Kapitel II.
Ich verlasse die Erde:

    Früher als ich mich entschied, alle durch Joga vorgeschriebenen Aufgaben aufzunehmen, hatte ich erkannt, daß ich schwache Seiten auf meiner moralischen Ebene habe, die eine Warnung waren im Bestreben mich mystisch vervollkommnen zu wollen. Aber trotzdem entschloss ich mich an der Bestrebung festzuhalten, wenn es überhaupt möglich wäre. Und so nach zirka vierzehn Tage, nachdem ich mein zweites Buch über Joga in die Hand bekommen hatte, nahm ich Abschied von dem Leben, das ich soweit führte. Das tat ich, indem ich meine Aufmerksamkeit weg von der Welt ablenkte und in mein Bewusstsein lediglich eine klare Helle des imaginären Leere voll mit Potential seelischer Entspannung einfügte. Dieser Austausch der "Wahrnehmungsobjekte" trug in mein Leben ganz andere geistlichen Zustände, als welche ich durch das Akzeptieren der äußerlichen Kummer erkennen konnte. Und obwohl diese Zustände auf keinen realen Sachen beruhten, doch nahm ich aus ihrer Anwesenheit Belehrung, daß das richtige (innere) Wohl oder Leiden von der inneren Orientierung abhängt und nicht von der Umgebung, in der man lebt. Das empfing ich als einen realen Beweis der Bedeutung der Jogalehre. Zu diesem Beweis kam ich sozusagen sofort beim Eintritt auf den mystischen Weg. Ich fing an zu verstehen, daß die Lösung der Lebensprobleme vor allem von Gefühls- und Mentaldisziplin abhängt, und in diesem Geiste griff ich in meine bestehende Lebensweise ein, und zwar sehr hart und völlig kompromisslos.

    Überdies wollte ich beim Eintritt auf den mystischen Weg vorbeugen, daß sich in meine Beobachtung Meinungen einmischen, die ich durch Geburt, Erziehung und gesellschaftliche Eingliederung empfangen hatte. Aus dem Grunde verzichtete ich auf alle meinen bisherigen Überzeugungen und Kenntnisse über die Welt und das Leben. Ich erkannte nicht mehr an, daß, was ich sehe, ein Haus, ein Baum, die grüne Farbe usw. ist und ich verwies diese Überzeugungen und Feststellungen auf einen Schluss, daß es etwas Beigebrachtes, Suggeriertes ist, und daß es in den Bereich der Irrlehren, in denen ich stecke, gehört.

    Diesen Eingriff in eigene Angelegenheiten kann sicherlich jedermann tun, und schließlich scheint es auch einfach und begreiflich. Als ich das jedoch stetig durchführte, begann sich mein Bewusstsein ganz anders zu orientieren als bisher. Hierbei geriet es in einen kritischen Zustand, denn es hörte sowohl mein Denken als auch mein Fühlen und überhaupt mein ganzes geistliche Leben auf.

    Hält sich das geistige Leben, ohne gleichzeitige Lahmlegung der Fähigkeit der analytischen Beobachtung sämtlicher Ereignisse und Zustände, in die man durch das Anhalten der geistigen Aktivität gelangt, befindet man sich hinter der Linie der üblichen Sinneswahrnehmungen. Aus diesem Grunde konnte ich in einer Periode kürzer eines Monats den Stand sowie die Art und Weise des Denkens und Fühlens bei den anderen Menschen feststellen. Darüber hinaus wurde in mir derselbe Instinkt entwickelt, welchen die Tiere besitzen und welcher ermöglicht, das Wetter vorherzusehen. Sofort darauf konnte ich beobachten, daß ich fähig bin, das Wetter zu steuern, was übrigens aus der Fähigkeit der Wettervorhersage selbst herauskommt und was auf den feinen Änderungen der Laune basiert, die ich als ein Jogi verpflichtet zu beherrschen empfand.

    Wenn ich also die Stimmung beherrschte, die einen Regen oder einfache magnetische Störungen verkündigte, traf dann nicht einmal die vorgemeldete Witterung ein. Um dazu noch die Sicherheit zu haben, daß ich wirklich das Wetter steuere, lies ich manchmal die Vorankündigung durchlaufen, wogegen ein andermal ich sie unterdrückte. Danach kam das verkündigte Wetter oder nicht.

    Einige Jahre später sagte mir jemand, meine Vermutung über die Wettersteuerung auf der Tatsache gegründet sei, daß ich den Gedanken, das Wetter zu verändern genau zu der Zeit fasse, wo sich die Änderung einstellen solle. Diese Überzeugung würde sicherlich eine Aufmerksamkeit verdienen, könnte man seine Fähigkeit auf keine Art und Weise ausprobieren. Ich probierte sie jedoch ebenso gut wie die Fähigkeit, bei den Menschen die Gedanken und Gefühle zu lesen.

    Ich kann sagen, ich war überrascht über die ersten Erfahrungen aus dem mystischen Pfad, den ich durch die allseitige Selbstbeherrschung antrat. Aber nicht in Entferntesten befriedigten mich diese Erfahrungen. Ich war weiterhin unzufrieden aus inneren Gründen und deshalb war mein Interesse nur ein einziges Ergebnis: die Vernichtung der Kümmernisse.

    Die Vernichtung der Kümmernisse ist aber weit hinter den geringen magischen Zaubern. Die Kummer sind dem menschlichen Wesen eingefleischt, sie durchdringen seine physischen Komponente als Blut, und daher sind sie möglich zu vernichten, wenn es zu einer vollkommenen psychologischen und vielleicht auch physischen Transsubstantiation kommt. Damals sagte mir mein Freund übrigens: "Du wirst anders Tag für Tag." Ich hörte nämlich auf, ein Mensch zu sein, der sich so schwer wie Golem fühlt. Mein Rücken wurde gerade gerückt, meine Brust wölbte sich, das Gesicht wurde scharfzügig, die Augen untergingen und es kam eine gewisse psychologische Erholung.

    Meine Arbeitsbedingungen wurden dabei nicht besser. Erst arbeitete ich wohl 70 Stunden pro Woche, aber später wuchs die Stundenanzahl auf 92 Stunden. Zugleich nahmen meine jogische Anstrengung und Pflicht zuerst etwa drei Stunden täglich, aber später vier, sechs und acht Stunden in Anspruch. Also hatte ich keine Zeit mal für den normalen Schlaf und meine ganze Freizeit schöpfte meine Konzentrationsbemühung aus, die ich als die Eingangsdisziplin ins Joga annahm.

    Die Konzentrierung ist jedoch nichts Einfaches. Ich begriff sie als einen Zustand, in dem man durch keinen Gedanken, kein Gefühl, keinen Anlass, keine Erinnerung oder durch keine Mannigfaltigkeit der geistigen Zustände gestört werden darf. Wenn es gelingt, diesen Sinnes- und Bewusstseinszustand zu erreichen, entsteht natürlich ein Gefühl der Seligkeit und Entspannung, Glücks. Aber solche Konzentrierung ist ausgeschlossen zu erzielen nur durch technische, mentale Vorgänge. Es ist notwendig, das gesamte bisherige "Wissen" über die Welt und ihre Dinge zu vergessen, damit eine gewisse seelische Leere auftauchen kann, die zu einem psychologischen Gleichgewicht wird, welches aber die Form des Stumpfsinnes annimmt, wenn man seelisch gleichgültig wird. Oder es nimmt die Form des analytischen Beobachtens an, wenn das Gleichgewicht als ein neuer Geistzustand beobachtet werden kann, der relativ ruhig sowie beweglich ist. Hierdurch wird die Konzentration ein psychologisches Problem, das kein Anfänger im Joga lösen kann. Was wusste ich aber über die Problematik der geistigen Entwicklung? Ich fand den mystischen Weg und in meiner natürlichen Unwissenheit begriff ich, daß man sämtliche Glieder sofort aufnehmen muss. In der ersten Phase jedoch, geht es darum, sich durch die sittliche Disziplin aus der natürlichen innerlichen Verdorbenheit zu behandeln und die technisch-mentale Arbeiten für die Zeit zu verlegen, wo im Jogi aus den sittlichen Voraussetzungen Seligkeitsgefühle aufzutauchen beginnen. Das alles hätte ich damals leider nicht wissen und vielleicht hatte ich ein sehr gutes Genie, wenn ich kompromisslos die Sittenbemühungen zu den mentalen Arbeiten zugab, deren Ergebnisse ich aber überhaupt nicht akzeptierte.

    Damit möchte ich folgendes sagen: Durch die Reinigung des "Bewusstseinfeldes", wozu es durch die Abwendung von der Welt mit der gleichzeitigen Disziplin der Sinneskonzentrierung kam, erzielte ich während einer ungewöhnlich kurzen Zeit wesentliche mystische Ergebnisse, die ich leider nicht richtig zu bewerten wusste. Aus dem Grunde wurde ich einer großen Gefahr ausgesetzt, daß ich auf dem mystischen Wege, wo ich mit günstigen und erhebenden Erfahrungen begegnete, in weiterem Fortschritt erstarre. Aber trotz alledem verfiel ich nicht mal für einen Augenblick in verlockende seelische Entspannung, die so tief kontrastierte mit der früheren dauernden Geistestätigkeit, gelenkt auf die trübseligen Zustände, die ich so lange erlebt hatte. Demzufolge erstarrte ich auch nicht für einen Augenblick auf einer Stelle auf dem mystischen Wege und meine mystische Entwicklung ging sehr rasch weiter.

    Bevor noch ein Jahr verging, eröffnete sich bei mir die innere Sehkraft, mit deren Hilfe ich ins Menschenleben einsehen konnte und daraus vieles dazu lernen konnte. Diejenige, die mir mit Wohlstand beschenkt erschienen, sah ich als Menschen, die sich enger schnallen, nur um ihre Körper mit schönen Kleidungen bekleiden zu können. Andere wurden durch alle möglichen geistigen Zustände gequält, aber äußerlich war das an ihnen gar nicht zu sehen. Und so wurde ich belehrt, daß die scheinbaren und tatsächlichen Sachen nicht zusammengehen. Es wird ein Theater gespielt, aber die Trübsal drückt. Was für ein schreckliches Labyrinth!

    Nur daß die Kümmernisse, die ich sah, nur kleine und persönliche waren. Bald darauf erblickte ich etwas noch Schrecklicheres. Es fing mit einer Vision an.

    Ich saß im Park und beschäftigte mich mit mir selbst, damit ich nicht in den Zustand falle, in dem das seelische Leben durch innere Erregungen bestimmt ist. Diese Erregungen entkommen so vollkommen den Menschen, die sich von der Welt fesseln ließen und infolge dessen sind sie unaufmerksam. Beobachtend und mich selbst bei absoluter mentaler Beruhigung hütend war ich imstande Manches zu sehen, was für andere Leute außerhalb ihres Wahrnehmungsbereichs lag.

    Irgendwoher von Südost avancierte wie eine Wolke durch das Himmelgewölbe ein dunkles Rot, aus dem Teufel regneten. Viele Teufelchen. Sogar soviel wie eine Menge kleiner Tropfen im Sprühregen. Und diese Teufelchen fielen wie die Regentropfen zur Erde, aber nicht frei, sondern mit Absprung und sofort darauf erfüllten sie die ihnen eingegebenen Aufgaben. Sie machten die Leute besessen!

    Ich konnte die Teufelchen beobachten, wie sie auf Schultern der Menschen herumsprangen, zu ihren Ohren sich neigen, etwas lispelten wie wenn vom Geist zum Geist und nicht vom Ohr zu Ohr. Und als ich dann diejenige beobachtete, die von ihnen besessen waren, konnte ich sehen, wie das Selbstbewusstsein der Teufelchen wuchs und wuchs und damit gleichzeitig auch schlechte Gedanken, Eingebungen und Selbstsucht.

    Eine furchtbare Situation. Vor meinen Augen tauchten drohende Schatten der Zukunft auf, die alle weltlich lebenden Menschen betreffen sollte. Es waren aber auch die Sporne - ich hätte meine Bemühungen anspornen müssen, damit ich aus dem Einflussbereich dieser Vorzeichen entkommen könnte... In dieser Situation verhielt ich mich zum ersten Mal aktiv, indem ich in mein Innere direkt an Gott eine Frage stellte, wobei er antwortete. Ich fragte: "Ist es möglich, daß die Menschheit dem Schicksal entginge, das sich vor ihr zeichnet?" Gott antwortete: "Ja, wenn die Leute besser werden." Ich fragte weiter: "Ist es möglich, daß die Leute besser werden?" Daran schwieg er schon. Daraus zog ich einen Schloss, daß vor der Menschheit und dadurch auch vor mir eine unausgängliche schwarze und böse Zukunft liegt, die im schlechten Sinne mannigfaltige Geschichte zeigen wird. Und zum ersten Male erschien in meinem Inneren ein Schmerz, welches nicht von den Reaktionen auf meine eigenen Schwierigkeiten herkam. Mit dem Schmerz ging jedoch auch eine Sehnsucht hervor, einen Weg vom Böse zum Gute zu entdecken und den Menschen zu zeigen. Einen Weg, welchen die mystische Lehre in ihrem sittlichen Teil anschilderte.

    Bestärkt mit dieser Vision, arbeitete ich danach mystisch, als wäre ich wahnsinnig. Ich strebte, in mein Bewusstsein auf einmal meinen Körper und seine Lebenskraft aufzunehmen und war fest entschlossen, diesen beiden Faktoren sofort die Richtung zur allgemeinen Ruhe und Harmonie zu geben. Dabei hielt ich auch eine Idee, daß wenn ich dazu eine Gelegenheit erhielte, würde ich den Leuten mitteilen, was für sie in der Luft liegt. Die Menschenwege sind aber beeinflusst durch andere Faktore, als seine Wünsche und Willen...

    So konzentrierte ich mich derart, daß ich mein gesamtes Wesen zum Schweigen brachte im Bereich der Gefühle, Wünsche, Anlässe und aller inneren Impulse. Dadurch wurde verursacht, daß meine fesselnde und analysierende Einsicht tiefer wurde, bis ich in andere Empfindungsdimensionen eintrat... Ich fing schon an, die Wonnen der karmisch jungen und sittlich unverdorbenen Elementarwesen zu erleben, während sich bei mir einige mystischen Kräfte entwickelten. Was ich aber als beste fand war, daß die angenehm aussehenden Kreaturen der unsichtbaren Welt gegen mich völlig freundlich taten, und daß ihre Anwesenheit in mir glückselige Gefühle erregte. Diese schienen mir nämlich eine bestimmte Garantie zu sein, daß ich auf dem rechten Wege bin. Denn sobald ich nur ein bisschen von der Wege der damaligen mystischen Lebensweise abwich, verdunkelte sich mir der Horizont und die Visionen wurden unerfreulicher.

    Hinsichtlich dieser Ergebnisse hätte ich damals ein ruhiges und zufriedenes Leben führen können. Es wäre ausreichend, richtig zu leben und keine Bemühungen zu machen, um einige weiteren mystischen Ergebnisse zu erzielen, und dann wäre die Umgebung, in der ich damals lebte, sehr harmonisch und seelisch ermutigend. Die Harmonie und auch die Glückzustände konnten auch durch meine erhöhte Aufmerksamkeit zu allem gestört sein, was in mir auf der Gefühlsebene vorging und weil ich die in mein Bewusstsein eintretenden Zustände beobachtete.

    Ich merkte, daß wenn ein unerwünschter Bewusstseinszustand oder ein schlechtes Gefühl auftauchte, genügte es, geringfügig die Kraft zu besseren Zuständen zu richten, und alles wurde dann wieder ins rechte Gleis gebracht. Und wenn es schon im richtigen Gleis war, steigerte sich der Zustand, in dem ich eher fühlte als hörte die unsäglich schöne Musik, überragend die gesamte Harmonie der Weltmusik.

    Ich wusste, daß dies keine himmlische, sondern nur eine natürlicheMusik ist, und nach einiger Zeit erkannte ich, daß es nicht einmal die Musik ist, sondern nur harmonisch vibrierende Partikel der überall tätigen Schöpferkraft. Daraus schloss ich, daß gerade hier die Geister leben, die Elementgeister, die unvermischte Naturvibrationen zum Tönen bringen. Und ich war dankbar meiner übersinnlicher Gesellschaft.

    Nur wenn in mir keine tiefere Unzufriedenheit gebissen hätte, die, ernährt mit viel schrecklicheren Erfahrungen als man herausschreiben kann, offenbarte, daß diese Vergnügen nur auf Gefühlen beruhen, und daher sie vergänglich sind wie bereits überlebte Schmerzen. - - - Ich hatte also weiter müssen. - - - Den Weg kannte ich schon. Alles, was mich damals begegnete, kam nur darum, weil ich das gesamte hergebrachte Wissen über die Welt vernichtete, weil ich mich meinem Empfinden entfremdete, weil ich in der von der Lehre auferlegten Disziplin lebte und weil ich von dem durch die Kraft konzentrierten Sinn ein klares Bewusstsein hielt, was ich nur vermag. Das begriff ich.

    Ich erhöhte also diese Konzentrierung. Ich erhöhte sie in dem Maße, daß ich mich in meinem Körper so empfand, wie man seine Hand in einer Handschuh fühlt. Dabei hatte ich keine Erfahrungen eines Mystikers, der seinen verirrten Geist immer in den Sonnenschein der Harmonie herauskommen lässt, und daher musste ich vielmals „für den Weg“ die sich entwickelnde Glückseligkeit der wirklichen seelischen Entspannung vernichten und immer wieder anfangen. Ich strebte an wie jemand, der die Lehre als eine Methode der Anstrengung verstand und nicht einer geistigen Equilibristik, und hierdurch kam ich auf so genannten „Seitenweg“. Ich unterdrückte bis zur Vernichtung alle optischen, Gehör-, Geruchs-, Geschmack- und Tastwahrnehmungen mit der Kraft der Sinnes- und Bewusstseinsorientierung und aus dem Grunde hörten für mich sämtliche Sinneseindrücke zu existieren auf. Infolge dessen rauschte etwas. Durch die Kraft des Nichtdenkens und Nichtfühlens brachte ich es zum Schweigen. Darauf stellte sich die unsichtbare Gesellschaft nicht mehr so freundlich. Ich fühlte jedoch nicht, daß sie etwas gegen meinen Angriff auf die geistliche Welt einzuwenden hatte. Eher stellte sie sich weniger freundlich, weil ich Unruhe in die geruhsame Harmonie des Stauens und Sinkens im Niveau der Elemente hineintrug. Aber was macht das aus. Es gab nicht mehr mich, sondern nur den Gegenstand der Konzentrierung und des Bewusstseins. Und während ich mich von mir selbst trennte, von meinem Körper riss, störte ich den Strukturalzustand des Daseins, welcher, wie ich heute gut weiß, identisch ist mit dem Zustand der universalen Existenz. Deswegen ließen sich die unangenehmen Klänge in Wänden hören.

    Ich wünschte, daß ich ihre Einflussnahme auf meine Bemühungen nach der vollkommenen Konzentrierung abschaffen könnte. Ich hörte sie gut in Wänden, aber sie wirkten, als würden sie in meinem Selbst erschaffen.

    Welche Klänge? Es war, als ob dort Erbsen gestreut würden und zwar mit gleichen Tönen wie wenn sie zum Boden fallen. Etwas sehr Unangenehmes da, wo eine „hörbare Stille“ sein soll.

    Ich konzentrierte mich so, daß ich - als das Bewusstsein, meiner nur als ein Punkt endlos kleiner Größe im Bauch bewusst wurde. Es war nur ein imaginäres Nichts. Aber dieses imaginäre Nichts wird ein Sammler der endlosen Energie, gleich wie die Materie im Kosmos bei bestimmter Beschleunigung. – Die Energie, bzw. ihren Druck, konnten die Störenfriede bemeistern, und begannen aus den Wänden herauszusteigen.

    Ich sah zum ersten Mal die Götter, die mächtigen Herrscher über die groben Naturkräfte. Sie stiegen aus den Wänden heraus, als wäre nichts geschehen. Und während sie vor mir standen, hörte das unangenehme Gerassel in Wänden auf. Ich weiß schon. - "Verschwindet von hier, Lümmel!" Und die Götter entfernten sich...

    Lach nur, mein Leser. Die Götter in der Wand, wer hat das je gehört? Ja, ja. Nicht einmal ich hatte ich vorher etwas ähnliches gehört. Erst viel später hörte ich, daß irgendwelchen Spiritisten bei einer Seance Christus im Schrank lärmte. Aber hierdurch wird das alles sowieso nicht abgeklärt. Ich erfuhr jedoch etwas anderes, das mir die Anwesenheit der Götter in der Wand erklärte.

    Es geht immer um das Verhältnis der Bemühungskräfte des Neofyts oder Chelas zu den Qualitäten, welche in Bemühung, durch die natürliche Reaktionen den Eintritt der unreinen samsarischen Wesen in die himmlischen Welten zu verwehren, senden einfach die zugehörigen Personifikationen, die sich verpflichtet fühlen, den Menschen unauffällig von seinem Weg abzubringen, falls er auf ihm überhaupt ist. Geht er aber auf dem unrechten Weg, kommt dann also keine Reaktion. Ich war dagegen lebenserfahren, und bis jetzt hatte keine mystische Fähigkeit oder Vision das Glück, mich zu überzeugen, daß der schreckliche Schmerz des schweren Lebens aufhört, wenn man auf ihn ein Pflaster von Wonnen- und Gefühlserregungen anlegt.

    Wirklich quältest du mich, menschliche und unmenschliche Gesellschaft und daher wirst du mit mir wohl sehr schwierige Arbeit haben! Und daß es damals schon wirklich um Götter, Vertreter oder Einwohner der ersten Paradieswelten ging? Ich sehe noch heute ihre Körper, zusammengesetzt aus Feuer und Licht, aus den zwei Stufen eines einziges Elements, und empfinde gut ihren Einfluss. Wohin sie ihre Kraft in die Natur richten, dort entsteht das, was wir heute unter Bezeichnung Naturerscheinungen und magnetische Gewitter kennen. Ihr erster Nachhall in der Wand ist dadurch bedingt, daß aus dem universalen Standpunkt die Materie eine entsprechende Umgebung für die reale Äußerung der Vibrationen von anderen Dimensionen darstellt.

    Warum sollte ich das nicht eingestehen... Heute ehre ich diese Götter nicht mehr, daher bemerke ich sie nicht einmal, wenn ich gerade einen Weg durch ihre Sphäre mache. Dabei tue ich allerdings so nicht, weil ich mich etwas mehr als sie zu sein vorkäme, sondern darum, weil ich schon damals erkannt hatte, daß auch sie die Sklaven ihrer Motive, Gefühle und Leidenschaften sind, die natürlich von höherer Art sind, als die menschlichen.

    Und sind ihre Gefühle und Leidenschaften edel? Was liegt daran? Ist Samsaro eine Pulsierung, welche die Trieb- und Gefühlebene im lebenden Kosmos wogen lässt, bedeutet dann dies die Notwendigkeit, die Natur in ihrem Einfluss eben auf die Gefühle und Triebe zu überwinden. Die Götter des niedrigsten Ordens hatten dies nicht geschafft, nicht einmal die Engel, die ich in der Zeit auch kennenlernte und welche die Christen als keusche und hochgestellte Wesen anerkennen. Warum tragen also diese Wesen sichtbare Merkmale der Götter? Sie könnten ja ganz gut die Leute sein, deren Existenz ihnen in der nächsten Inkarnation so mächtig droht, so wie den Menschen, die – wenn sie ihre Leidenschaften nicht überwinden, werden von Wiedergeburt unter den Bhuten und unsichtbaren Kreaturen der niedrigsten Kategorien bedroht.

    Wenn ich heute meine damalige Stellung überprüfe, weiß ich, daß ich in der Mystik sehr hoch spielte. - Aber spielte ich damals wirklich so hoch? Als ein Mensch war ich ja eher ein bloßer Aufschrei des Schmerzens, des namenlosen Trübsals und so... Wie jemand in einer dringenden Lebensgefahr hört oftmals auf, seine Angst zu haben und begeht eine unsinnige Tat, von welcher die Dummköpfe als eine Heldentat sprechen, so auch ich erstürmte die mystischen Höhen nur weil ich in bedrängter Lage war. Und so ist oft der Heldenmut vemarkt mit Bangigkeiten und Angstgefühlen.

    Ich war aber in einer etwas besseren Situation als die Helden, die aus einer argen Situation vom bestimmten Augenblick entstanden. Daher konnte ich mich mit dem Lutscher des scheinbar unerschöpflichen Gefühlsglücks nicht abfinden. Aber ähnlich wie die Helden, erschaffen aus der unaussprechlichen Angst und dem Grauen, sollte auch ich zu einem Helden aus der gut verborgenen Angst vor dem endlosen Kreislauf der unsäglichen samsarischen Trübsale werden. Übrigens waren die Götter schon weggegangen und ich hatte Ruhe, "Stille, die ich hören konnte". Das schien mir ein gutes Vorzeichen zu sein. Übrigens erkannte ich das daraus, daß ich sowohl mit dem Sinn, als auch mit dem Bewusstsein durch endlose Räume vieler unsichtbaren Bündel durchdringen konnte, die wir Sphären oder Dimensionen nennen, und daraus schloss ich, daß mein Los herauskommt. Eben durch die Besiegung des Störens auf der niedrigeren Basis entwickelte sich mein Intellekt dermaßen, daß ich mein Bewusstsein von den feinsten samsarischen Schatten und Schmutz reinigen konnte, und so nach ungefähr achtzehn Monaten vom Augenblick, wo ich meinen mystischen Weg angefangen hatte, fand ich mich als ein Punkt in der universalen Leere, in der "dritten Dimension des Kosmos".

    Diese Dimension ist eine geistliche Sphäre. Man kann sie nicht als eine der Höhenlinien der Wirklichkeit finden, denn sie ist nur ein höherer Raum der physikalischen Vorgänge, die darin enthalten sind, was unsere Welt bildet. Darum erreicht man sie durch eine Verinnerlichung, die man verstehen muss als eine Verschiebung der unteren Grenze der Variationskurve des Bewusstseins zu seinem eigenen Zentrum, und zwar begleitet mit Wahrnehmungsfähigkeit. Das bedeutet keinen besonderen Vorgang der wissbegierigen Fähigkeit, sondern eine bloße psychologische Vertiefung, die man verstehen muss als eine Entwicklung der Verständigung in immer feinere und feinere Struktur unserer Welt, die unmittelbar unter der Oberfläche die physikalische und dann prinzipielle Welt darstellt.

    Erst aus der prinzipiellen Welt kann einer, der durch die richtigen psychologischen Vorgänge seine Sehfähigkeit erhalten hatte, das Spiel der potentiellen Spannung erblicken, das sich als eine stufenweise Formulierung der Vorboten und Schicksale zeigt, deren Sklave die ganze Menschheit ist, ohne Rücksicht darauf, daß sie an die Fähigkeit glaubt, ihre Schicksale unmittelbar durch eigene Taten zu bilden.

    Deshalb ist die Fähigkeit, in der prinzipiellen Welt mit den entfalteten Sinneswahrnehmung zu verharren, unglaublich belehrend; nur diejenige, die fähig sind, in dieser Welt unter diesen Umständen zu bleiben, können Weisen, bzw. geistige Giganten sein. Früher, als ich mich in der dritten Dimension des Kosmos fand, hatte ich noch einige anderen Dinge erlebt, die vielleicht mit dem so genannten Seiten- oder Schleichweg zusammenhingen. Vor allem, infolge der Sinnesdisziplin erzielte ich räumliches Sehen und Hören. Dieses Sehen umfasste auch folgendes:

    Während ich das blaue Himmelgewölbe hinaufschaute, formte sich dort etwas. Kurz darauf erblickte ich so genannte Luftwesen, nicht aber die Sylphen. Ich beobachtete sie und bemerkte, daß sie ihre Körpern aus Luft gewebt haben, bekleidet werden sie in Geweben, die auch aus dem Luft getan wurden, sie aßen Speisen aus dem Luft, bauten ihre Häuser aus Luftformziegeln und sie wohnten dort - und das gesamte Tun hielten sie für rationell und sachlich.

    Ich musste einfach lachen, als müsste jeder andere über solche Unsinnigkeit lachen.

    In meinem Inneren wachte jedoch Gott, offenbar auch wie ich zum anständigen Benehmen ungezogen. Sagte mir (die innere Stimme):

    "Ich zeige dir, Bube, wie es auf deiner wirklichen Erde aussieht!"

    In dem Augenblick war ich in der Höhe der Luftwesen, und von hier auf die Erde hinabschauend, erblickte ich: Der Mensch, der ja auch aus der Erde stammt, isst Lehm, in Lehm bekleidet er sich und aus Lehm baut er Häuser, in deren er sich dann versteckt. Eine unsinnige Situation, die der Mensch aber für real hält und aus der er jede Wirklichkeit zu beurteilen weiß. Und mich wunderte sehr die Erkenntnis der "wahren Realität" der wirklichen Welt... Wir vermuten, daß das Universum mit seinem schöpferischen Fuß in der Natur steckt, die wir kennen, während es sich durchdringende Sphären darstellt, deren Insassen ihre Welt immer finden müssen als eine grundsätzliche, physikalische Welt. Dies ist der Großzauber der Täuschung, welche die Sinne der Geschöpfe aller Sphären umhüllt, der Geschöpfe, die stolz genug sind, um sich glauben zu unterstehen, sie wissen alles am besten.

    Ich nahm einen anderen Weg. Ich nahm die Überzeugung auf, die äußere Welt sei ein Komplex uns suggerierter Vorstellungen und Bilder. Deshalb wurde meine Wahrnehmung so entfaltet, daß ich alles aus einem zentralen Bereich einsehen konnte, dessen Ufer von unterschiedlichen Dimensionen des schöpferischen Weltallgeschehens angestoßen werden, die sich gleichzeitig von diesen Ufern abstoßen.

    Was habe ich davon? Wer überwand die irrgläubige Überzeugung, daß die Welt durch die mit Sinnesorgane wahrzunehmenden Fakten ausgeschöpft wird, erlebt er die Freude eines Wesens, welches weiß, daß es nicht stirbt. Es findet nämlich sein persönliches (Sinnes-) Bewusstsein als einen pulsierenden Faktor, der aus einem Milieu auf ein anderes überspringt wie ein Schmetterling aus einer Blume auf eine andere. Wenn es ihm gelingt, in seine Brust den Begriff vom Gott zu prägen, die lebende und durch mächtige Anziehungskräfte sich erhaltende Qualität, zeitlos, trägt er in sich etwas Unsterbliches in der individuellen Auffassung, das heißt, er befindet sich im Zustand, welchen der Sklave der äußerlichen Erscheinungen nicht wahrnimmt, und deshalb als der Sklave wirklich leidet. Was das Hören betrifft, das durch die Sinnesdisziplin entwickelt wurde, war das räumliche Hören am merklichsten. Ich war imstande, das Gehör vom Körper loszulassen und beispielweise Gespräche der Leute draußen in der Straße zu hören. Und eben aufgrund der Erfahrung begriff ich, daß die Entwicklung der so genannten inneren Sinnen abhängig von der Disziplin der äußeren Sinnen ist. Anders gesagt: Will jemand hellsehend, hellhörend und hellfühlend werden, will er Düfte riechen, kosten, was aus den himmlischen Sphären stammt, und den inneren Tastsinn entwickeln, muss er dann die absolute Disziplin der Sinnen einhalten. Er muss erlernen, die Sinnen in ihren unmittelbaren Funktionen zu beherrschen und umgekehrt, als ein mit Sinnesorganen bewaffnetes Wesen, muss er in sich selbst untertauchen und dann könnte er mit Sicherheit seine inneren Sinne entwickeln.

    Übrigens scheint es nicht, daß es einen anderen Weg zur Entwicklung vom Innensehen, Innenhören, usw. gibt als eben die Disziplin im Bereich der Außensinne, ausschließlich der Drogeneinnahme. Eben die Unterdrückung der Sinnesfunktionen führt dazu, daß die geistliche Kraft, die sich durch die Sinnesfunktion bemerkbar macht, sozusagen kondensiert ist und aufgrund dessen die Grenze des Bereichs, wo die Sinnen unverschärft durch die Disziplin arbeiten, überschreitet.

    Später erkannte ich Mahatmas. Ein gewisser Schriftsteller sagt, sie existieren nicht. Der Streit über ihre Existenz entsteht in breiteren Kreisen. Auch Rama Krishna mischt sich (angeblich) in diesen Streit hinein und behauptet, es gebe keine Mahatmas. An alledem liegt es aber nicht. Ist der Mahatma jemand, der durch eine einfache mentale Aussage "Ich" oder "Ich bin nicht" erscheint und wieder verschwindet, gibt es dann Mahatmas. Und soweit ich festgestellt hatte, daß es sie gibt, interessierte mich ihre Lebensweise. Ihre Körper, so stark reagierend auf ihre mentale Äußerung "ICH" oder "ICH BIN NICHT" und die so sauber und fern waren von der physischen Gestaltung von alledem, das wir als Materie wahrnehmen können, schienen mir unzerstörbar. Das war der Grund, warum ich fahndete, wie die Umsturzänderungen auf der Erde überdauern, der Kontinentesursprung und ihr Untergang, das bedeutet Prozesse, die mir vor den Augen schwebten, in Visionen, welche die vergangenen Zustände der Erde im übertragenen Sinne betrafen. Und die Mahatmas zeigten mir es...

    Ich glaubte, denn es betraf scharf logische Vorgänge. Und dabei ging mir schon ein Licht auf, daß die Frage der Unsterblichkeit in der physischen Bedeutung im abgeänderten Sinne eine Frage der richtigen Auffassung von dem ist, was uns nach bestimmten Zeichen physisch erscheint und was auf keiner Phantasie beruht. Es entsteht da nur ein Problem, ob jeder die Unsterblichkeit wünschen würde, die mit Vernichtung des Inventars, an dem man haftet, zusammenhängt, und auf dem Verhältnis zu diesem Inventar formt er seine Ansicht dazu, was richtig, gut, sittlich ist und was nicht.

    Ja, Leute, so ist es. Wenn ich oder irgendein Einzelner im Verhältnis zu anderen Menschen evident unsterblich würde, würde ich von anderen Sterblichen die Beurteilung verdienen, ich oder er sei ein Schwarzmagier der äußerste Sorte. Ich würde blühen, während andere Leute dahinsiechen würden. Hinsichtlich ihres Klebens an allem, was die Leute innerhalb des Bewusstseins "DAS IST MEINS" haben, würde ich von ihnen erkannt als ein Mensch ohne Herz, als jemand, der alles um sich zu sterben sehen kann und der sich darüber nicht einmal aufhält. Und schließlich: Auch der Unsterblichgewordene müsste sich auseinandersetzen mit der Erkenntnis, daß das Leben, welches nicht von den Dispositionen ausgeht, die er als eine Abzweigung der menschlichen Existenz erhalten hatte, eine Abzweigung seiner Mutter und seines Vaters, sondern nur von Wahrnehmung der Lebensenergie, die als "der Atem des Lebensgeistes" das psychische Universum vollfüllt, eigentlich auf einem Raub vom Lebensatem beruht. Er müsste sogar so einen Ausweg finden, der ihn vor dem Wissen der eigenen Gefahr gegen die sämtlichen Schicksalsnachstellungen erretten würde, die letzten Endes auch die missgestalteten Typen als demütige Menschen auf die Knie zwingt.

    Ja, ja. Die Unsterblichkeit auferlegt auf den Menschen auch die sittlichen Probleme, wenn die technischen endlich gelöst sind. Infolge dessen sind nur einige Wesen unsterblich, obwohl, meiner Meinung nach, die Unsterblichkeit lediglich durch eine Form vom Atmen erreichbar ist. Das Atmen ist jedoch nicht nur die Angelegenheit des Menschen und Sauerstoffes sowie anderer Vehikel der Lufthülle der Erde. Ich erkannte nämlich, daß des Jogis Atmen immer mit dem zentripetalen Fortschritt von Manas verbunden ist. Infolge dessen führt die festigende Tätigkeit auf dem Feld des Selbstbewusstseins und des Ichs zum Raub vom psychischen Atem, der eigentlich die Zeit aller Wesen vermessendes Potential darstellt. Wirklich. Wer erlernt, den psychischen Atem im Rhythmus des physischen Atems wahrzunehmen, der nimmt ihn lediglich aus einem Vorrat wahr. Dieser Vorrat ist im gewissen Sinne ein freigemachtes Potential der lebenden Wesen. Aus dem Grunde beruht - wenigstens auf der niedrigeren Ebene - die Verlängerung eigener Existenz auf dem Atemraub und das ist verknüpft mit der echten Schwarzmagie. Erst wohl auf einer höheren Stufe ist die erfolgreiche Wahrnehmung der "Atemvehikel" direkt aus der Lufthülle unserer Erde möglich, aber das erfordert eine Umwandlung dieser Vehikel durch psychische Vorgänge auf der Ebene der Mentalzustände. Eben das taten jene Mahatmas, die ich erkannte und die für keine Schwarzmagier nur deshalb gehalten werden konnten, weil sie ihre Körper dermaßen umgewandelt hatten, daß sie nicht mehr unter die Leute gehörten, und daher den Menschenatem nicht rauben konnten. Aber dies ist eine für bisher menschlich fühlenden Menschen nicht lösbare Situation, also kommen wir lieber zurück zu dem Lebenslauf.


    Damals entstanden in mir keine Bewegungen mehr. Ich war still und ruhig und konnte durch eine geringe Willenbewegung aus mir einen Magnet mit endloser Gravitationskraft schaffen. Ich sah in meinem Inneren eine endlose Leere, in die ich ab und zu ein glückseliges Gefühl hineintrug, damit ich überhaupt einen Beweis hatte, daß ich lebe. Ich hielt für Gut, daß mein Körper von der tierischen Wärme ausgekühlt worden war und daß durch ihn eine eiskalte Kühle strömte, die als ein unüberwindliches Agens gegen die zwei fesselnden Dimensionen wirkte, nämlich gegen den Raum und die Zeit. Und da geriet ich in den Raum der physischen und psychischen Unsterblichkeit als ein Ketschara, der Pilger durch das Himmelsgewölbe. Zum Schluss stellte sich überhaupt jede Bewegung vom Gefühl, Sinn, Bewusstsein und von Sinnesorganen ein, und ich konnte feststellen: "Dies ist die aus freiem Willen erreichte Vollkommenheit."

    Ich bedachte: Ich entledigte mich der Zeit und daher auch der Zerlegung, die als das Reifwerden zum Tod erkannt wird. Ich befreite mich von der beschwerlichen Wirkung des Raumes und damit war ich alle Einschränkungen los. Ich musste ja feststellen: Ich bin allwissend, allmächtig, allgegenwärtig und unsterblich. Aber steht das um meine Vollkommenheit, die ich aus freiem Willen erzielte? Es blieb in mir ein Gefühl übrig, daß ich den Leuten helfen soll, weil sie mir auch halfen und dann plötzlich stellte ich fest, daß es hier zwei Hindernisse gibt:

  1. Die drei realisierten Attribute Gottes hatten mich enorm von den Leuten ferngehalten, die von Kümmernissen wehklagen, was ich nicht mehr erkannte und gar nicht begreifen konnte.
  2. Ich bin noch nicht 19 Jahre alt und die Zeit hatte sich bei mir eingestellt.

    Junges Gemüse, willst du eine Autorität für die Leute werden, die nur auf Jahre hören? So überlegte ich und hatte damit bestimmte Sorgen. Und dann auch die Vollkommenheit! Ich wusste gut, daß ich auf der Schwelle des Universums stand, auf der Schwelle alle Bestandteile des Körpers betreffender Zeitlosigkeit, denn es sich mir verschmolzen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ins unendliche "Jetzt", aber ich spürte ganz deutlich: der Zustand, den ich damals erlebt hatte, war nicht natürlich. Hätte ich in dem verharrt, hätte sich der Körper angepasst, aber dann wäre ich schon der Welt der samsarischen Existenzen entflohen. Und dazu: Wollte ich überhaupt die Absolutheit realisieren? Ich wollte mir nur das Problem der Qual lösen, die auf mich das Schicksal gelegt hatte, aber entschieden sehnte ich nicht nach der Identifizierung mit der Absolutheit. Ich musste daher warten, was aus diesem Zustand hervorgeht. Aber faulenzen? Wie konnte ich nur!

    Ich setzte dieselbe Methode wie letzte Zeit ein. Aber nichts war los. Nur irgendeiner dunkle Raum tauchte vor mir auf und schwang über eine Schlucht empor, über der ich sehr, sehr lange flog. Und am Ende der Schlucht sah ich im hochgehenden Gelände drei Männer schwer fortschreiten: einen Mönch, einen Soldat und einen Zivilist. Der Mönch trug auf den Rücken einen Ranzen mit etwas. Meine Neugier zwang mich das Gepäck durchzusehen. Ich sah, daß er dort nichts hatte. Oder noch besser: Er hatte ein Nichts dort. Und das Nichts belastete ihn so, daß in mir ein Zweifel aufstieg, ob er überhaupt der Hügel gelangen könnte, mit dem eben die Schlucht zu Ende ging... Diesen Mönch traf ich später auch auf der materiellen Ebene.

    Ich flog schon über die Schlucht über und befand mich auf irgendeinem Festland. Aus dieser neuen Erde sprangen kleine Feuer heraus und das erweckte in mir eine Überzeugung, daß ich auf einen gefährlichen Boden geriet. Ich versuchte die Festigkeit dieses Bodens, aber dann merkte ich, daß es für mich ein fester Boden ist. Ich ging also weiter, irgendwem festen entgegen, dem sogenannten "Haus ohne Fundament". Das befindet sich in der folgenden Etappe; damals war ich dort, wo es mit dem Wort "Visuddha" bezeichnet wird.

    Sonst geschah überhaupt nichts. Nun, ja, wie denn würde geschehen! Weder in der Absolutheit, noch auf der Schwelle der Absolutheit wird der Einfluss der Zeit nicht bemerkbar gemacht. Aber trotzdem sollte ich mich nicht wie närrisch konzentrieren. Wer sollte mir es aber sagen? Ich hatte eine innere Stimme, die mir manches sagte, aber diese Dinge befragte ich sie gar nicht und beachtete ich sie auch nicht. In meiner Situation zu der Zeit konnte übrigens nicht einmal Gott selbst Bescheid wissen, der Gott-Schöpfer, den ich irgendwo dort unten erblickte, als ich vorbeiging... Aber dann doch: "Nicht üben!", donnerte der Raum an. Ich blieb stehen und überlegte: Wieder eine Dummheit. Es geht ja nichts offensichtliches los. Ich entschloss mich also stillzustehen, die Position zu halten und zu beobachten. Und sollte sich kleinste Lücke zeigen, die irgendwelches "Weiter" versprechen würde, dann schnell hin!

    Der Raum schien mir elektrisch geladen zu sein, und ich wusste, er könnte gefährlich sein. Ich hatte damit schon eine Erfahrung gehabt. Damals, früher als das mit den Göttern passierte, während ich ein Punkt und das Bewusstsein war, ging aus meinem Körper bei Konzentrierung Gas heraus, das möglich objektiv nicht sichtbar war, aber trotzdem verdickte es die Luft rund um, so daß sich darin ein Nebel herumwälzte und erstreckte, der sowohl mir, als auch einem ungestählten Sterblichen, die Räume durchzusehen ermöglichte, bis dorthin, wohin er einzusehen wünschte. Als der Nebel später die Merkmale der elektrisch geladenen Atmosphäre aufnahm, drohte er den Menschen umzubringen, einfach durch Herzstop. Daran erinnert sich mein Freund J., den ich warnte, niemals mehr mein Zimmer zu betreten, ohne sich im Voraus zu melden. Es stach ihm beim Herz und er hatte Glück, daß ich unsichtbare Hände hatte, die das Herz umfassen konnten und es vor diesen schrecklichen Entladungen zu bewahren, die sofort mit einem Schlag töten können.

    Es war ein Atmosphärenstand, der meiner Meinung nach infolge der stürmischen Bemühung, den Sinn einzustellen, entstand. Diese Bemühung stürzte ich mit meinem eigenen Körper um. Ich hatte nämlich einen schweren Körper, ein lymphatisches Temperament, welches auf die scharfe, wachvolle Konzentration reagierte wie auf einen physikalisch-wirkenden Verdampfer. Hierdurch kam es dazu, daß aus meinem Körper die Lymphe entströmte; diese kondensierte und klärte sich im Zimmer, bis sie schließlich den Raum ionisierte - das war zu sehen als wäre das Zimmer mit statischer elektrischer Energie geladen, zu denen Entladungen es gegenüber jedem Körper mit negativem Potential kam. Und diese Umgebung wurde ein Träger der Kraft, die der Sehkraft ermöglichte, den Raum durchzusehen. Das geschah meiner Meinung nach, weil sich die Ladung dieses Raums als eine Quelle der so genannten harten Strahlen verhielt, welche die Materien durchdringen und eine sehr große Durchschlagskraft besitzen.

    Das bedeutet, daß die verdampfte körperliche Lymphe eine Potentialenergie darstellt, die ein Charakter der elektrischen Energie hat, die sich als eine Materien und Raum durchdringende Strahlung verhalten kann. Deshalb geht es nicht um irgendeine abstrakte Kraft, sondern um eine physikalische Stärke, welche sich zum Experimentieren anbietet, wenigstens, falls es hier eine Lymphe gibt, die durch die Geisteskraft zu verdampfen ist und auf eine bestimmte Stelle zu fixieren ist.

    Zum Schluss waren alle tödlichen Wasser aus meinem Körper verdampft und hierdurch war die Luft im Zimmer nicht mehr so nebelig wie früher. Eher funkelte sie, was gefährlicher war für das Leben desjenigen, der durch Joga nicht gestählt war. Später jedoch nahm mein Körper die sämtliche Elektrizität in sich erneut auf, und es war wieder Ruhe, wenn ich mich aber bewachte. Ich erinnere mich aber nicht mehr, mich nicht bewacht zu haben. Ich fürchtete zu viel, mehr als vor Göttern, Geistern, Teufeln und Brahmas, daß mir meine Gedanken und begierige Gefühle entfliehen. Und so war ich mäßig.

    Später, das war im August bis September 1926, war alles schon vorbei. Mein Wesen gehorchte mich auf geringfügige Willensbewegung, und ich stand konzentriert außerhalb der Zeit und Raums, wobei in mir überhaupt keine Bewegung entstehen konnte. Das Bewusstsein hatte ich dermaßen gereinigt, daß ich Tag für Tag, sechsunddreißig Tage hindurch in Ekstase geriet. Aber nicht mit Verlust des äußeren Bewusstseins. Ich übte meinen Beruf aus und dabei arbeitete ich schwer und verantwortlich. Jeden Tag um zwei Uhr fühlte ich, als ginge der Geist hoch. Plötzlich brach etwas durch und gleich darauf erblickte ich eine neue Welt...

    In einigen Tagen sah es aus, als ginge ich eine Straße der Götter hindurch. Immer rechterseits sah ich etwas wie einen Schleier, der mir einigermaßen meine Aussicht behinderte. Ich riss ihn herunter und sofort darauf eröffnete sich für meine Augen und mein Bewusstsein eine der Gotteswelten und ich lernte das oder jenes kennen, lauter nutzbringende psychologische und naturwissenschaftliche Wahrheiten. Aber die Parole war, und immer noch ist, wie es die, welche ich auch hinübergeführt hatte, bestätigen kann: "VERGESSEN". - Infolge dessen schoss die Erkenntnis durch den Kopf und ich kehrte sofort zurück zu der Selbstbeobachtung, zur Konzentration, in der keine Mut- oder Bewusstseinsbewegung entstehen darf und daher auch keine Erkenntnis kommen kann.

    Dies sei eine Belehrung für alle mystisch anstrebenden Leute. Sie dürfen die sich umformenden Wellen des visuellen Raums nicht beobachten, was sich aus dem psychologischen Standpunkt als Gedanken- oder Wahrnehmungsassoziationen erweist, sondern sie müssen strebsam sein, nur daß der "Raum des Sinnes und der Beobachtung" klar bleibt, ohne daß man in eine stumpfselige Unbeweglichkeit verfällt.

    Die Leere des Raums des Sinnes und der Beobachtung ist lebhaft wahrzunehmen und jede den Geist und die Beobachtung erregende Änderung muss verdrängt werden, während man das mentale Gleichgewicht und die Stille erneut findet. Sonst hört er nicht auf vital zu bluten, d.h. er bleibt eine schwache Beute der ergreifbaren psychischen Einflüssen und Kräfte, die seine biologische Zeit beliebig verkürzen.

    Innerhalb zwei Stunden nach der Ekstase kam ich wieder in den normalen Bewusstseinszustand. Dann begann ich die Wertlosigkeit der Lehre zu erwägen, denn nur das alltägliche bedrückende Leben erschien als realistisch. Dann bekam ich Abneigung gegen die Lehre und zwischen sechs und acht Uhr früh entsagte ich das Joga auf immer. Aber um zehn Uhr vormittags saß ich wieder in der Position der Götter und kämpfte ich um die Einpunktigkteit des Bewusstseins. Und das wiederholte sich sechsunddreißig Tage hindurch.

    Am letzten dieser Tage hatte ich einen gewissen Vorzug mit Bezug auf meine Versuchung, das Joga aufzugeben. Es fällt mir ein: "Was möchtest du jetzt machen? Das Joga aufgeben? Du bist ja mit dem Joga soviel absorbiert, daß du für die Welt nicht passt. Und in der Welt sich einige Positionen erzeugen? Das wäre doch dieselbe Anstrengung, welche auszuüben war, um auf diese Stelle hierher zu kommen. Sei also kein Narr und arbeite!"

    Der sechsunddreißigste Tag und sechsunddreißigste Ekstase. - Der Schleier war nicht mehr rechterseits, sondern vor mir. Ich stieg beherzt die Stufen hinauf und riss den Schleier ab. Und da sah ich den Gott Indra, wie er auf dem Thron saß: beides war mir im Wege, den ich ging, um weiterzurücken. Bis jetzt hatte ich jeden auf dem Thron in Vitrinen des Universums sitzenden Gott vom Throne gestürzt, und als die Antwort eine bestimmte erhalten. Aber hier wollte ich weiter gehen und nichts anderes war in meinem Interesse. Ich tritt also vor und ergriff Indra. Er wehrte sich, und ich wurde aus den Stufen gestürzt, aber ich besaß die geistige Macht, die mir erlaubte, durch Indras Himmel als eine bloße Kraft durchzudringen...

    Ich befand mich hinter diesem Himmel, aber beobachtete nichts Interessantes. Der vorige war besser gewesen. Hier ist nur nichts, ein großes Nichts und ich fühlte nicht, mit der ganzen Mystik insoweit fertig zu sein, damit ich in mir die Vollkommenheit als einen natürlichen Zustand tragen konnte. Ich muss in der Sache etwas unternehmen, dachte ich. Das war das einzige, was ich mit Sicherheit wissen hatte. Jenes "NICHT ÜBEN", das ich unlängst gehört hatte, war wohl gut begründet. Ich bemühte, die gesamte deutlich zu beobachtende Spannung zu zerstreuen und so eine Situation zu bilden, damit ich im meinen allmächtigen Zustand sozusagen leger verweilte, im natürlichen Denkenszustand. Die Spannung jedoch dauerte zu lange, so daß während ich sie durch ganz andere Konzentrationsvorgänge störte, erschienen bereits Vorzeichen der "giftigen Berührungen", die später als ein auf dem Kopfscheitel unter dem Schädelknochen liegender Fladen zu erkennen waren, dessen Einfluss mir nicht gefiel.

    Mit diesem neuen Zustand endet die Zeit meiner geistigen Entwicklung und Ausdehnung in göttliche Zustände und Empfindungen, abgespiegelt in meinem Bewusstsein als eine durch Lebenserfahrungen unterlegte Überzeugung, daß ich so ein Wesen wurde, welches die Welt in allen Formen der Wirkung überwunden hatte. Ich stand an der großen Lebensgrenze, wo ich die evidenten Zustände verließ, die durch den Aufenthalt des Bewusstseins unter den Göttern aller Stufen entstanden, sowie durch Verharren in Welten, in die unsere empirische Welt nicht ergriff. Hierdurch ging auch die Periode vom Bewusstseinsverweilen zu Ende, in der jungen und unsagbar glücklichen Welt der heranreifenden, empirischen Wirklichkeiten. Aber an dieser Zeitgrenze stand ich nicht mit leeren Händen wie derjenige, der durch das Leben schritt, ohne beobachtet zu haben. Im Gegenteil, über die ganze Zeit der unvorstellbaren Ausdehnung des persönlichen Bewusstseins folgte ich aus der Höhe der allseitigen subjektiven Freiheit die sämtlichen Geistzustände und ihre Ursachen. Deshalb konnte ich in weitere Tage mit Erkenntnis hereintreten, die mir ermöglichte, alle Reaktionen der großen Rückkehr zu ertragen, die bedeutete, mich rational auf den Weg der endgültigen Abrechnung mit den Verhältnissen zu machen, die in sich jedes samsarische Wesen trägt.

    Ich trug auf die Erde das LICHT, welches mir in stürmischen Zeiten meiner eigenen Zukunft einen Leuchtturm leistete, an dessen Fuß ich heute, nach dreißig Jahren, mit meinem Lebensschiff anlange. Und dieses LICHT als eine Energie tritt in die Ader meines Wesens ein, und verwandelt es in ein nicht samsarisches Wesen. Aus dem Grunde muss der Leser meine Rückkehr auf die Erde nicht etwas wie einen erzwungenen geistigen Fall sehen, sondern nur wie einen gesetzmäßigen Vorgang auf dem Pfade der Großen Entkörperlichung. Übrigens war es nötig für dieses Vorgehen ein Verständnis zu haben. Ich stellte als eine objektive Wirklichkeit fest, daß mein Wesen das Karma des samsarischen Daseins nicht zum Ende gelebt hatte und daher wurde ich vor die Wahl gestellt, mit wesenhaften Neigungen einen Kampf aufzunehmen, der nicht viele Aussichten für Erfolg gibt, sogar in der höchsten Form, wenn man nämlich systematisch die tierische Wärme eliminiert, die so fest im Fleisch des menschlichen Körpers und anderer Körper eingewoben ist. Außerdem konnte ich auch einen anderen Weg wählen, nämlich den, der bedeutet, sich in das Leben mit klar und fest definierter Helle am Ende dieses Weges zu vertiefen.

    Ich hatte genügend Zeit und auch Möglichkeiten, alle mit dieser Frage zusammenhängenden Umstände zu erwägen, aber heller schien mir der Weg durch das Leben, denn ich wurde in ihm eingegliedert, und auch war es schwierig, etwas an dieser Eingliederung zu ändern. In Anbetracht dieser Situation wandte sich meine Konzentration und ich empfing einen Mentalgehalt, der sich zeigen sollte als die richtige Ursache der Realisation, die sich bald darauf einstellte.