Wie steht es also heute um die Fortsetzung der lebendigen Lehre?

Zu Ende seines Lebens, nach misslungenen Versuchen die Lehre zu übertragen, flammte Kvetoslav Minarik doch nur ein Hoffnungsstrahl auf die erfolgreiche Fortsetzung seiner Lehre in einer Erbfolge auf. Er schreibt:

    Mein Leben ist allerdings nicht nur lauter Schatten. Während der vergangenen Zeit war einer derjenigen, die zu mir für Ratschläge auf dem mystischen Weg kamen, doch nur von einem tieferen Verhältnis zu der Sache beseelt. Daraus schließe ich, er könnte der Erbe der Tradition zu seinem Wohl sowie zum Gemeinnutz werden. Übertragungen sind jedoch hinsichtlich meiner Altersreife schwieriger, insbesondere, wenn gegen sie drückende Atmosphäre von Verhältnissen in unserem Staat hinwirkt. Daher wird alles viel langsamer weitergehen als es gehen könnte, aber ich denke, die Aufrichtigkeit seinerseits wird helfen den Widerstand übersteigen. Übrigens kann geistige Erbfolge nur stufenweise vonstatten, und diese Tatsache macht mich ruhig, denn ich habe mich gewöhnt in längeren Zeitabständen nachzudenken, als welche das Leben von meiner Wiege bis zu meinem Grabe bietet. Außerdem weiß ich, die Macht der Mentalformation verschwindet nicht mit der Zeit, sondern nur durch ungelegene Bedingungen.

    Sollte die Übertragung, d.h. die Abgabe der Erbfolge, doch gelingen, würde ich es als vollständigen Erfolg in "meinem Yoga" ansehen, denn ich habe schon früher die Lehre durch meine literarischen Werke abgegeben. Ob die Übertragung gut sichtbar oder gar nicht offensichtlich erfolgt, liegt es nicht allzu viel daran, denn mich bedrückte das Problem der Tendenzen in der Welt, nicht das Problem der unmittelbaren Ereignisse. Diese sind nämlich nur von den Tendenzen vorbereitet worden. Mit anderen Worten: Die jetzige Situation in der Welt ist ein Resultat der Tendenzen, die eine Gruppe der Leute gebildet und eine andere als Lebensanschauungen und Richtlinien angenommen hatte. Alle Plagen, Elend, Krieg, Niedertreten menschlicher Würde, Diktatur die sich in alle Falten des privaten und öffentlichen Lebens hineinmischt – das alles sind, meine Leute, nur eure geistigen Kinder. Ihr, oder alle eure Vorfahren, trugt zuerst das Bösen im Sinn, dann im Herzen und jetzt lebt ihr in diesem Übel in geläufigem Lebensprozess. Wäre es daher nicht nützlich euer Augenmerk an den scheinbaren Riesen der Lebensrealitäten zu wenden aufzuhören und eure Aufmerksamkeit den scheinschwachen Kindern, nämlich den Gedanken und dem Fühlen, zu widmen, aus denen sich diese scheinbaren Riesen entwickeln?