Der Weg zur Erkenntnis
Kvetoslav Minarik

    Ich werde hier über den mystischen Weg zur Erkenntnis sprechen. Es ist ein Pfad, vom üblichen wissenschaftlichen Weg zur Erkenntnis unterschiedlich eben in dem Sinne, daß die Erforschung der Natur nicht auf laboratorischen Experimenten beruht, sondern auf der analysierenden Selbstbetrachtung. Außerdem beginnt man auf dem mystischen Pfad zur Erkenntnis nicht mit der Untersuchung der Struktur von Phänomenen, die bereits einen Durchlaufprozess darstellen, sondern am Anfang der Prozesse, die im allen kosmischen Kontinuum wirken. Obwohl die Skeptiker jedoch den mystischen Weg zur Erkenntnis als nicht exakt ansehen können, trotzdem führt dieser zur naturwissenschaftlichen Erkenntnis, deren Wurzel in der Erkennung der Gesetze der Physik und somit eigentlich der ganzen Natur liegt.

    Die mechanisch-materialistische Erkenntnis ist aufgebaut auf der Erforschung der Phänomene, deren Beobachter von ihnen abstrahieren muss. Er hat daher vor sich einen Vorgang, dem er mit den Augen, Ohren und den übrigen Sinnesorganen folgt; eben daraus entstehen Irrtümer, weil die Abstraktion die Entstehung falscher Mutmaßen, Voraussetzungen und Axiomen nicht ausschließt. Nur deshalb können materialistische, miteinander kämpfende Ideen auf einer Seite, und idealistische auf der anderen Seite dauern. In beiden Fällen entstehen Ideologien, die die Welt zugunsten der Überzeugung eines Teils der Menschheit und zu Ungunsten der Überzeugung des anderen darlegen.

    Man tötete, weil jemand sich zu bezweifeln wagte, daß alles ein Werk des Schöpfers – Gottes sei. Heute tötet man – obwohl auf eine andere Weise als mit Feuertod – wenn sich jemand nicht mit der aufgezwungenen Überzeugung oder nur Behauptung abfinden will, daß alles, was existiert, durch Bildungskombinationen der Materie in der Bewegung entstanden sei. Hiermit fiel der Steinblock der Unwissenheit auf die andere Seite um, vom Idealismus zugunsten Materialismus, aber – die Leute leiden immer weiter, weil sie eine aufgezwungene Behauptung bekennen müssen.

    Wenn wir über die Entstehung der Erscheinungen im kosmischen Erschaffungsprozess nachdenken, können wir mit Sicherheit im Einklang mit den Anschauungen der materialistischen Wissenschaft unbesorgt die mechanistische Anschauung über schöpferische Erscheinungen und Phänomene, im sowohl Kosmos als auch im Leben der Individuen, bekennen; der alles-erschaffende Gott ist wirklich nirgends zu sehen noch festzustellen. Das ist allerdings ein Ergebnis der "wissenschaftlichen" Betrachtung und Analyse, die immer in der horizontalen Lage stattfindet. Wir redeten jedoch von den Ergebnissen der mystischen Betrachtung und Analyse, die den schöpferischen Prozessen in der vertikalen Richtung verfolgt, vom Zentrum der Erscheinungen, das der Mystiker selbst in Form des Ich-Begriffes ist, zu seiner Peripherie, die eigentlich das ganze Sein des Mystikers darstellt.

    Als den Ausweg, den Mittelpunkt in diesem Fortgang zur Erkenntnis, müssen wir die vollkommene Beruhigung des Sinnes ansehen, der durch das Bewusstsein identifiziert, eigentlich erst hinter allen stürmischen Prozessen der Funktionen körperlichen Lebens existiert. Und dieses Zentrum ist die Grenze zwischen der Ruhe auf einer Seite und allen Prozessen auf der anderen.

    Durch systematische mentale, seelische Verstummung und Beruhigung des Bewusstseins gelangt man zum Beginn der Erkenntnis. Die Schwelle dieser ist die Identifizierung der primären Bewegung in der Natur und im Kosmos, und diese Identifizierung bietet eine ganz andere Ansicht an alles, als welche man durch die Verfolgung den Prozessen erlangt, die nicht vor den Augen des Beobachters entstehen.

    "Die primäre Bewegung" ist weder physikalisch noch biologisch und schon gar nicht "naturwissenschaftlich", sondern allgemein in dieser Hinsicht. Das bedeutet, daß an jeder "Primärbewegung" alle Bestandteile und Qualitäten teilnehmen. Nur eine Kombination deren entscheidet, ob die zu entstehende Erscheinung materiell, physikalisch oder lebendig sein wird. Deshalb gibt es keine rein materiellen, noch physikalischen noch nur biologischen Erscheinungen. Aus dem Grund ist die Theorie über die mechanische Basis der Welt durchaus falsch. Obwohl die qualitative Kombination der einzelnen Erscheinungen so sonderbar harmonisch und gesetzmäßig ist, ändert trotzdem nichts an der Sache, daß sie mechanisch ist; sie steht allerdings in vollkommen harmonischen Beziehungen mit der relativ hohen Organisierungsmacht dessen, was beim Menschen als seine Geistigkeit, bzw. die psychische Wesenheit, und auf der höchsten Stufe dann als das Bewusstsein zu erkennen ist.

    Der Mystiker findet im Kosmos keinen Gesetzgeber, mit Ausnahme des ersten Impulses, der sich auf der menschlichen Ebene als seelisch ausprägt, wogegen im Kosmos in dem beginnt, was unter dem Begriff "physikalisches Feld" bekannt ist. Man könnte sagen, daß der Impuls oder der Primärimpuls, im sowohl Animal- als auch Mineralweltall, insofern vernünftig ist, daß er sich prinzipiell selbst als Gesetzgeber äußert, wenigstens im Verhältnis zur endgültigen Anordnung oder Struktur der Erscheinungen nach ihrer Qualität und Struktur.

    Daraus könnte man schließen, daß hinter alledem Existierenden auch Gott existiert, ein Gesetzgeber, der alles ständig erdichtet. Nur entsteht hier jedoch die Frage des unmittelbaren Ursprungs der kosmischen Erschaffung. Der Mystiker kann diesen Ursprung immer in übertragener Auffassung nur als den ersten, durch die Willenaktion gegebenen Antrieb identifizieren, wobei allerdings das ganze Weltall sich als ein lebender Faktor manifestiert, als ein Wesen mit bestimmten Abmessungen.

    Es ist äußerst interessant, die Gesetzmäßigkeit zu beobachten, die in dem durch den so genannten ersten Impuls gegebenen Prozess wirkt. Wenn nämlich ein erfahrener Mystiker aus seinem natürlichen Bewusstsein jedes Phänomen, oder genauer gesagt Prozess, ausschaltet, dann gliedert sich der Impuls, den der Mystiker möglich selbst durch eine Spannung seines eigenen Willens hervorruft, immer selbst in den Entwicklungsprozess in Form von gesetzmäßiger Ordnung im Veranstaltungsvorgang ein, so daß der Mystiker sich nicht mehr um die Korrekturen des durch seinen ersten Impuls gegebenen Prozesses kümmern muss. Hier wirken schon die "aus dem Nichts" auftretenden Gravitationsverhältnisse, Kräfte und Faktoren, die den primären Impuls bis zum Ende hinführen, das wir dann als Erscheinung oder Einzelglied der Erschaffung bezeichnen.

    Hiermit gelangen wir zur Erscheinung, die Trägheit genannt ist. Sie ist eine Mühle des Universums, in der die durch den ersten Impuls ausgelösten Erscheinungen nachgeformt werden. Und da es um eine analoge Erscheinung im Kosmos sowie im Prozess der mit praktischen mystischen Bemühungen beschleunigten mystischen Reifung geht, ist die Lebensweise der Mystiker so wichtig. Hervorrufen das, was man Erstimpuls nennen kann, könnte man sicherlich auch im Lebensprozess, der oft durch die mystische Lebensweise nicht veredelt ist. Mit den Ergebnissen solches Hervorrufens wird jedoch zum Schluss niemand der normalen Menschen zufrieden sein, denn der Impuls ist nicht "sauber", d. h. ohne strukturelle Ähnlichkeit mit vielen Gravitationsmomenten, die im Erschaffungsprozess der scheinbar existierenden Natur oder des Menschen oder jedes lebenden Geschöpfes herrschen.

    Die richtige Lebensweise ist in diesen Verhältnissen das Leben in der Geistesdisziplin, deren Zweck ist, die Entstehung von keinerlei Voraussetzung zuzulassen, deren Wurzel in den Ideen steckt, die sich bis irgendwoher aus der atavistischen Komponente eigener Natürlichkeit des Forschenden ausfalten, und schließlich die gesamte Geistestätigkeit überhaupt anzuhalten. In der Praxis ist es notwendig, gleich am Anfang jede Idee zu unterdrücken, deren Reihe zunimmt, solange wir nach der vollkommenen Beruhigung des nachdenkenden und spekulierenden Sinnes streben. Die psychologische Tatsache ist eben, daß der Sinn, wenn er mit eigenem Willen in die Untätigkeit gesetzt wird, und gezwungen wird, sich nur an eine einzige fiktive Stütze zu fesseln, sich immer wieder in Bewegung in Form von sich entwickelnden Ideen setzen will, deren Hintergrund das von der Wirklichkeit unbedingte Spekulieren ist. Das sind allerdings psychologische Defekte, die sich in jede quasiwissenschaftliche Erforschung einmischen, die die Welt als wissenschaftlich kennt und auch so betrachtet.

    Von diesem Standpunkt aus können wir für wissenschaftliche Forschung keine Beobachtung halten, in deren Hintergrund eine Vorstellung oder ein Komplex von Vorstellungen über die Welt auf einen geeigneten Augenblick wartet, um in den Sinn in Form von Spekulationen einfallen zu können und so den Vorgang der auf der klaren Betrachtung gegründeten Erkennungsvorgang ersetzen zu können. Daher sollten die Wissenschaft auch solche Leute machen, die durch vollkommene Geistesdisziplin einen solchen Seelenzustand erreicht haben, bei dem die Einmischung verschiedener Voraussetzungen absolut ausgeschlossen ist; diese sind, wie es scheint, im Organismus von allem eingefleischt, was in die animalische Natur gehört.

    Möglichkeiten der Entstehung dieser Voraussetzungen bei denkenden Geschöpfen, bei Menschen, sprechen für die Existenz eines vernünftigen Gesetzgebers im Bereich der kosmischen Erschaffung. Verfolgt jedoch ein Mystiker, der fähig ist die Natur zu forschen ohne von apriorischen Voraussetzungen beeinflusst zu sein, wie sich der Faktor verhält, aus welchem diese Voraussetzungen hervorquellen, d. h. dem automatisch funktionierenden Sinn, findet er keinen vernünftigen Ausgang, der den so genannten Erstimpuls begleiten würde. Merklich ist nur die Bedingung der Entstehung von Ideen und deren Einflüssen auf die Herausbildung entsprechender Vorstellungen, aber ein genauer Plan ist in den Impulsen nicht offenbar. Diese Bedingung der Entstehung vom Erstimpuls ist allerdings die Gier, die Trägheit des Organismus auf etwas zu haften - etwa wie ein Krake auf seiner Beute.

    Soweit erscheint der Kosmos im Schöpferprozess als potentiell mechanisch; nur die sich automatisch veranstaltenden Funktionen der Vorstellungen erwecken Zweifel, ob dieser Prozess wirklich mechanisch ist. Eine sorgfältige Analyse der Funktion von Vorstellungen und in weiterer Folge dann eine Analyse der im Prozess der kosmischen Erschaffung so gut merklichen Ordnung führte die erkennenden Mystiker zum Glauben an die Existenz Gottes, eines Gesetzgebers der Erscheinungswelt. In Wirklichkeit jedoch schaffen sich die Leute selbst die Welt, sie bilden sogar den ganzen Kosmos mit allen Erscheinungen.

    Man darf allerdings nicht denken, daß der Glaube an Gott billig erkauft ist eben durch die Unfähigkeit der Mystiker den Erscheinungsprozessen zu verfolgen oder diese "wissenschaftlich zu untersuchen", immer weiter, bis dorthin, wo man etwas entdeckt, was in sein Leben als eine durchaus neue Art von Tatsachen und Phänomenen hineinfällt. Im mystischen Esoterismus gilt als der so genannte erste Impuls lediglich eine Willensbewegung, die erst im Zustand von absoluter Geistesruhe und der Beherrschung gesamter Geistestätigkeit überhaupt hervorgerufen ist. Unter diesen Umständen bildet sich "tabula rasa", an der unter der Ansicht des alles gut beobachtenden Mystikers der erste Impuls, bereits in der Bewegung, seine Entwicklung und Tätigkeit zeichnet.

    Eben hier befindet sich die Quelle des überraschenden Erkennens der Mystiker. Die allgemeine Erfahrung ist diese: wird dieser Impuls vom Willen gegeben und mit dem Bewusstsein der eigenen absoluten seelischen Freiheit oder Unabhängigkeit begleitet, so wird selbst der Prozess, der diesen Impuls zur endgültigen Form und Reife führt, seinen Urheber zur vollkommenen Verwirklichung der Idee bringt, die diesen Impuls begleitete. Die in dieser Sache herrschende Gesetzmäßigkeit tritt hier daher automatisch zu Tage. Hiermit gelangt der Mystiker wieder zur Überzeugung, daß hinter dem Universum der Phänomene ein intelligenter Gesetzgeber existieren müsse, sofern der Mystiker allerdings nicht zu identifizieren vermag, daß das Weltall immer ein durch den so genannten ersten Impuls hervorgebrachter Mechanismus ist.

    In der praktischen Hinsicht ist sicherlich vielmehr interessanter eine Tatsache, die der Mystiker in dieser experimentalen Aktion erkennt,: wird etwas, was dem primären Impuls ähnlich ist, im Laufe des Prozesses und nicht im Zustand hinter allen Prozessen zur Geltung gebracht, kann dann die Idee der absoluten Freiheit oder der Unabhängigkeit nicht realisiert werden, sondern nur abgeändert durch eine Erkenntnis, die alle Merkmale von Voreingenommenheit und Irrtümern trägt.

    Mit Rücksicht darauf kann man sagen, daß die ganze Wissenschaft mit ihren Erforschern an die Einmischung von falschen Voraussetzungen und Fehlschlüssen leiden muss. Diese überwindet erst die Zeit und eine neue ergänzende Erkenntnis, die abhängig ist vom immer tieferen Abstrahieren beim Suchen einer Gesetzmäßigkeit, die von diesen Voraussetzungen und Schlussfolgerungen nicht überschattet ist. Dies ist der Grund warum der Weg der Wissenschaft so lang und langsam ist. In wissenschaftlichen Erkenntnissen ist immer genug zu korrigieren, und eben mit Rücksicht auf die Menge dieser Korrekturen scheint der Weg zur Erkenntnis des Urprinzips der Erschaffung endlos zu sein.

    Ein der höchsten Erkenntnis zuzustrebender Mystiker allerdings eilt. Seine Hast ist bedingt durch die Meinung über den Lebenskummer, den ein karmisch unreifer Typ viel einfacher überwindet, denn er beginnt immer wieder leicht an etwas Neues im trügerischen Lebensprozess zu glauben. Der [wahre] Mystiker ist allerdings dieses Glaubens in Neues nicht fähig. Sobald er sich schon zur Seelenruhe durcharbeitet, in die Sphäre hinter den selbsttätigen mechanischen Prozessen, wertet er dann eben diesen Zustand als eine Idee, die alle fasziniert, obwohl er von ihr wegen seiner karmischen Unreife vorübergehend zum Glauben an Sachen anderer Art abschweift. Und dann kommt es schon nur noch darauf an, ob jemand sich zu dem richtigen Moment durcharbeitet, in dem der erste Impuls erfolgreich hervorzurufen ist. Durch das Hervorrufen von diesem Impuls gelangt nämlich der Mystiker immer zur Erkenntnis naturwissenschaftlicher Art, die in diesem Fall durch ihre Natur den persönlichen Kummer des Mystikers endgültig vernichtet. Er sieht, daß derselbe Impuls, dessen er selbst fähig ist, ruft in den kosmischen Dimensionen einen schöpferischen Prozess hervor, der immer als samsarisch zu werten ist, einen Prozess, in dem sich alle Geschöpfe ertränken, die unfähig sind sich mit eigenem Willens zu beherrschen.

    Die Idee des ersten Impulses ist in der Lehre der mystischen Einweihung eine proponierte Erfahrung, von der die wunderlichsten Ergebnisse erwartet werden. Selbst die Tatsache, daß man auch bei nicht völlig geläutertem Bewusstsein in die Magie gehörende Effekte hervorrufen kann, ist für den forschenden Menschen interessant. Erfahrungen werden ihm zeigen, daß wenn sein Bewusstsein restlos von den "Bildern der Außenwelt" befreit ist, d. h. von den Ideen, die hervorgerufen werden durch permanente Verhältnisse mit den Gebilden der Außennatur, die dem Menschen herkömmlicher Art so viel imponieren, kann ihn seine Entscheidung zum Hervorrufen des primären Impulses bis zur Verankerung im Zustand einer kosmischen oder geistigen Region hinführen. Das wird eigentlich auf den hohen Einweihungsstufen tatsächlich getan. Denn während der Mystiker nach absoluter Klärung oder Ausleerung des Bewusstseins strebt, erkennt er, daß das Hervorrufen dieser Impulse in verschiedenen Momenten schockierender Situationen geschieht. Das bringt jedoch keine geplanten Schicksalsergebnisse mit, sondern vielmehr Komplikationen, die in gewissen Situationen sogar den Anfang vom vorübergehenden und gar nicht erwarteten Glück beinhalten können. Vom mystischen Standpunkt aus ist darin schlecht nur das, daß der Mensch von den Situationen ständig geschleppt wird, und daher er im Zustand eines Sklaven seiner eigenen Schicksalskräfte verbleibt, Kräfte, die er selbst durch unvernünftiges Verhalten auf der Ebene von so genannten primären Impulsen auslöst. Eben daraus soll der Strebende eine Belehrung ziehen, daß es nötig ist, bis zur absoluten inneren Unantastbarkeit von Vorgängen und Phänomenen, die ihn umgeben, vornehmlich auf dem Gefühlsniveau, zu gelangen,. Wenn er richtig eingeweiht ist, wählt er einen solchen Moment zum Hervorrufen des ersten Impulses, der nicht mehr in die versklavende Macht der Umstände überwächst, die durch diesen Impuls angelegt und durch das Reifen verwirklicht wurden.

    Durch die Erkenntnis der vom ersten Impuls hervorgerufenen Macht gelangen die Mystiker zu Erkenntnis der Entstehung des schöpferischen Prozesses im Kosmos auf Grund der Analogie der permanenten schöpferischen Prozesse im Mikrokosmos und Makrokosmos. Sie erkennen, daß die Erschaffung nie entstanden wäre, wenn es im Kosmos keinen Erstimpuls gegeben hätte, der einmal durch die Ausprägung der Qualität hervorgerufen wird, die wir in den Geschöpfen als Bewusstsein erkennen. Ein andermal wieder, wenn es hier den schöpferischen Prozess schon gibt, wird dieser durch einfache Gravitationsverhältnisse hervorgerufen, die keins der sich differenzierenden Prinzipien in Ruhe lassen. Dieses sich differenzierende Prinzip im Kosmos erkennt dann der Mystiker als qualitativ dieselbe Erscheinung wie das Tagesbewusstsein, mit welchem die Geschöpfe ausgerüstet sind.

    Deshalb ist die Problematik der absoluten Freiheit gar nicht einfach. Auch wenn der strebende Mystiker schon seine ganze Geistigkeit in Ruhe bringt, zeigt es sich immer wieder, daß die Gravitationsmacht der Phänomene diese Ruhe stören oder sogar vernichten kann. Die geistige Freiheit ist daher meistens ein vorübergehender Zustand, der dann wieder mit samsarischen Wellen abgewechselt wird, die das Wesen eines, auch relativ hoch entwickelten, Mystikers in die karmische Sklaverei hinreißt. Das bedeutet allerdings nicht, daß der strebende Mystiker nur diese Aussichten hat. Die Gravitationsmacht der Natur ist ziemlich einfach überwindbar durch die Steigerung der Seelenspannung, die den Höhenpunkt in der Abschaffung der Empfindlichkeit des psychisch-physiologischen Organismus findet. Wenn es dazu kommt, wird dann der Undulationscharakter der Energie, die von der hinreißenden Macht der Natur hervorgerufen wird, in schwingenden gewandelt. Hierdurch ändert auch das Bewusstwerden seinen Charakter so ab, daß seine Aktivität auf der vertikalen Achse erhöht wird.

    Es zeigt sich, daß die Natur einen unterwerfenden Einfluss ausschließlich auf die Gebilden ausüben kann, die von dem Wellenprozess hingerissen werden. Was sich von diesem Einfluss durch einen schwingenden Prozess, der mittels Steigerung der Seelenspannung hervorgerufen wird, befreit, das unterliegt dem Einfluss der Natur nicht. Und erst in diesem Zustand finden die Mystiker ihre Freiheit, ihre Unbeeinflussbarkeit. Und weil auch die Spannung mit einer kleinen Stärkung von entsprechenden Impulsen erhalten werden kann, ist die auf diese Weise erlangte innere Freiheit durch keinerlei Wirkung der Natur verletzbar.

    Es ist offensichtlich, daß auch diese Freiheit bedingt durch und geknüpft an die Lebensweise des Erreichers dieser Freiheit ist. Auf der anderen Seite leiden die Mystiker des höchsten Rangs am Problem des von Sinneserlebnissen begleiteten "ewigen Seins" nicht. Auf deren Entwicklungsstufe werden Probleme des Augenblicks gelöst, der den anderen Pol der Ewigkeit darstellt. Denn die Ewigkeit ist keine unbegrenzte Zeit, sondern jenes "Jetzt", in dem sich immer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem einzigen Moment verschmelzen. Die Zeit brauchen nämlich immer nur die Leidenden. Wer das Problem des Augenblicksleidens gelöst hatte, hat die Ewigkeit im ewigen "Jetzt" ohne Leiden gefunden.

    Die Ewigkeit als eine Qualität tritt allerdings nicht dem untersuchenden Sinn hervor, der von prozessierender Funktion betroffen ist. Da es jedoch möglich ist, den Sinn in einen nicht-funktionierenden Zustand zu bringen, wird er zum "Zustand hinter den Prozessen", zu der Wand, an der sich die Wirklichkeiten der phänomenalen Realität aufzeichnen.

    Dieser Zustand ist identisch mit dem ständig existierenden schöpferischen kosmischen Zustand. Daher ist für den Menschen erreichbar, die Essenz kennen zu lernen, an deren Wänden sich der Kosmos im zeitlosen kosmischen Erschaffungsprozess projiziert. Und aufgrund der Erkenntnis dieser Identität erlangt der Mensch in seinem Bewusstsein eine unveränderliche Basis, die zentrale Qualität des Kosmos, die sogar in der Auffassung der wesentlichen Existenz ihren Erreicher überzeugt, er sei der Zeit mit allen ihren samsarischen Veränderungen entgangen.

    Dies ist geistige Freiheit, nach der die Eingeweihten des buddhistischen Systems der geistigen Schulung streben und die sie auch erreichen. Es ist eine wahrhaft sachliche Freiheit, denn das ganze Wesen ihres Erreichers beteiligt sich an jener Beständigkeit, an der sich alle Brandungen des alles ändernden Prozesses der kosmischen Schöpfung zerschellen. Und die Schöpfung gipfelt in evidenter Sicherheit, daß es um einen für das ganze Leben des Menschen gültigen Zustand geht, ungeachtet dessen, ob der Mensch auf der physischen Ebene fortdauert oder mit Tod endet. Eben das ist der "feste Archimedische Punkt", man könnte sagen – der Punkt, der aus dem Menschen eine kosmische Region macht; der Mensch kann den "ersten Impuls" ungehindert benutzen, falls er schließt, es wäre besser individuell zu leben, als den "menschlichen Augen"durch die Realisation der von nichts abgegrenzten Ruhe zu verschwinden.

    Es ist nicht einfach dieses Ergebnis zu erreichen. Die durch die Außenwelt und ihren Faktoren bedingten und hervorgerufenen Impulse sind in ihrer Einwirkung auf den Sinn unermesslich subtil, daher ist es nötig, eine Schulung in Selbstbeherrschung und Überwindung aller aus eigenem Wesen hervorgehenden Verzückungen zu absolvieren. Es scheint zwar, daß diese Verzückungen ausschließlich aus eigenem Sein, unabhängig von allem entspringen, dennoch haben sie ihre Herkunft in der Wirkung der Außenwelt auf sowohl das Bewusstsein als auch das Unterbewusstsein, in der Wirkung, die Geschöpfe eben wegen ihrer strukturellen Verwandtschaft akzeptieren, die bedingt ist von seelischen Beziehungen zu ihrer Außenwelt.

    Man kann den Eindruck haben, daß sein seelisches Leben von der Außenwelt unabhängig ist. Aber hinter dem seelischen Leben, dessen Höhenpunkt eben das Bewusstsein ist, existiert ein psychisch empfindlicher Organismus, der unterbewusst auf die äußere Welt reagiert und mit ihr ein mächtiges Verwandtschaftsverhältnis anknüpft. So gestaltet sich unter der Bewusstseinsoberfläche eine Verwandtschaft des Menschen mit ausschließlich der Außenwelt; daher ist der Mensch nicht frei, sondern lebt immer in Beziehungen, die sein Schicksal bilden. Dieses Schicksal gibt ihm allerdings keine Möglichkeit sich dessen zu erwehren.

    In geistiger Lehre, ob einer mystischen oder yogischen, oder jedweder anderen, ist immer die grundsätzliche Voraussetzung, daß der Strebende aus eigenem Willen sein persönliches Bewusstsein unter das Niveau des Tagesbewusstseins, in den Bereich des Unterbewusstseins überführt. Erst in diesem Teil seiner Wesenheit wird er feststellen können, daß sein Verhalten, ja sein ganzes Leben, von den Anlässen beherrscht wird, die aus seiner Zellenverwandtschaft mit der übrigen Animalwelt resultieren. Auf dem unterbewussten Niveau kommuniziert er mit den Organismen der lebendigen Natur, die aus der Perspektive des mystischen Sehens nur eine amorphe Masse sind, die sich wie ein Meer der inneren Wesenheit verhält und auf der sichtbaren Ebene sich in einzelne psychische Individuen gliedert. Diese Individuen haben allerdings auch auf ihrer seelischen Ebene fast alles gemeinsam. Innere Bewegung eines Individuums wird in niedrigerem oder höherem Maße die Bewegung der Psyche aller, obwohl diese Bewegungen nicht ganz eindeutig sind - bei einem sind im Übergewicht ideale, bei einem anderen elementare Regungen.

    Dieses Meer der Geistigkeit ist daher das Samsara, aus dem sich nur derjenige befreien kann, der durch eine sorgfältige Diskriminierung einzelner psychischen Phänomene eben diejenigen zu eliminieren weiß, die sich wie Pulsationen der elementaren Animalität verhalten und vielmehr diejenigen behält, deren Tendenz eindeutig zur Liquidierung der Verwandtschaft mit allem führt, was an Neigungen zum animalischen Leben leidet. Aufgrund dieser psychisch-physischen Erfahrung ist vorauszusetzen, daß der Weg zur geistigen Befreiung, der immer ein Ideal der Religion war, strikt realistisch ist; dies zeigt sich auch in den Endergebnissen der Wanderung auf diesem Weg. Der Erreicher der gewollten Tendenzen beginnt nämlich in sich ein Gefühl der Freiheit als einen natürlichen Zustand zu tragen, ohne daß er sich irgendetwas einbildet.

    Durch das Erreichen dieses Zustandes gelangt man auch zur Erkenntnis von Qualitäten der Natur, die sich ebenfalls in Qualitäten gliedert; einige bilden die Materie, die zweiten die Geistigkeit (Psyche), und die dritten das Bewusstsein als eine Qualität, die im Kosmos eine Ordnung bildet, denn das Bewusstsein ist ein impulsgebender Faktor im ganzen Bereich der Schöpfung.

    Es ist sicherlich schwierig begreifbar, daß die kosmischen Sachen sich eben so und nicht anders verhalten. Wie immer der Mystiker die kosmischen Qualitäten mit seinem Bewusstsein durchgeht, gelangt er immer zur Feststellung, daß, falls er sich selbst für ein lebendiges Sein halten kann, muss er für ein solches Sein ebenfalls das ganze Weltall halten. Kann der Mystiker urteilen, daß der Kosmos ein nicht lebendiges, mechanisches Phänomen ist, so kann er auch sich selbst so ansehen. Und das eben ist die Relativität der Wirklichkeit. Alles kann für entweder lebendig oder mechanisch gehalten werden, denn außer dem Impuls ist alles Existierende ein Mechanismus, dessen Entwicklungswege durch das Ziel vorausbestimmt sind, das mit dem ersten Impuls oder einem dem ersten ähnlichen Impuls festgelegt ist.

    Es scheint, daß der Kosmos, als ein großes und lebendiges Wesen die Weltallrealität durch die Qualität seines Erstimpulses so vorausbestimmt hat, wie sie heute ist; dasselbe kann auch der Mensch bei sich selbst tun. Und im Impuls ist immer die Idee enthalten, die das Vorbild der letzten, eigentlich der höchsten, manifestierten Wirklichkeit ist.

    Diese Behauptung wird sicherlich vielen Leuten gewagt vorkommen. Ich rede allerdings über Erfahrungen eines Mystikers, der aus eigenem Interesse für die Lösung seiner eigenen persönlichen Probleme die Prozesse in seiner ganzen Psyche untersucht. Wenn er eine Analogie zwischen den Prozessen in seiner Psyche und den im Weltall auf der Ebene der seiner Psyche entsprechenden Qualitäten erkennt, bewertet er dann seine Erkenntnis als das Wissen.

    Auf den Ebenen niedriger als welche sein Seelenleben vom Bewusstsein bis zum Sinn darstellen, findet er diese Analogie nicht. Die Ursache liegt in der materiellen Verschiedenheit zwischen beiden Wirklichkeiten – nämlich zwischen seinem erlebenden Sein und den Gravitationsphänomenen des Universums. Die körperlichen Lebenssubstanzen sind ganz anders organisiert als materielle kosmische Gebilden. Erst auf der Ebene der physikalischen Phänomene oder Tatsachen finden die körperlichen Vitalitätssubstanzen eine Analogie in der Struktur. Das heißt, wenn der Mystiker sein Bewusstsein auf die Ebene der Energie verschiebt, erkennt er wieder die Identität seines Seins auf der entsprechenden Ebene mit energetischen kosmischen Phänomenen, aber er erkennt auch, daß die energetischen Erscheinungen im Weltall sich in funktioneller Hinsicht anders verhalten als in seinem Wesen.

    Energie als ein Spannungszustand ist jedoch derselben Natur, sowohl im Sein als auch im Kosmos. Der Mystiker sowie das Weltall können durch Steigerung oder Reduzierung der Spannung mannigfaltige energetische Ebenen erzeugen, die schon selbst in Sinneserscheinungen heranreifen. Und je nach Grad der in Frequenzen kategorisierten Spannung entstehen mannigfaltige Phänomene – in Größenordnung und Qualität mal höher mal niedriger, die an sich als solche auch durch Sinne erkennbar sind. Im Weltall entstehen Sonnen und ihre finsteren Satelliten, in menschlicher Welt wiederum Geistigkeiten, von denen manche Übergewicht des Bewusstseins und der Vernunft, wogegen andere Übergewicht der Emotionen und Elementartriebe, aufweisen.

    Von diesem Gesichtspunkt aus ist alles Schwingung, physikalische Erscheinungen, deren Abfall werdende Kategorien sind, die zum Fühlen und zu dessen Manifestationen gehören. Und diese sämtlichen Abfallerscheinungen werden in der Endphase zur Natur, in der die Naturkunde den Anfangspunkt der kosmischen Schöpfung sucht. Sie kann darin diesen Beginn nicht finden, denn sie untersucht Dinge, die in der Macht von Raum und Zeit sind, oder Dinge, die eine unaufhörliche Bewegung sind. Und die Bewegung selbst ist eine Gravitationsangelegenheit der sich herumwälzenden Schichten von Abfallvorgängen, die wir Natur nennen. In diesen Vorgängen kann man vielleicht das aufspüren, was die angewandte Wissenschaft sucht, niemals aber das, wonach die Entdeckungswissenschaft forscht, die nach Bestimmung von Allem strebt.

    Da aber auch die Entdeckungswissenschaft Instrumente aus Materialien, die mechanische Natur darstellen, verwendet, kann sie nie den Anbeginn von Allem finden. Dieser gehört nämlich in den Bereich hinter der Natur, den der richtig strebende Mystiker entdeckt, indem er sein Bewusstsein von differenzierten Inhalten und Wahrnehmungen befreit. Die Wissenschaft erhebt jedoch Anspruch auf die höchste Objektivität; auf dem Weg, dessen Anfang und Ende sie nicht kennt; sie untersucht jedes Sandkörnchen um den Anfang und das Ende dieses Weges in der Struktur dieses Körnchen zu entdecken. Kann sie vielleicht diese auf solche Weise entdecken?

    Das Weltall sowie das Sein manifestieren sich daher in zwei Positionen: in der horizontalen und der vertikalen. In der horizontalen Lage sind Tätigkeiten, in der vertikalen liegen Qualitäten. Diese Qualitäten können nur auf der Achse Y entdeckt werden, auf der man sich nur durch die Steigerung der energetischen Potentiale, d. h. der Spannungen weiterschieben kann. Aus der mystischen Perspektive wird mit durchschnittlicher Spannung, die der Organismus durch seine Geburt erhält, nichts anderes als Mechanismen des schöpferischen Prozesses entdeckt. Wird diese Spannung jedoch überdurchschnittlich, so finden dann die Schwingungen des Bewusstwerdens, die erhöhte Variationsfähigkeit des Bewusstseins repräsentieren, auf der Y-Achse neue Schichten von Existenzen, die nicht mehr naturwissenschaftlich in üblicher Auffassung sind. Und die Spannung kann man mehr und mehr steigern, bis die Schwingungen, die die Variationsfähigkeit des Bewusstseinswerdens repräsentieren, sogar ihre höchste Schichte auf der vertikalen Achse überschreiten. Dann wird man feststellen, daß unser Weltall ein gleiches Ganzes ist wie zum Beispiel die Erde selbst oder das Sonnensystem, welches auch in einem entsprechenden Milieu projiziert wird, das – wenn es als eine Umwelt von Weltall oder Galaxien gefasst wird – jener Anbeginn ist, der Phänomene produziert, oder auch ist es das Absolute, falls wir es als eine solche Wirklichkeit identifizieren können, die mit Schöpfungsprozessen nichts gemein hat. Und da im Sein dieses Absolute auch als sein Samenzentrum enthalten ist, kann der Mystiker es in seinem Selbstbewusstsein einfach so realisieren, daß er aus seinem Bewusstsein und Sinn deren differenzierte Inhalte ausscheidet.

    Hiermit ist also der Weg der Mystiker zur der hochwertigen Erkenntnis entworfen, die vom Charakter eine naturwissenschaftliche Erkenntnis ist. Von der Tragweite her ist allerdings die Erkenntnis der Mystiker höher, denn sie ermöglicht den hinter der Erschaffung existierenden Zustand, den Zustand der Leere oder auch des Absoluten zu erreichen, und diesen Zustand durch psychische Vorgänge zu realisieren, deren Zweck in Befreiung des Bewusstseins und des Sinnes von allen differenzierten Inhalten besteht. Diese Inhalte machen jedes Wissen beschränkt und unerreichbar. Sind das Bewusstsein und der Sinn von allen differenzierten Inhalten befreit, so führt dies zu Realisationen, deren Ergebnis eine evidente Feststellung ist, daß der Lebensprozess in seinen blinden Pulsen überwunden ist und statt dessen der Zustand der Freiheit verwirklicht worden ist, zunächst auf der Ebene des Bewusstseins und später auf der Ebene des gesamten Seins. Es ist einfach das Nirwana der Buddhisten, der Zustand der Abschaffung des Durstes nach dem Leben, das Entstehen der evidenten Erkenntnis, daß der Lebensprozess seinem Ende entgegengeht, das von keiner neuen aufzutauchenden Lust verletzbar ist.

    Es erhebt sich die Frage, ob die Wissenschaft ihr Ziel auch so weit wie in der endgültigen Beendung des Leidens des Seins sieht, im Aufhören der Lebenslust oder, im Gegenteil, in den Wonnen, die ein bloßes Gegenstück zum Leiden sind. Sollte in der Wissenschaft das letztgenannte gelten, so ist eine solche Wissenschaft nichts nütze, es sei denn, wenn wir das höchste Ziel im Erfinden von Waffen der allgemeinen Vernichtung sehen würden. Ich verdächtige die Wissenschaft, daß sie eigentlich nicht ganz klar weiß, welche der zwei Alternativen sie wählen soll, bzw. schon gewählt hat. Aber Befreiung von allem Kummer war vielleicht das erste der Ziele der Wissenschaft. Da auf dem Wege der Entdeckungen vorerst vernichtungsbringende Produkte erscheinen, muss dann die Wissenschaft, die vielleicht den ehrgeizigen Herrschern verantwortlich ist, logisch der Entwicklung von alles-vernichtenden Sachen dienen. Dann kommt es schon nur darauf an, ob der gute Menschengenius den Bösen besiegt und daher die eventuelle Vernichtung annullieren wird. Objektive Vorzeichen deuten auf die zweitgenannte Alternative leider nicht. Der Wahnsinn der Sehnsucht nach der unbeschränkten Macht paart sich nie mit dem gut denkenden Verstand; deshalb sind kleine Fehler möglich; hinter diesen gibt es schon nur die Vernichtung, zu der die Wissenschaft völlig beitragen wird.

    Was resultiert daraus? Das Leben der Gesellschaft ist in Aussicht nicht gut, wenn auf der ersten Stelle der Lebensaktivitäten Egoismus steht. Und die Sittlichkeit ist etwas, womit sich die Wissenschaft nicht zu befassen gedenkt. Deshalb eröffnet sich die Wissenschaft jedem Menschen. Hierdurch unterscheidet sie sich von der hochwertigen Mystik, die ihre Entdeckungen nur denjenigen brachte, die in ausreichendem Maße ihre sittliche Verantwortung, die aus der Sittlichkeit selbst hervorgeht, entfalteten. Heute nennt man es Albernheit oder sogar [mentale] Retardation. Die Fortschrittlichkeit dagegen soll bedeuten, wenn man mit einer zusammengestellten allvernichtenden Bombe so lange zu Boden schlägt, bis sie explodiert. Erst diese Detonation bringt eine Erfahrung hervor. Wird aber diese Erfahrung zu nutzen sein? Wir wissen von untergegangenen Zivilisationen und können daraus ableiten, ob sie wegen übermäßiger Weisheit oder infolge der Ruchlosigkeit deren, die ihnen herrschten, untergingen. Sie – und das können wir glauben – waren nicht klüger als wir. Sie litten auch unter Ambitionen, die zum Schluss jene Zivilisationen vernichtet haben. Und die Geschichten wiederholen sich! Das freiheitsbringende Wissen räumt immer der "Wissenschaft" das Feld, und die Wissenschaft wird sich schon zu beweisen einsetzen, daß alles Lebendige nur ein Naturmechanismus sei, der auch Charakter der "natürlichen Zuchtwahl der Subspezies" haben solle. Aber das ist schon eine Wissenschaft, die sich auf dem Wege ohne merklichen Anfang und Ende mit der Analyse von Struktur und Beziehungen jedes einzelnen Sandkornes befasst, um nur den Anfang dieses Weges schließlich in der Struktur dieses Körnchens zu entdecken. Eine sehr ehrwürdige "Wissenschaft", nicht wahr?

    Nun schließen wir schon dieses Thema. Die Mystik ist ebenfalls eine Wissenschaft, denn der evidente Zustand der Erlösung ist nicht anders zu erreichen als durch die Anwendung der Psychologie. Man muss ein System entdecken, das im Ausscheiden unerwünschter Geisteszustände besteht, um dadurch Voraussetzungen für die Entstehung und Entfaltung des Zustandes hinter der Natur zu schaffen, wo das Bewusstsein des Individuums angezündet wird. Dann muss man schon ein vernünftiges Vorgehen antreten, damit die selbsttätige Aktivität, die den Menschen jederzeit befallen kann, kein Samsaro mehr, sondern einen Weg zum unzerstörbaren Gefühl absoluter Unabhängigkeit, erzeugt. Diese wohl evidierte Unabhängigkeit ist das mystische Ziel, das jeder Einzelne für sich selbst realisieren muss; ein mühelos gewonnenes Ziel würde sein Gewicht als Gegensatz zu den bisherigen Plagen, die jeden Menschen heimsuchen, verlieren.

    Es ist absolut unsinnig von der Wissenschaft zu verlangen, nur dann die Wissenschaft zu sein, wenn es ihr gelingt, alle Phänomene auf mechanische Prozesse und Kundgebungen zu reduzieren. Die Mechanik im Naturgeschehen ist doch nur eine Bewegung, die zu einem Unsinn wird, wenn wir sie nicht nach etwas, was keine Bewegung ist, messen können. Dies ist schon längst in der Experimentalpsychologie, die keine Mystik ist, begriffen worden. Die praktische Folge dessen ist ein Lehrsatz über die Unerlässlichkeit der Einstellung der Geistestätigkeit, was ein jeder allein und für sich selbst durchführen muss.

    Nur durch die Einstellung der Geistestätigkeit gelangt das ganze Wesen zum Standpunkt der "Nicht-Bewegung", die zur Basis für das Wissen wird, sobald bei diesem Zustand das klare wahrnehmende Bewusstsein, d. h. die Wachsamkeit, eingehalten wird. Wachsamkeit und "Nicht-Bewegung" sind zwar Gegensätze, aber auf der psychischen Basis lassen sie sich vereinigen. Man darf die seelische "Nicht-Bewegung" mit Verlust der Wachsamkeit nicht verwechseln, was eigentlich natürlicher erscheint als absolute Seelenruhe die mit Wachsamkeit begleitet wird. Das Bewusstsein ist nämlich eine Komponente des Seins, die ihre Funktion nur insoweit ausübt, als sie nicht nur dem Erlebnisgewoge von Gefühl und Sinn verfolgt. In dem Falle wird nämlich das Bewusstsein zum Beobachter, der sogar die feinsten Regungen zu identifizieren weiß, die sich auf dem Spiegel der psychischen Wesenheit abspielen. Diese Wesenheit – wie die praktische mystische Erforschung zeigen wird – ist keine "Sache an und für sich". Sie ist bloß das persönliche Bewusstsein, ein ausgeprägtes Phänomen, in Wirklichkeit ein physikalischer Bestandteil des Universums. Aus dem Grunde ist eine vollkommene Analyse aller Geistesprozesse der Existenz eine wissenschaftliche Untersuchung der Natur auf der Ebene der physikalischen Vorgänge, ein Weg zur Erkenntnis des Kosmos in seinem schöpferischen Kern. Dieser Weg führt dann die Mystiker zur Realisation des Zustandes der absoluten persönlichen Freiheit, die gleichzeitig einen Sieg über der Natur, die Unterwerfung ihrer natürlichen Macht über allem Lebenden und über alledem, das eine Bewegung ist, bedeutet.