1962

    Vom gewissen Standpunkt scheint es, daß meine Verfolgung von der Polizei (Sicherheitsdienst) ein Ende nahm, weil aus meiner Nähe die von Groll, Irrtum und Hass hingerissenen Menschen verschwanden. Sie verschwanden jedoch nicht weit genug, und deshalb sehe ich mich gezwungen, mich als ein registriertes Individuum zu benehmen. Ich kann mir gönnen zwischen den Orten vom zeitweiligen und bleibenden Aufenthalt zu pendeln, weil die gehörige Institution wachsam und behutsam ist gegenüber so widerspenstigen Elementen, wie ich nach der überkommenen Tradition sei...

    Die „Abkunft“ hätte ich nun, aber ich strotze nicht von Begeisterung für Begriffe, denen es eine Bedeutung gegeben wurde, die sie nie gehabt hatten. Es widert mich an die „ehemaligen Leute“ zu hassen, ich habe nicht den kleinsten Grund, die Not und die wirtschaftliche Krise als einen Wohlstand zu preisen, ich kann nicht begreifen, daß „wer nicht mit uns geht, geht gegen uns“, und außerdem habe ich eine ganze Reihe von weiteren Mängeln, die kein Homo Socialisensis haben darf, und als derartig bin ich also ein Abschaum, dem man schwere Eisenfesseln anlegen muss...

    Zu diesen Kleinigkeiten kommt jedoch die dritte, die für mich folgenschwerer ist. – Ich sehe die Leute fallen, die ich als Lehrenbewahrer sehen möchte. Ich stelle also entweder bildlich, oder in Wirklichkeit in memoriam eine Frage: Könnt denn ihr Leute auf den Lebenswegen nicht eine einzige selbstlose Tat aus euren Händen fallen lassen? Solch eine Tat, die durch eine Entzückung für so ein Ideal repräsentiert werden soll, das zum Unterschiede von allen möglichen Ismen einen Samen der künftigen Harmonie unter den Leuten einsäen kann? – Wollt auch ihr auf dem Lebensbaum nur die Früchte raufen, aber diesen Baum nicht behacken, so wie es die Weltleute tun, geschlagen mit der Blindheit, die so grausame Vorzeichen für die Zukunft hervorruft? – Wollt ihr, die eine Berührung von buddhischer Weisheit erreichten, sich wie die Feiglinge gebärden, deren geistige Schwungfeder der Teufel so einfach zu brechen weiß? – In diesen Fragen sei es eine Enttäuschung ausgedrückt werden, gewissermaßen größere als welche für mich durch den Verlust meines Sohnes entstehen würde. Aber das nur als eine Bemerkung.

    Einst erwähnte ich den Maro – König. Vor einiger nicht so langen Zeit vermied ich beim geometrischen Tanz seine Schlinge. Es war ein kleiner Vorteil in der Position, die ich bisher bezogen hatte. Im geistigen Sinne erhielt ich daher des Maro – Monarchen Gewand. Aber so wie ich die Erfolge und Misserfolge im irdischen Leben geringachte, so eine Stellung nahm ich zu diesem Attribut der Macht. Es ist daher möglich, daß der Monarch Maro außer Gefecht ist, aber an seiner Statt herrscht der Maro – Diktator. Also blieb die früher erwähnte Situation im wesentlichen ungeändert, und ich möchte immer noch die Welt sehen, wo der Dämon von Lüge unverschämtestes Gepräges, welches uns das Regime darstellt, das bisher von Leuten verehrt wird, die von Groll, Irrtum und Hass geschlagen sind, in Ketten gelegt und in die Hölle gestürzt wird, etwa so, wie es die Bibel beschreibt.

    Selbstverständlich, daß alles im ganzen, wovon ich hier rede, mich tief beeinflusst, weil ich nicht einer der Yogis bin, die nur trachten, ihren persönlichen Brei eigener Erlösung gar zu kochen. So wurde ich ein Fremder zu Hause und eine Unwirklichkeit in der Welt. Die Natur und ihre Formen sind für mich unbequeme Hindernisse und wirken auf mich nur wie düstere luftige Trugbilder ein. Und ich selbst wäre vielleicht auch schon solch ein Spuk geworden, wenn in mir die Gottheit nicht auf solchem Reifegrad leben würde wie ein Huhn im Ei vor dem Ausbrüten. Darum weiß ich mich nicht zu quälen, nur die eiserne Logik im Prozess vom Leben zu seiner Vergänglichkeit erlaubt mir nicht Freude zu haben, wie es die Leute können, die fähig sind, über verschiedenen Erfolgen auf dem Kehrichtplatz des Lebens zu frohlocken.

    Mein Leben ist jedoch nicht nur lauter Schatten. Während der vergangenen Zeit wurde einer der Menschen, die sich an mich um Ratschläge auf dem mystischen Wege wandten, doch nur von tieferem Verhältnis zur Sache beseelt. Daraus schließe ich, daß er der Erbfolge von Tradition zu seinem sowie gemeinerem Wohl werden könnte. Die Übertragungen sind jedoch in bezug auf meine Altersreife mühsamer, insbesondere wenn ihr die stickige Atmosphäre entgegenarbeitet, die durch Verhältnisse in unserem Staat verursacht wurde. Darum wird alles viel langsamer gehen, als es gehen könnte, aber ich vermute, daß die Aufrichtigkeit seinerseits diesen Widerstand überwinden hilft. Übrigens kann die Erbschaft der geistigen Linie nur allmählich vorgehen, und das macht mich ruhig, denn ich gewöhnte mich in größeren Zeiträumen nachzudenken, als welche das Leben von meiner Wiege bis zu meinem Grabe bietet. Außerdem weiß ich auch, daß die Kraft der Mentalformation nicht mit der Zeit, sondern nur durch ungelegene Bedingungen verschwindet.

    Wenn daher diese Übertragung oder Übergabe von Erbschaft der Nachfolge gut geriete, würde ich es für einen vollkommenen Erfolg in meinem Yoga halten, denn ich gab die Lehre der Welt schon früher in meinen Literarwerken ab. Es liegt nicht viel daran, ob die Übertragung gut sichtbar oder gar undeutlich sein wird, denn mich drückte das Problem der Tendenzen in der Welt und nicht das Problem der unmittelbaren Ereignisse. Diese wurden nämlich von den Tendenzen vorbereitet. Mit anderen Worten: Die Situation, die es in der Welt gerade gibt, ist ein Resultat von Tendenzen, die eine Gruppe der Leute gestaltet hatte und eine andere als Lebensanschauungen und Richtlinien empfing. Oh, Leute - alle Drangsale, Not, Krieg, Demütigung der menschlichen Würde, Diktatur, die sich in jede Falte des privaten sowie öffentlichen Lebens hineinmischt - diese sind daher eure geistige Kinder. Ihr, oder alle eure Vorfahren trugen zuerst das Übel im Gemüt, dann im Herzen, und jetzt lebt ihr darin im üblichen Lebensprozess. Wäre es darum nicht besser, wenn ihr aufhört, eure Rücksicht auf den scheinbaren Riesen der Lebensrealitäten zu wenden, und die Aufmerksamkeit den anscheinend schwachen Kindern widmet – nämlich den Gedanken und dem Fühlen, aus welchen sich diese Scheinriesen entwickeln?