Kapitel III
Die Realisation:

    Als ich den mystischen Weg eintrat, eben des Tages, als ich die sämtlichen Prinzipien vom Yoga aufnahm, also auch das absolute Zölibat, trat in mein Bewusstsein ein Mädchen ein. Natürlich wurde dies für mich keine Tatsache, sondern ein Komplex. Ich rechnete damit so ab, wie es für keinen Yogi abzurechnen ist. Das Mädchen als eine Vorstellung sandte ich wieder zu ihr selbst zurück, mit Wunsch alles Bestes. Auf diese Weise knüpfte ich jedoch eine Verbindung, die nicht erlaubt ist, falls das gesamte mystische Durchleben ohne Echo in der Welt verlaufen soll. Das heißt, ich machte mich so los, wie sich nur ein Dilettant losmachen kann. Ich übergab ihr nämlich ein Wunsch alles Bestes und somit auch ein Teil von mir selbst. Und so im Moment, wo ich der feindlichen Elementspannung entgegengestellt wurde, kam noch eine Erkenntnis, daß es zu Reaktionen an meine Erfahrungen auch beim Wesen kommt, das mich sicher nicht lieb haben konnte, mich, einen Ausgestoßenen der menschlichen Gesellschaft, und zwar wegen der Armut, nicht wegen der Schlechtigkeit.

    Ich überlegte, daß ich das alles ausbessern muss. Deshalb sprach ich sie an, ging ich mit ihr einige Zeit herum, und das alles nur zu dem einen Zweck, ihre Beziehungen zu mir zu lösen. Alles ging mir quer. Das war offensichtlicher für mich als für sie selbst. Und inzwischen loderte ab und zu eine giftige Spannung im Körper empor und drängte auf eine Lösung. Ich konnte also nicht warten. Ich verriet ihr, daß sie mir sympathisch ist und daß ich mich ihr verbinden würde Verpflichtung gegenüber ihr eingehen würde, falls sie mein Yoga anerkennen und aufnehmen würde. Aber bei ihr erregten schon bloße Kleinigkeiten Angst. Ich las nämlich ihre Gedanken, erzählte ihre Nachtträume, legte anscheinend unverfänglich etwas über die Ideale junger Mädchen dar, während sie darin eben ihre Ideale aus der Kindheit erkannte. Später sagte sie mir: „Wenn sie so hellsehend sind, sagen sie mir, was mein Vater gerade macht.“ „Ich laufe schon hinzuschauen,“ antwortete ich und in fünf Sekunden sagte ich: „Es liegt nicht daran, was er gerade jetzt macht, aber wenn wir hinkommen, wird er vom Birnbaum herunterkriechen. Eine Stunde später überzeugte sie sich, daß es wirklich so war.

    Auf meine Bekenntnis erwiderte sie, würde ich das Yoga aufgeben, wäre alles gut. Die Sache war mir klar. Ich muss mich von ihr sofort lossagen. Daher ging ich sehr schell fort, mit dem Gefühl, daß ich vor ihren Augen wachse als ein fremdes, unweltliches, unbekanntes und nicht erkennbares Wesen.

    Daraus entstand ein Gewitter, das sich nicht legen wollte. Deshalb konnte ich nichts davon ausbessern, was ich mit dem guten Vorsatz verübt hatte, so entschied ich mich das Beschwören zu benutzen. Ich wollte der Welt mein Durchleben nicht als der geistig lebenden Menschen Gefühle geben, denn ich wusste schon, daß dies eine Sünde bedeutet, die man vermeiden muß. Ich durfte jedoch versuchen, diese Gefühle der Welt als eine Lehre zu geben, nur als eine Lehre.

    Ich fing mit Beschwören an und vor meinen Augen erhob sich ein Finsternis, was mir eine Verheimlichung meines Yogas garantierte.

    Vorläufig wurden alle Kräfte in mir irgendwie seltsam zur Entladung nur in eine Richtung zugespitzt. Das gefiel mir nicht. Ich war gewöhnt, das gesamte Geschehen in der psychischen Welt selbst zu regulieren. Aber schließlich was! Ich entschloss mich weiterzugehen, ohne daß ich genau wusste, wie.

    Ich ging spazieren. Es war ein mäßig unfreundlicher Septembertag. Seltsame Gifte kreisten durch meinen Körper und das zwang mich zu ständigem Ausgleichen der inneren Zustände. Plötzlich stellte ich fest, daß etwas glühendes, ähnlich einem Fladen, auf meinen Scheitel zu sitzen pflegt. Ich bedachte: Ich muss probieren, das aus meinem Körper zu entfernen. Darum konzentrierte ich mich direkt gegen eine ganze Reihe meistens ungünstige Gefühle. Ich trotzte ihnen mittels möglichst großen Aufspannens vom Gefühl, welches mit Bewusstseinszustand an der Grenze der Zeitlosigkeit und Grenzenlosigkeit verknüpft ist. Dieses Gefühl ist nämlich kühlend und unermesslich wirksam.

    Aber statt die ungünstigen Gefühle durch dieses ersetzt zu haben, wurden sie miteinander durchsetzt. Und später stieg das glühend giftige Gefühl hinab. Es war schon im Hals und ich konnte nur beobachten, als ob mir alles im Hals anschwellen und mit böser magnetischer Spannung dunkel würde. Und das Gefühl stieg tiefer herunter. Es war schon im Brustkorb und damit stellte sich in meiner Brust ein reißender Schmerz ein.

    Ich konnte bereits ahnen, daß etwas Schreckliches kommt. Ich verspürte schon eine dämonische Kraft in meinen Augen, die sich dadurch bewies, daß ein einziger Anblick an ein bespanntes Pferd es zum Boden herabstoß. - Vielleicht ist es nur ein Zufall, redete ich mir meinen ernsthaften Verdacht aus. Daher ging ich weiter. - Ein zweites Gespann, ein Anblick an Pferd, welches wieder wie umgehauen zur Erde sinkt...

    Keine Ausrede mehr. Rasch kehrte ich zurück nach Hause und vermied es jemanden anzuschauen.

    Ein Orkan entlud sich...

    Es stellte sich die R e a l i s a t i o n ein.

    Durch die Wirkung der Realisation sollte ich erleben, daß ich die göttlichen Gefühle, das Bewusstsein und das Wissen im natürlichen Zustand tragen werde. Was ich aber dafür zahlen werde, wusste ich damals gar nicht. Das reine Höllenfeuer erreichte nämlich schon die Fußsohlen und kehrte zum Scheitel zurück. Immer wieder wurde dieser Ab- und Aufstieg des Höllenfeuers wiederholt, und zwar in etwa ein paar Sekunden. Und wenn ich versuchte, mit der Sehkraft die psychischen Nervenzentren in und längs der Wirbelsäule zu erretten, war ich dessen nicht imstande. In kurzer Zeit war ich unermesslich ermüdet von der erschöpfenden Kraft und der Wirkung des Höllenfeuers. Und so wurden schon die nicht weniger giftigen Wasser von Styx mit Höllenflammen vermischt...

    Alle psychischen Zentren waren schon durch wutentbrannte Elemente, nämlich durch Feuer, Finsternis und Chaos, verschluckt. Die Zentren faulten ab, und ich musste einen schweren Fäulnisgeruch im Hals riechen...

    Ich lenkte also die Aufmerksamkeit zu angenehmeren Sachen ab. Ich griff schon nur nach einem Lichtlein, das noch vor kurzem ein großes Licht war, welches sich in die äußersten Fernen des Kosmos erstreckte. Sogar musste ich mich an ihm festhalten. Denn neue Wellen des Urchaos, das eine Vermischung der Dunkelheiten mit dem Licht, der angenehmen mit unangenehmen Gefühlen und alles Guten mit Bösem bedeutet, verlegten die Horizonte meines Anblicks und riefen unerträgliche Gefühle einer „grässlichen Einweihung“ hervor, bei deren alles Unreife, Sieche, Menschliche und Zeitliche vernichtet wurde und vernichtet werden musste. In Ohren donnerte mir schon ein schreckliches Pfeifen, Rollen und Krachen, welches in unerträglichen Lauten gipfelte, als würde die Erde halbiert. Was sonst blieb mir also übrig, als meine Aufmerksamkeit auf die Stille zu lenken, die mich vor kurzem in Glückseligkeiten einwiegte! Aber diese Aufmerksamkeitslenkung war nicht einfach. Das Feuer in meinem Körper wirkte wie ein böser Geist. Mein Körper wurde mit Rotflecken gleichsam Brandwunden bedeckt, und zwar gänzlich, außer Fußsohlen, Hände, Halses und Gesichts, während ich sonst ein Opfer unleidlicher Geistzustände wurde, die einen klar mystischen Charakter aufwiesen. Hierdurch ist jedoch nicht gesagt, daß es um Zustände ging, die auf das Durchleben gewisser Abstraktionen hinwiesen, sondern sie zeigten sich als Einprägen wesentlicher Lebenserfahrungen ins Wesen, welche in der normalen Lebensweise nur selten zu erreichen sind. Und eben mit Rücksicht auf dies ist das hastige Aufstauen der Lebenskräfte, welches die wahre mystische Realisation dartut, ein realer Prozess, der sich immer als sehr schmerzhaft im unmittelbaren Sinne zeigt. Aus dem Gesichtspunkt der langen Zeit dagegen, erscheint er als ein Vorgang, der dem Lebensdurst ausglättet, zumindest auf der Ebene der Tendenzen, die sich anderseits als ein Gelüste erweisen. Aus dem Grunde können wir die wahre mystische Realisation für einen Erfolg in Eingriffen in die Kohäsion der Wesenfaktoren halten, was in Änderungen der Entgegenwirkungen der Faktoren zum Ausdruck kommt, und diese Tatsache an und für sich, d.h. unabhängig vom Menschenwillen, ruft mystisches Schmelzen, Depressionen, Standeskrisen und elektromagnetische Umstürze im Wesen hervor. Das im ganzen stellt einen Transsubstantinationsprozeß dar, der uns, unter Voraussetzung der Erhaltung des Geistes in dem nicht differenzierten Bereich, auf die Sonne der Erkenntnis der überweltlichen oder göttlichen Qualitäten hinaufträgt. Die Erkenntnis dieser Qualitäten ist verknüpft mit der bewussten Aufmerksamkeitsrichtung auf das Selbstbewusstsein, das sich im Ichgefühl kundgibt. Dies ist der erste Schritt auf dem Wege zu einer, so genannten Großen Realisation, die wir als Nirwana qualifizieren dürfen.

    Mein Leiden dauerte schon mehrere Tage. Das Feuer kehrte vom Kopf in die Fußsohlen und von den Fußsohlen in den Kopf zurück, sozusagen im Nu, und jeder seiner Aufstiege war ein mystischer Vorgang zum geistigen und mystischen Triumph und der Abstieg hingegen ein Rückgang in die schwächste Menschlichkeit. Jawohl! Ich erkannte den mystischen Weg, denn ich ging ihn einmal, zweimal, zehnmal, hundertmal, mehrere hundertmal durch, immer mit dem hinauf- und hinabsteigenden Feuer.

    Inzwischen:

    Meine Sehkraft wurde so aufgereizt, daß ich durch die Wände sehen konnte wie durch einigermaßen dichtere Wolken. Ich rief um Hilfe und darauf erblickte ich einen aus der enormen Ferne kommenden Greis, der sich mir mit sonderbar kontrastierenden winzigen Schritten näherte, in einigen Sekunden mit gewaltiger Geschwindigkeit, irgendwoher aus einem Land im fernen Orient, und er stellte sich schon vor mich. Ich klagte: Schau, was mit mir los ist. In seiner Miene erschien auf diese Klage eine Spur vom Lächeln, die ein Verständnis spendete. Er nickte den Kopf und ich verstand: Alles in Ordnung. – In welcher Ordnung denn. In der Brust tobte so ein schreckliches Gefühl, das drohte, daß mein Körper zerspringen wird, wie die Körper der Schwarzmagier, welche die Einweihung missbrauchten. Und diese unerträglichen Gefühle zwangen mich schon nur neben meinem Körper zu stehen, aus welchem ich gewissermaßen reduzierte Gefühle empfing. In dem Zeitraum verkörperte sich in mich etwas wie ein Cherub und mein Körper fiel bewusstlos zum Boden...

    Später erwachte ich zum körperlichen Bewusstsein, aber das Bewusstsein, in dem wir uns ruhig mit der Welt beschäftigen, war völlig erloschen. – Ich musste wahnsinnig werden. Wenn nicht für mich, dann sicherlich für die Leute. Ich hatte aber keine Gradmesser. Jedenfalls wollte ich mich retten. Deshalb modellierte ich vor meinen geistlichen Augen konkrete Vorstellungen sichtbarer Dinge und ich war strebsam, mich selbst präzise zu vergegenwärtigen. Ich wusste, daß dies mich errettet.

    Bei alledem setzten die Trugbilder und Erlebnisse fort. Mein Körper wurde gegeißelt, die Peitsche schlang um meinen Leib, etwas spuckte mir ins Gesicht, auf meinen Kopf wurde eine Dornenkrone, ähnlich einem Hut oder einer Tiara, aufgesetzt, und ein Dornenkranz umklammerte mein Herz, in welches er stach, sobald es von Spannung zerspringen wollte. In Wahrheit hustete ich ganze Klumpe Blut aus, und auf dem Gefühlsniveau schien mir eine scharfe Säge innerhalb der Brust vorne über das Bein geglitten zu sein. Dies erregte Gefühle, die meiner Meinung nach die Fähigkeiten des Menschen, den Schmerz zu ertragen, überschritten. Dabei wurde von meinem Körper ein sehr dunkles Wesen abgetrennt und es entfernte sich mit schwankenden Schritten von mir. Ich musste in ihm einen verkörperlichten Komplex meiner eigenen Sünden und der karmischen Spannung erblicken, was alles aus meiner unabsehbaren Vergangenheit stammte. Ich befürchtete seine Rückkehr in meinen Körper und wollte vorbeugen, indem ich das Dunkelwesen verfluchte, damit es noch dunkler würde und damit es qualitativ meines sich gerade purgierenden Wesens fernhielte.

    Und selbst wenn diese sämtlichen Erlebnisse und Zustände untragbar waren, schien es nicht an den Tod denken zu können. Der hieße nämlich eine Erleichterung und Befreiung. Darum musste ich dieses Sägen und andere mystischen Zustände ertragen, solange der Schmerz sich selbst in grässlichen Gefühlen nicht übertraf. Dabei wickelte sich eine gewisse Schlange um meinen dezimierten Körper und stellte scharf ihren Kopf mit einer giftigen, flinken Zunge und mit schrillem Zischen gegenüber meinem Gesicht auf. Ich war umwunden und daher zuviel in Not, um mich bewegen zu können. Aber statt der Angst entstand in mir eine Resignation und das Segnen der Schlange, und zwar schneller, als der Tod kommen konnte. Aber da wand sich die Schlange schon weg und gekräftigt schlich sie davon, während in meinem Bauch ein unter kritischen Zuständen geborenes Kind jammerte und in meinem Sinne loderte ein furchtbarer Verdacht: Ist dies alles eine Äußerung der schwarzen oder weißen Magie? Aber später entschloss ich: Es mag keine schwarze Magie sein, weil ich nach dem Wohl sehnte, ich wollte das Wohl und ich hielt das Gebot vom Wunsch des Guten allen Wesen ein, jenes buddhistische Metta, das mir das Lehrbuch vorlegte als eins der sittlichen Postulate. Aber dann verdächtigte ich mich wieder: war nicht vielleicht irgendwo in meinem Unterbewusstsein eine Sehnsucht nach dem Bösen, der Macht und der Herrschaft über etwas? Da griff aber schon eine unsichtbare, furchtbare Hand ins blutige Fleisch meines Herzens, sie ergriff etwas und riss es aus dem Körper ohne Mitleid und Verständnis für den Schmerz, den sie verursachte.

    Ich brach physisch zusammen und erkannte: Dies ist das Herausreißen der Blume des Übels. Jawohl, das Übel war in mir, trotz meiner eventuellen Gedanken, daß ich gut und überscholten bin, weil ich bürgerlich gesehen nichts tat, was schon für böses gehalten wird. Und dies, wie ich heute weiß, betrifft jeden Menschen, der mystisch wiederauferstehen und dorthin gelangen möchte, wohin ein Christ nach seiner Meinung für das unbescholtene Leben eines Gläubigen und für die Zuständigkeit zu einer der christlichen Religionen kommt.

    Später verspürte ich in meiner gedrückten Hand ein Schwertheft. Ich hob das unsichtbare Schwert vor meine Augen auf. Es entspross ihm die Gotteskraft, und ich konnte lächeln, welch ein eindrucksvolles Spielzeug ich in meine Hände erhalten hatte. Inzwischen häuften sich um mich Schattenfiguren, die einen Halbkreis formierten. Ich konnte nicht weitergehen. Mir war aber alles gleich. Das Schwert fand ich sehr wirkungsvoll, deshalb beachtete ich nur das. Aber... Warum stehen da die Wesen vor mir, und sie können nicht vorrücken? Ich zielte die Schwertspitze auf sie. Sie sanken zum Boden, ohne daß mein unsichtbares Schwert sie berührte... Also hier liegt die Ursache?, dachte ich.

    Es ziemt sich für einen Kämpfer nicht, mit Vorteil einer wirksamen magischen Waffe zu kämpfen. Deshalb nahm ich das Schwert in beide Hände und mit einem Schwung brach ich es übers Knie. Und das Schwert gab von sich den Laut brechenden Metalls. Beide Hälften warf ich dann von mir weg.

    Diese waren noch nicht mal zum Boden gefallen als ich sofort von einer Menge blutgieriger, finsterer Wesen überhäuft wurde. Ich wurde in Fesseln gelegt, aufgehoben und ans Kreuz geschlagen. Nicht aber an das wahre christliche, das gemalte, sondern an zwei übereinander gelegte Balken. Ich erschlaffte, aber dann kam ich wieder zu mir...

    Ich entschied, daß es am besten wäre, sich zu niemandes Spektakel aufzuführen. Ich übertrug das Bewusstsein in mich auf einen anderen Faktor und dadurch wurde ich von meinem Körper lose. Ich stieg also aus dem Kreuz herunter und, mich selbst ansehend, wie ich hange, lächelte ich mich an und war entschlossen wegzugehen. Gleich darauf ging auf mich ein Mantel nieder, der mich unergreifbar machte, und eine Mütze, die mich unsichtbar machte, sogar für diese unsichtbaren Wesen.

    Ich ging durch diese Wesen wie durch dicken Nebel, der sie für mich waren, und dabei durchstiess ich leicht ihre jetzt für mich nebelartigen Körper...

    Ich kam wieder zur irdischen Besinnung im Körper, der am Arbeitstisch in der Werkstatt arbeitete. Ich setzte mich nur mühsam zusammen, wobei, wie ich nach Jahren erfuhr, bei mir zu sehen war, daß ich wohl spinne. Wer wäre aber nicht närrisch dort, wo sich zwei Welten durchdringen, wo ein Paar Hände Ware erzeugt und das andere Paar weit vom Körper ganz andere Dinge macht.

    Ich schwieg über das alles, was ich durchlebte, und bemühte mich, am Arbeitstisch zu bleiben, solange es überhaupt möglich war, sogar mit der gesamten Kraftanspannung. Ich hätte dringend eine Entlastung von der Außenbeschäftigung gebraucht. Der Jünglingskörper kann doch nicht ins Endlose die Last aushalten, die sich jedem Verständnis und jeder Tragkraft entziehen. Und die Arbeit aufgeben? Ich hatte doch kein Zuhause und so müsste ich irgendwo in einem Schober wohnen und nichts essen. Und die mystischen Dinge ließen sich nicht befehlen. Die setzten einfach fort...

    Mein Bewusstsein sprang erneut über. Ich stand vor einem Kreuz und sagte über den Gekreuzigten: Klar, er war Sohn Gottes. Ich flüchtete vom Kreuz und dann in der damaligen Existenz starb ich, erneut beobachtete ich mich in einer nächsten Existenz und nochmals starb ich und erneut wurde ich geboren, und zwar zum vierundzwanzigste Male im Adelstand. Und ich sah, daß es eine Leidenschaft des kämpfenden Soldaten war, der ich in der vorigen Existenz war und diese Leidenschaft riss mich in eine so schwere Inkarnation, in der mir unvorstellbare Not und Drangsale das Schicksal sind. Alles was mir nicht erlaubte so auszuatmen, wie die Kinder ausatmen, die das Heim, in dem sie geboren wurden, für ihr eigenes halten können. Und später? Ich verlor sogar das Daheim, wo ich wiederholt versichert wurde, daß ich hier ein ungebetener Eindringling sei. Ich hatte niemanden, und daher musste ich, ob ich wollte oder nicht, Gott gehören, obwohl meine Einstellung zu Gott von dem königlichen Jupiter bestimmt wurde. Übrigens bewies ich das schon. Ich verneigte mich schon vor dem Wohl, der Wahrheit und vor dem Karmagesetz, aber ich verneigte mich nie vor Gott und – ich würde nie. Aber mein lieber Leser, es geht hier nicht um so einfache Stellung, wie sie auszusprechen ist. Du müsstest den hören, den ich über die Schwelle des mystischen Todes hinübergeführt hatte, was er mir erwiderte auf eine meine Behauptung, daß es den Gott gebe und auf eine andere, daß es keinen gebe. Übrigens hier ist die Antwort:

    Wenn Sie sich so stark fühlen, daß es keine Kraft gibt, die Sie bewältigen würde, sagen Sie dann, es gebe keinen Gott. Wenn Sie jedoch aus irgendeinem Grunde spüren, daß es eine Sie bezwingende Kraft gebe, sagen Sie dann, es gebe Gott.

    Ja, so ist das. Es gab und gibt Augenblicke, wo ich mich fühle wie jemand, der eine größere Kraft hat, als jene, die der ganze Kosmos ausüben kann. Wo gibt es dann irgendeinen Gott? Aber dieser Bewusstseinszustand ist nicht anhaltend. Es kommen Zustände, in denen ich erkenne, daß es auch solche gibt, die den meinen übertreffen. Diese im ganzen symbolisieren meinen Gott. Außer diesem Gott gibt es keinen anderen in Beziehung zum Individuum. Dies war mir schon klar, und ich wusste, daß die Religionsanhänger, die diese Angelegenheit mit anderen Augen betrachten, nach Entfaltung der Irrtümer streben, so wie ich erstrebte, die Irrtümer zu vernichten. Aber was konnte mich ins Spiel mischen? Ich wusste nämlich, daß jeder Mensch in jeder Zeit und auf jeder Stufe seiner Entwicklung alles vermutlich am besten weiß, und außerdem drängen auf einen schlichten Menschen so viele Lehren ein, welche Gott anerkennen oder verneinen und welche die Wahrheit auf verschiedene Weise erklären, daß es besser ist, sich in die Lehrensysteme nicht einmal einzumischen. Übrigens nahm die Realisation der schrecklichen Einweihung noch nicht das Ende. Sie zeigte sich durch unzählige Zustände und Erlebnisse und absorbierte meine ganze Aufmerksamkeit.

    Plötzlich bemerkte ich eine interessante Sache. Außer dem Höllenfeuer, das aus meinem Wesen jede Spur der Verletzung ausbrannte, ging eine andere Welle hoch und nieder. Es gab Zeiten, wo ich mich bis in die Unmöglichkeit schlaff fühlte und ein anderes Mal kraftvoll, hoch über den Durchschnitt. Aus dem Kalender stellte ich fest, daß ich am schwächsten bei Neumond war und am stärksten beim Vollmond. Nach einigen Monaten befürchtete ich schon jeden Neumond. Da rede ich jedoch über die Zeit nach dem unerträglichen Toben des Höllenfeuers. Dieses wurde erst nach acht Tagen erträglicher, als es sich in ein sehr angenehmes und wonnevolles Feuer verwandelte.

    Nachdem sich während dieser acht Tage in mich etwas wie ein Cherub verkörpert hatte und sich in mir es eine „Ordnung“ eingestellt hatte, die ruhig er verursacht haben mag, während ich dieses lästige „Ordnungsmachen“ nur erdulden konnte, kam es mir vor, daß ich einen wesentlichen Abschnitt des mystischen Sterbens passierte. Ein Abglanz dieses Sterbens ist der physische Tod und so machte ich mich vertraut mit den Vorgängen des wirklichen Todes, die ich im nächsten Abschnitt meines Lebens näher erkannte, wohl so, wie ein normaler Bürger ein Stück seines Inventars kennt. Aber Gott weiß selbst, ob es immer so geschieht: Als etwas wie ein Cherub in mir "die Ordnung gemacht hatte", konnte ich feststellen, das sich in mich ein Greis verkörperte. Ich wusste gut, daß er ein Kenner der Mystik ist, ein Orientale, und wie ich später erkannte: Ein gewisser tibetanischer Lama.

    Eine sonderbare und unbegreifliche Situation, falls sie gelöst werden sollte. Ein unbekannter Mensch zog in mich ein und gar nichts kümmerte sich darum, daß ich selbst noch in meinem Körper wohnte. Auf der anderen Seite behinderte er mich gar nicht und in meinem Körper hatten wir beide Platz. Und am merkwürdigsten dabei war: Ich konstatierte bei mir keine Doppelidentität. Ich war nur einer und wusste nicht genau, ob der Lama oder ich. - Ich verstand die Identifizierung. Ein Mensch ist ein Mensch, und wenn er das Absolute realisiert, beginnt er das Absolute zu sein. Dabei erfährt er aber nicht, ob er noch ein Mensch ist oder schon das Absolute. Es gibt keinen Beweis, mit dem es zu beglaubigen wäre. Die Ursache liegt darin, daß der vergangene Zustand so leicht vergessen wird. Wohl so wie ein mancher Traum. Ins Gedächtnis wird uns einfach die Gegenwart gerufen und die Vergangenheit ist weg; wir nehmen dann fälschlich und hochnäsig an, daß es nach wie vor wir sind. Wer weiß, was der tibetanische Lama oder der damalige ich gedacht haben mag. Das finden möglicherweise die Buddhas von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht heraus. Die zweierlei Verkörperung macht die Situation zu delikat, die Ichs werden miteinander verwechselt und getauscht, und wie ich zwanzig Jahre nach der ersten Realisation - bei der zweiten Realisation erkannte, haben wir keinen Beweis unserer Identität. Ich stellte nämlich fest, daß wir glauben, daß wir uns noch in diesem Leben befinden, in dem wir gestern gewesen waren, und inzwischen hatten wir möglicherweise unsere Körper schon verlassen, und vergnügen wir uns mit unseren Vorstellungen des postmortalen Lebens. Ich weiß doch gut, daß die Abglanze der auf dieser Erde lebenden Wesen auch in anderen Dimensionen laufen, und deswegen haben wir nie einen Grund für Sicherheit, daß wir leben, ohne gestern gestorben zu sein...

    Und ein näherer Beweis, daß die Verkörperung des tibetanischen Lamas nicht nur meine "Suggestion" war? Ich erkannte die tibetanische Mystik und doch wurde ich über sie theoretisch mit keinem Wort belehrt. Dabei lebte ich im europäischen Milieu, dessen Lebensraum mit der dualistischen Religionsansicht überangestrengt ist und deshalb wirkt es auf jeden suchenden Menschen als ein Faktor, den wir unter dem Ausdruck "Massensuggestion" kennen. Jawohl. Obwohl ich unter Europäern lebte, deren Religionsgesinnung durch die dualistische Auffassung der Lebensgesetzlichkeiten modelliert wird, wurde in mir doch die Denkensweise und die Anschauung entwickelt, welche die psychischen Spannungen im Kosmos in sechs samsarische Kategorien zergliedert, deren Personifikationen im primären Sinne von persönlichen Sorgen heimgesucht werden und erst im sekundären Sinne sie die hierarchische Wesensanordnung darstellen. Wäre es überhaupt möglich, zu solchen religiösen-kosmologischen Anschauungen zu gelangen, wenn in mir kein Potential ganz anderer Weise existierte und sich entfaltete, als das europäische Machtlosigkeitsgefühl angesichts der Psychisch-Gravitationsmacht des Kosmos? Und außerdem: Auf dem europäischen Kontinent gibt es im relativen Sinne eigentlich überhaupt keine Lehre, welche ich in mir ausfindig machte und welche den Menschen gegenüber den Göttern stellt als dem Mensch gleiche Wesen, Lehre, die auch den Brahma oder den Gott-Schöpfer als eine Qualität klassifiziert, die es möglich ist, durch eine richtige Lebensführung und Orientierung zu realisieren, und nicht ihn nur als ein uns vorgesetztes und herrschendes Wesen zu verstehen, falls wir an ihn überhaupt glauben. Ja. Es wäre zu viel aus dem psychologischen Gesichtspunkt behaupten zu wollen, daß die Stellung und die Orientierung, zu denen ich durch die Realisations- und Inkarnationsprozesse gelangte, ein Ergebnis von einem bloßen Zufall waren. Lassen wir übrigens alles die Psychologen erklären, falls sie es erklären können und wollen...

    Die acht Tage waren noch nicht vorbei. Stürmische Wellen der Realisation fuhren fort, mein Körper wurde ausgebrannt durch ein schauerliches Feuer und war krank. Statt zu schlafen, verblieb ich in einem kataleptischen Zustand; ich hörte den Chef vorbeigehen, als er mich aufzuwecken kam, ich hörte ihn auch sprechen, aber ich konnte den Körper nicht beherrschen. Ich begriff die Gefahr eigener Situation. Hier war ich doch als ein Angestellter und - anscheinend tot wie wirklich tot. Glücklicherweise konnte ich Operationen mit Bewußtsein durchführen. Ich schob es in den physischen Körper, in die Beine und in die Hände ein und schließlich ergab sich der Normalzustand, ohne daß die vorhergehende Lethargie zu anfällig gewesen wäre.

    Ich musste aufstehen und zur Arbeit gehen. Der Körper wollte nicht. Er war schwer krank. Was konnte man denn da machen. Ich versuchte aufzustehen.

    Es ging nicht.

    Ich spreizte mich auf den Armen.

    Ich setzte mich. Dann... konnte ich die Beine nicht aus dem Bett schaffen.

    Ich musste mich erneut niederlegen, erst das erste, dann das andere Bein aus dem Bett herunterschieben.

    Beide Beine fielen herunter. Dann nochmals. Mich gegen den Ellbogen stemmend, setzte ich mich.

    Der Chef saß auf dem Fenster und es schien ihm, daß ich zu lange hätte um aufzuwachen.

    Ich schwieg und stand auf. Dann ließ ich den Chef vorgehen, und während ich an die Mauer auf einer Seite und an das Möbel auf der anderen anlehnte, ging ich in die Werkstatt.

    Die Treppe hinunter musste ich stark aufpassen, damit ich nicht abstürzte. So dauerte der Weg aus der zweiten Treppe ins Erdgeschoss sehr lange.

    In der Werkstatt stand mir viel Arbeit bevor und ich wusste nicht, ob ich sie verrichten könnte. Glücklicherweise arbeitete ich an der Zurichtung und so war ich zweienhalb Stunden allein. Ich schleppte mich wie ein Schatten von einer Arbeit zur anderen. Ich musste mich bücken und gebückt arbeiten. Ein grässlicher Kopfschmerz beim Bücken war so stark, daß ich mit Finsternis vor den Augen warten musste. Dann war der Schmerz vorbei, so daß ich meine Arbeit verrichten konnte.

    Dann richtete ich mich auf. Derselbe Schmerz, der nach einem Weilchen aufhörte. Und so, in diesem für mich schlimmsten Tage von allen, brachte ich nur mit Vorbehalt alles gut zu Ende.

    Dann fing eine weitere, schnelle und aufreibende Arbeit an. Und bei der Arbeit Visionen und Begebenheiten. Ich sah Dämonen, die Welt, ich ging durch die Inneren der Leute, auf dem Kopf fühlte ich Flammen, die Himmelspforte beleckten, dann fiel ich in meinem Innenkörper auf die Knie über einen gähnenden Abgrund, wobei mich ein Engel erhaschte und hielt; vielleicht rettete er mich vor einem Fall in Höllen, dem Fall, nach welchem man nur noch in der Hölle geboren wird.

    Zu der Zeit wurde meine Situation wohl besser. Ich sah plötzlich einen gewissen Schein aus meinem Körper sich entfalten, und einige Geister setzten sich auf ihn hin. Im Schein des Lichts sah ich durch die Wände und ich selbst war wahrscheinlich auch zu sehen, wenigstens von den Wesen anderes Niveaus. Es kam nämlich ein gewisser ehrwürdiger Mann im Anzug eines Domherrn, der seit langem her tot gewesen sein mag, aber der sich in seiner alten Wohnstätte umhertrieb. Von dorther sah ich ihn nämlich zu mir schreiten. Er war schon hier und sprach mich an: "Was du, so jung und strahlst vor Weisheit?"

    Ich antworte: "Weil ich mich opferte."

    Er fragte: "Wie macht man das?"

    "Lege dich hierher auf den Teig nieder," gab ich ihm den Rat.

    Und als er so tat, strich ich seinen Körper aus, und der verband sich mit dem Teig. Da stiegen aber schon zitternde Wölkchen empor quasi zum Himmel, der sich öffnete: Ein mächtiger Choral der Engelchöre hieß die befreite Seele willkommen, wenigstens aus dem dunklen Milieu der auf der Erde verbleibenden Geister, dort, wo sie als die Leute lebten, wohnten und arbeiteten, und gefesselt von Ort und Seelequalitäten sie natürlich die Sinnestätigkeit und ihre Vermittlungsfunktionen akzeptierten.

    Aber der achte Tag kam. Seit drei Tagen hatte meine Agonie in zweitem Bewusstseinszustand gedauert. Plötzlich spürte ich, daß ich bewusstlos auf einem finsteren Weg der trübseligen Astralsphäre lag, auf zum Lebensende führendem Weg. Dabei war ich in meinem Körper und auch tot, wie ich es beobachten konnte aus meinem ganz anderen unwirklichen, vielleicht bardischen Körper. Dann verschwand durchaus alles...

    Jemand nahm mich an der Schulter, schüttelte mich und ich hörte seine Stimme: "Steh auf, es ist schon Zeit zu arbeiten"... Ich erhob mich und schaute. Ein junger Mann ging von mir weg, etwa 26 Jahre alt oder so. Es fiel mir ein: Christus. Dann schoss mir durch den Kopf: Christus ist ja kein Zivilist. Er trägt ein prächtiges Gewand, und daß er Christus ist, muss jeder in seinem Gesicht, in den Augen und an seiner Figur sehen. Kindliche Vorstellungen. Hier ist alles anders. Der strahlende Christus, der am Jüngsten Tag in den Himmel die Christen mitnimmt, die nur diese Kirchenvisitenkarte haben - das ist wirklich eine Vorstellung für Kinder, für sittlich verdorbene Kinder, die ein Theater leben wollen und Christus müsse aus diesem Theater der größte und berühmteste Anblick sein. Ach, ach.

    Übrigens musste der Junge kein Christus sein. Aber er war sicherlich jemand, der den mystischen Tod erlebt hatte, wie ich diesen damals auch erlebte, denn er weckte mich zu rechter Zeit auf; auch nach drei Tage, nach der Stürmen der großen Realisation, in denen ich ausgebrannt und aller Menschlichkeit befreit wurde. Und daß er damit nicht viel Federlesens machte? Wenn er im strahlenden Gewand gekommen wäre, hätte ich ihm wohl nicht geglaubt. Entweder wusste er das sehr gut oder er war taktvoll. Auf jeden Fall löste ich bis heute dieses Rätsel nicht. Dass er Christus war, fiel mir nur ein, aber wäre er mit einem großen Pomp gekommen, dann...

    In meiner mystisch berühmten Zeit, vor der großen Realisation, sah ich zahllose Figuren, mit dem Kleid umhängt, in welchem die Christen Jesus Christus erwarten. Alles ist nämlich unermesslich treulos in der unsichtbaren Welt, treuloser als auf der Erde, wo niemand und nichts zu trauen ist. Und die Leute? Wie können sie sich gegen eine Offenbarung wehren, wenn sie erwarten, daß ihnen Christus selbst erscheinen kann? Ich war nie durch die Religion "verdorben". Von dem "Pfarrer" erwartete ich, daß er mir ein Messer ins Genick hineinstößt und mich dann zu einem rätselhaften Zweck brät. So trat ich den mystischen Weg an als ein Heide, ein Ignorant, der die Erscheinungen, die auf dem Weg seit dem Anfang so häufig auftreten, als gelegentliche, nichts bedeutende Äußerungen anschaut. Und falls sie sich mir ins Leben aufdrängten, wusste ich nur vorauszusetzen, daß sie einen Verführer darstellen, möge er Gott, Geist oder Dämon sein. Im Übrigen dokumentierte ich meine Stellung auch später, als zu mir Geister verschiedener Orden kamen und ihre Zauber trieben. Ich mag einen himmelragenden Geist erwähnen, der sich vor mich stellte und erklärte: "Ich bin Gott". Ich antwortete: "Zeig mal, was du kannst". Und so führte er mir Mirakel vor, zu denen ich fallen ließ: Das kann ich, das kann ich, das da auch usw. Als er die kleinen Wunder beendigte, zeigte er andere. Ich entgegnete: "Das kann ich nicht, weil ich bisher im Körper bin, aber wenn ich den Körper ablege, werde ich das auch können." Als er endlich seine Kenntnisse der Naturgesetze erschöpfte, fragte ich an: "Sonst noch was?" - "Nichts mehr," erwidert er. Dann geh´, alles schon da gewesen." Und so war ich ohne Gott.

    Aber um nicht zu vergessen: Bevor mich der vermutliche Christus aus einem gewissen Ohnmachtzustand erweckte, als ich auf einem öden Weg der trostlosen Astralwelt lag, und mein Bewußtsein ganz unterging, verspürte ich, daß mich jemand am Kragen zog. Er zog mich über eine Schwelle. Es fiel mir ein: Die Todesschwelle. Und wirklich! Ich starb mystisch und der vermutliche Christus weckte mich erst hinter dieser Schwelle auf.

    Nach dem Aufwecken begannen in mir bessere Gefühle aufzutauchen. Es war wie eine Erleichterung, nach der ich hoffte, das schlimmste hinter mir zu haben. Eine unsichtbare Hand prägte mit einem gewaltigen Druck ein Siegel in meine Brust ein und mir fiel dabei ein: Das Gottessiegel. Das furchtbare Feuer, mindestens in seiner natürlichen Wirkung schlug plötzlich um und wärmte mich so, daß ich es als ein "Süßfeuer" bezeichnete. "Wurde ich auserwählt?", wagte ich bescheiden zu denken. Aber lieber weg mit solchen Gedanken. Sie sind verräterisch. Sie geben den Menschen eine Überzeugung ein, er sei jemand, was er nicht ist. Übrigens mein äußeres Elend, die Strapazen, die Realisation, der Mangel an Bildung, der nur durch beschwerliches Lesen und holperige Schrift überschritten wurde, waren mir ein Beweis, daß ich mit dem Auserwähltentum sehr vorsichtig sein muss. Und sollte mir auch in den Sinn kommen, daß ich mit Welten rühren kann, war es eine unweltliche Angelegenheit.

    Ich nahm mir vor, in Zukunft normal zu sein. Ich werde mich umschauen, als wüsste und kennte ich nichts und werde die Fähigkeiten des tüchtigen Geschäftsmannes und Hochstaplers würdigen, was ich selbst auch nicht zu sein wüsste und überhaupt werde ich über mich nicht denken. Mich zu vergessen war übrigens keine schwierige Sache. Noch vielleicht vor zwei Tagen musste ich mich ja hüten, mit Bewußtsein und Sinn weder eine Sache noch Nichts zu berühren, wenn ich solche Gefühle vermeiden wollte, als sollte mein Körper in Tausend Stücke zerrissen werden. Dann wurde mein Sinn dichter, er fiel aus meinem Kopf herab und schlug wie ein Stein zum Boden auf, mit einem schweren Laut. Daraus ergab sich eine Erleichterung und eine Kraft nicht zu denken, sondern nur auf Umstände zu reagieren und in der Welt sich nur durch bloße Wahrnehmung zu orientieren.

    Das gelang mir zu erzielen und es bestimmte auch meinen künftigen Lebensweg. Ich musste zu keinem Für oder Wider mehr hinneigen und konnte alles aus Regungslosigkeit beobachten. Aber sonst wusste ich: Das ist immer noch Konzentration. Wäre es nicht so. Ich wollte einen Zustand leben und nicht an einem Haar, welches die Linie zwischen Gegenständen bestimmt. Es war ja alles noch nicht am Ende, also mal sehen...


    Nun zurück zu den Träumen, die meine Realisation mit sich brachte. Ich möchte noch erwähnen, daß ich die Träume mit Verachtung ansehe und zähle sie nur als eine Kuriosität auf, die vielleicht wirklich nur mit der Art und Weise der Realisation, die ich durchlebte, verknüpft sind.

    Die Träume waren einerseits selbstständig, andererseits auf Fortsetzung für mehrere Tage. Manche waren wirklich Träume, andere Visionen in halbwachem Zustand und daher eigentlich Erlebnisse.

    Zuerst Tagesanbrüche, Sturmwinde, Erdbeben, Sonnenfinsternisse, Läufereien in Wüsten, Dunkelheiten, Morde, Kämpfe. Typisch war: eine ganze Reihe Tage lief ich aus einer Stadtseite in Richtung gegen die Heiligen Geist Kirche. Die Kirche war immer wüst, im Zwielicht, demoliert. Übrigens sah ich auch, als sie einstürzte und ein Mann kopfüber herabfiel. Und dann nach einigen Tagen schaute ich dieselbe Kirche aus der Gegenrichtung an. Es tobte gerade ein Krieg, dessen Front ich mehrere Tage beidseitig hielt, aber dann rührte sich diese und drang schnell zur Stadt vor. Ich flüchtete. In meiner Brust fühlte ich nur Schmerz. Ich wurde beeinflusst durch schreckliche Vorboten und auch Erlebnisse aus dem wachen Zustand. Und während ich zur Stadt floh, ritt von der Stadt frontwärts ein einziger Soldat, ein Riese zu Pferde, und ich war mir sicher, daß er ein Gotteswesen ist. Trotzdem begegnete ich ihm so wie einem üblichen Soldaten, von dem ich gleiche Verletzung erwartete, wie von jedem, der sowohl in meinem Außenleben als auch im Innenleben auftrat. Er blieb aber stehen und befragte mich über die Situation an der Front, und lächelnd sagte, er gehe die Truppen schlagen.

    Ich fühlte mich glücklich, daß die schwierige Aufgabe, über die ich vermutete, mir auferlegt zu sein, er selbst annimmt. Da wurde mir leichter ums Herz, und ich eilte zur Stadt hin. Und sieh! Dieselbe Kirche, jetzt aber neu, stand im herrlichen Grünen und ich erblickte darin ein günstiges Vorzeichen. Darüber hinaus war es kein Halbdunkel, sondern Licht. Ich eilte in die Stadt hin, lief zur Kirche, deren Wand einen Riss von oben bis unten zum Boden bekam. In mir sang etwas: Gotteserhören? - Ich hatte jedoch keine Zeit etwas zu tun. Ich kletterte die Kirchenwand hinauf zur Uhr, die aber nicht mehr an der Wand war, sondern am Rande einer Ebene; nur unter mir gab es ein Straßenpflaster. Ich riss die Uhrzeiger, die Räder und warf alles hinunter. Die Uhr verschwand dann spurlos. - Dann lief ich die Ebene hinauf. Ich sah unser Sternsystem, das Sonnensystem. Ich bedachte: Hier ist der Saturn, hier die Planeten, die ich nicht unterscheiden konnte, weil sie alle rund waren. Nur die Sonne, die nicht so schien, wie wir sie üblich sehen, sondern sie war nur eine Kugel größer als die übrigen - diese erkannte ich als die Sonne; auch den Mond, der mit einer Mondsichel bezeichnet war. Geführt mit den Innendrucken, griff ich in dieses System und verschob ich den Saturn, und überhaupt stellte ich sämtliche Planeten so um, wie ich es gut zu sein fühlte, ohne zu wissen, zu welchem Zweck.

    Ich war im Halbschlaf. Ich nahm nämlich wahr, wo ich bin, hörte Stimmen draußen und die Leute gehen, es war Halbdunkel. Ich drehte mich auf dem Bett um, und schaute ins Zimmer, denn ich verspürte eine Unruhe. Ich schaute ganz friedlich, aber da formte sich schon ein Halbkreis von dunklen Wesen, Teufeln. Ich bedachte: Schon wieder eine Dummheit. Und warum werden sie überhaupt sichtbar, wenn sie nichts tun, als warten? Plötzlich bemerkte ich einen roten Teufel senkrecht aus dem Boden hinauf auftauchen. Es fiel mir ein: Satan! Da rollte er schon ein Pergament auf und las mir die Sünden aus, die ich angeblich begehen haben soll. Strikt gesagt las er sie lautlos aus, er bewegte nur die Lippen und in seiner Stellung fühlte ich eines Richters Stellung. Ich sah übrigens, daß das Gemüt einigermaßen zu adaptieren braucht, damit ich ihn auch gut hören kann. Aber solche Dinge weckten bei mir kein Interesse. Es war ja so viel los in diesen Tagen, daß mir sehr wenig daran lag, was von mir die Teufel meinen.

    Das Blatt war gelesen worden und Satan bestimmte einen Teufel, der mich überwachen sollte. Der Blick machte mir Spaß. Ich sah, wie er in die Luft greift, und da hielt er schon einen Teil vom Bett, dann den zweiten, dritten, bis er endlich alles Nötige hatte. Er stellte sich das Bett so, daß er mich von Augen hielte, dann legte er sich in sein Bett und schaute mich an.

    Sollte etwas in der ganzen Sache unangenehm gewesen sein, waren es des Teufels Augen. Grün und phosphoreszierend. Mir wurde daraus physisch unwohl. Um also etwas zu meinen Gunsten zu tun, sagte ich ihm unschuldig: „Du hast aber scharfen Blick. – Aber ich auch, was?“ Der Teufel schaute mich störrig an und gab recht. Er reagiert, so daß die Situation nicht so schlimm ist, dachte ich. Dann drehte ich mich auf dem Bett um und die Teufel interessierten mich nicht mehr. Ich dachte mir: „Was kann dem Mann passieren, der schon Dinge schlimmer des Todes erlebte. Dann setzte ich mich in eine gute Gemütsverfassung, und die unangenehme Atmosphäre wurde liquidiert.

    Ein andermal: Ich ging, es regnete und hagelte, und ein unangenehmer, kalter Wind wehte. Ich eilte also nach Hause hin. Dort, auf einem Hause, das im Traum eine Pawlatsche hatte, wogegen in Wirklichkeit keine, saß wieder ein Teufel. Ich bedachte: Schon wieder die unangenehme Gesellschaft. Aber ich ging weiter, wie wenn es nichts wäre. Der Teufel sank zur Erde wie ein Papier herab und direkt zu meiner Seite. Mein Geruchsinn wurde vom giftigen Schwefelgestank gereizt und der war mir unangenehmer als der Teufel selbst. Wie gerne möchte ich ihn loswerden! Aber eine List zu beabsichtigen war aussichtslos. Ich wusste, daß er jeden Gedanken lesen kann. Ich blickte ihn nur so an, wie man sagt, verstohlen, und der Teufel lächelte unangenehm. Na also, mal sehen, was mir einfällt, bedachte ich. Ich war schon beim Haus, wo ich wohnte, und hatte keine Lust weiterzugehen, weil die Situation damit nicht gelöst würde. Ich machte also entschieden die Tür auf und ging in den Gang. Aber wie immer ich mich bemühte, den Weg nur für mich zu machen, war der Teufel auch schon im Hause. Aha! Hier gibt es die Tür in die Wachstube. So, Teufel, da wohne ich für dich, ging mir ein Licht auf. Und der Teufel, wie eine Maus, war schon drinnen. Ich schlug die Tür zu und ging ins Geschoss hinauf, heim. Alles war also in Ordnung bis auf den giftigen Schwefelgestank. Den roch ich Tag und Nacht, viele Tage. Dies war aber in Wirklichkeit.

    Wieder ein andermal. Fluchtartig wollte ich aus demselben Hause entfliehen, aber vor dem Eingang stand ein Eimer. Ich bemühte mich, ihn zu überspringen, aber so sehr ich mich auch bemühte, höher zu springen, stolperte ich über ihn. Der Schmutz goss sich aus und reichte knapp zu meiner Ferse, als ich schon auf der Straße war. Einen unerträglichen Geruch roch ich nach Erwachen wieder mehrere Tage.

    Ich war in New York. Ich schaute eine Straße hinab, wo im niedrigsten Punkt der Straße sich scharf Tag und Nacht voneinander trennte. Ich befand mich in der Nacht und eilte in den Tag. Aber in einem Hause gegenüber, in der Straße, woher ich kam, arbeitete in halbgebautem Hause mein verstorbener Bruder. Ich spürte, daß es im Nachtland die Hölle gibt, wogegen hinter der Linie, welche die Nacht vom Tag trennte, eine bessere Welt war. Ich ging also meinen Bruder einladen, mir zu folgen. Er wollte nicht. Ich lief also vom Hause heraus und stieß auf die Mutter der Ehefrau meines Chefs, die zu jener Zeit noch lebendig war. Sie brach ins teuflische Gelächter aus und das Gerassel gehörte mir, der sich anstrengte aus Finsternissen zu entfliehen. Und ihr Gelächter schnitt sich in meine Ohre ein wie ein Klang, den ich für den schlimmsten von einem sowohl sichtbaren als auch unsichtbaren Wesen hielt. Ich schwieg und lief, und endlich war ich hinter der Linie der Dunkelheit.

    Ich ging über den Kai in der Stadt, wo ich wohnte. Und dort, wo es in Wirklichkeit keinen gab, gähnte im Traum ein Abgrund. Ich ging über dem Abgrund (durch die Luft), und dabei erhielt ich die Geländeebene. Da sah ich: Alle Einwohner dieser Stadt und insgesamt viele andere Leute befanden sich in diesem Abgrund und liefen dorthin, wo auch ich hinging. Dort fiel das Gelände etwas weniger ab; die Leute kletterten bis zum Gipfel, griffen nach meinen Fersen, aber ich stellte fest, daß sie mich in den Abgrund mitgerissen hätten. Ich schüttelte also die sich bereits an meinen Fersen festhaltenden Hände herunter, und dann stürzten alle Leute zurück in den Abgrund ab. - Inzwischen wurde es Nacht, die mich unerträglich beengte. Ich schaute den Himmel hinauf und sah dort die Venus und den Jupiter scheinen. Ich eilte auf die Stelle zu, wo die Venus den Lichtkegel hinwarf. Ich stellte mich darein. Dann wurde ich mit angenehmen Gefühlen überflutet - eine gewisse Linderung in dieser schrecklichen Realisationsperiode.

    Ich ging durch den Park. Vor mir erblickte ich einen ausgehöhlten Graben und ein Kabel drinnen. Ich bestrebte es zu überschreiten, aber so sehr ich mich bemühte, es ging mir schief. Ich gab also dem Kabel einen Tritt, das Feuer schlug heraus und dieses breitete sich sowohl links als auch rechts aus. Auf der linken Seite zündete es vier Kohlhaufen, auf der rechten Seite drei. Ich beobachtete den letzten linken. Der Haufen geriet soviel in Glut, daß die Kohle glühend wurde. Da trat ein Kind hinzu, ein Bube, und legte sich darauf, evident mit Wonnengefühl.

    Ich lief über die Wüste. Fast von Tag zu Tag. Aber ich begehrte ins bessere Gelände zu kommen. In einem Falle lief ich zu einem fahrenden Schnellzug, auf den ich während der Fahrt sprang; der Zug fuhr in einen Tunnel hinein, und ich machte eine Rolle zwischen den Wagenwänden und der Tunnelmauer. Glücklicherweise fuhr der Schnellzug aus dem Tunnel in demselben Moment heraus, als ich am Zugende war. Ich erfasste den letzten Griff beim Trittbrett des Wagens und gelangte in den Zug.

    Ich ging von der Stadt zum benachbarten Marktflecken. Dann setzte ich mich plötzlich in Lauf. Ich lief durch Scheunen und jede Scheune hinter mir fing Feuer. Ich warnte die Leute, sie sollten nicht in den Scheunen blieben, wo sie arbeiteten und wo die Scheunen über ihren Köpfen in Brand gerieten. Dann kam ich zum Ort, wo der Weg durch den Marktflecken bergauf verlief. Aus dem Weg sah ich auf der rechten Seite eine herrliche grüne Wiese, wo alles vor Zufriedenheit atmete. Dort grasten Pferde, und ein Mann vom schönen Aussehen machte einen Spazierritt zu Pferde, welches auch zu weiden begann. Häuser bei der Straße trennten das Gebiet des Lichts und der herrlichen Natur, und sie selbst waren schon im Halbdunkel und wüsten Gelände. Ich wollte auf die Wiese gelangen. Ich lief ins Haus hinein und wollte durch den hinteren Eingang in das schöne Gelände gehen. Im Hause brannte es jedoch und das Feuer hinderte mich das Haus zu verlassen. Ich nahm eine Hacke und grub mich unter einer Mauer durch, die gleichzeitig die Backofenwand war. Als ich mich tief genug durchgrub, schlugen gegen mich Flammen heraus. Und eine schreckliche Katze schaute mich an.

    Ich war in New York, stand am Seeufer und starrte eine Insel an. Diese wurde unter meinem Anblick zerrissen und kam partienweise zu meinen Füßen geschwommen.

    Ich stand in unserem ehemaligen Domizil und vor mir saß ein Greis und er hatte im Schoß ein eben geborenes Kind. Immer mehr erfasste ich, daß der Greis, ich und das neugeborene Kind mich selbst in drei Personen darstellen.

    Ich war in meiner Wohnung und das Fenster war geöffnet, wie in Wirklichkeit. Ich fühlte etwas schweres, genau gesagt, einen Widerhall der Zustände, in denen ich mich im wachen Zustand befand. Plötzlich kletterten einige düsteren Männer die Hausmauer bis in den zweiten Stock herauf, sie traten durch das Fenster ins Wohnzimmer, legten mich in Fesseln und trugen mich fort ins unweite Gefängnis, wo sie mich in eine Vertiefung hineinwarfen. Aber nur bis zu der Zeit war ich machtlos. Nach dem Fall zum Boden wurde ich meines Innenstandes bewusst, nämlich der Freiheit. Und dann streifte ich wieder die Stadt durch als ein freier Mann.

    In meinem kopflosen Herumlaufen über Wüsten und finstere Plätze geriet ich in eine Räumlichkeit, vielleicht eine Schmiede. Zwei bewaffnete starke Männer ergriffen mich; sie drückten mich zu Erde vor eine rauchende, zu explodierende Bombe. Weil ich sah, daß jeder Widerstand aussichtslos ist, fügte ich mich ihrer Gewalt. Als die Männer sahen, daß ich mich unterwarf, flohen sie aus dem Raum vor der Zeitbombe, deren Explosion nur für mich bestimmt war. Blitzschnell errechnete ich die Situation. Ich sprang daher auf und lief zur Tür, bewusst, daß einer der beiden bewaffneten Männer mir den Weg vertritt. Es geschah so. Ich querte rasch der Raum durch und sprang auf die Treppe zur zweiten Tür, woher der andere bewaffnete ausstieg. Diesen hob ich auf und warf ihn an den ersten mit Absicht, einen mit dem anderen zu töten. Inzwischen kam in dieselbe Räumlichkeit ein Mädchen, von welchem schon die Rede war, und an dieses drängten sich viele Leute mit dem Gedanken, ihm weh zu tun. Ich nahm sie alle auf einmal in die Arme, hob sie auf und schleuderte sie zum Boden. Es blieb hinter ihnen nur ein paar Fetzen übrig.

    Ich stand am Fenster in meiner Wohnung und schaute mich an. Es war zwar dunkel, aber mein Körper leuchtete mit matterem Weiß. Ich sah meine Hände und Füße an, wo ich minzengroße Spuren von Nägeln entdeckte. Ich erinnerte mich: "Ja, ich fühlte doch in diesen schrecklichen Tagen im wachen Zustand einen Lanzeneinstich in meine Hüfte und Aufsetzen einer Dornenkrone. Diese Krone gilt als die Wunde Christi, aber mich rettete sie. Sobald sich mein Sinn rührte, wohin er nicht sollte, gaben mir die Dorne unerträgerliche Stiche. So erhielt ich ein Regulierungsmittel für meinen Sinn.

    Ich lief durch die Gegend und verspürte schon als wäre ich sozusagen wiedergeboren, obwohl die Brandung schrecklicher Erlebnisse evident noch nicht aufhörte. Ich stand über einem Tal und blickte in die Gegend. Eine seltsame Sache. Die Gegend war grau und trostlos, aber nur insoweit, wenn ich sie mit geöffneten Augen anschaute. Als ich die Augen schloss, sah ich dieselbe Gegend, aber in einem neuen Frühlingsgewand. Aha, sagte ich zu mir, "das geistige Auge", denn ich wurde mir bewusst, daß ich mit der Stirn sah. Ich werde also die Welt nicht mit den alten Augen anschauen, sondern mit dem neuen geistigen Auge. Und diese Belehrung nahm ich in den wachen Zustand mit.

    Nun erwähne ich noch Träume und Visionen nach den acht Tage der Realisation, während der folgenden zwei Jahre.

    Als erstes traten vor mich drei Todesgöttinnen. Ich besah sie mit Interesse. Sie waren weißlich und jede hatte jeweils eine Sache: eine Sense, einen Rechen und eine Leiter. Da verbeugten sie sich schon vor mir und die lange mit der Sense sagte: "Du muss dir eine von uns auswählen." Eine ärgerliche Geschichte. Durch den Kopf fuhr mir eine Erinnerung an die Zeit, wo ich aus meinem Körper die tierische Wärme austrieb, und deswegen pulsierte in ihm die Unsterblichkeit. Aber sofort gedachte ich: Du wolltest im Weltall nicht verloren gehen, schreitend den Seraphinweg, daher ist Tod dein Los. Nichts zu erwählen bedeutet, daß du eine unfreiwillig nimmst. Und ein Tod ist nicht gleich dem anderen. Das wusste ich schon. - Ich erwog schnell, ohne Ausbildung in Symbolik zu haben. Mit der Sense werden auch das Wohl und die Verdienste daraus abgemäht. Der Rechen bedeutet wenig Verdienste - man muss zusammenharken. Und mit dem Leiter kann ich hoch. "Also, ich nehme die mit dem Leiter." Die Todesgöttinnen verbeugten sich und verschwanden.

    Ich fuhr im Leiterwagen. Ich schaute den hell scheinenden Mond an. Aber der Mond zerriss sich unter meiner Ansicht und fing an, Stück für Stück zu meinen Füßen zu fallen, bis ich mich fürchtete, daß sein Schein eine Äußerung vom Hitze ist, daß er mich versengt.

    Ich stand beim Haus, wo ich damals wohnte. Der Himmel war wie aus Stahl, umdüstert, und am Firmament, in der Position zwischen Mittag und zwei Uhr stand die Sonne, aus welcher ein dichter Rauch strömte. Eine schauerliche Ansicht, die den Eindruck erregte, daß sie ein Symbol schrecklicher Ereignisse darstellt, die ganze Welt betreffen werden. Der Himmel war schon gegen Westen durchaus mit dem Qualm von der Sonne bewölkt und meine Besorgnisse steigerten sich. Dann plötzlich setzte sich die Sonne in Bewegung. Sie flog rasch über den Himmel und ließ hinter sich eine Rauchspur übrig. Auch das befürchtete ich. Aber die Sonne blieb stehen. Ziemlich niedrig über dem Untergangspunkt. Befriedigt schaute ich den Himmel an. Ei! Hier Sirius, dort Arktur und im Osten Venus. Der Mond im Osten in der Vollmondposition und doch als Neumond ging er aus der Finsternis aus. In meiner Brust jauchzte es auf: Also, doch übertrage ich die Lehre?

    Im wachen Zustand ging ich über ein Viadukt nach hause. Es war Tag, aber vor meinen Augen wurde schwarz. Ich sah den Himmel an. Dort steht Jupiter, sagte ich zu mir. Und da zog er mich zu sich. - Ich verlor die Erde unter den Füßen und flog dem Jupiter entgegen. Jupiter war für das Auge bisher unvergrößert, aber die Erde war schon klein. Dann wurde sie ein schmächtiges Sternlein, welches gerade schwand, Jupiter hingegen war im Moment so groß wie der Mond. In mir tauchte eine milde Befürchtung auf, den Weg nicht zu verlieren, denn ich war im Raum unter den Fixsternen. Aber der Jupiter verdeckte dann plötzlich den ganzen Horizont und ich Schwupp!, und sofort war ich auf dem Jupiter. Ich schaute die Landschaft an und da geriet ich vor einige Lebewesen. Diese teilten sich mit: "Ein Besucher aus der Erde." Ich mag nicht der erste sein, sagte ich zu mir. Es schien aber, daß sie nicht im Sinne hatten, mich weitergehen zu lassen, und dann spürte ich, das der Augenblick der Rückkehr da war. Ich stieg also in den Raum empor. Ich sah nichts, aber ich flog unbesorgt. Ich schaute mich um. Der Jupiter war schon wieder nur so groß wie der Mond, und da erblickte ich ein geringfügiges Sternlein, bei dessen Erblicken mein Innere einen Schrei ausstieß: "Die Erde!" Und die Erde wurde mit Verkleinerung Jupiters wie auf einen Schlag so groß, daß sie den ganzen Horizont einnahm. Jetzt war ich schon auf der Erde. Aber was war daran befremdend? Nach vielen Jahren, als ich die Gesetze der Sichtbarkeit von Himmelskörpern erkannte, kam ich darauf, daß des Jupiters Vergrößerung und der Erde Verkleinerung objektiv richtig war. Und daß es mir nichts ausmachte, die Erde vom Jupiter als einen Stern in dunklem Himmel zu sehen, obwohl die Erde wörtlich im Sonnenschein badet? Ich reiste auf diese Weise durch das Weltall mehrere Male und weiß: In der Dimension, wo ich so reisen kann, scheint die Sonne nicht. Sie ist ebenfalls eine düstere Kugel wie die anderen Himmelskörper; ihr physisches Licht beeinflusst das Astrallicht nicht.

    Ich war in China, wo ich mich im Garten eines Hauses befand, in welchem ein Weiser wohnte. Ich sollte den Weisen beerben. Als ich aber das Haus eintrat, fand ich keinen Menschen darin, nicht einmal den Weisen, denn er war unsichtbar, und wie ich es durch eine Eingebung erfuhr, bewohnte er die Räume des ganzen Hauses. Dann wurde ich von diesen Räumlichkeiten günstig empfangen und ich richtete mich für einen bleibenden Aufenthalt ein.

    Vom Norden, aus Polarländern schritt fort in unsere Kreise eine Himmelragende Wasserwoge und diese überschwemmte alle Länder und Kontinente. Auch ich geriet in dieses Meer, aber es hemmte mir nicht. Ich ging nämlich über den Boden herum und atmete wie üblich, ohne Schwierigkeiten. Später kam ich in ein neues Land, das aus den unermesslichen Wassern auftauchte.

    Ich war in Südsibirien und war entschlossen nach Tibet zu springen. Gleich darauf hob ich mich von der Erde ab und flog über der Gobi Wüste, wo ich Oasen erblickte, in denen Mystiker arbeiteten - die Mystiker, die ich kannte und die an der Welt hingen. Sie gruben die Erde und bemühten sich, während ich durch den Raum flog und an der Nordgrenze Tibets landete, in eine bildschöne Oase. Dort gab es sehr viel Obst, was eine Hoffnung spendete, daß ich leben können werde, ohne physisch zu arbeiten, sondern mich nur dem Yoga widmen zu können. - Bei diesem Traum war von größtem Interesse, daß in der Zeit, wo ich den Traum hatte, ich keinerlei geographische Kenntnisse besaß. Aus dem Grunde konnte ich nach Erwachen Südsibirien mit der Gobi Wüste und Tibet nicht in Einklang bringen, und deshalb konnte ich den Traumsinn nicht begreifen. Seine Bedeutung war mir also erst einige Jahre später klar, als ich erfuhr, daß diese drei Bereiche geographisch zusammenhängen.

    Ich erzählte Träume und traumartige Visionen. Und dabei fällt mir ein: Du Psychoanalytiker, Dr. Freud, sind diese sämtlichen Träume und Visionen eine Äußerung vom Sexualkomplex? Ich vermute, daß jene psychoanalytische Wissenschaft lediglich eine sehr enge subjektive Lehre darstellt, die nur für Dilettanten gut ist.


    Die acht schrecklichen Tage waren hinter mir. Die tödliche Starrheit, in der ich ein Opfer der mystischen Vorgänge war, hörte langsam auf und ich ergriff erneut die Selbstbeherrschung. Langsam allerdings. Die Brandungen, die mich auf der Ebene meines Ichs auswetzten, kamen nicht mehr alle Sekunden oder Minuten, sondern in viel längeren Zeitperioden. Und so ging ich ins Leben mit einer großen Stärkung in Form der Erinnerung an die vergangenen Leben.

    Die Erinnerung an die vergangenen Leben, insbesondere in Verknüpfung mit Erlebnissen bedeutsamer Zustände aus diesen Leben, belehrt den Menschen sehr ausdrucksvoll über die Vergänglichkeit aller Dinge dieser Welt. Ich beispielweise stellte fest, daß ich einst gut situiert und hochgestellt war, wogegen jetzt nicht, so daß die Logik selbst mich informiert, daß dieser Zustand geändert werden kann.

    Soll ich also das Leben im Sinne der Existenz in gewissen Bedingungen, bestimmtem Ort und der Zeit wertschätzen? Ich kann nicht mehr. Der Bildungsstrom rollt sich und stoßt durch seine zentrifugale Kraft seine einzelnen Schöpferwerke aus, hier in gute Bedingungen, dort in desolatere. Und vor den Augen des Menschen, der sich ins Gedächtnis zurückrief, daß er eines der von Natur geschleppten Schaffenswerke war, zeigt sich, daß auch die Himmelsexistenz mit Leid abgeschlossen wird, weil sie nicht ewig ist. Aus dem Grunde streckt sich in der Brust ein Gefühl aus, das abhängig ist von Ablehnung jeder Identifizierung mit dem Zustand "Ball im Spiel", das Gefühl, welches sich in einem anderen Sinne als ein Zustand der durch Bewußtsein gut evidierten Freiheit äußert. Der Mensch beginnt einfach in sich einen von nichts gefesselten Geist zu tragen, der den zermalmenden Kiefern der Zeit trotzt und infolge dessen er das gesamte Schaffen übersteigt, falls seine Existenz von der Zeit abhängt.

    Diese Erkenntnis und das an sie geknüpfte Durchleben kann keiner sich mit Interesse um eigene vergangenen Existenzen unterhaltender Menschen gewinnen. Es gibt eine große Menge von Johannes der Täufer, aller erdenklichen Könige und Königinnen von Saba, aber bestimmt keine solche Erkenntnis, von der ich gerade redete. Darum ist es möglich zu schließen, daß die Bestimmung der vergangenen Existenzen, auf die wir unter so genannten geistlichen Menschen, zunächst Spiritisten stoßen, eine Eitelkeit ist, die sittlich schadet und seelisch nicht viel nützt.

    Aus dem Gesichtspunkt der Erinnerung an die verflossenen Existenzen begriff ich das Lebenswerden als Zufälligkeiten auf dem überlangen Weg durch die Inkarnationen, und daher gab es für mich keine höher oder niedriger gesellschaftlich gestellten Leute. Jeder war mir schon gleichgestellt und so ich ihm. Die "Herren" sah ich doch ebenfalls als Korallen in einem Kollier der unbarmherzigen Göttin Kali, die mit diesem Kollier hin und her schieben kann. Ich fing an zu vermuten, daß ich mich völlig aus dem Faden ziehen könnte. Ich gewann den Willen und schätzte mich selbst nicht dermaßen, damit ich für eine Scheibe Brot den Feinden meinen Leib und die Seele gab. Und ich erkannte: Die Armen sowie die Reichen geben eben für die Scheibe Brot den Leib, was nicht so schlimm ist, was aber wirklich sehr schlimm ist, daß sie auch die Seele geben. Ich gewann also vor den beiden Gruppen einen Vorteil des Menschen, für den jede Kette, die Natur schmieden kann, zu kurz sein wird. Ich erwarb solche Unterscheidungsfähigkeit, die mir erlaubte, in die höchstheimlichen Falten menschlicher Herzen zu sehen, und deshalb konnte mich kein Verrat wieder zu einem Weltmenschen machen. Ich wurde bewusst, daß ich die Große Lehre entdeckt hatte, die jeden Schmerz stillen kann, und eilte einer großen Entscheidung entgegen, die Lehre der Welt zu geben, oder sogar aufzunötigen. Falls ich sie einst aufnötigen werde, dann nicht als ein Kuppler, der seine zweifelhafte Ware wohl oder übel aufnötigt, sondern als ein Mensch, der die Lehre mit der Wissenschaft verknüpft und damit er auf sie großes Gewicht der Logik und Überzeugungskraft legt.

    Ich fühlte schon, daß ich eine Macht gewann, mit deren Benutzung ich die Welt mit Handflächen zermalmen könnte und die mit Sicherheit meine unermesslichen Mängel der Schulausbildung sowie den des fast unsinnigen Sozialelendes aufwiegt. Ja, diese Macht, die der Lehre ans Licht helfen kann, werde ich nach Beratungen mit Gott benutzen, da ich ein Mensch bin, der, weil mit einem Körper begabt, jederzeit die Beschaffenheit der Reaktionen falsch errechnen kann. Gott, als eine Essenz des leibhaften Kosmos, wird bestimmt mehr als ich wissen, weil meine Sehkraft von Körperzuständen geblendet werden kann.

    Ich erblickte schon vor mir meinen Weg, der sich hier durch dunkle Schluchten schlängelte und dort wieder durch sonnige Orte. Es interessierte mich nicht, welche Zufälligkeiten mit dem Kluftdurchgang verknüpft werden sollen, aber ich wurde mir bewusst, daß mich nichts Leichtes erwartet. Ich lebte jedoch auf der Welt und mit dieser Macht und dieser Erkenntnis als ein üblicher Mensch zu leben, kam mir vor als sollte ich von der Nahrung leben, um die ich die Menschen berauben würde. So oder so gab es für mich keinen anderen Weg.

    Ich war krank von den furchtbaren Vorgängen der Realisation. Aber dabei war ich stark genug, meine Kräfte erneut zur Konzentration zusammenzuraffen, in der ich die Aufmerksamkeit, den Sinn sowie das Bewußtsein wie ein Luchs schärfte. Und die Reaktionen kamen an.

    Ich ging über den Kai und verspürte irgendeinen Druck an der Brust. Und dann begann die enorme Schwere des gesamten Weltalls mich plötzlich zu zerreiben. Ich raffte alle meine Kräfte zusammen, bis ich das Bewußtsein in jeder Zelle meines Körpers wurde, und so wog ich diese unermessliche Schwere aus. Da gewann ich den Eindruck, daß ich auf einer Waageschüssel stehe und das Weltall auf der anderen, und ich konnte feststellen, daß wir beide gleich schwer sind. Und ich erschloss die Bedeutung: Gerade wog ich die Tätigkeit des ganzen Kosmos aus. Das ist die Einweihung genannt "der große heilige Rishi".

    Ich erreichte die analytische Konzentration, in der ich die Körpermaterie wie die Wolken auseinander zog und dabei bekam ich eine Sehnsucht: Nur mehr in die Mitte. Und da konnte ich schon konstatieren, daß ich die Erdmasse auseinander grub und schnell ins Zentrum sank. Ich kam in die Erdmitte und atmete ihren "Kern" ein. - Eine weitere Machterhöhung und die Einweihung genannt "Demiurg".

    Mein Bewußtsein verbreitete sich blitzschnell über die Ader und Nerven, die sich aber nicht in meinem Körper befinden, sondern pflanzen sie sich in den Raum, über die Erde fort. Und das Bewußtsein zerfiel in Millionen "Ichs", die mein eigenes Ich waren - auf diese Weise mengte ich mich ins Herz aller Leute ein. Ich empfand schon ihre Animalität, die ich so schwer ertragen konnte. Ich musste mich also "zusammennehmen". Ich schuf einen Stützpunkt für die Konzentration in meiner Brust und in Zuständen, in denen ich in der Welt Brahmas lebte. Und ich fühlte: Ich ziehe die Leute zu mir wie im Bewusstseinszustand identisch mit Gott. - Da riss ich mich los und kehrte in mich zurück, aber in meinem Bewußtsein trat die Erkenntnis auf: Ich erhob die Menschheit. - Ich bin nicht und nicht einmal damals war ich ein Träumer, damit ich denken könnte, daß ich die Menschheit begnadigte, ein Gottesmensch, der das vermag nur wenn er will. Nichts dergleichen. Ich wurde mir nur bewusst, daß die Tendenzen der natürlichen Interessen der von meiner vergegenwärtigenden Konzentration betroffenen Menschen leicht zu Gott abgelenkt sein werden. Und die sichtliche Äußerung? Nichts Derartiges. Das Leben betrügt uns derart, daß es unsere Anschauungen nur geringfügig ändert. Und außerdem: Das geistliche Leben ist kein Kirchengehen und Beten bis zur Erschöpfung. Aber - warum solche Betrachtungen darüber anstellen. In jedem Falle wurde eine Einweihung genannt "Christos" empfangen.

    Ich rottete aus mir jede Spur des Ichs aus, welches denkt, es wisse, kenne, könne. Und so fühlte ich mich als "Niemand". Ich war nur einer der Menschen mit beschränkten Möglichkeiten, weil ich mich dem Gesetze unterwerfe und immer unterwerfen werde. Eine Einweihung, genannt "Kind".


    Hiermit lief die Zeit ab, in der ich endgültig die richtige Verinnerlichung erreichte, aus deren Voraussetzungen ich das Leben nur als ein beobachtender und keineswegs reagierender Mensch betrachten konnte. Mit dieser Änderung war allerdings auch eine Bewusstseinsverschiebung aus dem Zustand des Elementarwesens in den Zustand des Intellektuellwesens verknüpft. Deshalb wurde ich ein seelisch gut gegliederter Mensch, und auf Grund der vorigen mystischen Erfahrungen begann ich mich als ein Mann zu fühlen, der weiß, kennt, und der Verantwortung für seine gesamte Handlung bewusst wird. Aus dem Gesichtspunkt der absoluten Botmäßigkeit dem Leben und der Welt war diese neue Situation beklemmend, aber ich gewann eine Überzeugung, daß die verpflichtende Verantwortung, hervorquellend aus der Erkenntnis, nicht vergleichbar ist mit Früchten der Erkenntnis, die vor allem das Verständnis des Zusammenhangs mit der karmischen Prädestination bietet. Ich erreichte doch die Möglichkeit, den Lebensweg zu wählen und nicht nur der prädestinierenden Macht der karmischen Dispositionen zu unterliegen. Dieser Zustand ist mit einer Freiheit zu vergleichen, die im Anfangsstadium des neuen durch die mystische Bemühung erworbenen Lebens nur von der erschaffenen Reaktion auf die im Fleisch des physisches Wesens eingefügten Tendenzen beschränkt ist.

    Diesbezüglich fühlte ich mich hoch über den Leuten, die zwar sehr viel darüber sprechen, daß sie tun, was sie sich selbst in den Kopf setzen, die aber evident nur das tun, wozu sie durch die innere Spannung getrieben werden. Aber diese Erkenntnis machte mich von den Leuten nicht zurückgezogen. Ich bemerkte, das die höchste Bedeutung darin ist, wenn die Erkenntnis mitgeteilt wird, denn ich begriff, daß sie ein Ziel darstellt, in dem erst die Irrlehre über die Freiheit gelöscht wird. Die Irrlehre, die uns die Menschen vorlegen, die sich nur denken können, sie tun, was sie selbst wollen. Dies sah ich übrigens als eine schauerige und karmisch drohende Unwissenheit, für die keiner eine Vorliebe hat, obwohl er fingiert, in diesem seinen Zustand zufrieden zu sein.

    Ich wurde mir bewusst, daß ich für die Erkenntnis, die ich jetzt hatte, sogar mit meinem Leben bezahlen würde, und sollte ich nirgendwo dieselbe Unruhe in der beklemmenden Unwissenheit sehen, so erriet ich die Ursache nur in einem relativ größeren Anhaften an die Welt, die mir schon jetzt ihr böses Antlitz zeigte. Aufgrund dessen setzte ich für die Zukunft einen solchen Weg, daß alle Schicksale, die ich im Weiteren beschreibe, nur eine logische Folge meiner Wahl waren. Übrigens nahm ich eine Anschauung an, daß es höchst richtig ist, im schwierigen Leben zu verbleiben, welches immer mit einem Streben zusammenhängt, etwas neues in der Welt zu realisieren. Diese Ansicht gründete ich auf eine Überzeugung, daß solche Schwierigkeiten, welche ich sah in Verbindung mit Bestrebung, die Lehre mitzuteilen, kein Mensch aufnehmen konnte, der bereits die Früchte des verdienstvollen Karmas von der mystischen Einweihung empfangen hatte. Es schien mir, daß wenn ich das schwere Schicksal in meinem Leben weitergehen lasse, wird das nur ein Verharren in Bedingungen sein, die mir das fürsorgliche und um mein Wohl sorgende Schicksal zugestand, und daß es also nichts Böses bedeuten wird, als würde es bei einem Mann bedeuten, der vom guten zum schlechten Schicksal ginge. Hiermit wurde meine Wahl etwas Leichtes und völlig Natürliches, insbesondere, wenn ich in mir eine Kraft und Fähigkeiten fühlte, eine jede, egal wie schwierige, komplizierte und böse Lebenszufälligkeit zu überwinden und im guten Sinne mit ihr abzurechnen.

    Darin bestanden also die Voraussetzungen für die Schicksalsschläge, die ich weiter schildere.

    Was die Erlebnisse aus der Realisation betrifft, lernte ich durch sie alle mystischen Zustände kennen, die durch den mystischen Weg zu erreichen sind. Außerdem entwickelte und stabilisierte sich bei mir das Hellgefühl, mit dessen Hilfe ich das Vorgehen und die Hindernisse auf dem Mystischen Wege feststellen konnte, sowie die Art und Weise ihrer Bewältigung und ebenfalls die Phase der geistigen Entwicklung bei anderen Menschen. Hierdurch erreichte ich eine Einweihung der Meisterstufe, wozu mir lediglich gewisse Lebenserfahrungen fehlten, die so einen Selbstbewusstseinsgrad ermöglichen, der zur Handlung mit Menschen notwendig ist. Und weil ich wusste, wie ich mich benehmen muss, um diese Erfahrungen zu erlangen, wählte ich gleichfalls den Lebensweg, den ich in den nächsten Aufsätzen beschreiben werde.