bei Abfahrt vergaß ich meinen Personalausweis. Deshalb fuhr ich frühmorgens nach Hause zurück. Die Bahnhöfe waren aber besetzt, so wünschte ich, daß der Zug vor der Station anhält. Er hielt so an. Ich stieg schnell zum Bahndamm hinab, dann hörte ich irgendeinen Schrei, der mich warnen sollte, ich trat zurück, und – da sauste ein Zug auf der zweiten Schiene einen Schritt vor meiner Nase vorbei.

    Später, als die erste Terrorwelle milder geworden war, brachte ich meine Frau heim. Sie war nicht ganz gesund, und ich wurde bewusst, daß mein Beisein auf sie sehr schlecht einwirken wird. Trotzdem gab ich sie nicht in die Hand des Arztes, denn ich glaubte mir selbst mehr als der Medizin. Unter dieser Situation musste ich sehr viel auf mein Benehmen aufpassen. Es gab nämlich eine Gefahr, daß sie in unzurechnungsfähiger Aufregung gerät. Und damit hatte ich gewährleistet, drei viertel Jahr hindurch große Seelenspannungen und verschiedenen Schwierigkeiten gehabt zu haben.

    Als meine Frau eine gewisse Zeit wahnsinnig war, streckte sie plötzlich die Hände beim umnachten Bewusstsein aus und sagte mir: „Die deutschen Soldaten dort irgendwo in Russland leiden schrecklich. Ich will sie schützen und retten.“

    Ich sondierte ihren Zustand und schloss, sowohl daraus, das gerade passierte, als auch daraus, das vorgegangen war, auf eine schöne Realisation, die sie erwartet, denn in ihrem Wahnsinn tauchten Momente vom Mitleid, und auf keine Weise stumpfe Resignationen, untermischt mit schreckenerregenden Triebkomplexen.

    Meine Ansicht auf deutsche Soldaten war allerdings andersartig. Diese war im Einklang mit der Überzeugung der leidenden Welt und war sogar stark gegen „Deutschen“, weil sie mir schienen, des Hüters der Schwelle Hände zu sein...


    Hiermit lief für mich eine Periode ab, die einen Erfolg in meiner Sehnsucht bringen sollte, mich unter die Mystiker einzugliedern, die Erfolge auf dem mystischen Weg erlangt hatten. Ich wünschte mir, mich unter sie einzureihen als ein Mensch mit mystischen Erfahrungen, der aber nie in seinem Selbstbewusstsein ihr Niveau übertraf, als Niveau der bisher suchenden Leute. Ich wurde jedoch abgewiesen als jemand, der aus der gesamten Mystik bloß „A“ oder maximal noch „B“ kennt, mehr aber wirklich nichts. Ich musste eine Belehrung akzeptieren, daß sogar so ein schlichter Rydl, der durch seine Gefühlsanspannung die göttlichen Bereiche berührt hatte, aus einigen Gottesgefühlen und hellsehenden Wahrnehmungen eine himmelragende Erfahrung eines begnadigten Menschen zu tun weiß, eines Menschen, dem niemand nachsteht, obwohl er offensichtlich keinen Erfolg auf dem Feld der Entwicklung von Intelligenz mit Hilfe der Mystik hatte. Er war aber ein Mann ohne Schulausbildung und hatte keine Schärfe eines Weisen. Aus dem Grund nahm ich ihm nichts übel, solange er nicht dazu gelangte, daß er vor mir „lediglich“ warnte. Aber hier war auch Hejhal, „der Herr, der sprechen konnte“. Auch bei ihm musste ich, in meiner Bestrebung nach Zusammenarbeit der Mystiker, auf das falsche Selbstbewusstsein stoßen, daß er ein Mensch ist, der alles kennt, wogegen andere Menschen nichts. Aus seiner Meinung musste ich schließen, daß er sich für einen Menschen ansieht, der seine bisherige Unvollkommenheit mit Brüllen in die stillen mystischen Räume überschreien will: „Ich, ich“, was übrigens eher einen Anfang vom Abweg signalisiert, als eine Vollendung auf dem steilen mystischen Wege.

    Neben diesen zwei Personen, die gewisse Erfolge in ihren mystischen Bemühungen gehabt hatten, lernte ich noch weitere „Meister und Meisterchen“ kennen, die von der Mystik nichts hatten als das Selbstbewusstsein der Lügner, die bewusst werden, daß sie den normalen Menschen daran übertreffen, daß sie etwas kennen, das der normale Mensch nicht kennt. Es war da beispielweise „der Mann in Nirwana“, dessen Buddhismus in sonderbaren Sachen zerging. Dann ein gewisser gebildeter und für sein Sittenleben hochanerkannter Mann, der, trotz allem Guten und Vernünftiges, zu sich in ein slowakisches Dorf den japanischen Kaiser Hirohito, Hitler und Mussolini einlud, und er wollte ihnen eine väterliche Anleitung (!) geben, daß sie sich nicht als Lotter benehmen. Es war hier jedoch auch ein anderer Mystiker, für welchen die ganze mystische Praxis mit dem Zustand Nirvikalpasamadhi begonnen hatte, so daß er für gut nur so genanntes Sahadya-Nirvikalpasamadhi hielt, einen Zustand, mit dem ich mich gut vertraut machte, als ich durch die Räume der strebenden Mystiker umherstrich. Es ist ein Zustand, den ein paar Götter-Hathayogis realisierten; ich fand für mich diesen Zustand nicht für gut, weil ich deutlich erkannte, daß er die subtilen Schlacken des wesentlichen Selbstbewusstseins und Ichgefühls nicht beseitigte. Das kam im Leben dieser Götter zum Ausdruck als ein Mangel an Möglichkeit, das Absolute zu realisieren.

    Neben diesen Mystikern gab es hier noch einige anderen; einer von denen behauptete zum Beispiel, als er und einige seine Freunde als Weinfurters Anhänger übten, hatten sie „gewaltige“ Ergebnisse, von denen er vielleicht als sein höchstes die unmittelbare Reaktion auf sein Interesse für Sexualgefühle der Frau nannte, das heißt ein Erlebnis dieser Gefühle. Am verdächtigsten war jedoch ein besonders überheblichen Mann, denn er behauptete, er habe einen Meister aus Indien, mit dem er sich zuerst wohl normalerweise, nämlich über Briefe verständigt hatte, wogegen während der Okkupation angeblich telepathisch. Der Meister sollte so gut sein, daß er mir von ihm Ratschläge besorgen wollte, leider übersiedelte gerade der sein Meister aus Indien nach Tibet. Über diese Übersiedlung sprach er mehrere Jahre mit dem Zusatz „gerade“, woraus es was immer zu schließen war. Neben diesen gab es hier noch eine ganze Reihe weniger typischer Mystiker, aber alle wiesen eines gemeinsames auf. Sie waren Menschen mit falschen und zwerghaften Interessen, eingehüllt in dichtere oder dünnere Wolken der Unwissenheit, die sie als eine Tatsache mit der Parole überschreien wollten: Seht, was alles ich weiß und kenne! Es ist Maximum, das man erkennen kann. Dabei hießen später viele von denen – und das war am schlimmsten – den Kommunismus willkommen als einen universalen Repräsentant der Realisation ihrer mystischen Träume – ein ekelhaftes Ergebnis ihrer sittlichen Verderbtheit, moralischer Irrlehre und der unersättlichen fleischlichen Sehnsucht.

    Eben diese drastische Belehrung riss aus mir die Sehnsucht heraus, ein kleiner Mystiker unter den kleinen Mystikern zu sein, von den, die sich in Pietät vor der höchsten Majestät verneigen, und es brachte mich dazu, mich auf den mystischen Pegasus zu schwingen, den mir wohl der Erzengel Gabriel selbst zuschob, und auf diesem Pegasus trat ich den weiteren Weg an zu mystischen Höhen der Eingeweihten, die stark sind, die Lehre kennen und ohne Unterbrechung vorwärts gehen...