Kapitel IV
Neues Leben:

    Die vier ergänzenden Einweihungen, die ich in der vorigen Kapitel erwähne, hielt ich für ausreichend. Ich ging mit ihnen ins weitere Leben, über welches ich noch nicht wusste, wie es sich in Details entwickeln wird, aber ich hatte den Willen, die Lehre den suchenden Menschen zu übergeben, die sich um sie bei mir melden werden. Ich stand jedoch im Leben nicht als ein Seraph, der durch Absorptionen "erreicht hatte", sondern als ein in sich selbst wiedergeborener Mensch, der auf der physischen Ebene noch allgemeine Regenerierungsvorgänge durchmacht. Weg war die Kraft, die mich durch die Zustände des geistlichen Feierns begleitet hatte?, jene Kraft, mit deren Hilfe ich kurz vor der Realisation mehr als zwei und halb Zentner gehoben hatte. Ich verspürte meinen Körper eher subtil als widerstandsfähig, und musste mich schonen und mit einer bestimmten Lebensweise mich ganze elf nachfolgende Jahre kurieren. Ansonsten erging es mir besser auch im Außenleben, vor allem dank der Erkenntnis, daß nicht einmal die gute Sozialeingliederung dem Menschen die Möglichkeit bieten muss, in höherem Maße von Nutzen zu sein als mit winzigen Verdiensten, mit denen Hilfe nur die hungrigen Magen der nächsten Familienmitglieder satt werden.

    Ich beruhigte mich also immer mehr, und in die mystischen Vorgänge begannen sich auch Stärkungsprozesse einzumengen. Und obwohl sich einige robusten mystischen Kräfte verloren, wurden sie mit unvergleichbarer Hellsichtigkeit und dem erreichten Verständnis ausbalanciert. Das alles trug zum Harmonisieren der sämtlichen Kräfte meines Wesens bei, und so konnte ich immer mehr unter dem Baldachin des göttlichen Sehens und Hörens ausruhen.

    Verflog denn aus mir jedoch die gesamte Unzufriedenheit von nicht gestillten Sehnsüchten? Oh, keineswegs. Und so unter einer günstigeren Konstellation des subjektiven Durchlebens erfolgte bei mir allmählich eine weitere Mobilisierung der leistungsfähigen psychologischen Kräfte. Langsam und unmerklich, falls ich es wenigstens aus dem tatsächlichen physischen Zustand und dem Gefühlsstand beschließen konnte.

    Die Feuerwellen kamen nur selten, aber ich ertrug sie immer schlimmer. Nach weniger als zwei Jahren erschien die letzte Welle.

    Ich ging über den Feldrain dem Heim zu, wohin ich als ein Besucher eben drei Monate vor dem Eingang auf den mystischen Weg zurückgekehrt war. Zum Heim, welches ich vor beinahe zweien Jahren verloren hatte, und das ich später für meine Mutter aufgebaut hatte, als der Stiefvater sie völlig ruiniert hatte, zum Heim, das ich später für meinen eigenen Zufluchtsort annahm. - Jetzt fühlte ich das schon wieder. Und weil ich abgeschwächt war, befürchtete ich es. Aber die Feuerwelle kam erneut.

    Ich wurde zur Hälfte ohnmächtig, und nachdem die Welle verging - und diese dauerte nicht lange - schaute ich in meinen Körper mit der Erkenntnis, daß dieser gänzlig ausgebrannt ist. Nur die Erfahrung der vorherigen Zeiten ließ mir nicht glauben, daß es wirklich um die letzte Feuerwelle geht.

    Was ist aber zu tun, wenn wir im Strudel der unveränderlichen Vorgänge leben? Ich wiedererlangte langsam das normale Bewusstsein und wurde bewundernswert frisch und stark, soweit ich zu jener Zeit stark war.

    Vor meinen Augen nahm das Gotteslicht bestimmtere Formen und das Chaos der Großen Realisation schien sich dorthin zu verlieren, woher es keine Rückkehr gibt. Wäre es wirklich so, bedachte ich. Das einzige, was ich brauchte, war eine Erholung.

    Ich kündigte bald meine Beschäftigung, denn ich fühlte mich nicht stark genug diese auszuüben, und ich entschied mich einen leichteren Beruf anzunehmen, wenn auch mit einem niedrigeren Lohn. Ich zog heim und fand mir eine Stelle in einem Genossenschaftsunternehmen, wo ich nur etwas über dreißig Stunden pro Woche arbeiten sollte.

    Ich lebte die beste Periode meines Lebens. Mit mir wohnte eine Gottesgesellschaft, unsagbar zarte Gefühle der Götter, Naturgeister und verschiedener Wesen der geistlichen Welt berührten mich, und bei mir verweilte unaufhörlich ein Licht der funkelnden Atmosphäre. Das alles begann wieder mit einer Welle, die aber von anderem Charakter war als die vorherigen - die Feuerwellen.

    Ich legte mich nämlich schlafen, und wie üblich, schlug aus dem Sinn und Bewußtsein alles, was mit der Welt etwas zu tun hatte, sowohl in Gedanken als auch in Gefühlen und insgesamt in allen Zuständen - das heißt das Weltliche, das wir im Wesen in Launen widergespiegelt finden können. Sobald ich den Sinn und das Bewußtsein klar hatte, befiel mich eine Erstarrung. Nicht aber solche, die mich damals anwandelte, als das brennende Feuer erschien. Diese Starrheit ergab sich lediglich von einer Spannung - vielleicht von elektromagnetischer, aber klarer und "weißer". Überdies war der Ursprung damit zusammenhängender Gefühlen nicht im Kopf, sondern in Füßen. Das beruhigte mich aber nicht. Ich hatte noch in frischer Erinnerung die furchtbaren Zustände der feuerartigen Wellen und ich befürchtete diese als ruinierende Zustände.

    So was erschien aber nicht. Das Starrgefühl stieg von Füßen zum Kopf auf; als es in den Rumpf gelangte, erkannte ich, daß es von Natur anders ist als alle früheren Zustände, und so tat ich nichts, als daß ich alles beobachtete. - Die Erstarrung veränderte sich ins Gefühl der Kraft, Erfrischung, Regenerierung. Und das, wie es sich später zeigte, war der letzte Zustand der Realisation im Sinne der Pulsation der unbeherrschten Lebenskraft.

    In einiger Zeit merkte ich in meiner Brust eine Rosenknospe aufzupflanzen, die sich langsam erschloss, und sie verbreitete so einen Duft, daß die Leute dachten, ich striche an mich ein Rosa-Parfüm auf. Und die Rosenblüte wurde allmählich reif, ihre Blütenblätter zogen langsam in die Länge, während sie wie Flammen brannten, bis die ganze Rose ganz spurlos niederbrannte. Und in mir blieb eine mächtig stärkende, wunderschöne Erinnerung lange Jahre hindurch wie sie leibt und lebt. Das ganze Vorgehen dauerte ja gut ein halbes Jahr.

    In der Anstellung arbeitete ich leider unter Sozialdemokraten. Eine schreckliche Umgebung für einen Mann, der lebt so wie ich. Es kam mir vor, als wäre ich irgendwo in der Hölle und vor meinen Augen loderten oftmals rote Flammen empor als Merkmale der Sphäre, zu der sich diese Bekenner des Materialismus bekannten, ohne Schrecken vor den Folgen aus dieser Anhänglichkeit. Ich hätte diesem Schrecken auch verfallen, wenn ich hierher gehört hatte, sogar mit Rücksicht auf die Verdienste, die ich durch die bisherige Lebensweise gewonnen hatte.

    Einer der Mitarbeiter erfuhr, ich sei ein "Spiritist", und das gab dieser Gesellschaft einen Anstoß zur Erheiterung. Vielem wusste ich gegen zu steuern, aber manchmal war es mir ganz unverständlich, wie jemand so schlechtem Karma verfallen kann, daß er auf sich ruhig eine Schuld lädt durch unangebrachtes Auftreten gegen Gott, die Wahrheit und die Heiligkeit.

    Ich überlegte: Also, ist die Menschheit heute so degeneriert, daß sie sich schon warm zu den Höllenfürsten bekennt? Ja, ich erkannte es. Die Armut ist nicht nur ein Ergebnis einer unmittelbaren Sortierung der menschlichen Gesellschaft, sondern ist das ein Siegel der karmischen Gliederung, die man infolge einer bestimmten karmischen Verletzung erhielt. Ich erkannte, daß dies ein logisches Ergebnis konkreter Taten darstellt, und meine Erkenntnis wurde plötzlich verbreitet. Ich durchschaute, daß wenn die Leute so betroffen sind wie sie sind, sind dann die reichen Leute von anderen karmischen Gebrechen betroffen.

    Ich beneidete niemanden mehr. Überall erblickte ich das Leiden, und meine Antipathie wandte sich auch gegen meine blutlose Gesellschaft der funkelnden Atmosphäre meiner Umgebung.

    Ich wehrte mich gegen die Ausfälle so oder so, und zu einem Wort "Spiritist" sagte ich: "Jawohl, aber was ihr, die den Hang zum Aberglauben überwunden? Ich kann euch sagen, daß irgendwo im Süden gerade ein Vulkan im Meer ausbrach."

    Diese Feststellung wurde nicht vergessen, und in kurzer Zeit kam der Chef und teilte mit: "Lasst das sein, mit dem Vulkan hatte er recht."

    Wie stellte ich das fest? Ich sah und sehe in meiner Brust solche plötzlichen Ereignisse. Eben in jenem Moment sah ich in meiner Brust hochgehenden Meeresspiegel und den Ausbruch des Vulkans Krakatau.

    Dann kam ein schlechter Vorbote, dessen Tragweite ich nicht richtig abschätzte, denn meine Aufmerksamkeit war ganz anderswohin umgekehrt. - Ich beschloss eben meine Übung und legte mich schlafen. Ich wandte mich auf die rechte Seite um und plötzlich hörte ich etwas wie ein Geknister. Rasch sah ich mich um und erblickte eine Riesengestalt mehr als zwei Meter hoch, deren Körper keine festen Konturen hatte, sondern er wurde mit einer wogenden verdichteten plastischen Materie bestimmt, mit einer Mischung von Feuer und Luft. "Hab´ keine Angst," sagte er, "ich bin Merkur und komme dir nur sagen, daß Saturn, der vor dreißig Jahren auf die menschlichen Welt günstig einwirkte, jetzt die Menschheit strafen wird."

    Die Erscheinung verschwand, und ich war unruhig. Ich rechnete, daß Saturn ein magischer Herrscher in 1930 wird und daß er in die Opposition mit der Sonne irgendwann im Juni des Jahres kommt und ich schloss: Es bedeutet einen Anfang der schlechten Zeit. - Was war vor dreißig Jahren wusste ich jedoch nicht. Die Tradition sagte, vor dem ersten Weltkrieg waren "Goldene Zeiten".

    Solcher Vorboten gab es in der Zeit eine ganze Reihe, aber dieser war am unpersönlichsten. Daher stand es völlig außer Frage, ob mit mir die Phantasie ein falsches Spiel treibt. Übrigens vervollständigte diese Erscheinung meine direkten Visionen, die mehr unmittelbare und daher auch mehr grauenvolle Wirkungen ausübten. Ich sah sie immer in den Zeiten, die sich vor meinen Augen abhoben als Aufwallungen der Dunkelheiten, die in mächtigen Wellen aneinanderprallten, wogegen in der Menschenwelt sie sich als die höchsten persönlichen Gefahren und Unsicherheiten wiederspiegelten, und zwar für jedermann und darum auch für mich.

    Das alles hätte mir als fast nicht realisierbar erschienen, sollte ich die Situation mit den Augen der Gegenwart angeschaut haben. Beinahe absolute Freiheit und eine relative Zufriedenheit erlaubten keine Voraussetzungen, daß sich die Situation so wesentlich ändern könnte. Erst zur Geltung kommende Macht vom "Dritten Reich" zeigte, was alles geschehen kann; trotzdem erwarb nicht einmal die gesetzliche oder besser gesagt ungesetzliche Hand das Böse aus solcher Tiefe, aus welcher es die Vorboten und Visionen erwarben.

    Erst jetzt, wo die Erde unseres Kontinents vom Fuß des Dämons des Kommunismus betreten wird, scheint seine Hand das Böse zu erwerben.

    Ich schließe hingegen nicht aus, daß heute, wo das ehemals sich zeichnende Böse im Bereich der Vorboten konkret wurde, das heißt, es pulsiert in der menschlichen Gesellschaft, werden in Tätigkeit bessere, dem Übel trotzende Kräfte gesetzt. Trotzdem sind die damaligen Vorzeichen nicht getilgt, und ich weiß nur daran zu glauben, daß noch mehr Böses den Menschen zuteil wird für ihre karmische Verletzung.

    Oh, daß doch daher in menschlichen Gehirnen eine Warnung donnert, daß die freie Entwicklung der Lüste die menschliche Gesellschaft in einen Abgrund führt, und damit sich ihnen aus dieser Warnung eine Belehrung ergibt, daß es nötig ist, das Gut einzusäen, denn auch es ist ein Samen, das gesät werden muss, damit es aufkeimen, aufgehen, reif werden und zur Ernte werden kann.

    Es ist notwendig, mit der hochnäsigen Konstatierung Schluss machen, daß das Bewusstsein des persönlichen Wertes eine Garantie bietet in Sachen der Abneigung gegen die mechanische und dringlich sich durchsetzende Ernte des Bösen. Man muss auch zu der Übersetzung Abschluss bringen, daß jedes Individuum für sich gut sei, wogegen alle anderen Menschen schlimm seien. Ein jeder hat einen Charakterfehler und diese Fehler flossen sich zusammen und erzeugten ein Triebmoment, das spielend die ganze Menschheit zum Rand des Abgrunds drängt... Und das Böse kann nicht durch Böse ausgerottet werden.

    Ich wurde immer unruhiger und musste feststellen, daß es in mir keine höchste Zufriedenheit gibt. Und so, ohne mir das klar gemacht zu haben, stellte ich mich für einen neuen Vorstoß bereit. Ich setzte voraus, daß ich mit meiner Unzufriedenheit Schluss machen muss. Wie?

    Ich hörte auf zu essen, trinken, schlafen. Und mit einem großen Ruf schlug ich in den Himmel. Ich rief den Brahma. Ich vergegenwärtigte ihn als eine qualitative Fülle des Kosmos, die sich vom Weltall auf irgendeine Weise abtrennen und als ein Geist oder eine Kreatur mir vorstellen kann - das war mir alles eins.

    Und mein Rufen donnerte, und hinter ihm stand eine Entscheidung, darauf zu bestehen, selbst wenn ich vernichtet sein sollte oder das Weltall einstürzen sollte. Ich selbst war schon wie eine Flamme, die durch alle Bereiche des Universums dringt, und mein Beschwören war ein Verzweiflungsschrei ebenso wie die Befehle an alles in alle Richtungen bis ins Endlose...

    Im Raum innerhalb meines Bewusstseins und meiner Wahrnehmung begann etwas sich zu verdichten und es schwang als nicht harmonische Vibrationen, deren Tendenz war, sich in eine konkrete Form zusammenzuballen. Und ich rief mächtig, flehend sowie gebieterisch, immer weiter.

    Alles Seiendes verließ schon seine Stelle. Das Weltall wandte sich hin und her im wilden Chaos und ich erblickte plötzlich: Außer Gottes, der die endlosen Räume vollfüllt, ist alles Gott.

    Ich fing an, die Folgen dieses Zustandes zu befürchten. Ich änderte meine Beschwörung und rief: "Es reicht schon! Tritt schon zurück! Es soll alles den alten Stiefel weitergehen!"

    Alles kehrte langsam auf die ursprüngliche Stelle zurück und in mir erstreckte sich eine Ruhe des Wesens, das nie mehr etwas suchen wird. Ich sah den Brahma, den Gott, den nach der Bibel keiner sehen kann. Übrigens ging es nicht um Gott im theologischen Sinne des Wortes, sondern um eine potential lebhafte Qualität, um eine visuelle Helle, welche die Substanz der lebenden, physikalen und gravitationsweisen Äußerungen im Universum der Sinneswirklichkeiten darstellt. Und diesen Gott, versteckten in der Nichtigkeit hinter den Schöpfererscheinungen des Weltalls, evozierte und rief ich durch den Weltraum in mein visuelles Bereich zusammen. Als er darin in Erscheinung trat, ging mir eine Erkenntnis auf, daß er selbst sowie alles existierendes Gott ist, der von allen Göttern der höchste ist, der Brahma selbst, die ursprüngliche Ursache des Daseins, der Erscheinungen und des Werdens.

    Diese meine Definition des Gottes, des hinduistischen Brahmas, heißt noch nicht, daß es um einen Gott geht, der etwas abstraktes sein mag bezüglich Gottes, den die Theisten bekennen. Die Theisten selbst wissen nämlich nicht, was oder wen sie anbeten; im Universum gibt es jedoch nur einen wahren Gott, der ein latenter Herr aller theistischen Götter ist, wie immer sie wahr oder nicht wahr sind.

    Zur Wirklichkeit kann man weder nichts beigeben, noch ihr nichts wesentliches wegnehmen. Diesbezüglich wage ich zu behaupten, daß obwohl auch der höchste Gott, den ich durch den mächtigen Geistesaufschwung herbeirief, von eher physikaler als theologischer Natur ist, doch ist er ein universaler Grund aller Existenz. Dann kommt es nur auf dem Menschen an, ob er IHN sehen will als eine lebhafte und über den Leben herrschende Wirklichkeit sehen will, oder als eine Qualität, die potential ebenso lebhaft wie naturwissenschaftlich oder physikalisch ist.

    Mit dem vitalen oder anthropomorphischen Grund des Kosmos können wir jedoch zu keiner Lösung der kosmologischen Problemen gelangen. Die gesamte Existenz und das sämtliche Geschehen ist durch eine physikalische Gesetzmäßigkeit verbunden, die von der Schöpfung und nicht vom Gesetzgeber bestimmt ist. Erst in Wechselbeziehungen der Schöpfung erscheint die Gesetzmäßigkeit rationalistisch, aber dieser Anschein ist nur eine Konvention, die der Wahrheit nicht auf den Grund kommen kann. Eher braucht man aus der Tatsache eine Lehre zu ziehen, daß zwei Körper im Raum immer aufeinander einwirken werden, was zu ihrem Zusammenstoß oder zu einem Gravitationsgleichgewicht führt; beide diese Resultate sind aber gesetzmäßig und logisch richtig. Varianten dieser Wirklichkeit erklären alles, was im großen Universum (Makrokosmos) sowie im kleinen (Mikrokosmos) geschieht, sogar was auf der Erde selbst vorgeht...


    Ich war vor kurzem zwanzig Jahre alt geworden, und doch gelangte ich infolge der Vision des Brahmans zur Stellung des Menschen, der eine Lebenserfahrung der Ewigkeit gewann. Und ich begriff: Es gibt in der menschlichen Welt keine Lebenserfahrung, die ich bereits nicht hätte. Infolge dessen begann ich mich so alt wie das ganze Weltall zu fühlen. Ich sprach ja darüber mit einem Priester, der aufjammerte: "Wie geheimnisvoll ist der Ursprung aller Erschaffung." Damals antwortete ich: "Sie irren sich. Ich weiß, wie alles entstanden ist. Als Gott die Welt schuf, war ich gerade dabei." Zu seinem Staunen, daß ich seiner Meinung nach eine so gewichtige Frage schmälerte, fügte ich lächelnd hinzu: "Sie waren natürlich auch dabei, nur erinnern Sie sich daran nicht mehr, wogegen ich schon." Und der liebenswürdige und bescheidene Priester meinte, ich mache unpassende Witze.

    Ich wurde also bezüglich der Triebe erloschen, gewann die Erfahrungen der ganzen Menschheit, machte mich vertraut mit der befreienden Lehre. Ich war bereit, mit der Lehre in die Welt auszugehen. Aber wie? Es fehlte mir die Beredsamkeit, infolge der Unbildung klebte ich die Sätze undenkbar mühsam zusammen, und ich war so arm, daß mich jeder zum Narren hielte, sollte ich die Lehre verkündigen. Darüber hinaus steckte in mir ständig etwas, für was ich mich zu einem verstörten Hasen vergleichen könnte, der vor der menschlichen Gesellschaft flieht, denn ich war unter die Leute weder in der Schulzeit noch später gekommen.

    Ich überlegte, daß ich anders anfange. Ich werde mir meine Kenntnisse sagen, als würde mir sie jemand sagen mit Absicht, ihn unter bestimmten Voraussetzungen zu verstehen. Auf diese Weise wollte ich meine Schulausbildung vervollkommnen, und das sonstige sollte sich zeigen.

    Da ich dafür endgültig entschlossen war, interessierte mich, was die Magiker Wächter oder Hüter der Schwelle und die Buddhisten Maro nennen. Es war nichts ernstes, nur irgendeiner Widerstand, der sich in den Raum zwischen meinen Augen und den endlosen kosmischen Fernen einmischte. Diese Fernen müsste ich als voll unvergänglicher Pracht des göttlichen Geistes und Lichtes sehen. Ich hatte allerdings kein Interesse für den Widerstand, denn ich merkte ihn bisher überhaupt nicht in den plötzlichen, heftigen Aktionen. Also ging ich ruhig meinen eigenen Weg weiter.

    Inzwischen ging ich zum Militär als ein Rekrut, mit Absicht, binnen dreier Monate zurückzukommen, und so verabschiedeten sie mich in einem Monat.

    Ich kam aus dem Militär zurück, aber die Anstellung mit so viel Freizeit trat ich nicht mehr an. Ich entschied mich, die Bürde der Familiensorge mir auferlegen zu müssen. Die Sorge war nämlich verknüpft mit Ausgaben, die größer waren als mein Verdienst in dieser Firma. Die Ursache der größeren Kosten beruhte darauf, daß während ich beim Militär war, nahm die Mutter wieder den Stiefvater zurück, und er machte nie etwas, nur versprach er, er werde die Mutter finanziell sicherstellen, wenn ich beim Militär bin. Und so die Mutter, ohne auf mein Wort zu hören, daß ich binnen drei Monate aus dem Militär heimkomme, empfing dieses Danaergeschenk, oder noch besser ein wertloses Versprechen.

    Ich trat die Stelle dort an, wo ich mit Joga angefangen hatte. Wiederum begann für mich die erschöpfende Arbeit, die ich weniger als ein Jahr aushielt. - Meine Entscheidung, die mystische Lehre den suchenden Menschen abzugeben, wirkte auf den Dämon der Schwelle ein. Er erschien mir und versuchte, meine Schritte zu lenken. Als ich die Anstellung verlassen hatte, trat er vor mich und riet: "Lass das alles sein, bleib alleine, und es wird dir sehr gut ergehen. Ich erfülle jeden deinen Wunsch, möge es was auch immer der Existenzdinge betreffen."

    "Also, wenn du das kannst, verschaff mir jetzt eine Stelle," ersuchte ich. "Aber halt. Ich will keine beliebige Stelle. Ich werde mich erkundigen, wo man nicht viel arbeitet, dafür aber gut bezahlt wird. Und sollte ich weniger als bisher haben, tut das also nichts zur Sache." Ich war nämlich ein Leiter und hatte ein relativ hohes Gehalt.

    Nach einiger Zeit hörte ich von solcher Stelle. Darum rief ich den Hüter der Schwelle und wünschte: Also, es ist dort und dort. Dann sorgte ich mich um nichts mehr. Ich hegte einen Wunsch, etwa sechs Wochen auszuruhen, und dann wollte ich wegen Finanzen eine andere Anstellung anzutreten.

    Zu der Zeit ging ich jeden Sonntag in die Kirche, weil ich bei der Realisation ihre Wirkung gut erkannt hatte. Als mein Körper nämlich "brannte", stürzte ich in die Kirche herein, eigentlich zum ersten Mal als ein Besucher. Ich hätte möglicherweise auch anderswohin gestürzt, aber ich fand überall anders verschlossene Türen für mich.

    Was ist denn das? Wo ist das Feuer?, sagte ich zu mir. Ich fühlte mich wohl. Unsagbar gut. Ein wörtlich süßer Augenblick in der infernalischen Ewigkeit. Ich verharrte also in der Kirche bis ich etwas frische Kräfte schöpfte, und dann ging ich heraus. Und der Sturm war wieder da. Ich kehrte zurück. Er verschwand. Dies ist also der Einfluss der Kirche, erkannte ich.

    Ich ging also wie üblich am Sonntag in die Kirche. Ich traf den Leiter von der Stelle, die ich mir aussuchte. Ich kannte ihn sehr wenig, nur einige Mal hatten wir uns gesehen, und seit ich mich um Joga bemühte, wich ich den Leuten aus. So hatte ich ihn mehrere Jahre nicht gesehen. Aber er erkannte mich und fragte mich an: "Was machst du?"

    "Nichts," antwortete ich.

    "Möchtest du nicht zu uns kommen?"

    "Ich komme."

    Mit der "gnädigen Frau" hatte er alles vereinbart, und so trat ich die Stelle an, ohne mich im vornhinein vorgestellt zu haben.

    Es war eine gute Stelle. Nicht viel Arbeit, gutes Gehalt, und so hatte ich wieder viel Zeit für Joga. Ich schlief mit dem Leiter in einem Raum. Nur schlief ich wenig. Immerfort hatte ich viel zu tun mit der Durchsuchung von mir selbst.

    Der Leiter schlief, und ich konnte feststellen: Etwas beginnt er zu träumen. Ich muss einen kurzen Besuch machen, um was es geht. Ich folgte seinem Traumkörper ins nahe Dorf, wohin er einem Mädchen nachging. Ich entschloss mich: Wenn er aufsteht, sage ich ihm das.

    "Gustav, was hast du denn geträumt?", fing ich meine Rede an.

    "Aber nichts. Wenigstens erinnere ich mich nicht," antwortete er.

    "Doch etwas," sagte ich. "Du warst im anliegenden Dorf."

    "Na ja, du hast recht, wie weißt du das?" wunderte er sich.

    "Das hat nichts zu sagen," erwiderte ich. Hierdurch war die Geschichte erledigt und ich überzeugte mich, daß mich meine Sehkraft nicht trügte.

    Meine Geldverdienste waren nicht ausreichend. Zu Hause war mehr Geld nötig. Ich musste das irgendwie schaffen. Die Lehrlinge aus meiner alten Stelle waren nach meinem Weggehen unzufrieden mit dem neuen Leiter, so kamen sie zurück mich anzulocken. Ich sagte ihnen, ich ginge, wenn mir der Chef mein Gehalt wesentlich aufbessert - und sofort gab ich die Summe an. Die Jungen machten es selbst ab und kamen erneut mit der Nachricht, ich solle zum Chef kommen. Ohne Ausreden ging er auf meine Bedingungen ein.

    So kam ich wieder auf meine alte Stelle zurück, wo ich jetzt ein sehr gutes Gehalt haben sollte, auf der anderen Seite auch eine aufreibende Arbeit.

    Meine Energie, die ich bisher nur in Abstraktbereichen aufgewiesen hatte, zeigte sich auch von außen. Alles ging wie das Brezelbacken und ich richtete mich so ein, daß ich mit einer kleinen Verschiebung des Arbeitsanfangs zwei Stunden für mich gewann. Ich konnte täglich zur Messe gehen und das war mir sehr angenehm. Dabei leitete ich die Arbeit so, daß auch die Lehrjungen zwei oder mehr Stunden frei jeden Tag extra hatten. Sie zankten sich hierbei etwas mit der Frau Chefin, die sich einmal aufregte und begann ihnen zu erklären, daß ohne sie, Arbeitgeber, sie "krepieren würden". Blitzschnell packte ich sie am Kragen und mit einem Fußtritt am Gesäß schmiss ich sie aus der Werkstatt heraus. Dann brüllte ich sie an. Der Chef kam irgendwoher von draußen, aber er floh rasch ins Zimmer hinauf.

    Seit der Zeit ließ ich die Chefsgattin den Lehrlingen keine außerordentlichen Aufträge in der Arbeitszeit aufgeben. "Sie können da befehlen, wenn da keiner ist," gebot ich. Und die Lehrlinge nützten meinen Eingriff aus, und wenn nichts zu tun hatten, verschwanden sie draußen und waren nicht mehr zu sehen. Sie waren wie Drachen. Anstatt des Handwerks lehrte ich sie zuerst denken, und einen, der sich den Kollegen beklagte, ich sei ein Tyrann, traktierte ich gleich danach mit einem gewaltigen Kopfstück.

    "Was hauen Sie mich?" sagte er.

    "Weißt du, was du vorher dem Buben dort draußen sagtest?"

    Er war überzeugt, daß ich die Gedanken auch auf die Ferne lese, und so schwieg er und ließ sich seine Schmerzen für sich.

    Wie könnte er meine unermessliche Belastung begriffen haben? Ich arbeitete, bis ich zusammenbrach - körperlich sowie seelisch, verrichtete viele Arbeiten für sie, damit sie nicht so wie ich damals zweiundneunzig Stunden wöchentlich arbeiten mussten, und so sollte die kleine Belehrung die Angelegenheit in Ordnung bringen, ohne viel zu erzählen und zu erklären.

    Saturn begann wirksam zu sein. Es war Sommer 1930, und ich hielt in der Untätigkeit nicht aus. Ich besprach meine Sorgen mit Gott und bestimmte für mich gangbare Wege, damit ich die Lehre übergeben konnte. Ich erhielt jedoch keine Genehmigung. Und ich gedachte die Ereignisse der letzten Zeit. Keineswegs die Arbeitslosigkeit, die so viele Leute betroffen hatte und ihre Nacken mit Druck der unerträglichen Not gebeugt hatte. Mir erging es im äußerlichen Sinne gut, aber ich beobachtete die Eingriffe des Hüters der Schwelle. Statt ein Verhältnis anknüpfen zu können, ein solches Verhältnis, das eine Gelegenheit zur Übergabe der Lehre versprechen würde, sah ich nur Hindernisse sich auftürmen in dem Sinne, daß mit mir jemand nicht mal ein Wort sprechen konnte.

    Ich war bekannt darin, das Wetter stundengenau vorauszusagen. Ich traf einen Bauer, der mich ums Wetter fragen wollte. Er machte den Mund auf, aber die Frage brachte er nicht heraus... Oder saß ich vor dem Haus auf der Treppe. Da kam eine junge Dame zu mir, wie sie später sagte, mit der Absicht, sich mit mir etwas zu unterhalten, denn ein Gespräch mit mir vermutlich kräftigt. Ich hob meinen Kopf und sah ihr entgegen. Ich bemerkte jedoch, daß sie sozusagen gegenüber Licht schaute, oder als ginge sie gegen einen starken Wind. Dann wandte sie sich und ging fort. Dann sagte mir meine Mutter, daß sie mit mir reden wollte, aber angeblich sah sie mein Gesicht so stark strahlen, daß sie es nicht ertrug, und musste weggehen.

    Also, basta damit! So geht es nicht weiter, bedachte ich. Dann entschied ich mich mit Gott zu reden, und dabei beklagte ich mich über diese Situation mit einem Hinweis, daß ich für die Übergabe der Lehre doch Beziehungen zu den Leuten brauche. Der Allerheiligste nickte zu. Aber nach der Besprechung mit ihm hatte ich keine Ansicht auf einen guten Ausweg.

    "Du musst eine Frau zur Gattin nehmen, und das bringt dir die Verbindung mit den Leuten bei," enthüllte er den letzten Weg. - Ich wusste jedoch bisher, daß wer die Zeitalter überschreiten will, darf nichts mit einem Weib anfangen. Damals wurde ich auch vor diese Situation gestellt, und ich sah das Schicksal in dieser Richtung durch.

    Der Allerheiligste verschwand. Ich neigte dazu, auch diesen Weg zu betreten, sollte das nötig sein. Und während mein Sinn mit dieser Betrachtung beschäftigt wurde, flog aus dem Dunkel vor mir der Hüter der Schwelle heraus und heulte: "Ha, nur versuch´ mal diesen Weg zu gehen! Hier siehe dein Schicksal, wenn du so gehst..."

    Es waren missliche Aussichte, aber aus der Reaktion der Dunkelheit schloss ich, daß es doch etwas daran liegt, diesen Weg zu nehmen. Der Dämon wütete... "Du willst nicht dieses friedliche Schicksal mit der Bedingung, nur um dich selbst zu sorgen?" Neue Bilder - desolat in der äußeren Hinsicht, aber am Schluss sah ich mich als einen abgesägten Zweig, der weitab vom Lebensbaum liegt.

    Ich gab einen Befehl mit positiver Einstellung zum Heiraten. Und immer konkretere Bilder aus der misslichen Zukunft tauchten mir vor den Augen auf. Wäre ich gewohnt, vor der Befürchtung vor den Vorboten zu zittern, hätte ich wohl meine Entscheidung zurückgezogen. Versteckt sich jedoch das Böse hinter der Blende der Zukunft, ist dann jeder voll unbezähmbaren Mutes - und so auch ich war.

    Der Wunsch verbreitete sich blitzschnell, und ich trat schon in die weibliche Welt. Ich blickte um mich und sah: Diese einzige trägt in sich einen Funken, der in wahre Gottesflamme angeschürt werden kann. Und daß sie schlechte Nerven hat? Diese Indisposition ist besser, als wäre sie vom Materialismus durchtränkt. Wo das Herz tot war und der Sinn beim Lehm verblieb, dort schien mir die Situation aussichtsloser, als andere Bilder aufrufen konnten. Solche Frau würde nämlich leiden, ohne daß ihre karmischen Schulden durch ihr Leiden abgetragen werden können.

    Ich brachte meiner zu werdenden Gattin Bücher über Mystik, die sie sowieso nicht verstand, und sprach einen Wunsch aus: "Das mache ich, und die Ehe werde ich nur unter der Bedingung eingehen, daß ich ihre Bewilligung bekomme, das weitertun zu können." Ich könnte auch ruhig gesagt haben, ich werde mit Meeresdrachen spielen, und sie hätte in gleichem Maße verstanden. Und so sagte sie ja.

    Ich prophezeite mir mal: "Sie werden mit mir unerträglich leiden. Aber was ich tue, ist gut, und ich werde mein möglichstes tun, auch etwas für Ihr Wohl zu machen...“

    Die Vorboten waren so ungünstig, daß ich lieber das alles, was ich angefangen hatte, zum Abschluss gebracht hätte. Ich bemühte mich darum. Ich brauchte ihre Erklärung, sie möge mich nicht. Es schien aber, daß ich mich leichter in die Mitte der Erde durchgegraben hätte, als sie zu dieser Erklärung zu bewegen. So sollte die Schlange, die den Vogel bezaubert hatte, in die Falle des unerträglichen Lebens geraten.

    Nach einem Gespräch mit mir sagte der künftige Schwiegervater: "Ännchen, nimm ihn nicht. Er ist ein sehr erfahrener Mensch und du bist bisher ein Narr. Du wirst Tränenbäche vergießen."

    Die Jugend vermutet immer vernünftiger als das Alter zu sein, und so stieß der künftige Schwiegervater auf Widerstand, den er vergalt.

    Diejenige, die ich auserwählt hatte, entfloh von Zuhause. Was sollte ich tun? Ich entschloss mich zu verheiraten...

    Ich sah schon alles gut. Meine Falkenaugen sollten vom glühenden Eisen der weltlichen Pflichten verbrannt sein, und meine Macht von der Lebensweise des Familienvaters vernichtet sein. Durch das Eheleben sollte ich dem Körper auch das geben, woraus sich eine Erkenntnis ergibt, daß das innere "Tier" zu ernähren, eine Vergeblichkeit heißt. Dies, wie ich wusste, sättigt in anderem Sinne ebenso, wie mich das vielmal wiederholte Leben des Adeligen gesättigt hatte. Aber der Kummer ist das vielleicht doch nicht wert. Es wäre vielleicht besser, wieder zur Seraphimlebensweise hinauf zu klettern, aber ich war in meinen zwanzig Jahren so müde, daß mich nicht einmal das ewige, von keiner Trübsal beeinflussbare Leben interessierte.

    Ich hielt mich für einen Menschen und das sagte mir selbst ein, daß die Menschenpflichten zu erfüllen, die Begleichung der karmischen Rechnungen bedeutet. Es ging mir ein Licht auf, daß die Ewigkeit, die wir durch das Aufzehren des Karmas des gegenwärtigen Zustandes erreichen, von der inneren Ruhe angemerkt ist. Im Vergleich mit diesem ist die Unsterblichkeit nur ein himmlisches Leben und dieses ist ebenso wertlos wie das irdische. Und sollen wir vielleicht das Himmelsleben erreichen, wenn wir das weltliche Leben ganz gut beenden können? Das Ziel beider ist dasselbe, und die Bürde der Jahre kann doch nur manchmal beschweren.

    Was haben davon die weißen Adepten (Mahatmas), die ich in hohen Qualitativräumen der Erde entdeckte, und mit denen ich immer jeden Augenblick begegnen kann, daß sie immer dieselbe Körper haben? Und dann: Es ist von euch, weiße Mahatmas, kaum zwanzig bei zwei Milliarden Bewohner der Erde, und die Leute wechseln sich ständig aus. Jawohl. Euer Zustand ist fast unerreichbar, weil die Söhne und Töchter der Erde auf der todbringenden Zeit hangen wie ein Knauser auf seinem Geld. Und dann... Ich übersehe den stürmischen Lebensfluss, in den ich zu springen wog, aber schließlich sehe ich mich dort bei euch. Dabei mache ich aufmerksam: Eure Zeit interessiert mich nicht, nur euer Zustand. Und lebt ihr physisch, während ihr euch mit Leckerbissen der einsamen Ewigkeit ernährt - ich versuchte sie ja auch. Dann zog mich etwas zum menschlichen Stamm, und ich begann zu vermuten, daß ich den Menschen gegenüber Pflichten habe. Euer Verständnis könnte euch allerdings zum Lächeln bringen über die Torheit, die ich verfechte, aber ihr lacht nicht. Für euch werden immer nur Zeitkörnchen aus der Zeitlosigkeit weggeschüttelt, und ein jedes Geschehen im menschlichen Ameisehaufen mit seinen kleinen Sorgen und unerträglichen Schrecken ist nur - ein Geschehen.

    Ich trug in mir schon damals den Keim dieser Ansicht, und durch das sorgfältige Abwägen stellte ich fest, er habe die Gelegenheit, sich in mir zu entfalten bis zum Grad, wo ich mit euch identisch werde, nicht nur über die Lebensanschauung, sondern auch über die physische Ausrüstung. Und ob mir die allmächtige Todesgöttin droht, sie erwürge jeden Samen dieser majestätischen Pflanze? - Ich habe den Glauben und erblicke in mir eine Kraft, die MICH in die Sphären der unsterblichen Adepten überträgt.

    Ich sehe mich in der Sphäre und hoffe, nicht grundlos, daß ich dort erscheine aufgrund gleicher Bedingungen, die mich in diese Mrtyu-Lokah verschlagen hatten.

    Mrtyu-Lokah ist eine Todesstelle, die ins samsarische Gebiet gehört. Der Mensch kommt hierher infolge dessen, daß er sich nicht für die Absolutheit interessiert, sondern nur für das Gebiet der Erscheinungen, die von zeitweiliger Dauer sind. Das Interesse für diese Erscheinungen symbolisiert die schrecklichste psychologische Fessel, die den Menschen auf der Ebene von ständigem Entstehen und Untergängen hält, was darüber hinaus eine evidente Feststellung im Gefolge hat, daß der Untergang oder der Tod das Los für alles ist, das es gibt.

    Im Bereich Mrtyu-Lokah kommt also nicht im geringsten eine Erkenntnis auf, daß die höhere Art der Begrenzung niemals eine so flüchtige Existenz hat, wie es beispielweise im Dasein auf der menschlichen Ebene vorkommt. Wer sich im Mrtyu-Lokah befindet, kann überhaupt nicht begreifen, daß die primäre Begrenzung, die nur infolge des Selbstbewusstseins der allen Absolutheit entstehen konnte, den Kosmos erzeugt, dessen Dauer angesichts der Dauer des menschlichen Lebens beinahe ewig ist. Er weiß nicht einmal das zu begreifen, daß es weitere Subsysteme (in Anbetracht des Kosmos) gibt, welche, mögen sie den Charakter der physikalischen oder vitalen Wirklichkeit aufweisen, in Anbetracht der Dauer der menschlichen Existenz das Leben zeitgemäß fast unbegrenzt haben. Überdies kann er allerdings hinsichtlich dieser Unzulänglichkeit in der Erkenntnissphäre nicht begreifen, daß ein bloßer Tausch der Interessenobjekte die Todesfurcht vernichten kann und in das Wesen eine Sicherheit einkeilen, daß das Todesgebiet überschritten wurde, und daß das übersamsarische Gebiet erreicht wurde, wo der Tod in unserer Auffassung nicht wirksam ist. Infolge dessen jammern die Einwohner im Mrtyu-Lokah unter der Bürde der Todesfurcht, und der Tod sowohl inspiriert als auch zwingt sie zum Fordern günstigerer Positionen in dieser Sphäre, wodurch sie allerdings den Irrtum der Unkenntnis nur bestärken. Auf diese Weise gelangen sie auf die Wege zur weiteren Kürzung der Dauer ihrer Existenz, denn diese Dauer ist abhängig von den Objekten des Interesses.

    Mit Rücksicht auf diese Tatsache führen auch das einfache religiöse Gemüt und die Überzeugung zum Bewerten der eigenen Existenz und damit auch zur Lebensverlängerung. Aber das Religionsgemüt ist heute sehr schlecht beleumundet. Wir schätzen nur eine Art Rationalismus, der uns zur Betätigung unserer eigenen Individualität anleitet, daß heißt dessen, was maximal sterblich ist. So die moderne Welt, die das Edelgemüt verwarf, welches in uns nur Religion einsäen kann, erteilt uns als unerwünschte Ware, die zur realistischen und rationalen Auffassung der Welt und auch des Lebens zugegeben wird, den Tod, die Furcht, die Irrtümer und die ganze Reihe sittlicher Untugenden, die das Zusammenleben mit den Nächsten sauer machen.

    Infolge der Vision des Brahmas und des an diese Vision sich anschließenden Erlebnisses, befreite ich mich von allen üblichen sittlichen, gesellschaftlichen und religiösen Ansichten, und daher kann ich Gebrauch von den Kräften machen, mit welchen jedes Menschenwesen ausgestattet ist. Ich kann diese viel zweckmäßiger benutzen als wer immer der Leute, die meine Erkenntnis nicht haben. Wenn ich auf den schrecklichsten Widerstand des mächtigen Hüters der Schwelle stoße, hoffe ich zu gewinnen...


    Ich begann ein Nest für ein Männchen und ein Weibchen einzurichten. Die Hausfrau sagte mir: "Da freuen Sie sich auf die liebe Gattin, was?"

    "Aber wo," erwiderte ich, "sie ist ein Luder, und es wird mit ihr nicht auszuhalten sein."

    "Oh, Herr, da gehen Sie die Ehe mit einem schönen Vorsatz ein," sagte sie, und mit dem Kopf nickend, ging sie fort.

    Was sollte ich einer im Eheleben erfahrenen Frau erklären? Ich stand vor der Drohung vom Dämon der Schwelle, und dieser erfüllt seine Drohungen. Und dann kannte ich schon Menschennaturen. Ich kannte die Leute schon besser als sie sich selbst kennen. Aus dem Grunde lebte ich in keiner Erwartung irgendeines Feiertages, sondern eröffnete ich eine neue Schachpartie, wo derjenige verliert, der einen falschen Zug tut.

    Ich war ein ebenso tüchtiger Spieler wie der Hüter der Schwelle, aber hatte keine gleichen Mittel wie er. Als ein Ehemann sollte ich ein Körperhäftling werden, und der Dämon der Schwelle kann mit übersinnlichen Kräften operieren. Das war ein Umstand, der mir eine kleine gedrückte Stimmung zu bringen wusste.

    Ich verheiratete mich. Nicht einmal musste ich mich an eine zweite neben mir lebende Person gewöhnen, sie hingegen musste. Ich rechnete jede Aktion aus. - Wir sollten das Leben führen, und meine Ehefrau wollte es mit Frömmelei schmücken.

    Ich legte ihr Gebetbuch oder die Bibel mit einem vorsichtig ausgelösten Rückgrat aus einem Räucherhering ein. Das genügte. Mit dieser Tat erregte ich in ihr einen Widerstand gegen das Kirchensingen, wo meiner Meinung nach, die Gläubigen dem falschen Gott falsch singen. Es kommt ohnehin nichts gutes von solchem Singen her. Es ist, wie ein Schriftsteller sagt, ein falscher Pfeil, der nach einem falschen Schuß nur ein falsches Ziel trifft.

    Ich empfehle jedoch niemandem, seine Gefährtin oder ihren Gefährten auf ähnliche Weise zu erziehen. Damit das von Taten herkommende Karma nicht ein Pfeil wird, der seinen Urheber verletzt, und dazu noch günstige Früchte dem Menschen bringt, der von der relativ bösen Tat betroffen wurde, muss der Vollzieher des Karmas ungewöhnlich genau die Reaktion errechnen. Eben auf diesen Errechnungen beruht die mystische Erziehung der Anwärter der Einweihung durch gute Eingeweihten in Tibet. Eine grausame Tat des Weisen seinem Schüler gegenüber muss beim Schüler eine Erkenntnis hervorbringen, daß von der Tat lediglich seine Unvollkommenheit ereilt wurde, das heißt, die harte Tat muss im Anwärter der Einweihung auf die Minderung der unrettenden und auf die Entwicklung der rettenden Dinge einwirken.

    Ist das nicht so, wird der Weise dann vom Hochmut betroffen, der Anwärter der Einweihung hingegen vom Unrechtsgefühl. Beides führt dann zur Vermehrung der argen und unrettenden Sachen, während ein gutes Ergebnis davon gar nicht herauskommt. - Kommen wir aber zurück zur Beschreibung der Lebensumstände.

 

    Zu meinen Existenzsorgen, die davon kamen, daß mein Körper vor Krankheit und Müdigkeit umfiel, fügte meine Frau Szenen hinzu, bei denen sie sich auf den Boden niederlegte und heulte. Nach einiger Zeit drohte ich ihr an, daß ich sie dafür durch das schrecklichste Leiden ziehe. Was denken Sie, aus Rache? Was fällt Ihnen ein? Da wurde nur der Kelch der untragbaren Schwierigkeiten nachgegossen, wovon sich ein Übermaß des schlechten Karmas ergab, welches meine Gattin ereilen sollte. Daher wird das Leiden nur eine natürliche Folge ihres Benehmens sein.

    Ich war nämlich gewohnt, jeden Schlag von den Leuten sowie vom Schicksal anzunehmen als eine Äußerung ihrer Unwissenheit, aber wenn an diese Schläge ein Übermaß war, vertrug mein Wesen diese nicht. Dadurch geschah es, daß derjenige, der meinem Wesen einen extra Schlag verletzte, vom daraus herkommenden Karma betroffen wurde, wie jemand, der einem unmittelbar vor Gott unschuldigen Menschen ein Leid zufügte.

    Es mag gut sein zu bemerken, daß der Weise sowie die Hüter der Schwelle den Anwärter der Einweihung keinen Stoß über das Maß geben. Deshalb kann der Hüter der Schwelle den Menschen vernichten, ohne selbst verletzt zu sein.

    Ich gewann jedoch im Verkehr mit dem Hüter der Schwelle eine wichtige Erfahrung. Da ich den sittlichen Geboten der Lehre gehorsam folgte, wagte ich mich nie über die von ihm hergebrachte Drangsale zu klagen. Im Gegenteil akzeptierte ich das alles als eine anmutige Erinnerung, daß es Gott gibt. Hierdurch geschah es, daß sich in meinem Wesen ein Gefühl entwickelte, daß ich unüberwindlich stark bin. Und heute, wo ich dieses Buch schreibe, fühle ich in mir so eine Stärke, daß ich das Weltall in meinen mystischen Händen zermalmen könnte. Dabei schwand jedoch in mir der kämpferische Geist; ich denke, daß was geschieht, in schönster Ordnung ist, weil es vom Benehmen und von den Stellungen in der Vergangenheit vorbereitet wurde. Und der infolge dieser Stellung im gesamten Wesen sich entwickelnde Frieden scheint eine Bedingung für Untergang der sämtlichen Leidenzuständen zu sein.

    Ich wünsche jedem, die Schicksalsschläge annehmen zu erlernen, wenn man mit den Hütern der Schwelle noch nichts zu tun hat, als ein frommes Wesen, aber bewusst, daß er sie nicht annehmen muss. Das Bewußtsein der Kraft und Untertänigkeit bildet nämlich eine Tugend, welche die Lehre gebietet, die dagegen nicht von der Stellung der Betbrüder gebildet wird.

    Ich verlor die Anstellung, und die Hauptursache war mein schlimmer physischer Zustand. Die schwere wirtschaftliche Krise schritt durch die Welt, und nicht einmal hatte ich eine Aussicht für eine erträgliche Existenz. Und so begannen wir im Elend zu leben.

    Ich zählte Kronen, und ich zögerte sie sogar für Brot auszugeben. Und außerdem waren da noch andere Verpflichtungen. Und ganze Wochen hindurch keine Aussicht. Es dauerte schon drei Viertel Jahr.

    Als ich von einer Anstellung hörte und entschloss hinzugehen, flog der Dämon der Schwelle heraus und schrie auf: "Deine Bestrebung ist vergebene Mühe." Also, ich versuchte es einige Male und dann hörte ich auf.

    Die wirtschaftliche Bedrängnis war unerträglich. Ich erfuhr, daß irgendwo ein Platz frei wurde. Es war mir klar, daß mir niemand zuvorkommen kann und so begab ich mich hin. Der Hüter der Schwelle schrie auf: "Verlorene Mühe!" Bedrängt und dabei bewusst meines Vorteils, daß ich als der erste kommen kann, ging ich um den Posten ansuchen, den ich wegen auf meinem Gesundheitszustand sowieso kaum ein paar Wochen ausüben könnte.

    Der Dämon der Schwelle saß im Gesicht dessen, wer die Arbeitskraft nötig hatte, und er sagte mir durch seinen Mund: "Sie schauen nicht aus, als könnten Sie solche Arbeit machen." Wirklich, das war die Antwort eines Gewerbemannes, in wessen Fach ich ein Handwerkgeselle war.

    Also, Punkt! Auf diese Weise würde ich keinen Boden gewinnen. Und es gab keine andere Aussicht. Außerdem musste ich mich anstatt von der Kraft vom Instinkt leiten lassen, der im Verhältnis zum Instinkt eines Durchnittsmenschen um so besser war, daß er aus dem Vergleich der weltlichen Merkmale mit etwas deutlichen göttlichen Zuständen hervorging. Aber dieser Instinkt konnte mir in meiner Lage nicht helfen, das wusste ich mit Sicherheit. Dadurch gelangte ich in eine ziemlich unlösbare Situation.

    Von der Zeit, in der meine immer schlimmer werdende äußere Situation dauerte, schloss ich, daß der Dämon der Schwelle eine unveränderliche Absicht hatte, mich Hungers sterben lassen. Und ich hatte den Himmel verlassen durch die Entscheidung, mich zu verheiraten und dabei wollte ich nicht schnorren. Ich wollte die damalige Lage ausschließlich auf eine normale Weise lösen. So versank ich im Kot der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, daß es nicht mehr möglich war.

    Ich war auf den Hund gekommen. Also bedachte ich: Erhalte ich binnen zwei Tage keine Anstellung, werden wir nichts zu essen haben. Hier geht es nicht nur um mich. Ich habe auch die Mutter und die Frau, die zur Zeit schwanger ist.

    Ich zögerte, überlegte und der Entscheidung entgegeneilte: Ich bin wirtschaftlich dort, wo man schon im Recht ist, sich auf Gott zu berufen.

    Am nächsten Tag in der früh setzte ich mich in die Position der Götter nieder. Ich richtete mich zu einem bestimmten Zustand. Es gelang mir nicht, die Situation störte mich. Aber es musste einfach gehen. Sonst wären die in meinen Schutz genommenen Leute gestorben. Dieses Bewusstsein gab mir genug Kraft, das Gotteslicht und die göttlichen Zustände herauszusuchen. Der Dämon der Schwelle reagierte. Er flog aus der Finsternis heraus und drohte: "Wenn du nicht aufhörst, wird dieses dein Unglück noch schlimmer..." Ich schenkte den Drohungen keinerlei Beachtung. Der Dämon benahm sich wie ein Wüterich: "Wenn du fortschreitest, siehe mal, was kommt." Und im Nebel hob sich ein Bild der dauernd trostlosen Verhältnisse ab, in denen ich gänzlich ins Leben eines Menschen untertauchte, der keine Göttlichkeit hat, sondern nur eine schwere Unkenntnis, die Quelle des allen Leidens. Er fügte hinzu: "Ist es nicht besser Hungers zu sterben plus eine Inkarnation in der Sphäre, wo ich nicht tätig bin?" - Ich gab nicht klein bei. Er kam also bis zu mir und sagte: "Richte deine Aufmerksamkeit hierher, nicht dorthin. Und dann wirst du mit meinem Zutun gut daran sein."

    Mein Geisteszustand war ähnlich dem Stand, in dem Jesus zu Gott-Vater rief: "Mein Vater, ist´s möglich, so gehe dieser Kelch der Bitterkeit von mir; doch nicht wie ich will, sondern wie Du willst!" Aber sofort konnte ich feststellen: Nicht einmal dies ist erlaubt. Ich befinde mich an der Zeitwende und in die neue Zeit kann ich nur dann eintreten, wenn ich dieses Spiel gewinne. Falls ich nicht gewinne, werde ich ein Dämon...

 

    Der Leser soll nicht denken, ich rede in Allegorien. Je höhere Sprossen der Geistesentwicklungsleiter man erreicht, desto härter auch die kleinen Versündigungen werden. Daher ist es sehr gefährlich um die Gottesanwesenheit zu bitten, wenn sich gerade das Karma entlädt, das aufgenommen wurde, indem man vom Himmel niederstieg und begann ein irdisches Leben zu führen. Und weil die Bitte, statt Leidens, Übels und Dunkels die Göttlichkeit als einen Himmelsglanz erstrecken zu lassen, gleichzeitig eine Belastung des Bewusstseins mit heterogenen Qualitäten bedeutet, kann es auch vorkommen, daß wenn man nicht erfolgreich ist, diesen Glanz zu entwickeln, wird in sein Bewußtsein eine aktive dämonische Kraft und die mitgehende Dunkelheit eingefügt. Hiermit wird die dämonische Natürlichkeit realisiert, die den Menschen nicht einmal binnen der Jahrhunderte verlässt.

    Wer die dämonische Natürlichkeit realisierte, kann er das Gotteslicht weder erkennen noch begreifen. Und wenn aufgrund der früheren göttlichen Erfahrung, die jetzt in Vergessenheit gerät, eine kleine Erinnerung bezüglich dieser Helle auftaucht, erhebt sich wieder mächtig eine Welle der dämonischen Finsternis, wodurch der Gottesglanz erneut versteckt wird. Das wiederholt sich so lange, bis die sämtlichen Beziehungen zum göttlichen Licht schwinden; deren Untergang ist ein Anfang der Strafe für die Sünde gegen Himmel. Die Sünde ergab sich daraus, daß man das Himmelslicht hervorgerufen hatte und nachfolgend verließ.

    Soweit mir bekannt ist, ist die übliche Strafe für diese Tat, daß man ein Dämon im wahrsten Sinne des Wortes wird. Er ist stumpfsinnig, belastet von Unkenntnis jedwedes erleuchtenden göttlichen Moments, und er erliegt im vollen Maße dem Selbsterhaltungstrieb.

    Meine Stärke wurde durch diese Erkenntnis erhöht. Und allmählich begannen sich die Gotteszustände und das Gotteslicht entwickeln. Dann ging es schon schneller. Den Dämon der Schwelle gab es sozusagen nicht mehr; so war ich in diesem Geschehen versunken.

    Endlich! Das Gotteslicht und die göttlichen Zustände wuchsen aus den Grenzen meines Körpers auf; der wütende Hüter der Schwelle wurde von der schrecklichen Macht der Gotteskräfte abgeschlagen, und ich erblickte den Glanz.

    Mit einem kleinen Zweifel, ob das reicht, unterbrach ich meine Bemühung und sagte meiner Frau: "Es wird schon gut laufen, du musst über nichts den Kopf zerbrechen."

    Am zweiten Tag war Sonntag, und ich ging wieder in die Kirche. Meine Frau begleitete mich. Ich schritt leichter als je früher, obwohl ich meine Geldtasche leer hatte und zu Hause es nichts gab.

    Jemand ging uns entgegen. Eine Frau. Sie interessierte mich nicht, schließlich kannte ich nur selten jemanden, obwohl ich im Ort schon lange wohnte. Aber sie kannte mich.

    "Ich bin so froh, daß ich Sie sehe. Ich bin Ihnen schuldig, aber ich sah Sie nirgendwo, und so konnte ich das Ihnen nicht früher bringen."

    "Sie müssen sich irren."

    "Oh nein. Sie selbst liehen mir."

    Es ist ganz möglich, daß ich lieh, aber das musste in der Zeit sein, als ich noch ledig war. Ich vergaß jedoch darauf und auf die Schuldnerin ebenso.

    "Also, dann kannst du morgen das Allernotwendigste einkaufen, aber wirklich nur das unumgänglich notwendig," sage ich der Ehefrau. Und dabei errechne ich, daß ich nach einer Woche wieder dran bin wie heute.

    Doch aber nicht. Wir kamen in die Stadt, dort sprach uns ein Mann an und fragte mich, was ich mache. "Nichts," antwortete ich.

    "Hör´ mal, ich wäre dir sehr verbunden, wenn du mich in meiner Beschäftigung vertreten könntest. Ich brauche vierzehn Tage Urlaub zu nehmen und muss ihnen einen Ersatz besorgen. Jetzt gerade wollte ich hinfahren zu sagen, daß ich schon morgen nicht mehr zukommen kann, aber habe keinen an meiner Statt. Wenn du es annimmst, muss ich dann nicht hinfahren, du kannst das für mich erledigen. Wer weiß, ob ich dort jemanden fände."

    "Jawohl," sagte ich. Und ich bedachte: "Dankbar? Wie ist das alles seltsam. Ich sterbe fast vor Hunger, und du bietest mir eine Rettung mit Dank an. Es ist doch eine Komödiantenwelt. Und dabei tanzen vor meinen Augen hoffnungsvolle Wohlstandsbilder. In vierzehn Tage werden wir wieder sehen. Übrigens bekam ich dann eine Aushilfenarbeit für zwei Tage in der Woche, und so konnte ich 40 Kronen binnen der Woche ersparen. Aus der Auszahlung für die vierzehn Tage konnte ich Miete bezahlen, und die vierzig Kronen mussten für drei Leute auf wochenlange Lebensunterhaltung ausreichen.

    Ich rechnete aus, welche gewaltige Erleichterung mir damit entstand, und ich war - zufrieden.

    Aber das Beschwören wirkte noch besser. Ein ehemaliger Lehrjunge aus meiner ersten Stelle kam zu mir. Dieser Junge hielt außerdem für eine Unterhaltung noch das, wenn Blut floss, aber als er mich bei der Realisation sah, war er so gerührt, daß er wollte, daß ich ihn einweihte. Er hatte mit mir eine Erfahrung bei Operation mit Geistern. Nach meiner Realisation ging ich nämlich mehr hinaus spazieren, und ich bedauerte die Leute, daß sie so intensiv denken müssen. Ich sah ein kleines Flämmchen vom Denken ständig aus ihren Köpfen emporsteigen, und so fiel mir nichts besseres ein, als die Flammchen zu mir zu rufen. Und sie gehorchten mich, aber sie folgten mir nicht mehr als bloße Flämmchen, sondern als kleine Wesen.

    Da sie mit mir bis nach Hause gingen, befahl ich ihnen, sich auf gewisse Weise im Zimmer anzustellen. Nach einiger Zeit hatte ich dort einen Haufen deren, und sie waren wie Heringe eingerenkt. Dabei wieder änderten sie ihren Gestalt. Das bemerkte ich, als sie mir helfen wollten. Als ich zum Beispiel etwas wissen wollte, lösten sich einige los, verringerten sich in die Punktgröße, dann begannen sie sich wieder der Länge nach hinzufallen, und dann verschwanden sie samt Füßen, die sie da stehen ließen, als sie sich auszustrecken begannen.

    Ich fand heraus, daß an bestimmte Wünsche diese, und an andere wieder jene losgemacht wurden. So gewöhnte ich mich an diese Ordnung und nicht einmal fiel mir ein, daß es mal anders sein könnte.

    Der Junge kam jedoch in diesen Raum auch, und auf eine oder andere Art fand er die Methode heraus, meine "Geister" sehen zu können. Dann begann er auf eine Weise auf sie auch einzuwirken, und obwohl ich gewöhnlich Sachen nicht viel beachtete, fesselte es nach einiger Zeit meine Aufmerksamkeit, daß ich "die Geister nicht beisammen habe". Anfänglich bedachte ich, daß sie irgendwohin spazieren gingen, aber später schloss ich, daß sie den Spaziergang nicht so lange unternommen hätten. Es begann mich zu beunruhigen, damit ich in keine prekäre Lage käme durch den automatischen Rückschlag auf mein Verhalten. Aber wie immer ich alle Umstände erwägen mochte, gab es hier keine Gefahr dieser Art. Ich vermutete also: Jemand ist mit im Spiel. Wer aber?

    Ich begann, die Hausleute zu beobachten. Und dann schließlich: "Also, du?" denke ich. Alles ist also in Ordnung. Ich weiß, was mit meinen "Geistern" los ist und wo sie waren, daher drohte mir keine Gefahr. Nur bemerkte ich die Augen des neuen "Beschwörers". Sie schienen mir bald ungut zu sein. Ich schritt ein:

    "Also, hast du Seppl ein wenig gespielt, was? Nun wirst du die Geister nicht mehr sehen." Und alles verschwand ihm. Dabei entschloss ich, daß ich diese Gesellschaft lieber wegschicke.

    Für mich war dieser Akt, nämlich die Abnahme des Geistersehens eine reine Kleinigkeit, aber der Junge fand es anders. Er erblickte darin eine große Macht, und so bezwang ich ihn zum zweiten Male.

    Er begehrte die Einweihung. Nach großer Weigerung zeigte ich ihm den Weg. Und er erreichte ein gutes Ergebnis. Das, was ich Realisation nenne. Aber das kam später. Jetzt ging er durch den Kurs, und bot mir an, aus Not zu helfen. Ich konnte statt seiner eine Stelle annehmen. Er war Sohn eines Bauers, und es lag ihm nicht daran, daß er keine Arbeit hat. Und so wurde ich zum zweiten Male errettet mit einer Aussicht, daß die schlimmste Situation nicht mehr kommt.

    Dann wurde mir ein Sohn geboren.

    Ich war froh, ihn nicht in solcher Not willkommen zu heißen, in welcher ich unlängst selbst war. Ich müsste das für ein schlechtes Vorzeichen halten. In Wirklichkeit fühlte ich mich damals zufrieden, obwohl ich wusste, mein Los sollte nur Prüfungen bedeuten, und daher wartete ich, daß ich wieder bald ohne Einkommen sein werde. Wer würde sich aber mit etwas plagen, das erst kommen soll. Für Sorgen ist es genug Zeit, wenn sie selbst kommen. So verharrte ich in guter Gemütsverfassung, und das sollte ein günstiges Vorzeichen für die nächsten Jahre heißen.

    Den Vatersstolz und die Freude von der Geburt meines Sohns verspürte ich nicht. Ich hielt ihn für ein selbstständiges Wesen, und ich hatte gegenüber ihm nur Pflichten. Er wurde nach meinen astrologischen Errechnungen in der Guten Zeit geboren, und so wird er wenigstens besseres Leben als ich haben. Dadurch wurde mein Vatersinteresse und Gefühl erschöpft. Übrigens ballten sich über meiner Existenz drohende Wolken. Mein Chef war auf der höchsten Stufe der Unruhe, Ungeschicklichkeit, und seine Gewerbeexistenz hing an einem Faden. Ich persönlich hätte ich an seiner Stelle keinen Gesellen gehalten: Was uns zu zweit bestimmte Stundenanzahl dauerte, hätte ich alleine in einem Viertel der Zeit verrichtet. Er war aber Chef und dirigierte. Deshalb musste er gewerblich sterben. Dasselbe hatte auch seine Frau vorhergesagt, mit einer Begründung, daß er den Laden gegenüber dem Kirchhof hat.

    Es war eine Situation, die ein Lächeln abgewonnen hätte, wenn daran auch meine Existenz nicht gelegen hätte. Aber was war zu tun. Der Gang des Vaters der Zeit bleibt vor keinem Ereignis stehen, das jemanden wehtun wird.

    Mein Sohn war drei Monate alt, und ich wurde entlassen. Ich sondierte die Lage und entschätzte, daß meine Hoffnungslosigkeit nicht mehr als sechs Wochen dauern wird. Ich zählte übrigens darauf, und einigermaßen bereitete mich darauf vor. Und so wurde meine Zufriedenheit nicht gestört, wenigstens nicht wesentlich.

    Es war Winter. Der Bedarf an Geld ist im Winter größer als im Sommer, und seit sechs Wochen war ich schon ohne Einkommen. Ich war ruhig, und nur eine kleine Unsicherheit befiel mich beim Gedanken daran, daß meine Voraussetzungen fehlschlagen könnten. Übrigens war die Wirklichkeit so beschaffen, daß sie nicht die geringste Hoffnung gab. Mit Rücksicht auf die Lage konnte ich nur bedenken, es werde wohl etwas ungewöhnliches geschehen müssen.

    Der achte Dezember. Irgendein Auto hupte beim Haus, aber keiner von uns schenkte dem Tuten Aufmerksamkeit. Dann im Augenblick lief zu uns in die Wohnung ein Junge herein und sagte: "Wir sind hier mit Chef. Sagen Sie, daß Sie mich kennen. Es geht um eine Stelle."

    Der Chef klopfte an die Tür. Glücklicherweise musste ich nicht bekennen, daß ich den Jungen kenne. Ich kannte ihn nämlich gar nicht, und nie im Leben sah ich ihn.

    Chef fragte, ob ich bei ihm antreten möchte, und zwar sofort, und ihm meine Gewerbeberechtigung verleihen könnte. Sehr ungern mache ich etwas so eilig, aber in diesem Falle hing meine Existenz an einem Haar. Ich nahm also das Angebot an, und er fuhr sofort weg. Dem Jungen vertraute ich mich auf der Stelle an, daß ich diese Arbeit nicht so gut verstehe, weil sie in der Stadt nebensächlich ist. "Das macht nichts," antwortete er, "ich werde Ihnen alles machen, ehe Sie dahinterkommen." Dazu reichte mir ein paar Tage und dann entstieg der Junge der Stelle. Nur vertraute er mir an, daß er zu mir wieder von dem derzeitigen Schüler der Mystik empfohlen wurde.

    Wiederum wurde mir eine Hilfe geleistet, aber... Ich litt eine unbegreifliche Körperschwäche, die sich im Sehvermögen kundgab. Ich sah sehr schlecht. Zum Glück hatte ich einen Gehilfen dabei, der die mühsamsten Arbeiten für mich verrichtete, und so tat es sich. - Auf der Stelle war ich etwa ein halbes Jahr. Ich schaute den Himmel hinauf und sah: Mars kam näher zum Jupiter. Ich schloss daraus auf eine für mich unangenehme Konstellation. Und je näher die Planeten einander kamen, desto mehr wirkte auf mich die unangenehme Vorankündigung ein. Zu welchem Ausdruck kommt sie?

    Die Konjunktion der Planeten verschloss sich schon. Was kommt daraus? Ich konnte nicht erwarten, daß alles verläuft ohne Widerhall in meinem Schicksal.

    Es war schon hier. Die Nervenentzündung im rechten Arm, die sich nur hinzutrat zu meiner physischen Schwäche, die den Ausdruck auch in der Augenschwachheit fand. Ich versuchte die Entzündung zu überleben, ohne arbeiten aufzuhören.

    Aber später ging es wirklich nicht mehr an. Ich sagte es dem Werkstattbesitzer. Er hatte Sorgen mit der Werkstatt; die Betriebsberechtigung wurde auf meinen Namen ausgestellt. Ich wusste, daß die Nervenentzündung keine tödliche Krankheit ist, und so wollte ich nur vorderhand von der Arbeit aussetzen. Wir fuhren zu einem jungen Mann, der mich vertreten sollte. Und mir ging schon ein Licht auf. In ihm war mein Schicksal.

    Ich kam in Zehn Tage zurück. Der Mann gefiel dem Besitzer, das konnte ich gut sehen. Er war ruhiger als ich, und sein Sinn war ausschließlich bei der Arbeit, wogegen ich eben bei der Arbeit am wenigstens war. Er versuchte:

    "Ich kann nicht so viel zahlen, also, lassen Sie etwas vom Lohn nach!"

    Ich half dem Schicksal zur Welt: "Ich werde nicht nachlassen," und dann fügte ich hinzu: "Wissen Sie, ich überlegte, daß ich kündige, aber ich wollte Ihnen keine Sorgen machen."

    Dorthin braucht mich mein Chef hinein zu bringen.

    Erneut war ich ohne Einkommen. - Aber nein. Der Zauber des damaligen Augeblicks war noch wirksam. Ich muss mir also keine Sorgen machen. Ich machte mich auf sechs Wochen Untätigkeit, und dann sollte sich die Lage lösen.

    Die Aussicht auf einen Beruf oder ein Einkommen gab es gar keine. Die Krise war weltweit, und die Leute fielen vor Hunger. Daher war ich vorsichtig und untersuchte: "Jawohl, das Gotteslicht ist bisher da." Mein Los wird also wieder gezogen.

    Ich kümmerte mich um nichts. Schließlich und endlich hatte ich keine Kräfte. Ehe widmete ich mich der Ruhekur, falls meine Lage die Ruhe erlaubte. Dann bekam ich wieder eine Aushilfe im Genossenschaftsbetrieb, wo ich schon als lediger gewesen war. Und so lebte ich "im Wohlstand". Ich hatte 70 Kr. pro Woche für viergliedrige Familie, wobei ich davon 110 Kr. monatlich die Miete zahlte, aber nach den sämtlichen Vorgeschichten lebte ich wirklich im Wohlstand. Ich hatte doch keine Sorgen, daß es morgen keine Kartoffel im Topf gäbe, und die "Kasse" hielt ich selbst. Dadurch klappte alles wie am Schnürchen.

    Ich war seit sechs Wochen zu Hause. Da kam mein Freund J. zu mir, der mir eigentlich den Weg der Sittlichkeit zeigte, und forderte mich auf: "Frau J. ist in K., etwa vierzig Kilometer von hier. Möchtest du sie mit mir ansuchen? Wir werden ein wenig über Mystik sprechen."

    Ja, Frau J.. Das ist die Frau, die ich im 1926 getroffen hatte, etwa ein Monat vor meiner Realisation, als ich schon alle mystischen Erfahrungen hatte. Ich sehe sie bisher, wie sie vor Begeisterung brannte, aber meine Antworte waren abkühlend. Damals soll ich sogar gesagt haben: "Das alles kenne ich." Aber ich erinnere mich gut, als sie sagte, der sich strebende Mystiker gelange eines Tages soweit, daß er dann mit Gott sprechen kann! - Ich bedachte: Seltsame Mystiker. Ich kann ja mit Gott jeder Zeit reden, ebenso wie ich mit jedem spreche. Nur daß ich mit ihm nicht darüber spreche, bis einmal oder solche ähnliche Dummheiten. Ich frage ihn nach nützlichen Dingen, nach Problemen meines Lebenslaufs, danach, ob ich mich in mystischen Erkenntnissen nicht irre, und so weiter. - Trotz alledem war Frau J. ein Mensch, der ernstlich entflammt war. Und außerdem gibt es niemanden, mit dem ich ein entsprechend vernünftiges Wort reden könnte. Mein Freund J. schlug einmal mein Angebot ab, mit ihm zu leben, trotz mein Versprechen, daß er an keinen Mangel leiden wird. Ich wollte ihn als eine Blende einsetzen, hinter der ich "die Mystik machen würde", so wie ich es verstand. Ich sah vor, ich würde mich hinter ihn verstecken, ihn mit gutem Karma beschenken, und dieses ermögliche ihm ohne alle Sorgen genügend Geld für uns beide zu verdienen. Ich könnte dann an Schicksalen der Welt arbeiten, welche mir dunkel wie Nacht schienen. Dadurch hätte ich sowie er eine verdienstvolle Tat vollgebracht. Mein Weg hätte sich in keine Ehe gewandt, wie er selbst wusste, als er mich erinnern mochte, daß ich auf seine aus Aderschlägen herausgehende Entscheidung bei der Nachricht, er werde heiraten, proklamierte: "Also, ich auch."

    Der Gedanke an Heiraten lag mir fern; ich war neunzehn Jahre alt. Aber aus allen Lebenswegen sah ich diesen als frei. Sonst interessierten mich die Weltschicksale, und mein größtes Glück wäre gewesen, in diese eingreifen zu können. Nur ich hatte ja die wirksamen Mittel; die Staatsmänner vollbringen nur das, was ihnen der Willen der "Unbekannten" aufzwingt.

    Er lehnte damals ab, und wird eine Verdammnis tragen, über die er sich schon heute beschwert. Und er sagte mir, als er fünfzig Jahre alt war, er verspüre in seiner Brust eine Leere der gruseligen NICHTIGKEIT. Er hat aber meine Freundschaft und er wird diese immer haben. Seine Entscheidung ging aus der Irreführung den natürlichen Trieben hervor, und hier verzeihen diejenige, die verstehen.

    Und wenn ich an St. denke? Der ist kein Idealist, sondern ein Rationalist. Er weiß, "wo ihn der Schuh drückt", und auf meine genau dieselbe Offerte entgegnete er: "Nein, ich will weltliches Leben führen." Aus diesem Grunde ist er mir fremd, und die Lehre gab ich ihm nur daher, weil ich sie jeden gäbe, der auf die oder jene Weise angeordnet wäre. Überdies nahm er zu mir die Stellung eines Schülers zum Meister, und J. hingegen fühlte sich ständig wie ein Freund.

    Infolge dieser zweifachen Abweisung befinde ich mich dort, wo ich bin, und deshalb kann ich meine Wege nicht mehr bestimmen, sondern nur gehen. Gehen wie jeder andere Mensch, obwohl meine Wege von seinen unterschiedlich sind. In mir gibt es nämlich ein Licht, welches mir erlaubt, mich irgendwo in der Zukunft hinter Styx zu sehen, und es ist mir klar, daß in diesem stürmlichen Fluss, der die Welt der Trübsal ist, ich große, vielleicht sogar einigermaßen schreckliche Taten vollbringen werde. Und der weltliche Mensch hingegen? Dieser geht, geführt an den Drahten der Wünsche nach Leben, Geschlecht und äußerlicher sowie geistiger Bequemlichkeit, und darum ist seine Dunkelheit tatsächlich. Die Dunkelheit, in der ich derzeit auch untertaucht bin, und über die ich gleichzeitig weiß, sie umringe mich nur deshalb, weil ich mich entschlossen hatte, in sie einzutreten, mit der Absicht, die Lehre zu übergeben. Denn auch die Lehre muss von einer Übertragung befruchtet werden, sonst bleibt sie als ein Torso, aus welchem die Mystiker keinen Körper aufbauen.

    Also, fahren wir. Mein Körperstand sprach für den Zug, die Tasche dagegen für das Zweirad. Hinsichtlich meiner Körperdisposition fragte ich Geister an, ob das Wetter günstig sein wird, und gleichzeitig befahl ich ihnen: "Ich muss meinen Körper vor ungünstigem Wetter behüten!" Sie nickten und stellten mir es vor. Also, gut.

    Wir wurden sehr wohlgesinnt empfangen. Wir bekamen Mittagessen, mit welchem ich übrigens zählte, weil etwas auf die Reise zu kaufen, für mich untragbar war. Und diese freundliche Bewirtung schien mir als ein gutes Zeichen. Übrigens war mein Freund der Frau verwandt, und damals, als ich jemanden mit Interesse für Mystik suchte, besuchte ich auch Ihren "Meister", und erzählte ihm drunter und drüber meine Erfahrungen, wobei er über mich sagte: "Er ist ein guter Bursch, und die Rose bedeutet, daß er in die Bruderschaft von Rose und Kreuz angenommen ist."

    Ja, ja, so steht es um die Mystiker. Die werden von keiner Bestrebung imponiert, sondern von Ergebnissen. Aber zwischen mir und ihnen war schon damals ein großer und abgrundtiefer Unterschied. Sollte mich ihr "Meister" durchgeschaut haben, schaute ich ihn auch durch. Ihre "Mystik" passte in der Rede, meine hingegen im Leben. Sie waren jedoch stolz genug, daß sie sich erlaubten alles zu beurteilen, ohne daß sie ohne Anfragen nach Erfahrungen der Untersuchten durchschauten. Ich hatte schon diese Fähigkeit, und daher kümmerte ich mich nicht darum, was mir einer über sich sagen kann. Ich wusste dies ohne seine Erzählung besser als er selbst, weil die Gefühle flüchtig sind und sie gehen beim durchlebenden Menschen durch ein Gebiet, das außerhalb der Reichweite seines Bewusstseins liegt...

    Aber mit Frau J. unterhielten wir uns gut. Die gute Frau hatte jedoch in ihrem Herzen den Platz nicht nur für die Mystik, sondern auch für äußerliche Schicksale des Menschen, und deshalb fragte sie: "Was machen Sie?"

    "Nichts," erwiderte ich.

    "Wissen Sie was? In Pardubitz gibt es Mystiker, diese haben einen Betrieb, wo Sie arbeiten können, so ich schreibe ihnen und nach meinem Brief finden Sie sich hin ein!"

    Abgemacht. In mir jauchzte aber nichts, denn ich kannte die Leute im Verhältnis zu Ideen und Überzeugungen. Aber Dringlichkeit ist stärker als Vorboten, die sich übrigens manchmal widerlegen lassen.

    Ich fuhr nach Pardubitz. Unerweilt wurde ich angenommen, und die Chefs lächelten an mich. Ich sollte am Montag nächste Woche antreten. Da ich für die Reise wieder ein Zweirad benutzte, musste ich infolge dessen das Bett hüten. Ich schickte einen Brief, daß ich krank bin, aber am Mittwoch ich hoffentlich ankomme.

    Ich kam an. Erneut entschuldigte ich mich, aber das tue vermutlich nichts. Sie wiesen nur darauf hin, es sei nach dem astrologischen Kalender ein ungünstiger Tag. Das war wieder mir egal, weil Anfänge entscheiden, und nein diese Fortsetzung. Übrigens hatte ich zuverlässigere Informationen. Wer nämlich aus Protektion antritt, ist auf die Umgebung sehr gespannt. Irgendetwas sah ich. Ich stellte also eine Frage an den Allerheiligsten.

    Er schwieg.

    Was auch ich versuche mochte, er schwieg. Und außerdem: Vor meinen Augen defilierte eine Vision. Ich erkannte die Mystiker, mit denen ich zusammentreffen sollte, und in deren Kreis ich kommen musste. Der ist so, der so, berechnete ich. Also, nichts als frommes Seufzen eines durchtriebenen Kaufmannes und der weltsüchtigen Menschen. Ja, ja, von hier konnte ein Blitz herausschlagen. Ich nahm mir fest vor, auf der Hut zu sein.

    Ich hatte bessere Zahlungsbedingungen als die letzten Betriebsangestellten, deren Wochenlohn 94,10 Kr. betrug. Das waren allerdings befremdende Zeichen der mystischen Tugend. Dazu bemerkte der letzte Geschäftsteilhaber:

    "Da hast du, und lauf schnell oder ich stoß´ dich an den A...."

    Aber schließlich was! Ich war immer in solcher Gesellschaft, also, warum sollte es hier anders sein?

    Ich bedachte dagegen:

    Ihr Menschen, die Gotteswelt erreichen wollt, und die für den Weg nicht wie ich ausgerüstet seid, musst doch eure Bemühungen ebenfalls auf dem Feld der Handlungs- und Ausdrucksweise aufbauen. Sonst wird eure Mystik irgendwo in eurem Maul sein, nie aber tritt sie in euer Herz ein. Mir könnt ihr nicht folgen. Ich erlebte alle Ewigkeit, und ob ich anständig oder vulgär spreche, ob ich jemanden verzärtele oder stoße, schaue ich immer die Göttlichkeit an, ob sie für die oder jene Tat, für das oder jenes Wort, ihre Angesichte nicht ändert. Ich habe einen guten Genius, der mir half, daß der Allerheiligste nie "einen bösen Blick zuwirft", als wenn ich selbst sein finsteres Gesicht erwarte.

    Jawohl. Ich bin bei euch beschäftigt, und mehr als eure Mystik interessiert mich, ob ich eure toten Herzen für die Leute mit 94,10 Kr. pro Woche ein bißchen erwecken kann. Diesen Lohn zu erhöhen, wäre der einzige richtige Anfang eures mystischen Weges.

    Ihr habt jedoch euren "Führer". Er sagte Ihnen, Herr Chef: "Jetzt schießen Sie die Hasen und legen Sie keine mystischen Fragen." - Ja, für diese Fragen kommt die Zeit, wenn Sie eine gewisse Anzahl dieser armseligen Geschöpfe "ins Jenseits" befördern; Ihr Führer erklärt Ihnen, die Manie des Mordens sei harmlos, denn die Schießerei symbolisiere die mystische Konzentration, und das erschossene Opfer aufzuessen, bedeutet eine Hilfe für es, denn es verläuft durch die geehrten "durchbuchstabten" Eingeweiden des Mystikers und dadurch gewinnt es Verdienste für eine höhere Geburt.

    Eine wunderschöne Theorie, in deren ich im Sinne nur folgendes zu bemerken weiß: Gäbe es hier Menschenfresser, die euren Führer erschießen würden und ihn im ganzen einem Zauberer auffressen ließen, der mehr als der Führer kennt und weiß. Durch so einen Magen zu verlaufen wäre auch für euren Führer eine große Hilfe, obwohl er im Gespräch bescheiden vorspiegelt, "ein kleiner Schüler“ zu sein, aber in der Praxis erlaubt er sich Jesus, Buddha und Ramakrishna und überhaupt jede beliebige Autorität zu beurteilen, damit er daraus neben Jesus als der beste Mystiker herauskommt. Apropos müsste für ihn nicht mal der Jesus ein guter Mystiker sein, aber jemanden musste er sich lassen. Wenn er nicht, wie ich waghalsig wagt, über sich wie über eine manchmal die größte Autorität zu sprechen.

    Ich kam also unter diese Mystiker und imponierte ihnen. Sie wählten mich ins Komitee des Verbands, denn meine Person anziehend wirkte. Bald war es mehr als acht von ihnen. Es kamen immer neue Leute. Ich sprach zu ihnen, und sie stimmten mit mir überein. Nicht aber alle. Die Rechtgläubigen hatten weiterhin ihre Lehre, die von ihrem Führer bewacht und korrigiert wurde.

    Einer von ihnen kam zu mir und klagte sich:

    "Ich weiß nicht, woran es liegt, aber ich denke irgendwie schlimm. Ich weiß nicht mehr einmal, wieviel Geld ich in der Bank ausgebe."

    "Da braucht man dies und jenes zu tun," sage ich ihm und füge bei: "Wenn ich sage genug, dann genug. Kehren Sie wieder zu Prinzipien eurer Mystik zurück."

    Ich gab ihm drei Aufgaben nacheinander auf. Dann kam er und sagte, es sei schon gut. "Also, reicht´s," sagte ich.

    Trotz dieser vorsichtigen Handlung wurde dieses Ereignis ein Anfang des Misstrauens gegen mich. Es wurde nämlich ihrem "Führer" mitgeteilt, daß ich diesem Menschen Übungen aufgab, und darauf reagierte der Führer sehr empfindsam, so daß alles, was sich danach zwischen meinem Arbeitgeber und mir abspielte, von diesem Moment abhängig war. Übrigens sagte ich das etwa zwei Jahre später Frau J. bei einer Lärmszene im Stammverein dieser Mystiker auf einer Versammlung, über die ich noch weiter sprechen werde. Damals sagte ich Frau J.: "Die Ursache des ganzen Zwiespaltes steckt darin, daß ich dem Herrn D. drei Übungen für Beseitigung der Besessenheit aufgab, über welche er sich beklagte." Frau J. antwortete: "Wäre die Übung von Gott, wäre eine einzige ausreichend." Darauf erwiderte ich: "Warum gabt ihr ihm die Übung nicht? Ich kenne nur wirksame Übungen und bin nicht gesonnen zu erklären, ob diese von Gott oder von mir kommen.

    Diese meine Antwort war zu stark für eine so einfältige Mystikerin. Sie wurde abgestillt von einer dualistischen Theorie, einer nicht überlegten Lehre, die einerseits hoffartig auf königliche Einweihungen pochte, wogegen andererseits ertrank sie im Kleinmut, den sie aus dem Christentum übernahm. Das Glaubenerkenntnis der Frau war, die Mystikschüler seien auch die Leute, die sich vor der Gottesmajestät klein machen, wie jemand, der völlig schlecht, unwissend und erkenntnisunfähig ist.

    Jawohl! Es ist unmöglich die Königseinweihung mit dem Kleinmut der bösen Leute zu verknüpfen. Diese Einweihung ist eine Antwort auf große Tugenden, unter denen auch das Selbstbewusstsein eines Menschen gehört, der für seine gesamte Handlung verantwortlich ist. Wer solche Einweihung erreichte, oder sogar dieser nur entgegeneilt, darf keine Rätsel aus Jenseits anerkennen, sondern muss er wissen, daß der maßgebende Faktor in der Verhandlung und im Leben nur eine mathematische Gesetzlichkeit ist. Niemand darf versuchen, diese Gerechtigkeit zu überlisten, durch eine Vorspiegelung der Kleinheit auf einer Seite, und durch das Antreten eines selbstbewussten und rechtsgültigen Richters auf der anderen Seite. Die königliche Einweihung ist dokumentiert von der geraden und untückischen Handlung und vom Verbleiben auf der Stellung der höchsten persönlichen Verantwortung. Sonst ist die Rede über solche Einweihung ein sittliches Gebrechen, welches ernster ist als das moralische Gebrechen eines weltlichen Menschen, der bewusst wird, daß er vor der gesamten Wirklichkeit nur ein wertloses Geschöpf ist.

    Die Verbindung der so genannten geistlichen Demut mit dem wirklichen geistlichen Hochmut können wir bei meisten schlichten Mystikern beobachten. Nur ein wirklich reifer und hochintelligenter Mensch ist imstande, der Demut und dem Selbstbewusstsein den rechten Platz geben, denn er weiß, daß die Demut nichts zu tun hat mit der Frömmelei der geistlichen Krüppel, sowie das Selbstbewusstsein mit dem Hochmut. Apropos schützt die Frömmelei den Menschen nie vor dem in seinem Inneren aufzutauchenden falschen Selbstbewusstsein, er sei im Vergleich mit einem Durchschnittsmenschen ein Wesen vom Gott begnadigt oder aus dem Titel seines Glaubens berufen zu urteilen, was das wirkliche Wohl und was das Übel ist.

    Ich erkannte selbst bald aus meinen mystischen Bemühungen, daß wenn ich mich vor Gott richtig benehmen will, muss ich auch das bekennen, was ich schon erreicht hatte sowie das, was ich noch nicht erreicht hatte. Nur darum kletterte ich auf die Plattform hinauf, wo mein Benehmen fast unverständlich für alle geistlich verkrüppelten Menschen wurde. Schließlich gelangten aber diese Leute zum Schluss, daß ich es bei gutem Willen mit den mystischen Tugenden nicht in Ordnung habe. Ich bemerke aber wiederum: Ich will kein Ergebnis wertlos machen, das ich auf den Wegen der mystischen Entwicklung erreichte, und ich bin überzeugt, daß das Urteil der Leute, die sich durch den missverstandenen Befehl über die Unerlässlichkeit der Demut verderben ließen, nicht mit Gottes Urteil identisch ist. Ich trieb doch vor Gottes Antlitz soviel davon, was dem einfachen oder verkehrten Begriff der Demut widersprach, daß ich in den Augen der Menschen, die an solche Vorstellungen litten, in die untersten Höllen versinken müsste.

    Mich dagegen lächelt Gott an, und in jeder Sekunde habe ich den Weg zu ihm frei, so daß ich mich plötzlich an ihn mit einer Frage oder einfach so wenden kann. Das ist ein Umstand, der die sämtlichen menschlichen Theorien über die Tugend auf den Kopf stellt, obgleich diese Theorien den unzähligen Menschen eine Hemmung der Bestrebung darstellen, zu Gott ein natürliches Verhältnis zu bilden.

    Gott ist also dem Menschen nicht gleich. In der ganzen Vergangenheit, seit ich ein Mystiker bin, gewann ich bei ihm immer durch vor allem grenzenlosen Optimismus. Ich musste es bei ihm mit Optimismus gewinnen, denn Gott die positive Qualität darstellt, die sich in die Erschaffung entwickelt. Sollte diese Qualität keine Beziehung zum Optimismus haben, könnte sie sich in die Erschaffung nicht entwickeln. Dies kennen Buddhisten, die aufgrund ihrer Weisheit am Gott diese Eigenschaft auszusetzen haben, siewenden sich von ihm ab und überwinden ihn, indem sie beginnen, das gesamte schöpferische Geschehen friedlich anzuschauen, wobei sie eine Stellung einhalten, die mit Worten zu äußern ist: Mit Frieden und Glücksgefühl durchsetzter Indifferentismus.

    Der durch diese Worte ausdrückbare Zustand ist überbrahmisch, übergöttlich. Wer ist in der Lage, darin zu verharren, wird die Erlösung erreichen. Die an den grenzenlosen Optimismus sich knüpfenden Glückseligkeiten führen lediglich in den Himmel des Brahmas, in den Himmel des Gottes-Vaters.

    Einmal überraschte ich meinen Chef. Er kam in der Früh in den Betrieb, und ich begrüßte ihn mit der Mitteilung: "Das, was Sie am Abend durchlebten, heißt Entflammung der Gefühle. Es ist sehr gut, setzen Sie fort!"

    "Hört,“ sagte er auf der nachfolgenden Versammlung der Mystiker, „er wusste, was ich am Abend hatte."

    Inzwischen kam von ihrem mystischen "Führer" eine Reaktion darauf, daß ich jemandem einige Übungen auferlegte. Ja, ich auferlegte, aber nur zwecks seiner seelischen Genesung. Meine Anlässe wurden jedoch nicht anerkannt.

    "Keiner hat Recht, jemandem Übungen zu geben," schrieb damals ihr "Führer". Und es wurde da schon ein Verdacht erweckt.

    Das Leben ging aber weiter, und ich erregte rund um mich ein Aufstehen mit einer guten Berechnung, damit es so oder so den Leuten half. Dann kamen Parlamentswahlen. Die dunkle Zukunft, die bei meiner ersten Durchschauung im 1926 in der Ferne war, so daß es jeden Menschen in Ruhe lassen konnte, begann wie eine schwere Wolke zur Erde herunterzufallen.

    Keine Ahnung, warum es so eben in der Wahlzeit war. Wohl änderte sich die politische Konstellation, die des deutschen Diktators Faust sichtbar machte. Bis zu der Zeit interessierte ich mich für die Politik überhaupt nicht, und ob ich in einem Traum bei der Realisation zu Mussolini ging, damit er mich in den Offizierstand erhob, war es etwas, was mit dem Interesse für die Politik nichts zu tun hatte.

    Jetzt begann ich aber der Politik Interesse entgegenzubringen. Nicht so, daß ich ein Sozial-Demokrat, Kommunist oder National-Demokrat wurde. Darin erblickte ich einen Artikel, der für die in diese Parteien wirkendsten Personen einen Verdienst bringen soll. Mich bedrückte die Sorge um die Lehre. Das himmelragende Dunkel war ein sehr schlechtes Vorzeichen für die Übertragung der Lehre, und mir schien es, daß ich einen Krieg auf zwei Fronten führen müssen werde. Zu den schweren Existenzbedingungen sollte sich eine Gefahr für meine Person anschließen. Welches, das zeigte die Zukunft. Dabei machte ich mir aber keine Illusionen. Ich war ein unbedeutender Mensch, zu viel unbedeutend, aber ich rührte schon die psychischen Kräfte der Welt. Das verspüren die weltlichen Leute auf die oder jene Art, und sie reagieren darauf nur wie Feinde des Geistes.

    Solange herrscht die Demokratie, die persönliche Freiheit, können die Leute auf meine Tätigkeit nur mit der Gefühlsgehässigkeit reagieren. Aber die Diktatur schaut den Menschen sorgfältiger an, und wenn ihr der Mensch durch seine Taten oder Gefühle, die er erregt, nicht gefällt, findet sie für ihn den Strang, das Beil, oder das Totschlagen.

    Ich maß, wog und zählte: Ja, es ist möglich, diese Gefahr abzuwenden. Ich würde es für eine trockene Scheibe Brot für mich und meine Familie machen. Ich zerre das Herzen der Chefs durch eine Andeutung, daß ich eine Entlastung in der Arbeit brauche, damit ich etwas verrichten kann. Mein Chef brummte. Selbstverständlich erfüllt er meine Bitte nicht. Er hat seine persönlichen Interessen, und einige Vorzeichen sind für die Katze, falls es nicht um eine Warnung vor einem morgigen Geldverlust geht, oder um einen Rat, was zu tun ist, damit er morgen noch mehr Geld machen kann.

    Mit einem unermesslichen Schmerzen, vermischt mit Sorgen um meine heilige Bürde, neigte ich den Kopf, während das DUNKEL, das bisher nicht vermochte, über die Ufer meiner Strahlung umzufallen, setzte auf meinen Kopf. Jawohl. Sie begoss mich schon und seit dem Augenblick war die Welt voll davon.

    Wirklich! Eben in der Zeit, einst im 1934, war in der unsichtbaren Welt als das fertige Ereignis alles gewesen, was dann erfüllt wurde und was bis jetzt als die schreckliche politische Situation anhält, die Leute dem Staat oder den Staaten gefügig macht, deren Führung sich ein Recht anmaßt, jedes einzelne Nationsglied zu unterjochen als einen Sklaven, einen Menschen ohne Recht und höhere sittliche Verantwortung. Aber die Leute zeigten sich als Schläfer oder als elementare Lebewesen, den die Eigenliebe erlaubt nur die Gegenwart zu sehen und in keine Zukunft zu glauben, ohne die, welche ihnen ihre persönlichen Wünsche und Charaktere hervorzaubert. Das war für mich eine grässliche Wirklichkeit. Ich konnte sehen, daß sich erhebendes und drohendes DUNKEL alle Voraussetzungen hatte, seine Drohungen zu erfüllen, und ich brach nahezu vor der Wirklichkeit zusammen, die jedem objektiv sehenden Menschen eine Bluterstarrung in seinen Adern hervorriefe. Und das Schlimmste dabei war, daß ich von der Einweihung solche Kräfte besaß, die eine Garantie gaben, die unsichtbaren Drohungen abzuwenden durch eine einfache Einführung anderer Tendenzen im Unsichtbaren, und welche ich nicht einsetzen konnte, einfach darum, weil ich mit Rücksicht auf die Existenzverhältnisse so vielseitig verwundbar war, daß der Erfolg der notwendigen Aktion für voraus ausgeschlossen gehalten werden konnte. So erlebte ich zum ersten Mal im Leben eine sehr tiefe Krisis eines Menschen, der das unabwendbare Schicksal sieht, er hat Kräfte es zu verändern, aber er kann nicht, weil er unter solchen Wesen lebt, die wie die Blinden, geführt von einem Genius der Vernichtung, ihren unrechten Weg bewachen...

    Der Leser soll nicht über die gewagte Behauptung aufhalten, die klar genug aussagt über den Zusammenhang zwischen der Mission des Mystikers, der vollendete, und der Welt, die darauf so oder so reagiert. Wenn er selbst von einem furchtbaren Storm der Sehnsucht nach der Erlösung ergriffen würde, und aufgrund dessen er seine Aufmerksamkeit mit einer undenkbaren Schärfe auf die geistlichen Qualitäten konzentrieren würde, deren Spuren er in sich heraussuchen würde, müsste er erkennen, daß er etwas tut, das mit der Welt rührt.

    Zusammenhänge sind hier durchaus logisch. Aus demselben Holz wie die übrigen Weltleute geschnitzt, eben durch die Lenkung der Aufmerksamkeit zu der geistlichen Qualität, die er in sich gefunden hatte, benutzt er dieselbe Energie, aus welcher alle übrigen Leute zusammengefügt sind, womit er das Gleichgewicht der psychologischen Faktoren vom gesamten Komplex der Existenz stört, die Menschheit darstellt. Mit anderen Worten: Ist der mystisch tätige Mensch noch vom Volke, und bestrebt er, ergriffen von heftiger Sehnsucht nach der Erlösung, sein ganzes inneres Wesen zu geistlichen Qualitäten gleichzurichten, setzt er "in Wellenbewegung das Meer der Energie", deren Äußerung die gesamte menschliche Existenz ist. Auf diese Weise greift er in die Menschenwelt ein als jemand, der den richtigen Hebel vom Mechanismus des Geschehens in der psychologischen Welt antastete. Wenn er jedoch durch die mystischen Arbeitsvorgänge eine so hohe Stufe der strukturalen psychischen-physiologischen Umwandlung erreicht, daß er schon karmisch ein "Mensch vom Volke" zu sein aufgehört hatte, wirkt seine Anstrengung nicht in der menschlichen Welt ein, weil er ganz andere, höhere physikalische Energie verwendet, als diejenige, deren "Wogen" die Äußerung des Lebens der Leute ist.

    Da sich die gesamte Entwicklung des Wesens hinter der mentalen Entwicklung verspätet, kann der Mensch, der bereits einen Erfolg auf dem mystischen Wege erreicht hatte, noch lange in den Lauf der Kräfte eingreifen, die Schicksale der Leute bestimmen. Wenn er aber wesenhaft dorthin heranwächst, wohin er schon mental herangewachsen war, kann er auf den Gang und die Richtung dieser Kräfte nicht mehr einwirken, weil er schon in einen anderen wesenhaften Rang gehört. In Anbetracht dessen hat jede Möglichkeit ihre Zeit; in einer anderen Zeit gibt es eine bestimmte Möglichkeit nicht.

    "Etwas schreckliches wird geschehen," prophezeite ich mal, als wir einst aus der Versammlung der Mystiker mit den mystischen Schülern gingen, die an ihre Brüste einen Beutel mit Inbrunst drücken, daß Christus, zu dem sie sich angeblich bekannten und zu welchem sie durch ihre Buchstabenübungen geraten wollten, vor Neide blass werden müsste über dieser ihren Liebe. Die "Liebe" ließe ihm nämlich kein Plätzchen für eine Umarmung, falls sie dieses Verdienst "hervorbuchstabieren" würden.

    Jawohl, sie glaubten mir, weil sie Angst vor den Anzeichen hatten, über welche sie etwas aus der Zeitung wussten, und ich "aus der Luft". Aber sollte ich versuchen den Menschen zu sagen, daß die Rettung möglich ist, nur für eine Scheibe Brot, die vier hungrige Magen sättigen könnte? Trotzdem hatten sie vor sich einen Menschen, der die Macht hatte, den Gang der Zeiten zu verändern, indem er in der psychischen Welt andere Tendenzen aufbauen würde, doch war es ihnen vorausbestimmt, daß sie, für ihre Untauglichkeit solches geringfügigen Opfers, durch dasselbe Bad der Höllenflammen wie ich durchgehen müssten.

    Aber sie hatten vor sich jemanden, der aus der Wirkung der Zeit eine Vollendung und Vernichtung auch des unbewussten, im Fleisch und Knochen einverleibten Haftens gewinnen sollte. Sie sollten dagegen jammern - über Verlusten ihres Vermögens, über Momenten, in denen alles einstürzen sollte, was in ihnen das Bewußtsein des persönlichen Preises erweckte.

    Und was die meinem Leben drohenden Gefahr betraf? Ich habe die Tauglichkeit, mit Tamas zu operieren, und ihnen ähnlich werden, den Herdenmenschen, über denen die Peitsche der Diktatur schwirren wird. Es ist also möglich, daß ich durchkomme... Und falls ich durchkomme, wird es auch bedeuten, daß ich die Lehre durch das Tal übertragen hatte, wo der Hüter der Schwelle die größte Macht hat.

    Wenn jemand eine magische Aktion ausmachen will, welche die Umgebung, in der er lebt, beeinflussen soll, braucht er dazu Mithelfer, falls er nicht gänzlich unabhängig ist, oder ist er in der Welt durch Familienbände eingegliedert. Diese Abhängigkeit oder Eingliederung stellt nämlich seine Schwäche auf dem Feld der magisch-wirkenden Kräfte dar, die sich eben in dieser Richtung ungünstig entladen. Aus dem Grunde beanspruchten die Eingeweihten der alten Zeiten von ihren Schülern eine Einweihung, damit sie keine Verbindungen mit der Welt aussuchten. Sie erforderten von ihnen, daß sie einerseits auf den weltlichen Ehrgeiz in dem Maße verzichten, daß sie Mönche werden, die nicht verwundet werden können, wenn die Welt ihnen das abschlägt, was sie gewöhnt waren, für die "Bedarfsgegenstände für nur den Tag oder für das Leben" zu halten, andererseits, daß sie jedem Anlass, die Väter der Familien zu werden, entsagen, damit die Hüter der Schwelle der magischen Schwelle keinerlei Wirkung auf ihre Familienglieder bei ihren Aktionen hatten.

    Diese Maßnahme konnte nur in solchem Staat gemildert werden, wo die magisch-mystische Anstrengung aller Art respektiert wurde, wie es bis vor kurzem in Tibet war. Aber durch die Steigerung des Mangels an Verständnis für die wahren magischen-mystischen Bemühungen müssen diese Regel wieder eingehalten werden, denn das äußere Wohlwollen zu diesen Anstrengungen schützt nicht mehr magisch vor den Folgen ihrer Aktionen.

    Es geht nämlich darum:

    Erzeugt man eine magische Spannung, die auf die Beeinflussung der Umgebung, in der er lebt, gezielt ist, wirkt er dadurch auf die weltlichen Charaktere so ein, daß er sie provoziert, und diese fügten ihm dann ein Leid zu. Das muss aber nicht mit einer unerkennbaren Absicht dieser Charakter verlaufen, diesem Menschen weh zu tun, sondern erscheint es nur als eine auf diese Weise hervorgerufene Reaktion, das heißt als ein psychischer Reflex aus der Menschenwelt.

    Hat der diese Spannung hervorrufende Mensch jemanden, der seine Tätigkeit zu decken weiß, kann er durch abwechselndes Heben mit nachfolgendem Sinken der so genannten magischen Ballung verhüten, daß die Reaktion der Welt seine Schutzwand, d.h. den "Freund des Magikers", übertritt. Und weil jede magische Aktion einen Anfang, einen Höhepunkt und eine Beendigung hat, wird der Magiker nach dem Aktionsabschluss wieder ein für seine Umgebung unauffälliger Mensch.

    Ich war in der erwähnten Zeit sehr verwundbar. Ich hatte eine Familie und war ein Arbeiter im Lohnverhältnis. Ich wusste jedoch sehr gut, daß was gegen die Leute gerüstet wird, ein sehr ernsthaftes, tiefes und dringliches Übel ist, das so wirksame Übel, daß es mich durchaus rücksichtslos zu den persönlichen Schaden machte, die ich in einer magischen Verletzung meiner Ehefrau oder meines Kindes erblicken würde. Ich konnte aber nicht riskieren, meine Familie weiterer wirtschaftlicher Folterung auszusetzen, die damals ziemlich stark und wirksam war. Daher ersuchte ich eigentlich nur ein Almosen, welches nur als eine Entlastung in der schweren, viele Stunden täglich dauernden Arbeit geboten werden sollte. Und was für eine Belehrung statt eines kleinen Almosens bekam ich damals? Wenn wir von einem Menschen zu anderem herumgehen, und auf das Übel in der Welt aufmerksam machen, zuckt er mit den Achseln und sagt: "Ich bin daran ja nicht schuld!"

    Wo kam das Übel in die Welt her? Gewiss brachten es nur die Leute hervor. Aber das Übel ist nie eine ständige Erscheinung in der Welt der Existenz. Es ist entwicklungsfähig. Es entwickelt sich ständig in gleichem Verhältnis zur Veroberflächlichung der Menschennatur und zu ihrem Haften an Gegenständen, die sie vermeintlich zu ihrem Vergnügen benötigen. Eben durch das Haften an diesen Sachen wagt er nicht dem Bösen zu trotzen, das dem objektiven Beobachter erscheint größer zu werden, und die Menschheit in der Zukunft noch mehr als in der Gegenwart zu bedrohen.

    Die äußere Kundgebung des Bösen ist aber nicht seine innerliche Kundgebung. Seine Wurzeln stecken im Menschenstolz, im Mut der Leute, und die Weisen wissen, daß ausreichend ist, den Mut vom Bösen zum Guten zu wenden, und die Verhältnisse in der Welt werden augenblicklich verändert.

    Den Mut vom Bösen zum Guten abzuwenden ist theoretisch nicht unmöglich. Die Impulse zum Guten oder Bösen liegen im Charakter, oder besser gesagt in Gemütsverfassung der Menschen, und die Mystik leistet dem Menschen eine Erfahrung, daß die Gemütsverfassung abänderlich ist. Die Mystik beruht auf physikalische Faktoren elektrischer Natur, deren Spannung man nicht nur bei sich ändern kann, sondern auch bei anderen Menschen, denn das Dasein ist auf der psychologischen Ebene ein einheitliches Komplex.

    Allgemein ist die Situation derart, daß ein Individuum psychologisch modelliert wird durch eine Spannung, in deren Feld sich die Leute psychologisch befinden. Aber das Ganze, nämlich die Menschheit manipuliert auch mit dieser Spannung. Die äußere Spannung figuriert als ein Antriebsfaktor, der sehr einfach jedes Einzelwesen zur gewissen Denkart hinreißt, und das Einzelwesen macht dann die äußere Spannung nur stärker, da er dieser Anspannung auch seine eigene Energie verleiht.

    Die psychische jogische Erziehung führt die Schüler dazu, durch die zielbewusste Aufmerksamkeitslenkung auf ihre physiologische Existenz oder Natürlichkeit, eine gewisse Stufe der Unbeeinflussbarkeit von psychischer Spannung des Raums zu erreichen, in dem die Leute psychologisch verharren,. Wenn es die Joga-Schüler erreichen, sind sie in der Lage, ihren seelischen Zustand beliebig zu beeinflussen. Nebstdem erkennen sie, daß der Charakter der Spannung, die sie in sich erzeugen, auch bei anderen Menschen einen Widerhall hat. Hierdurch gewinnen sie endlich den Schlüssel zur psychischen Macht, die grenzenlos ist. Und die recht guten Mystiker benutzen diese Macht, oder wenigstens wollen benutzen, nur zur Änderung der Tendenzen vom Bösen zum Guten.


    Mein Leben, das Leben des Arbeiters, ging weiter. Ich hatte allerdings den Eindruck, daß sich mir statt der Entlastung nur mehr Arbeitsbelastung einfand. Ich rang mit Erschöpfung. Die Farbe meiner Haut wurde grün-gelb-blau, und ich war abgemagert von Darben und Schwierigkeiten. Und das Verdacht, das auf mich der "Führer" dieser Mystiker gelegt hatte, schwand nicht. Eher steigerte es sich.

    Ich ging in die Versammlungen der Mystiker weiter, denn ich war schließlich froh, daß sie Menschen mit gleichen Interessen sind als ich hatte. Die Hauptglieder dieses Vereins hielten mich schon für eine reine Schlechtigkeit. Keineswegs wohl für meine Taten, sondern für ihre irrgläubigen Vermutungen. Das hätte aber für mich nichts bedeutet. Aber schlimmere Dinge kamen. Die Neulinge, die noch nicht den Verstand verloren und des Fanatismus verfielen, verteidigten mich. Dessen war ich ungern. Es hieß nur Benzin ins Feuer zuzugießen. Und die Flammen entzündeten sich schon.

    Ich weiß nicht, wie es anfing. Ein Ereignis jagte das andere. Der mystische "Schüler-Führer" schickte meinem Chef einen bemalten und bekreuzten Brief voll Verschwörens gegen mich und meine "Gefährten". Ich wurde aber darüber berichtet. Am Abend, als ich meinen Mut in Ordnung brachte, und nach Entfaltung des Gotteslichtes in mir strebte, trat vor mich der Hüter der Schwelle mit einem Gelächter voller Sicherheit in den Sieg. Sie schwenkte vor mir einem Papierfetzen und gab triumphal bekannt: "Siehst du, was ich gegen dich habe? Das ist dein Ruin!"

    Ich war mürrisch und befahl: "Zeig´ mal her!"

    Mit Unlust ließ sie mich das Papier einsehen. Ich las unsinnige Dinge und sprach ein Interesse aus:

    "Wie hast du das gemacht?" Sie demonstrierte es. Sie zwängte sich nämlich durch des "Führers" Ohr in seine Brust hindurch, sie regte sich darin auf die Art der göttlichen Stimme, er bemerkte es und fing sofort an, giftige Worte auf das Papier zu spucken, das danach meinem Chef sandte.

    Am nächsten Tag nach dem Briefschreiben kam des Chefs Bruder in die Werkstatt. Es gab dort noch einen Meister und auch den letzten Geschäftsteilhaber. Ich begann zu toben, daß solche unsinnigen Anschuldigungen von einem Irrtum herkommen, nicht vom göttlichen Herz.

    Sie schauten mich an und wussten nicht, worum es geht. Des Chefs Bruder schwankte, denn er wusste, ich sei "hellseherisch". Ich sagte ihm nämlich vor diesem Ereignis, daß einer der Angestellter, der "auch mystisch arbeitete", weil es gut ist, mit "Herren" am gleichen Strang zu ziehen, am Abend ein "innerliches Wort" hatte. Ich fügte hinzu:

    "Ich habe nicht festgestellt, was ihm das innere Wort sagte, weil es sich zu viel geheim kundgegeben hat, aber Sie können gehen ihn verlachen."

    Er ging und fragte: "Also, Herr St. , wie steht´s um Ihre Mystik? Haben Sie gestern abends eine innere Stimme gehabt?"

    "Ha, da schickt Sie zu mir der Teufel Minarik. Und schließlich was! Ich hab´ eine Stimme gehabt! Sie hat mir gesagt: Traue dem Bruder nicht, traue dem Freund nicht, traue keinem!"

    Gleich darauf kam des Chefs Bruder zurück es mir zu sagen. Ich widersprach: "Sehen Sie, zu welchen Ungeheuerlichkeiten solche Mystik führt."

    Er schwieg und bedachte, es sei etwas Wahres an meiner Behauptung.

    Aus dem Grunde verwarf er meine Bemerkungen nicht, und wartete, was weiter passiert. Die Erklärung kam bald. In der Frühpost war der mit Kreuzchen bemalte Brief. Es war wirklich zu stark, den Inhalt eines Briefes zu wissen, der erst zukommen sollte, und der sogar einen Befehl enthielt, er dürfte nicht in meine Hände geraten, sondern ich sollte seinen Inhalt anhören, zu rechter Zeit, wenn sie mir diesen herunterlegen werden können.

    Dann kam die Weile. Des Chefs Bruder berief mich zur Seite und las mir das Schreiben, während er mich dabei beobachtete. Freilich, lieber Freund, dachte ich mir, auf meiner Miene erkennst du nichts. Und die Worte des Briefes schlugen irrsinnig.

    "Im Namen Melchisedechs ordne ich Herrn Minarik an, daß er seine Kontakte mit Belial unterbricht. Er ist ein Stümper, der durch niedrige Kräfte Udana bemächtigte, und jetzt schadet er dadurch den Leuten... Ich befehle ihm, daß er sowie seine Mitschuldigen sechs Wochen hindurch in die Kirche zur heiligen Beichte und zum heiligen Abendmahl gehen, und dadurch sie die schwere Strafe abwenden, die auf sie wie ein Schnellzug fällt." Dann noch irgendeines Gerede mit dem Beifügen, daß der Brief nicht in meine Hände kommen darf, und basta.

    "Was sagen Sie dazu?" fragte mich des Chefs Bruder an. Ich schmunzelte und sagte: "Euer Führer wird es mit mir schwer haben. Im Weltall findet er mich nicht, weil ich mich zu verstecken weiß." Und dann schwieg ich.

    Sie steckten die Köpfe zusammen: „Er ist unverbesserlich, mit Sicherheit ist er ein Schwarzmagiker, wie es unser Führer schrieb. Wir sollen uns von ihm isolieren, riet er uns. Das bedeutet, wir sollen ihn entlassen.“

    Mit diesem Resultat kam des Chefs Bruder wieder zu mir.

    Ich fragte an:

    „Wollen Sie das tun?“

    Nein, so weit traute er sich nicht es zu treiben, denn ich war der „schwarze Magiker“. Aber seit der Zeit war ich für sie ein fremder Mensch. Diese Tatsache bekräftigte ich ihnen, denn, wenn sie sich den Brief auf mich in die Versammlung zurechtmachten, um mich zu entlarven, so trat ich hin nicht ein.

    Es gab dort einige jungen Menschen, und die setzten sich für mich ein. Es wäre mir lieber gewesen, daß sie es nicht taten, weil es für mich nur schlimmer sein konnte. Übrigens, beim Fortgehen aus dem letzten Treffen, auf welches ich kam, fragte mich Herr D., dem ich die Übungen gegen Besessenheit auferteilte:

    „Macht ihr ihm im Betrieb keine Schwierigkeiten?“

    Damit sie nicht in Verlegenheit waren, log ich für sie: „“Nein, nichts ist los.“

    Mittlerweile schwebte über mir das Schwert des Damokles infolge der Arbeitslosigkeit, die in der Zeit einzutreffen war, wenn die bereits vergangene Verschwörung nicht mehr wirksam sein wird. Ich hätte die Zukunft befurchten können, hätte ich nicht gewusst, daß dem Verurteilten nichts hilft, wenn er sich widersetzt, dem Henker seinen Kopf in die Schlinge hineinzustecken.

    Ich wurde also den übrigen Angestellten gleichgestellt, die öfter hörten: „Geh´, oder ich gebe dir ´nen Tritt in den A.....“ – Mir dagegen begegneten sie anständig.

    Eines Tages sprach mich der letzte Geschäftsteilhaber an und sagte: „Na ja, wissen´s, s´is nicht gut schwarze Magie zu treiben.“

    „Wer hat ihnen gesagt, daß ich schwarze Magie mache?“

    „Na ja, ich meine es nur als einen Ratschlag.“

    Ich schwieg schon und ging weiter. Dabei verdross mich, daß dieser Langbart, der dreißig Jahre Atemübungen übte und in sich die Heilige Jungfrau hatte, die ihm bessere Dinge sagte als der Hüter der Schwelle dem „Führer“, ließ sich von der Überzeugung der anderen hineinreißen, ich sei ein dunkles böswilliges Wesen. Nur lehnte er ab, an den „Aussenden der frommen Gedanken zur unseren Vernichtung“ Anteil zu haben, wie es zu mir der erste Auch-Mystiker mit innerer Stimme mitzuteilen herbeieilte. Seinen Anteil schlug er aus mit Begründung, er bekäme ein striktes Verbot über die Teilnahme an diesem „Gottesdienst“.

    Sie trieben daher zwölf Menschen in Pardubitz und zwölf in der Hauptstadt auf, und sandten aus Leibeskräften die „frommen Gedanken um uns zugrunde zu richten“.

    In der Zeit kam zu mir St., mein erster Pflegling in der Mystik. Er näherte sich zur Realisation und forschte manches ohne Plauderei.

    Er fragte:

    „Taten die Mystiker in Prag etwas gegen uns?“

    „Jawohl,“ sagte ich, „sie „senden fromme Gedanken aus, um uns zu vernichten.“

    „Also, es ist wahr,“ sagte er sich.

    „Und was machst du damit?“

    „Ich esse das,“ antwortete er.

    „Gut, also. Iß das,“ schloss ich darüber die Rede.

    Ja, bedachte ich, ihr Dummköpfe, Mystiker. Er isst das, und ich auch verdaue das irgendwie. Ihr würdet schon sehen, was passieren würde, wenn wir nicht bereitwillig wären.

    Alles aßen wir jedoch nicht auf. Die Existenzsorgen bedrängten mich, ich war schwach und schlaff, und so ließ ich etwas sein.

    Der Chef berief mich: „Also, sagen Sie mir ganz aufrichtig, ob Sie die Schwarzmagie treiben oder nicht.“

    „Also, hören Sie mal, Herr Fabrikant, wenn ich sagen würde, daß ich ein schwarzer Magiker bin, löge ich. Wenn ich hingegen sage, daß ich keiner bin, bedenken Sie, ich lüge, weil Ihr Führer behauptet, ich doch sei. Und schließlich, wenn guter Herrgott vom Himmel niederstiege, und mich auf Tausende Kleinstücke zerschnitte, und wenn auf jedem dieser Teile „MYSTIKER“ aufgeschrieben wäre, würdet ihr nicht glauben, weil euer Führer was anderes sagt.“

    „Sie können gehen,“ erwiderte er mir.

    Er war mit meiner Antwort unzufrieden und hatte nicht genug Intelligenz meine Geständnis zu begreifen.

    Mittlerweile wurden in die „Aussendung der frommen Gedanken“ immer die gleichen Menschen verwickelt. Plötzlich blieb ich stehen, eben als der Meister vorüberging. Er tat einen Blick in meine Augen, er erzitterte und sagte, während ich aussprach: „Sollte Frau J. darin auch sein?“

    „Das sind schreckliche Augen. Es steckt Tod und Leere in den.“

    Ich war aber schon wieder normal.

    Nach mehreren Tagen ging jedoch etwas vor. Die Gesellschaft, in deren Betrieb ich beschäftigt war, drohte einen Zerfall an. Der „Führer“ erkrankte an schmerzhafte Nervenentzündung. Frau J. wurde auch krank, und die Ärzte diagnostizierten bald Krebs.

    In der Zeit schrieb ich eurem "Führer", daß er mich in Ruhe lässt, weil er nicht weiß, mit wem er die Ehre hat, daß es an ihm bitter rächen könnte.

    Ich sollte an das alles, was eben passiert war, schuld gewesen sein, und es sollte noch mehr sein als die drei erwähnten Fälle.

    Ihr "Führer" erteilte erneut den Auftrag, sich zu isolieren, anders gesagt, mich zu entlassen. Aber die Gesellschaft war im Zerfall und das Interesse für meine Person hörte auf. Das fühlte ich als ein Nachlassen, und das öffnete mir auch den Weg, zum Chef zu gehen und zu verlangen, daß er mir sagt, bis er mit Sicherheit weiß, wann die Gesellschaft zu existieren aufhört.

    Ich brauchte vierzehn Tage für eine Aktion, die mich von der Not erretten sollte. Ich hatte nämlich eine Familie, in der neuen Firma konnte ich nicht arbeiten, weil sie wussten, ich sei ein "Protektionskind", und so in den vierzehn Tagen, bevor Sorgen auftauchen würden, konnte ich mystische Wirkung zur Rettung der Familie vor der Not tun.

    In der Zeit sagte der letzte Geschäftsteilhaber zu mir: "Na ja, wissen´s, Ihre Frau war bei uns und klagte sich, Sie sollen sie quälen. Gehört dies in die Mystik oder in die schwarze Magie?"

    "An meiner Mystik muss Ihnen nicht mehr gelegen sein, es geht um die Familienrettung," antwortete ich.

    Chef brummte ja und nein zusammen. - Im übrigen, wenn sie mir helfen möchten, könnten sie mich in ihren neuen Betrieb annehmen. Aber es war einfach erraten, daß sie das nicht vorhaben. Sie sollten sich abtrennen, und dies war eine gute Gelegenheit, mich los zu werden.

    Dann plötzlich verließen sie den Betrieb, und keiner sagte mir ein Wort in der Frist, wie ich verlangt hatte.

    Der neue Chef, der unser Fach nicht verstand, schaute mir dann in die Hände und fragte einen Lehrjungen an: "Kann der Minarik etwas?"

    "Sie sehen es ja," erwiderte der Junge.

    Es gab dort einen Mitarbeiter, und der, obwohl ich mit ihm nichts zu tun hatte, war gegen mich so eingenommen, wie es sich für einen Angehörigen der Unterwelt schickt. Und nicht nur platonisch. Er nährte im Chef das Misstrauen gegen mich, und zum Schluss bezeichnete er mich als einen Spion für die ehemaligen Chefs. So entließen sie mich für "Arbeitsmangel", wobei sie gleichzeitig ein paar andere Angestellter annahmen.

    Ich war wieder ganz herunter, diesmal ohne Aussicht einer Hilfe vom Gotteslicht, welches während der langen Zeit auslöschte. Weil ich eine gewisse Zeit in einer besseren Lage war, kümmerte mich die Haushaltkasse nicht; ich hatte viel zu sorgen. Ich warnte dennoch meine Ehefrau vor der üblen Zeit und erinnerte sie an gutes Wirtschaften und die Bildung eines kleinen Fonds, damit ich einen "Anlauf" für die neuen Verhältnisse hatte.

    Ich hörte die Beschäftigung auf und fragte: "Also, wie bist du daran?"

    Sie war verschuldet.

    Also, siehst du, Frau, du sagst, du habest mich dermaßen lieb, daß es sich gar nicht schildern lässt. Nicht nur, daß du dich über mich bei meinen Feinden beklagst, welche gierig nach meiner "Schlechtigkeit" spähen, sondern stellst du mich vor eine ganz unlösbare Situation.

    Ja, du berufst dich auf die Vernunft, auf das Gefühl der Liebe, das dich zu solchen Verleumdungen führt, obschon für das Schicksal solch ein Grund ungültig ist.

    Und so ging tief in meiner Seele ein Licht auf, daß es meine Feinde nicht nur draußen gibt, sondern auch zu Hause, in den vier Wänden, wo wir unser gemeinsames Leben führen.

    Ich war reif, die Familie zu verlassen, und der einige Grund es nicht zu tun, war, daß ich der Familie das Gefühl vom männlichen Schutz nicht wegnehmen wollte.

    Zu der Zeit erreichte St. die Realisation, und er bekam eine Anstellung bei der Firma, die mich entlassen hatte. Er wohnte bei uns, und so half er mit etwas ab und zu aus. Ich erstrebte, daß seine Realisation so gut wie möglich war, aber er war widerspenstig und wollte "seinen Weg" gehen. Ich ahnte darin schlimmere Enden als welche für das Leben der Lehre nötig waren.

    Er schritt schon zum "Todestor" fort, so wie ich in 1926 ging. Ich folgte ihm, damit ich sehen konnte, wie er vorgehen wird. Er war unerschrocken. Er schritt durch das Feld, über welches die christlichen Heiligen gingen. Ich sah ihre Enden, während er diese nur ahnen konnte, und das erregt bei den weniger kühnen Menschen ebenfalls den Schrecken.

    Da lagen Knochen und Schädel, dort, an der sonst unsichtbaren Wand, waren Spuren nach herausgetretenen Gehirnen, und in der Luft hoben sich Silhouetten des Schwellendämons ab, der die guten Leute bei ihren Beinen nahm und mit einem mächtigen Aufschwung schleuderte er mit ihnen gegen die Wand. Die Knochen brachen, sogar zerrieben, das Gehirn lief aus. Es klebte sich an die unsichtbare Wand, und das Blut bildete langsam auf dem Boden eine Kruste als ein Pflaster für diejenige, die zukünftig folgen sollten.

    Ich dachte nach: Seht, seht ihr, welche auf Papieren der Kirche als Heilige geltet für eure große Askese, die Treue der Kirche und "Christus". Zur Frömmigkeit braucht man auch Unterscheidungstauglichkeiten zu haben, falls man nicht in Schlingen der klaren Verführungen verfangen soll, die lediglich als für Mystik ungeeignete Gefühlsbewegungen auftauchen. Die Kirche kanonisierte euch heilig, weil ihr kein bürgerliches Leben führtet, sondern ihr wart Mönche. Es scheint mir nach der Unmenge hier, die einen Schlachthof der Vergangenheit darstellt, daß die Unmenge hier zuweilen ein Schlachthof der Gegenwart wird, und den Eindruck hervorruft, daß sie auch als Schlachthof der Zukunft gelten wird. Die Kirche wusste gar nichts über eure seelischen Kämpfe, die symbolisiert werden durch die Abwehr der versuchenden Gedanken und Erinnerungen, welche den Menschen zum Schluss sowieso in die Hände des Schwellendämons abgeben, der dann mit gutem Gewissen eben derart handelt.

    Ihr nahmt jedoch einen ehrenvollen Kampf auf, und ihr bliebt auf dem Schlachtfeld, ihr fielt nicht in der Flucht. Daher, obzwar ihr nicht im Himmel der Mystiker zu sehen seid, welche die Wand ohne Bedrohung vom Hüter der Schwelle überschreiten, doch blieb von euch etwas in der Luft, irgendeine Monade, die erneut verkörperlicht wird, und zwar mit der Voraussetzung des stärkeren verdienstvollen Karmas, das euch erlaubt, das Todestor siegreich durchzugehen, wenn ihr es immer wieder versucht.

    Die Leute unserer Zeiten, das heißt aus der Kali-Juga (Schwarze Zeit) scheinen überhaupt nicht tauglich zu sein, das Todestor mit vollem Bewußtsein zu überschreiten, oder genauer gesagt, mit dem vom Bewußtsein durchdrungenem Körper. Es fehlen ihnen nämlich karmische Qualitäten der Geschöpfe aus den sittlich wertvolleren Zeitaltern; im besten Falle können die Leute das Todestor und die Einweihung mit dem bis zum Grad des Halbbewusstseins gedämpften Bewußtsein durchgehen. Und diese Leute von heutzutage werden große Eingeweihten schon dadurch, daß sie im Körper im Zustand des Halbbewusstseins auszuharren wissen, wobei dieser halbwache Zustand ein Beschützer der widerspenstigen Kräfte dieses kritischen Augenblicks wird.

    Gewöhnlich geschieht, daß diejenige, welche sich in der Praxis der Mentalnitroversion vervollkommnen, und auf diese Weise die kritische Grenzlinie erreichen, welche die Welt der erleuchtenden Einweihung von der Welt der blinden Triebe und Leidenschaften trennt, in eine psychisch-physiologische Krise hinein geraten, bei welcher die Energien der Außenwelt immer stark genug sind, um im Todestor aus dem Menschen den letzten Atem ausschlagen zu können. Diese Leute, falls sie sich im Mut und in der Sehnsucht bis zur Qualität entwickeln, die wir mit dem Wort Gott bezeichnen, erwarben durch diese letzte Ausatmung ein Verdienst der höheren Existenz, das bedeutet, sie erscheinen in einer der Gotteswelten. Diejenige hingegen, die bisher mit den Neigungen ihrer Herzen und Geschlechte ringen müssen, fielen in die Hände des Hüters der Schwelle, der mit ihnen umging, wie ich bereits erwähnte.

    Ein nicht informierter Mensch könnte sich sagen, die von der Religion anerkannten Heiligen hatten mit Neigungen des Herzens und Geschlechts nichts zu tun. Aber es gibt zwei Sorten dieser Unzulänglichkeiten. Gröbere und feinere. Die feineren kann man nur so beseitigen, indem man aus seinem Wesen, das heißt aus dem Sinn, Bewußtsein und Körper, sogar die feinsten Spuren der Verwandtschaft mit den Leuten austreibt. Dies ist eine Aufgabe, mit welcher sich vielleicht nur ein Besitzer der rituellen Einweihung auseinanderzusetzen weiß, und nur ausnahmsweise einer, der zum mystischen Ziel aufs Geratewohl schreitet.

    Die christlichen Heiligen, bis auf Ausnahmen, gehörten in die zweite Kategorie der suchenden und anstrebenden Menschen. Darum betraf sie meistens das Unglück, daß sie in die Hände des Hüters der Schwelle kamen. Dies erscheint im Bereich der üblichen innerlichen Anschauung als ein sehr trauriger Umstand: nur der tiefste Lehrsatz der Lehre konstatiert und behauptet, daß das Schicksal solcher Wesen nur vorübergehend ist. Es wird als zerlegtes Material verstanden, und die Stärke vom Karma, die in ihrem schwachen Selbsterhaltungstrieb versteckt wird, besorgt ihnen einen neuen Körper, dessen Ausblicke auf den Erfolg immer besser werden, bis schließlich, ermöglicht er ihnen einen bedeutenden Erfolg zu erreichen, die wahre Einweihung.

    Denkt nicht, daß ich mich besser und stärker fühle. Nicht einmal ich ging diese Schwelle beim vollen Tagesbewusstsein hindurch. Ich sagte schon: Ich wurde über die Schwelle herübergezogen. Es mag wirklich von Christus gewesen sein, der mich dann als ein nichts bedeutender Junge aufweckte. Ob ein so aussehendes Wesen Christus sein mag, muss die Kirche gemäß ihren falschen theologischen Ansichten bestimmen. Ich war aber überzogen, und daher habe ich kein Recht, mich "groß" zu fühlen. Nur kam mir das Los heraus. Denn was anderes war das, als ich als ein Jüngling ohne Vernunft und theoretische Belehrung und in der schlimmen gesellschaftlichen und sozialen Lage auf den mystischen Weg eintrat? Mein verdienstvolles Karma war nur das, daß ich nicht begann, mich den Visionen, Gefühlen und Erlebnissen zu ergeben, und daß ich die relative Bedeutung der bürgerlichen Tugenden und Laster begriff, und darum ich kein vernichtendes Gewissen im Bereich der jogischen Sittsamkeit formte. Mein verdienstvolles Karma war, daß der Einfluss der Kirche auf mich von einem nicht existierenden Mörder-Pfarrer bestimmt wurde, daß mich das Schicksal sowie die Leute stießen, so daß ich mir nicht anmaßte etwas zu wissen, und daß ich keine Schulausbildung hatte, so daß ich mich im Zusammenhang mit der schrecklichen äußeren Not, als der letzte Mensch fühlte. Eben darin steckte meine Fähigkeit, im Unsichtbaren wie ein flüchtiges Tier in Wäldern zu wittern, die Geister, Götter und Astralwesen aller Stufen und Klassen vor mich als dieselbe durchtriebene Gesellschaft zu stellen, die einem nur insoweit freundschaftlich begegnen, wie er in der seelischen Stagnation und der absoluten Passivität diesen Wesen Nahrung gibt, wie Kühe den Leuten Milch.

    Wenn man durch allerseitige Wachsamkeit sein geistliches Euter verschließt oder herabzieht, werden ihm dann alle Feinde: Dämonen, Menschen sowie Götter. Aber um einen Irrtum zu vermeiden. Sie werden ihm Feinde nur etwas früher als dem Menschen, der dieses geistliche Euter nicht herunterzieht. Wenn das Euter des normalen Menschen aufhört die Milch der Lebenskraft zu lassen, bringen ihn dann diese Kinder aus Unsichtbarem um, wie ein Mensch eine Kuh schlachtet, wenn sie ihm kein Nutzen mehr bringt.

    Im Hinblick auf dies liegt es nicht daran, wie man sich benimmt. Wird er ein Jogin, ist er zuerst für gewisse unsichtbare Wesen ein widerspenstiges Vieh, und deshalb erstreben sie ihn zu zähmen oder zu töten. Ist er kein Jogin, benehmen sie sich zu ihm als zu einem beherrschbaren Vieh, dessen Zeit ihrer Meinung nach in dem Moment kommt, wo er aufhört, ihnen seine Lebenskraft abzugeben.

    Nun seid ihr, Heiligen, die Reste nach Lebewesen, die Reste, zerstreut auf dem Feld des geistlichen Schreckens und der Tugend. Ihr verlort hier eure Leben, denn ihr wusstet gar nicht Bescheid über die Gesetze der geistlichen Entwicklung, die durch die rituelle Einweihung beschleunigt wird. Eine Ausnahme sind die einigen, die durchgingen. Von der Kirche schlecht belehrt, wusstet ihr nur vermeintlich, was Gott ist, wie er aussieht, ihr wusstet auch, was die Sittlichkeit und Tugend ist und wie diese getrieben oder gelebt werden, und das alles stellte euch vor den falschen Gott und falschen Christus, die euch natürlich nicht erretteten. Es ist sogar überhaut nicht sicher, ob eben euer Gott und Christus nicht eines der unsichtbaren Wesen war, die euer Phantom der Schwelle gebildet hatte, und dann er euch so behandelte.

    Aber Betrachtungen beiseite. - Dort ging derjenige, dem ich riet. Darum schaute ich lieber zu, wie er sich betragen wird.

    Ich beobachtete ihn gut. Ich wusste nämlich, daß der Widerstand auf der Linie zum Todestor tangential steigt. Sein unsinniger Mut ohne notwendige Unterscheidungsfähigkeit, die ich hatte, mag dem Erfolg um jeden Preis entgegengegangen sein. Freilich. Er ging schon schwerer. Und der Dämon der Schwelle verkörperlichte sich in seiner Brust als die Ursubstanz, damit er dachte, daß ihm die Gottesstimme begleitet. Ich konnte ihn jetzt nicht warnen. Es wäre ihm unangenehm gekommen, daß ich ihm folgte, und dadurch würde die Sache nur schlimmer.

    Er war schon auf der Stelle, wo der Widerstand an der Grenze der menschlichen Tragfähigkeit liegt. Sein Hirn arbeitete wie eine Maschine und kombinierte Schritt für Schritt.

    Der Widerstand überschritt schon die menschliche Tragfähigkeit. Er resignierte nicht, aber betrug sich derart, daß er auch nicht gewinnen konnte.

    Die Ursubstanzen von Maro streckten sich von seinem Körper aus irgendwohin sehr weit längst der Wand, welche die zwei Sphären der unsichtbaren Welt trennt. Natürlich. Er wusste nicht, wie ich es immer wusste, daß der Preis hinter dem maximalen Widerstand liegt, und der Sieg lockte ihn, möge er jedweder...

    So bildete sich irgendwo der Medusenkopf und rief:

    "Hier ist das!"

    Wie sollte er nicht gehen. Er hatte ihren Körper in sich, und daher konnte er nicht erkennen, daß es um keine Gottesstimme geht, sondern nur um der Meduse Stimme.

    Ich folgte ihm, als er sich vom steilen zum Todestor führenden Abhang entfernte, und ich beerdigte die Hoffnung, daß er doch nur den so genannten Großen Sieg erzielen könnte.

    Er war schon dort, wo die Welt der Mystik von der Welt der Kluft getrennt wird. Es war also die höchste Zeit, und darum rief ich:

    „Sepp!“

    Er hörte eine andere Stimme als die vom Hüter der Schwelle, und diese Stimme trug in sich etwas zuverlässiger als seine innere. Daher sah er sich um. – Und während er sich umschaute, verschwand ich und auch das Feld, auf dem die Todespforte steht.

    Er schaute zurück, und der sonst kaum sichtlicher Abgrund, den er jetzt sehen können hätte, verschwand auch...

    Je weniger sich der nach der geistlichen Vollkommenheit oder der Rettung strebende Mensch auf die menschliche Anschauung verzichtet, desto mehr die wahre innere Stimme und die Stimme des Dunkels ihm die Stimme vom Unsichtbaren darstellen. Die völlige Vertauschung dieser hängt dann davon ab, daß der Mensch an Äußerungen der Komponenten seiner Existenz glaubt, die er durch seine frühere mystische Praxis dazu brachte, daß diese sich als aus dem höchsten Stoffe erschaffene Komponenten, aus einsamen Gott, betragen.

    Es ist nötig zu wissen, daß die durch mystische Kraft verwandelten Komponenten stets ihre damalige Beschaffenheit einhalten; eine veränderte Wirkung dieser noch vor dem Abschluss der Realisationsvorgänge nur ein Merkmal leistet, daß die äußerlichen Hindernisse der Entstehung wahrer Realisationsvorgänge überwunden wurden. Unmittelbar an der Grenze der wahren und hohen Realisation wird der Mensch so beschaffen, wie er vor dem Antritt des mystischen Weges war. Das Erreichen der Realisationsvorgänge ist in diesem Falle vergleichbar mit einem Treffer des Zieles vom geworfenen Gegenstand.

    Das heißt, die sittliche Bemühungen repräsentieren einen Bogen, die mystischen einen Pfeil und die Realisationsprozessen das Ziel. Ist der Pfeil unterwegs zum Ziel, ist er vom Direkteinfluss des Bogens befreit, das heißt, er ist das, was er materiell war. Nur das Ziel wird zeigen, wohin der Bogen den Pfeil richtete.

    Der kritische Moment des Anfangs der Realisation, über die ich spreche, ist charakteristisch durch Umwandlungen der durch sittliche Anstrengung beeinflussten Reaktionen in Reaktionen natürlicher Art. Darum nur diejenige, die das vorige mystische Anstreben ausschließlich als operativ auffassen, können deutlich erkennen, daß die "Stimme der Tugend" oder "Gottesstimme" eben von der "Stimme vom Hüter der Schwelle " vertreten ist. Wenn sie das unterscheiden, fangen sie an, sich nur über Merkzeichen der Stelle zu orientieren, und das ist eine Voraussetzung für den "Großen Sieg".

    Auf Grund dieser Erklärung begreift der Leser, daß im Laufe des mystischen Weges alles geändert wird, so daß weder Situationen noch Augenblicke der Geschehnisse wiederholt werden. Aus dem Grunde muss man den gesamten Scharfsinn anspannen, und die Individualität entfernen, soll der Erfolg im mystischen Anstreben gut und wahr sein. Gibt es diese Voraussetzungen nicht, hört der Mystiker auf, ein Mystiker zu sein, und er wird zu einem Träumer, zu jemandem, der in guten und schlechten Visionen ertrinkt, oder, der solche Wege geht, auf denen er zum Schluss fehlgeht. Du, welcher um jeden Preis hinter dem Erfolg her warst, hättest du mit Sicherheit nichts darüber gesagt, was passiert war, und - so begrüßte ich dich mit einer Bekanntmachung, daß du auf diesem Wegabschnitt verloren hattest, und daß ich dich angerufen hatte, und so weiter. Du hattest so gut wie ich gewusst, daß du die Todespforte nicht durchgegangen warst, und daher musstest du mit der Farbe heraus.

    Warum fielst du nicht nur auf die Knie, sondern hieltst du daran fest, du seiest ein großer Mystiker? Natürlich, diese Überzeugung wird dir viele Vorteile vor den weltlichen Leuten zuwenden, auf der anderen Seite stellt sie nur einen zweifelhaften Preis dar, der todbringend ist. Übrigens stellte sich der Fehler nach einiger Zeit heraus, denn er empfing als eine gewisse Wichtigkeit ein Amt vom Hüter der Schwelle, als er das vorige vorrückte. Mich imponierte jedoch sein Selbstbewusstsein in dieser Funktion nicht. Darum wollte ich ihm beweisen, daß die seine jetzige Allmacht wesentlich, wesentlich beschränkt ist.

    Er war gerade beschäftigt, und dies war die beste Zeit für einen Beweis. Er saß am Tor mit flammenden Augen, und mit Sicherheit, daß niemand durchgeht.

    Also, ich ging und führte meine Ehefrau mit. Ich war natürlich nicht so dumm, um nicht zu wissen, daß sein einziger Blick in ihr zum letzten Rest das Licht verbrannt hätte, das jeder Mensch in der Brust hat, falls er nicht völlig dem Teufel verfallen hatte. Ich stellte sie also hinter mich und "stand ihr Mauer" beim Übergang.

    Er war gerade beschäftigt und konnte die verbrennenden Strahlen seiner Augen nicht dermaßen steigern, damit sie durch meinen Körper durchdrangen und meinen Schützling verbrannten. So konnten wir ohne Unfall durchgehen.

    Als er aus der Arbeit kam, begrüßte ich ihn mit Worten:

    "Also, ist deine Macht absolut? Wie findest du meinen Übergang mit Ännchen?"

    "Na ja, aber sie war in Ihrem Schutz," erwiderte er.

    Ich bedachte: Du solltest wissen, daß die absolute Macht nie vor irgendeinem Minarik stehen bliebe. Aber du weißt es nicht, weil du mit Kräften spielst. Du wirst Schläge bekommen, weil du mich und insbesondere Ännchen gehen ließest. Wann, daran kommt es nicht an.

    Ich warnte ihn, aber er beherzigte es nicht. Er nahm an, ich sei gewisse Weise ein Dummkopf. Mein Elend und die Schwierigkeiten leiteten ihn dazu an. Nur daß dieses Elend und die Schwierigkeiten einen tiefen Sinn hatten. Das wusste ich im Grunde meines Wesens, und weil ich mich nie irrte, irrte ich mich nicht einmal damals. Der Schaden, der aus diesem Missverständnis erwuchs, war darin, daß wir nicht einig wurden, sondern wir zersplitterten. Lauter "Meister", und mittlerweile: Nur Teufel wissen zu organisieren. Mystiker, die "tugendhaften" Menschen, teilen sich unter des Teufels Schlagwort: DIVIDE ET IMPERA!

    Ich war überdrüssig. Es fiel mir ein, daß die Mystiker organisieren zu wollen, derselbe Versuch ist als Sand bündeln zu wollen.


    Hierdurch lief die Zeit ab, wo ich an der Grenzlinie zweier Welten stand, und wo ich mich einigermaßen durch mystische Kräfte schützen konnte. Mit Rücksicht darauf waren alle meinen Lebensproben dieser Zeit eher sportlicher als schicksalhafter Art. Ich hatte nämlich noch sehr viel Lebenskraft, über die ich unter bestimmter Voraussetzung zu meinem Wohl verfügen konnte. Aus dem mystischen Gesichtspunkt muss jedoch eine solche Situation einen Abschluss finden. Man muss dazu gelangen, die mystischen Werte im ganz natürlichen Zustand zu leben. Dieser Zustand symbolisiert natürlich keine Jugendzeit mit dem Überschuss an Kraft und Vitalität, sondern das Alter, dessen Leben auf reifen karmischen Werten beruht, die man passiv akzeptiert. Aus dem Grunde ging auch ich seit diesem Augenblick wirksameren Proben entgegen, aber meine bisherige Lebensweise versprach, daß ich nach weiteren Lebensproben aus den Schwierigkeiten ganz ruhig auftauchen werde.

    Jawohl, Mystiker! Die mystische Reife zeigt das wahre Antlitz erst nach dem Abebben des Elans der Jugend, den ein Jüngling sowie ein Greis besitzen kann. Falls die mystische Reife des Menschen fraglich war, findet sich man dann am Ende der überschwänglichen Vitalität im Zustand eines animalischen Wesens, wenn auch er sich bisher als ein „mystischer Riese“ erschien. Aus dem Grunde vertrete ich die Ansicht, die unsere sämtliche mystische Anstrengung müsse zur Bildung Voraussetzungen für innere Stabilisierung in mystischen Interessen führen, die sich in einer nicht erlahmenden Sehnsucht nach der höchsten Erreichung kundgeben müssen, statt wie gewohnt, im Pessimismus oder in der Apathie des Alters. Ich weiß nämlich, daß die scheinbaren Tendenzen, die aus der strotzenden Energie der Jugend resultieren, immer wieder von den entwickelten intellektuellen und sittlichen Werten bezwungen werden, welche die ganze Zeit der jugendlichen seelischen Aktivität tief im Wesen als latente Dispositionen siedeln. Ich weiß, daß es nötig ist, eben diese Werte zu verändern, und erst dann wird die mystische Anstrengung bedeutungsvoll sein. Andernfalls können die mystischen Bemühungen eine Huldigung den vergänglichen mystischen Zuständen bedeuten, obwohl sie für ihre Natur göttlich oder mystisch vorkommen.

    Mit dieser Erkenntnis ging ich ins weitere Leben, und darum war ich bereit derart zu handeln, wie ich im weiteren Text zitiere.

    Bezüglich der Erfahrungen mit den in dieser Kapitel erwähnten Mystikern kann ich nur hinzufügen: Ich kenne gut die Mystik, und deshalb ist es mir bekannt, daß nur in seltenen Fällen ein Anhänger so weit durchdringt, daß er aufhört ein Mensch mit Trieben und Leidenschaften der mystisch gar nicht geschulten Leuten zu sein. Es scheint nämlich, daß die Grundidee der Mystik, die vorausgesetzt, durch das Feuer des vorgeschriebenen Benehmens die Individualität zu vernichten, in Unzahl von schönen Theorien verloren liegt, die mit dem Leben überhaupt nichts gemein haben. Hierdurch geschieht, daß die meisten Mystikanhänger ihre Mystik in einigen Übungen, Erlebnissen und Kenntnissen erblicken, keineswegs aber in der Lebensweise, durch welche von Sehnsucht durchtränkte Persönlichkeit verbrannt wird.

    Jawohl. Ich traf so genannte Mystiker, in Wirklichkeit nur Menschen, die Mystik lediglich bekannten. Sie lebten ihre Alltagsleben, und es fiel ihnen gar nicht ein, daß die Mystik einen Eingriff bedeutet in eben diese Lebensweise an allem Anfang der Praxis. Aus dem Grunde musste zwischen mir und ihnen ein Zwiespalt entstehen. Sie konnten doch nicht erkennen, daß die Theorie und die Praxis zwei unterschiedliche Sachen sind, und mit Rücksicht auf ihre Oberflächlichkeit konnten sie nur der suggestiven Kraft verfallen, die durch eine Verwunderung der Leute hervorgebracht wird. Dies ist aber Verwunderung der unwissenden Menschen hinsichtlich einer neuen und nicht erkannten Theorie.

    Bis zur Begegnung mit diesen Mystikern beruhte mein Leben auf der Praxis. Ich war allein, und daher war für mich wertlos eine Theorie, deren vollkommenes Begreifen mich in den Augen anderer Leute hervorheben könnte. Ich stand einfach vor der unverzeihlichen Tatsache der eigenen Unvollkommenheit, und es blieb mir daher nichts übrig, als mich mit ihr auseinanderzusetzen, damit ich vor mir selbst zufrieden sein könnte, und nicht, weil ich von jemandem anerkannt wurde. So kam ich in das kultivierte mystische Leben der mystischen Theoretiker wie ein Wilder, gewohnt an direkte Ansichte in die harte Wirklichkeit, ich kam in den Salon der Diplomaten, wo sich das Leben nach dem Verrat richtet, der das Herzen beherrscht, aber ist von einer angenehmen Mimik zugedeckt.

    Das war eine furchtbare Wirklichkeit, die ich nicht erwartete. Darum kam ich unter die „Salonmystiker“ mit einer großen Umsicht hin. Und ich versuchte die Repräsentanten dieser Mystik, indem ich plötzlich und voll mein Herzen erschloss. Ich wusste nämlich, daß darauf die „nicht verinnerlichten“ Menschen mit dem höchsten Misstrauen, und im allgemeinen mit dem Argwohn reagieren. Hiermit brachte ich Licht in die gesamte Situation, und ich konnte nicht in eine unreine Vorspiegelung von etwas nicht existierendem hingerissen werden, möge es die Vorspiegelung bewusst oder unbewusst sein. Unter diesen Umständen ging ich diese Periode ohne Schaden am Geist durch, und die Erfahrungen mit den Mystikern ergänzten das Mosaik der mystischen Vollendung, die von vielen eindrucksvollen Kenntnissen geschmückt wurden.

    Was solche Schüler der Mystik betrifft, wie z.B. der erwähnte St., diese können enttäuschen. Es ist nämlich ungewöhnlich schwierig, das Selbstbewusstsein des geführten Menschen zu beseitigen, ohne andere Beschädigungen an seinem Geiste anzurichten, und darum muss man immer bei Einweihung dieser Menschen etwas riskieren. Übrigens ist es möglich vorauszusetzen, daß jede Einweihung, die gewisse gute Ergebnisse im Leben der geführten Leute hinterlässt, immer gut ist, und die Ergebnisse wären viel zu gut, wenn sie einen vollkommenen Einklang zwischen dem Eingeweihten und seinem Schüler darstellen würden. Unter solchen Umständen wird nämlich eine heilige Dynastie der Gurus gestiftet, wozu bei der Einweihung von St. die Bedingungen noch nicht gegeben wurden.

    Ich musste daher ins weitere Leben für zusätzliche Erfahrungen schreiten, die solche „Linie der Gurus“ zu stiften erlauben würden. Ausschließlich aus dem Grunde lief mein Leben weiter; ohne Rücksicht darauf brauchte ich mich nicht mehr zu vervollkommnen, und ich hätte schon sterben können mit einer Aussicht eines großen Erfolges.